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Die deutsche Bourgeoisie[1]

Ihr entsetzt euch darüber, daß wir das Privateigentum aufheben wollen, aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben: es existiert dadurch, daß es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, daß wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt. Ihr werft uns also mit einem Wort vor, daß wir euer Eigentum aufheben wollen. Allerdings, das wollen wir.” (K. Marx/F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW Bd.4, S.477)

Die Wirklichkeit der westdeutschen Gesellschaft vor Beginn des 21.Jahrhunderts zeigt das Ergebnis von 150 Jahren kapitalistischer Entwicklung: Die Kapitalistenklasse ist von einem Zehntel der Erwerbsbevölkerung auf fast ein Hundertstel geschrumpft. Denn nur ca. 1,5% der Erwerbsbevölkerung sind Kapitalisten, daß heißt ca. 500.000. Sie beziehen als Lebensunterhalt Profit, das heißt sie leben und vergrößern ihren Reichtum durch die Ausbeutung anderer Leute.

Kapital ist ein gesellschaftliches Verhältnis

Bevor wir nun diese 1,5% näher betrachten, soll verdeutlicht werden, was kapitalistisches Eigentum, also Kapital, grundsätzlich darstellt. Wesentlich ist, daß Kapital nicht in erster Linie Summen, Beträge und Eigentumstitel ist, Kapital bedeutet zunächst ein gesellschaftliches Verhältnis. Ein Verhältnis von Besitzenden einerseits und Besitzlosen andererseits, letztere können nur ihre Arbeitskraft zum Verkauf anbieten. Nur durch den Verkauf der Arbeitskraft, die mehr Wert schaffen kann als ihr Erhalt kostet, wird das Kapital mit Leben erfüllt, erst durch dieses Verhältnis der kapitalistischen Lohnarbeit entfaltet es seine scheinbar wundersame Kraft der Vermehrung. Unfug sind deshalb auch alle Ideen, man könne – die entsprechenden Machtverhältnisse vorausgesetzt – das Kapital einfach hernehmen, unter den Besitzlosen verteilen, und alle hätten ausreichendes Vermögen. Erforderlich ist die Aufhebung des kapitalistischen Verhältnisses der Lohnarbeit, denn nur durch dieses wird das Kapital zu dem, was es ist, riesige Vermögenswerte einer Menschengruppe, der Bourgeoisie.

Kapital kann in verschiedenen Formen angelegt werden. Unabhängig davon, wie zum Beispiel die Banken ihre „Produkte“ bezeichnen, bestehen die Kapitalanlagen im wesentlichen aus den drei Grundformen: Eigentum an Produktionsmitteln und anderen Firmenanteilen, Eigentum an Grund und Boden und Immobilien, sowie Forderungen und Schuldrechte (Sparguthaben, Eigentum an verzinslichen Wertpapieren, Staatsanleihen etc.). Zusammengerechnet machen diese drei Kapitalformen (Firmen, Immobilien und Forderungen) in der BRD zur Zeit ca. DM 15 Billionen aus (in Zahlen: 15.000.000.000.000 DM oder 15.000 Milliarden DM). Aber das Kapital ist Teil eines gesellschaftlichen Verhältnisses und nur auf diesem Hintergrund ergibt sich die Bestimmbarkeit. Denn eine Maschine kann noch so teuer gewesen sein, ohne daß sie bedient wird und Waren entstehen, die verkauft werden können, findet auch keine Wertübertragung von der Maschine auf die Waren statt, und das zum Erwerb eingesetzte Kapital wird vernichtet. Auch die Gläubiger des Staates, die ihr Kapital demselben leihen (Bundeswertpapiere), brauchen die Ausbeutung der Lohnarbeit. Nur wenn das gesellschaftliche Verhältnis fortbesteht, kann ein Teil für Steuereinnahmen abgeschöpft werden, aus denen dann die Zinsen gezahlt werden. Die Zukunftserwartung auf den Fortbestand der Ausbeutung vereint alle Kapitaleigentümer, auch wenn sie sich dessen nicht bewußt sein sollten und ihre konkreten Erwartungen in die Zukunft stark unterschiedlich sind.

* Anders als bei der Arbeiterklasse oder den Zwischenschichten kann man nicht von der westdeutschen Bourgeoisie sprechen. Denn nach 1945 versammelte sich in Westdeutschland alles, was bis dahin in Deutschland als Kapitalist Rang und Namen hatte, hier konzentrierte sich im wesentlichen die deutsche Bourgeoisie. Von hier aus bekämpfte sie die DDR, besiegte sie schließlich und verleibte sie sich wieder ein.

Der Produktionskapitalist kauft eine Maschine und erwartet, daß die damit produzierten Waren künftig zu einem für ihn gewinnbringenden Preis abgesetzt werden können.

Der Vermieter setzt darauf, daß auch künftig ein Mieter da ist, der das Haus nutzen will und Miete bezahlt, bzw. bezahlen kann.

Der Bundesschatzbriefbesitzer und die anderen Staatsgläubiger setzen auf den Staat, sie erwarten auch morgen noch ausreichende Steueraufkommen.

Die Bank vergibt Kredit, sie erwartet die Rückzahlung des Kredites und der Zinsen.

Der Aktionär setzt ebenfalls auf künftigen Gewinn, er wählt sorgfältig aus, wo für ihn günstige Entwicklungen sein könnten. Er erwartet gewinnbringenden Warenabsatz, ertragreiche Banken und Versicherungen oder andere günstige Umstände.

