Seit 175 Jahren werden in einer Fabrik in Görlitz (Sachsen) Schienenfahrzeuge hergestellt. Doch damit soll 2026 endgültig Schluss sein. Der jetzige Eigentümer, der französische Konzern Alstom, will die Produktion ins Ausland verlegen, um wieder mehr Profit zu machen. Die Arbeiter hatten auf Urlaubsgeld und einen Teil ihrer betrieblichen Altersrente verzichtet, um einen Stellenabbau zu verhindern. Doch Verzicht hatte wieder einmal nichts genützt.
Unter tätiger Mitwirkung der Bundesregierung übernimmt nun ein anderer Konzern die Fabrik und die Hälfte der Belegschaft, der Panzerbauer KNDS, ein Zusammenschluss der Münchner Rüstungsschmiede Krauss-Maffei-Wegmann und der französischen Nexter. Statt solch nützlichen Dingen wie Zugwaggons und Straßenbahnen, die in diesem Lande an allen Ecken und Enden fehlen, sollen die Kolleginnen und Kollegen ab 2026 nun Panzerteile zusammenbauen. Statt mit ihrer Arbeit dazu beizutragen, endlich ein für Mensch und Natur sinnvolles öffentliches Verkehrssystem zu errichten, sollen sie zukünftig Dinge herstellen, die nur dazu dienen zu zerstören und zerstört zu werden. Viele sind darüber nicht glücklich, wie der Betriebsrat berichtet, doch gäbe es in der Region nicht mehr viele Arbeitsplätze, da seien sie doch froh, überhaupt noch einen Job zu haben. „Wir hatten die Textilindustrie, wir hatten Bergbau, wie hatten Energie – alles weg“ berichtet er. (Süddeutsche Zeitung 6.2.2025)
Noch-Bundeskanzler Scholz ficht das nicht an. „Mit diesem Tag beginnt ein neues Kapital“ verkündet er stolz am Tag der Vertragsunterzeichnung. Ein solch neues Kapitel sehen inzwischen auch Wirtschaftsberater, die in der geplanten schwindelerregenden Aufrüstung vor allem die „erheblichen Einkommens- und Wertschöpfungseffekte“ der Rüstungsproduktion vorhersagen. (Süddeutsche Zeitung 22./23.2. 2025)
Produktion für die Zerstörung statt für eine immer bessere Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse, das ist offensichtlich die Zukunft, die die Herren der Fabriken und ihr politisches Personal, ihre Berater und Institute noch zu bieten haben.
gr