Alle setzen in die Zukunft, Vermögenswerte sind im Kapitalismus – wenn man so möchte: „angesaugte Zukunft“. Kapitalistische Vermögenswerte sind und bleiben nur Kapital, solange die kapitalistische Lohnarbeit, das gesellschaftliche Verhältnis Kapital, fortbesteht und funktioniert.

Die heutige Bourgeoisie und ihre Herkunft

Somit zurück zu den 500.000 Kapitalisten. Sie zusammen sind die besitzende und bestimmende Klasse, sie sind die Bourgeoisie! Sie beherrschen die Wirtschaft der BRD und damit diesen Staat, sie bestimmen, was, wieviel und wie produziert wird. Sie bestimmen, welche Fabrik errichtet und welches Geschäft geschlossen wird, wer entlassen oder eingestellt wird. Als Klasse bestimmen diese 500.000, diese Klasse hat gemeinsame Interessen, diese Klasse lebt von der Ausbeutung unserer Arbeitskraft. Aber diese Klasse ist nicht einheitlich und in dieser Klasse sind bei weitem nicht alle gleich vermögend oder gleich mächtig, da gibt es große Unterschiede. Und sie kämpfen nicht nur gegen die Arbeiterklasse, sie kämpfen auch gegeneinander. Sie müssen gegeneinander kämpfen, weil die Märkte verteilt und aufgeteilt sind, weil sie mehr produzieren, als sie absetzen können.

Sie müssen hart kämpfen um jeden Zentimeter, um Absatzmärkte, Rohstoffquellen und Verwertungsmöglichkeiten. Sie können neue Marktanteile nur noch gewinnen zu Lasten von Konkurrenten, sie können auf Dauer nur billiger anbieten, wenn sie billiger produzieren als die Konkurrenz, wenn sie schneller modernere Maschinen entwickeln. Was der eine gewinnt, verliert der andere. Je härter dieser Kampf wird, desto mehr Kapitalisten gehen unter und verschwinden und desto größer und mächtiger sind diejenigen, die auf der Gewinnerseite stehen.

Es ist leicht erkennbar, daß die vorgenannten Entwicklungen dazu führen, daß der wirklich mächtige, bestimmende Teil unserer Bourgeoisie von 500.000 Personen sehr klein ist. Die wirkliche, zentrale Macht besitzen also nur ganz wenige, denn um dazu zu gehören, muß man eine sehr große Kapitalkonzentration dirigieren. Ganz wenige verfügen somit über das Kapital und üben die Macht aus, entscheiden, wohin die kleineren Kapitalisten und das Proletariat zu marschieren haben. Wir müssen die kleineren Kapitalisten deshalb weder bemitleiden, noch schützen: Denn es geht ihnen allemal besser als uns und selbst nach dem Untergang ihres Ladens haben sie nicht selten noch einen geruhsamen Lebensabend. Des weiteren sind sie natürlich – auch wenn sie kleiner sind –­ weiterhin unsere Ausbeuter und Unterdrücker und müssen so behandelt werden. Wenn wir den Kampf nur gegen „die Großen“ aufnehmen und somit möglicherweise sogar im Interesse der kleineren Kapitalisten handeln, führt dies nicht zur Aufhebung der kapitalistischen Lohnarbeit, denn dieses Verhältnis ist auch nicht erst mit der Bildung von Monopolen entstanden. Aber wir müssen wissen, daß die Bourgeoisie verschiedene Teile hat und daß ein kleiner Teil der genannten 500.000 die wesentliche Macht konzentriert hält. Es dreht sich dabei um ganz wenige Kapitalmagnaten und Unternehmen, die sich nicht ganz zufällig vorwiegend im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts herausgebildet haben.

Der Beginn der Industrialisierung in Deutschland liegt schon früher. Krupp etwa schreibt als Gründungsjahr das Jahr 1811. Eine große Industrialisierungswelle setzt in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Siemens nennt 1847 als Gründungs­datum.

Richtig Schwung aber kam in die Sache, als 1871 das Deutsche Reich gegründet wurde und mit den von Frankreich abgepreßten Kriegstributen in Höhe von fünf Milliarden Goldfrancs ein Gründerboom von Unternehmen einsetzte.

In diese Zeit fällt die Gründung der derzeit größten Bank der Welt: der Deutschen Bank AG, an deren Wiege im Jahr 1870 wiederum ein Herr aus Industriekreisen stand: Georg von Siemens. Dieses enge Verhältnis von Bank und Industrie wird eines der wesentlichen „Markenzei­chen” der ökonomischen und politischen Entwicklung in Deutschland werden.

Die in der Tabelle auf Seite 21 aufgeführten Monopole stellen heute das Rückgrat des deutschen Finanzkapitals dar (Finanzkapital nach Lenin: Das mit dem Bankkapital verschmolzene Industriekapital). Viele einst berühmte Firmen erscheinen in dieser Liste nicht mehr, weil sie im Zuge von Übernahmen und Zusammenschlüssen aufgelöst wurden. So hat Daimler die AEG aufgekauft und gelöscht. Die Touristikbranche ist nicht aufgeführt, weil die Großen dieser Branche wie LTU, TUI, Hapag Lloyd sich zwischenzeitlich unter dem Dach des Mischkonzerns Preussag wiedergefunden haben. Preussag hat somit annähernde Monopolstellung in der deutschen Tourismusbranche, die ursprüngliche Produktionstätigkeit ist nur noch ein Bereich neben anderen.

Eigentümer und Dirigenten

Große und bedeutende Unternehmen, die sich vielfach noch in Besitz der Gründerfamilien befinden und mit Sprößlingen der Familie in der Konzernleitung beglückt sind, sind ebenfalls nicht in unserer Liste aufgeführt. Unternehmen, wo Eigentum und Management noch in einer Person oder zumindest Familie vereint waren, waren für die erste Phase der Industrialisierung typisch, hinsichtlich der herrschenden Großkonzerne (Monopole) stellen sie eher einen „überholten Typus“ dar. Nicht selten wird in diesem Zusammenhang argumentiert, daß heute nicht mehr von Kapitalismus und Bourgeoisie gesprochen werden könne, weil die Eigentümer gar nicht mehr selbst in den Betrieben handelnde Manager sind. Gerade in den großen Konzernen und Aktiengesellschaften ist diese Trennung klar erkennbar. Die Tatsache, daß diese Manager hochbezahlte Angestellte und nicht Eigentümer sind, ändert jedoch nichts daran, daß die Eigentümer fremde Arbeitskraft ausbeuten. Die Manager, die ihre Funktion im Auftrag der Eigentümer ausüben, bezeichnet Marx zutreffend als „Dirigenten vom Kapitaleigentum“. Im Zuge der kapitalistischen Entwicklung – insbesondere der Bildung von Aktiengesellschaften – erfolgte somit die „Verwandlung des wirklich fungierenden Kapitalisten in einen bloßen Dirigenten, ...“ (Das Kapital, 3.Band, MEW 25, Seite 452/3). Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wie z.B. den Kirch-Medienkonzern oder eine der größten Handelsgesellschaften Europas, die „Metro-Gruppe“, wo der Mehrheitseigentümer Otto Beisheim auch weiterhin das Geschäft führt.

Die Verwandlung des fungierenden Kapitalisten in einen Dirigenten (handelnd im Auftrag des Eigentümers) auf der einen Seite, führt auf der anderen dazu, daß der Eigentümer immer mehr zu einem (Groß)anleger wird. Die ehemals fungierenden Kapitalisten, oder häufiger noch ihre Kinder und anderen Nachkommen ziehen sich schrittweise (nicht selten über Jahrzehnte hinweg) aus der unmittelbaren Leitung zurück. Der Lebensinhalt der Erben ist es – jedenfalls solange es die Arbeiterklasse erträgt –, dicke, fette Rentiers zu werden, mal trübe, mal schillernde Nichtsnutze, die unter der schweren Last ächzen, immer wieder entscheiden zu müssen, ob sie ihr Geld in Aktien, Immobilien oder Zinspapieren anlegen. Als ein kleiner Ausschnitt seien hier nur beispielhaft genannt: Freudenberg, Voith, Liebherr, Merck, Werhahn, Brenninkmeyer, Benckiser, Würth, Rodenstock, Schörghuber.

Im Gegensatz zu manch anderen Ländern (z.B. den USA) sind die Mitglieder dieses „Clubs der Milliardäre“ in Deutschland nur zu einem kleineren Teil bekannt. Es ist bewußtes Ziel und Methode, daß ihre Namen, Adressen und Gesichter möglichst nicht erkannt und bekannt werden. Es ist deshalb nur teilweise möglich zu benennen, wer große Anteile an den oben genannten Konzernen besitzt. Bei den kleineren Kapitalisten des sogenannten Mittelstandes ist es oft anders, nicht selten sind diese vor Ort tätig und bekannt. Aber ansonsten herrscht selbst bei der anonymen Gesamtsumme des Besitzes der Kapitalistenklasse viel Nebel. Das Statistische Bundesamt zählt zwar jede produzierte Glühbirne, veröffentlicht aber nur Vermögensstatistiken, bei denen die reichsten 0,5% der Bevölkerung herausgerechnet sind. Verstärkt wird diese Verschleierung noch durch sogenannte Vermögensholdings, Beteiligungsgesellschaften oder Stiftungen. Diese Firmen besitzen große Aktienpakete und es ist oft nicht bekannt, wem die Beteiligungsfirmen gehören. Bei Stiftungen denkt man im allgemeinen an gemeinnützige Ziele und Wohltätigkeit, was ein großer Irrtum ist. Es gibt bedeutende Stiftungen, deren ausschließliches Ziel die Versorgung einer mehr oder weniger großen Familie mit ausreichendem Gewinn ist, so sind z.B. C&A, Lidl, Aldi, Bertelsmann und künftig auch Kirch mehrheitlich im Besitz solcher Stiftungen. Die Familienstiftung des Max Grundig erhält beispielsweise bis 2004 eine Garantiedividende von DM 50 Millionen jährlich aus dem Grundig-Konzern. Die Stiftungskonstruktionen führen gleichzeitig dazu, daß die Mehrheitsverhältnis so bleiben, wie sie sind, also ein Schutz vor sogenannten feindlichen Übernahmen besteht. Denn Stiftungskapital kann man nicht handeln.

Namen, Gesichter und Adressen:

Aber man kann durchaus einige Kapitalisten der BRD mit Namen und Anteil nennen, das wollen wir an dieser Stelle tun, wie nebenstehende Tabelle zeigt.

Dies als einen kleinen Einblick in den öffentlich bekannten Teil des Clubs der Milliardäre mit Eigentümern 24 großer deutscher Konzerne. Bereits hier sehen wir einige Querverbindungen (zum Beispiel Haniel und Metro). Und das läßt ahnen, was diese Leute neben ihrer jeweiligen „Stammfirma“ noch so alles besitzen und wo sie überall mitreden...

Gibt es noch „deutsches“ Kapital?

Insbesondere im Zusammenhang mit der Debatte um „Globalisierung“ wird oft behauptet, daß das Kapital mittlerweile vollständig international verflochten sei und wir es somit nicht mehr mit einer ausdrücklich deutschen Bourgeoisie zu tun hätten. Da die Kapitalisten ihr Kapital in drei Hauptformen anlegen, wollen wir diese (Immobilien, Firmenbesitz und verzinsliche Forderungen) nacheinander betrachten.

Im Bereich der Immobilien ist es eindeutig: dieser nach allgemeiner Meinung bodenständigste und angeblich sicherste Kapitalbereich ist schon aufgrund der vielen Häuslebauer „fest in deutscher Hand“.

Bei dem größten Posten der Forderungen (Sparguthaben, verzinsliche Wertpapiere), der Staatsschuld, ist die Situation so, daß nach den Daten der Bundesbank ein Drittel dieser Wertpapiere ausländischen Gläubigern gehört. Dazu muß berücksichtigt werden, daß die vor der Steuer hinterzogenen Gelder in Luxemburg deutsche Eigentümer haben, die diese auch wieder in Deutschland anlegen, die Gelder aber in der Statistik als ausländisches Kapital gezählt werden (weil aus Luxemburg kommend). Bereinigt man die Zahlen um diesen Effekt, dann sind schätzungsweise 80% der deutschen Zinspapiere in Händen deutscher Kapitalisten, Banken und Versicherungen, ein kleinerer Teil gehört auch Kleinsparern.

Bliebe als drittes im Rahmen der genannte Frage der wichtigste Teil, das Firmenkapital, die großen und herrschenden Aktiengesellschaften zu betrachten. Nach der Deutschen Bundesbank (Stand Januar 1997) waren zu diesem Zeitpunkt 8,7% aller in Deutschland börsengehandelten, inländischen Aktien im Besitz ausländischer Kapitalisten und Unternehmen. Über 90% der börsengehandelten Aktien sind somit in deutscher Hand.

Wie der „Wirtschaftswoche“ vom 14.01.99 zu entnehmen ist, sind 93% der Aufsichtsratsmitglieder in deutschen Aktiengesellschaften Staatsangehörige der BRD. Dies ist insbesondere deswegen bemerkenswert, weil in den Aufsichtsräten die Eigentümer, bzw. ihre Vertreter die Plätze einnehmen. Nebenbei wird bemerkt, daß von diesen 93% nur 12% jemals beruflich länger als 6 Monate im Ausland waren.

Gemäß der FAZ waren 1997 unter den 25 größten Industrieunternehmen in der BRD nur drei, die mehrheitlich in ausländischer Hand sind, nämlich auf den Plätzen 14 Opel (General Motors), 15 Ford und 25 Shell. Die größeren Unternehmen mit ausländischer Eigentümermehrheit sind fast ausschließlich „Niederlassungen“ ausländischer Konzerne, deren Entscheidungszentrale sich in den USA oder Großbritannien befindet, die Zentrale ist im Gegensatz zu den deutschen Konzernen nicht in der BRD. Es sind also keine Unternehmen, wo sich die ausländischen Kapitalisten durch „feindliche Übernahme“ die Macht verschafft haben. Sie haben jeweils einen – wenn auch teilweise größenmäßig sehr beachtlichen – „Stützpunkt“ errichtet. Die erste Ausnahme auf der FAZ-Liste als ehemals deutscher Konzern mit jetzt überwiegend ausländischen Eigentümern ist auf Platz 51 deutscher Industrieunternehmen die Adidas AG. Bemerkenswert ist noch die Schwäche der japanischen Monopole in der BRD, denn unter den ersten 100 Industrieunternehmen findet sich nicht eines in mehrheitlich japanischem Besitz.

Bei den mächtigsten Teilen des Kapitals, den Banken, Versicherungen und Handelskonzernen, ist das Bild ähnlich. Unter den Kreditinstituten findet sich unter den 25 größten auf dem 25. Platz die französische BHF-Bank, unter den 25 größten Handelskonzernen der BRD ist kein ausländischer Konzern. Die Metro-Zentrale befindet sich zwar in der Schweiz, gehört jedoch deutschen Eigentümern und wird von Otto Beisheim, deutscher Staatsangehöriger und ehemaliges Mitglied der SS-Leibstandarte Adolf Hitler, geführt. Eine gewisse Abweichung von den anderen Bereichen ist bei den 25 größten Versicherungen zu verzeichnen, hier sind insgesamt vier mehrheitlich in ausländischem Eigentum (Plätze: 3, 5, 13 und 19). Wobei die Übergabe der drittgrößten Versicherung Aachener und Münchener an die italienische Generali das Gegengeschäft zur Expansion der Allianz nach Frankreich, die Übernahme der dortigen größten Versicherung AGF war.

Der Sonderfall Daimler-Chrysler

Ein bei erstem Hinsehen gemischter Konzern ist die neue Daimler-Chrysler AG, die ehemalige Daimler Benz AG, die mit dem amerikanischen Chrysler-Konzern fusioniert hat. Doch was hat unsere Bourgeoisie da genau gemacht, hat sie wirklich fusioniert und die Hälfte der Macht und des Profits geteilt? Es ist grundsätzlich denkbar, denn Kapitalisten schließen immer wieder Bündnisse, die mehr oder weniger lang bestehen, das gehört zu ihrem Geschäft. Aber nicht ausgerechnet bei Daimler und nicht mit dieser deutschen Bourgeoisie. Es wird sich bald herausstellen, wer wen übernommen hat und die Übermacht gewinnt. Dazu einige Eckpunkte:

Die Daimler-Chrysler AG ist in Stuttgart angesiedelt. Der ehemalige Chrysler-Chef Eaton bemerkt dazu etwas ausweichend: „Die Entscheidung ... sei vor allem aus zwei Gründen gefallen: ...Deutschland [habe sich] wegen der für diese Konstellation attraktivsten Steuersituation und wegen der rechtlichen Schwierigkeit, ein deutsches Unternehmen auf ein amerikanisches zu fusionieren, als bester Standort herausgestellt.“ Die Zentrale des neuen Konzerns ist Stuttgart, die Doppelspitze der früheren Vorstandsvorsitzenden Schrempp (Daimler) und Eaton (Chrysler) ist von vornherein auf 2 Jahre befristet, dann wird Schrempp alleiniger Chef. Die ehemaligen Daimler-Aktionäre besitzen zwei Drittel der Daimler-Chrysler-Aktien, die ehemaligen Chrysler-Aktionäre ein Drittel. So ist die Deutsche Bank als bisher größte Einzelaktionärin von Daimler mit jetzt 13% auch wieder größte Einzelaktionärin von Daimler-Chrysler. Der juristisch deutsche Konzern ist komplett nach deutschem Recht strukturiert (inklusive der Mitbestimmung auf Konzernebene), im neuen Aufsichtsrat sitzen 13 Deutsche, und sieben Mitglieder aus USA, Kanada und Großbritannien. Auch symbolisch wird sich Daimler durchsetzen. Während der Mercedes-Stern weiter besteht, wird das bekannte Chrysler-Markenlogo demnächst durch ein neues ersetzt werden.

Eine weitere Größe bei der Betrachtung der Frage sind die Direktinvestitionen im Ausland, bzw. in Deutschland, also der grenzüberschreitende Transfer von direkt zum Erwerb von Produktionsmitteln, Anlagen, Fabrikgebäuden etc. eingesetztem Kapital. Die Deutsche Bundesbank erfaßt auch hier die Beträge sehr genau und veröffentlichte im August 1997 Zahlen für den Zeitraum von 1984 bis 1996. Daraus ergibt sich in diesen 12 Jahren ein Kapitalexport für Direktinvestitionen von insgesamt 229 Milliarden DM aus der BRD in das Ausland, wohingegen im gleichen Zeitraum nur 60 DM Milliarden Kapital importiert wurden. Der Export deutschen Kapitals (und damit die Ausweitung seiner Macht im Ausland) ist ein Mehrfaches von dem nach Deutschland fließenden Kapital. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Privatisierung des ehemaligen DDR-Volksvermögens durch die Treuhand interessant. Auch in diesem Zeitraum der Treuhand-Privatisierung gab es keinen erhöhten Kapitalimport, oder anders ausgedrückt: Auch die interessanten Teile der DDR-Wirtschaft haben – von Ausnahmen abgesehen – die westdeutschen Kapitalisten unter sich aufgeteilt oder zerschlagen.

Es ist also festzustellen, daß die Bourgeoisie der BRD unverändert national geprägt und orientiert ist. Der angeblich so schlechte „Standort Deutschland“ gefällt ihnen so gut, daß sie ihr Kapital nach wie vor überwiegend hier belassen, und sie lassen auch nur ungern ausländisches Kapital hier hinein. Das sagen sie natürlich nicht so direkt und in einem gewissen Maß können sie es den anderen auch nicht verweigern (schließlich will man selbst in viel größerem Umfang in deren Ländern tätig werden), aber auf die entscheidenden Hebel der Macht achten sie sehr genau, die bleiben in ihrer Hand.

Stachel im Fleisch

Und deshalb sind ihnen die Großunternehmen in ausländischem Eigentum in Deutschland auch weiterhin ein Dorn im Auge. Der flächendeckende Shell-Boykott 1995 im Zusammenhang mit der Bohrinsel „Brent Spar“, hat das plastisch verdeutlicht. Oder wollte man behaupten, daß sie ihr Herz für die Umwelt entdeckt hatten? Es waren wohl doch mehr die Ziele der deutschen Ölkonzerne Veba und RWE, gerichtet gegen ihren Konkurrenten.

Weitere Beispiele von Großunternehmen ausländischer Konzerne seien hier genannt:

Opel, Ford, Esso, BP, Elf-Aquitaine, Alcatel, Philips, Unilever, Philips, ABB, IBM, Nestlé, Procter & Gamble, PWA, Alstom. Sie alle sind Stachel im Fleisch des deutschen Monopolkapitals und es braucht einen Krieg, um solche Konzerne unter die Oberhoheit des deutschen Imperialismus zu zwingen, wie z.B. bei Opel, General Motors’ Tochter seit 1925, die sich im 2. Weltkrieg nahtlos in die Rüstungsproduktion einfügte. Ein besonderer Dorn des deutschen Monopolkapitals ist wie oben dargestellt insbesondere die absolute Vormachtstellung ausländischer Konzerne im Ölsektor, wo bisher auch zwei Weltkriege nicht ausreichten, um sie zu brechen. Und daß die deutschen Monopole bis heute so aggressiv und gefährlich sind, liegt nicht an „deutschen Genen oder Blut“, es liegt an ihrer ökonomischen Situation. Denn diese hat eben auch große Nachteile: Es sind dies vor allem die geringe Rohstoffbasis, sie hatten keine nennenswerten Kolonien und haben deshalb auch keine neokolonialistischen Einflußgebiete wie die anderen Hauptländer. Sie haben einen im Vergleich zu USA, Großbritannien und Frankreich kleineren und engeren Binnenmarkt, müssen also unbedingt eine Menge Waren exportieren. Sie versuchen diese Nachteile durch einen höheren Organisationsgrad, eine stärkere Konzentration ihrer Konzerne im Heimatland wettzumachen. Und dazu haben sie sich noch einige Waffen zurechtgelegt:

In der BRD gilt das sogenannte Depotstimmrecht. Das heißt, die Banken vertreten nach entsprechender Bevollmächtigung die kleineren Aktionäre in der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft und nehmen deren Stimmen wahr[2]. Des weiteren werden immer mehr Gelder in sogenannten Aktien-Investmentfonds angelegt. Gerade Kleinsparer werden hier gelockt, viele Kollegen sparen dort zum Beispiel ihre vermögenswirksamen Leistungen. Mit dem Geld erwerben die Fonds Aktien, der Sparer aber hat nur einen abstrakten Anteil an einem Fonds und keine Aktien. Die Stimmen in der Hauptversammlung werden dann von den Fondsmanagern ausgeübt. Da Fondsgesellschaften Tochterunternehmen von Banken sind, werden somit auch diese Stimmen von den Banken vertreten. Ähnlich verhält es sich mit einem Teil der Gelder, die in Lebensversicherungen eingezahlt werden. Sofern mit diesen Einzahlungen Aktien erworben werden, erfolgt auch hier die Vertretung der Stimmen durch die Lebensversicherungsgesellschaft, ohne daß die Geldgeber darauf Einfluß besäßen.

Weitere Schutzmechanismen gegen Eindringlinge und Störenfriede sind verschiedene Sonderformen von Aktien, die die Mehrheiten zusätzlich absichern. So gibt es Vorzugsaktien, deren Eigentümer hat nur Anspruch auf Dividende, aber in der Hauptversammlung kein Stimmrecht. Dann gibt es weitere Stimmrechtsbeschränkungen und -vereinbarungen, die Eigentümer von ihren Abstimmungsrechten ausschließen. So müssen sich ausländische Eigentümer größerer Aktienpakete oftmals verpflichten, ihre Stimmen nicht auszuüben. Dies betrifft zum Beispiel den Staat Kuwait, der Anteile an Daimler-Chrysler besitzt. Außerdem gibt es auch noch sogenannte Namensaktien, bei diesen muß der jeweilige Vorstand der AG dem Kauf der Aktien durch neue Eigentümer zustimmen. Das eine oder andere gibt es auch in anderen Ländern, aber die Summe dieser Schutzschilde ist eine deutsche Einmaligkeit. Diese Waffen und Werkzeuge bewirken, daß insbesondere ausländisches Kapital, aber auch potentielle inländische Gruppen, gestoppt werden sollen beim Versuch „feindlicher“ Übernahmen.

Das Beteiligungssystem

Jeder der in unserer Übersicht aufgeführten Konzerne ist ein Trust mit einer Vielzahl von Tochterunternehmen und Beteiligungen, die wiederum mit anderen Monopolen überkreuz verflochten sind. Dieses Beteiligungssystem führt oft zu Verwirrung und zu dem falschen Schluß, daß die Firmen sich gegenseitig und überkreuz letztlich selbst gehören.

Die Siemens AG hält z.B. insgesamt in der BRD und weltweit rd. 1.000 Beteiligungen und Tochtergesellschaften in einem kaum noch durchschaubaren Geflecht. Es gibt also keinen (oder nur zu einem jeweils geringen Teil) privaten Eigentümer bei diesen 1.000 Tochterfirmen, weil Siemens Eigentümer ist. Die Obergesellschaft Siemens AG erwirbt aus ihren Mitteln Beteiligungen. Dadurch hält der Privateigentümer der Siemensaktie jeweils gleichzeitig indirekt einen entsprechenden Anteil an all diesen 1.000 Firmen. Die Eigentümer von Siemens kontrollieren somit über die eine Firma Siemens AG (sogenannte Holding) weitere 1.000 Firmen. Für die Kontrolle über das Kapital der 1.000 Tochterfirmen ist es ausreichend, das Kapital der Siemens AG zu kontrollieren. Für das Eigentum an dem Gesamtgebilde ist wichtig: Am Ende der Kette stehen Privatpersonen, die Ausbeuter der Arbeiter in diesen 1.000 Firmen.

Der vermutlich größte deutsche Konzern ist die Allianz Versicherung. Sie besaß Mitte Oktober 1997 den in der nebenstehenden Tabelle aufgelisteten Anteilsbesitz an deutschen Börsengesellschaften.

Ergänzend kommen dann in diesem Geflecht noch die Überkreuzbeteiligungen hinzu. So besitzt die Allianz 5% an der Deutschen Bank, die Deutsche Bank gleichzeitig 10% an der Allianz. Unter der Annahme, daß die jeweiligen Herren sich in ihren Zielsetzungen und Vorgehensweisen absprechen (siehe „Das Aufsichtsratssystem“), erfordert die Mehrheit bei der Allianz nun schon keine 50% mehr, sondern nur noch 40%. Das Geflecht geht weiter, die Allianz hält 25% an der Münchener Rückversicherung und die Münchener Rückversicherung wiederum 26% an der Allianz usw. Das Ergebnis ist, daß die Mehrheiten und die Macht gefestigt sind und es heißt auch, daß die großen Aktienpakete fest liegen und eine Veränderung der Mehrheiten über den Aktienaufkauf an der Börse nahezu ausgeschlossen ist. Zumindest gibt es kein wirklich gewichtiges Beispiel einer solchen „feindlichen Übernahme“ in der BRD. Das Ganze erfolgt zum Nutzen der privaten Eigentümer der Konzerne, wie z.B. der bereits erwähnten Familie von Finck, die 5% der Allianz besitzt. Wir sehen, man muß genau hinschauen und versuchen herauszufinden, wer steht letztlich an entscheidender Stelle dieses Verzweigungssystems, wem gehören letztlich die entscheidenden Teile des jeweiligen Konzerns.

Das Aufsichtsratssystem

Schauen wir uns einmal vier besonders fleißige Herren Finanzkapitäne an. Die Herren: Bierich, Breuer, Cromme und Hartmann, mit welchen anderen Strategen sitzen sie zusammen in Aufsichtsräten, Vorständen und Beraterkreisen?

1. Marcus Bierich

Aufsichtsrat (AR) bei der Allianz, der Deutschen Bank, bei Bosch und VEBA, sowie im Beraterkreis von Holtzbrinck

Im Aufsichtsrat (AR) der Allianz trifft er sich mit seinesgleichen:

Vorstand Henning Schulte-Noelle. Der ist vertreten im AR von BASF, Dresdner Bank, Linde, MAN, Mannesmann, Metro, Münchner Rück, Nestlé, Siemens, Thyssen und VEBA.

Klaus Liesen, ein Kollege Kapitän von Herrn Bierich, ist neben seinem Wirken als Aufsichtsratsvorsitzender der Allianz, ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender der Ruhrgas AG, sowie im AR der Deutschen Bank, Mannesmann, Metro, Preussag ,VEBA und VW

Weitere Kollegen von Herrn Bierich im AR der Allianz sind:

Wolfgang Röller (AR bei BMW, Heidelberger Zement, Münchner Rück, Berater bei RWE, Mitgl. Des Gesellschafterausschusses von Henkel),

Horst Burgard (Mitgl. des Beraterkreises der Deutschen Bank),

Werner Dieter (ebenfalls im Beraterkreis der Dt. Bank, und im AR von ESSO),

Hermann Franz (AR bei Thyssen, Stiftungskommisar bei Zeiss – Schott),

Friedhelm Gieske (AR bei Karstadt, MAN, RWE, Thyssen),

Edzard Reuter (AR in der Bankgesellschaft Berlin),

Albrecht Schmidt (Vorstand der Bay. Hypo-Vereinsbank, AR bei der Münchner Rück, Siemens und VIAG)

2. Rolf-E. Breuer

Vorstandssprecher der Dt. Bank, Berater bei Boehringer/Ingelheim, AR bei Lufthansa, Münchner Rück, Siemens und VEBA. Nehmen wir seinen Posten bei der Deutschen Bank. Mit welchen Managergrößen hockt er da zusammen im Vorstand und AR:

Im Vorstand Carl l.v. Boehm-Bezing (AR bei Philipp Holzmann, bei RWE und Thyssen).

Tessen v. Heydebreck (AR bei BASF und im Unternehmensrat von Zeiss)

Jürgen Krumnow (AR bei Metallgesellschaft, Mobil Oil, Preussag, Schering, VIAG, VW).

Im AR der Dt. Bank trifft Herr Breuer folgende Steuermänner:

Hilmar Kopper (AR bei Bayer, Daimler-Benz und Mannesmann)

Ulrich Cartellieri (AR bei Bosch und Henkel).

Adolf Kracht (AR bei Deutsche Babcock und Gerling).

Berthold Leibinger (AR bei BMW, BASF, Beirat bei Holtzbrinck).

Klaus Liesen hatten wir schon als Kollegen von Hrn. Bierich.

Michael Otto (Eigner und Vorstand bei Otto , Ar. Gerling und Springer)

Albrecht Woeste (Abkömmling von Henkel und dort im Gesellschafterausschuß)

Im Beraterkreis der Dt. Bank hat Hr. Breuer zu tun mit:

Werner Dieter (s.o. bei Bierich)

Tyll Necker (AR Gerling, Wirtschaftsrat bei RWE)

Karl-Hermann Baumann (Aufsichtsratsvorsitzender Siemens, AR Schering, Metallgesellschaft).

Horst Burgard (s. Bierich)

Walter Deuss (Vorstandsvorsitzender bei Karstadt)

Joachim Funk (Vorstandsvorsitzender bei Mannesmann, AR Metallgesellschaft, Ruhrgas, Wirtschaftsrat bei RWE)

Ulrich Hartmann (die Nr. 4 der 10 Großen)

Max Dietrich Kley (Vorstand BASF, Ar. Hypo-Vereinsbank und VIAG)

André Leysen (Vorsitzender des Ar. Agfa-Gevaert Gruppe, Ar. Bayer, Telekom, VEBA )

August Oetker ( Eigner u. pers. Haftender bei Oetker)

Ferdinand Piëch (Vorstandsvorsitzender bei VW, AR Münchner Rück )

Jürgen E. Schrempp (Vorst.-Vorsitzender Daimler-Benz, AR Hypo-Vereinsbank)

Hans Peter Stihl (Eigner v. Stihl, AR bei Bosch)

Mark Wössner (AR Daimler-Benz, Quelle-Schickedanz, RWE, Aufsichtsratsvorsitzender bei Bertelsmann).

3. Gerhard Cromme

Vorstandsvorsitzender bei Krupp-Hoesch-Thyssen, AR bei RAG, Ruhrgas, VEBA, VW, und Wirtschaftsbeirat bei RWE.

Im Aufsichtsrat von Krupp hält Cromme Verbindung zu den Managern:

Manfred Lennings (AR bei Alcatel SEL, Bayer und Dt. Shell),

Klaus Murmann ( AR in der Bankgesellschaft Berlin, ehem. BDA-Präsident),

Friedel Neuber

Jürgen Sarrazin (AR bei Henkel und Nestlé).

Durch die Fusion mit Thyssen hat Cromme jetzt noch dazu den heißen Draht zu den Thyssenkapitänen:

Heinz Kriwet (AR bei Dresdner Bank, GEA, Siemens),

Schulte-Noelle (hatten wir schon bei Bierich/Allianz).

Boehm-Bezing (Vorstand der Dt. Bank, hatten wir schon als Kollegen von Hrn. Breuer).

Hermann Franz (schon aufgetaucht in Verbindung Bierich/Allianz),

Friedhelm Gieske (ebenfalls in Verbindung Bierich/Allianz),

Klaus Götte (Aufsichtsratsvorsitzender bei Hypo-Vereinsbank und MAN),

Hermann Scholl (AR BASF, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Bosch),

Walter Seid (Aufsichtsratsvorsitzender Commerzbank, AR Linde, Wirtschaftsbeirat RWE)

Bernhard Walter (Vorst.-vorsitz Dresdner Bank, AR bei Bilfinger+ Berger, Daimler Benz, Degussa, Heidelberger Zement, Lufthansa und Metallgesellschaft)

4. Ulrich Hartmann

Er ist uns schon untergekommen im Beraterkreis der Deutschen Bank, im Zusammenhang mit Breuer. (Weiters ist Ulrich Hartmann tätig als AR bei Daimler Benz, Degussa, Lufthansa, Münchner Rück, RAG und Vorstandsvorsitzender von VEBA)

Schauen wir uns an, auf welche Kapitalverwalter Ulrich Hartmann z.B. bei Daimler Benz trifft:

Jürgen Schrempp (Vorstandsvorsitzender bei Daimler, er ist uns schon untergekommen im Zusammenhang mit Breuer). Schrempp ist im Beraterkreis der Deutschen Bank und gleichzeitig Aufsichtsrat der Hypo-Vereinsbank),

Hilmar Kopper (Aufsichtsratsvorsitzender bei Daimler; er ist uns schon untergekommen ebenfalls als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank als Kollege von Breuer. Aufsichtsratsposten bei Bayer und Mannesmann),

Birgit Breuel (als eiserne Drahtzieherin bei der Inbesitznahme, bzw. Liquidierung der einstigen DDR-Wirtschaft bekannt, jetzt EXPO-Geschäftsführerin),

Martin Kohlhaussen (Vorstandssprecher der Commerzbank, außerdem im Aufsichtsrat bei Bayer, Karstadt, und Schering),

Manfred Schneider (AR Daimler, Metro, RWE, und Vorstandsvorsitzender bei Bayer),

wieder U. Hartmann, B. Walter, und M. Wössner.

usw., usf.

Allein durch die Kontakte dieser vier Industriedirigenten erhalten wir ein beeindruckendes Bild von dem hohen Organisationsgrad des deutschen Finanzkapitals lediglich über die Schiene Aufsichtsrat, Vorstandsposten und Beraterkreise. Allein durch diese vier ergibt sich ein Netz der Verbandelung zu ca. 40 Managern, sowie zu einer ganzen Reihe von ehemaligen Konzernbossen, die „nur noch“ in den Aufsichtsratsetagen dafür sorgen, daß die Renditen nicht ins Stocken geraten; aber auch zu solchen Bossen, die sich heute noch in den Schaltzentralen ihrer Konzerne täglich direkt und selbst um die Profite kümmern. Wichtigster Vertreter dieser Spezies ist der VW-Chef Piëch, der als Mitglied der Porsche Familie ein Vermögen von 6-7 Milliarden DM besitzen soll.

Zu unterscheiden zwischen Rentiers, alten Familienclans, Bossen und Topmanagern ist für uns irrelevant. Denn sie gehören alle zur Bourgeoisie und verfolgen ein wesentlich gemeinsames Ziel: Profitmaximierung, sprich maximale Ausbeutung!

Was wir auch noch feststellen über die Verbandelung der oben genannten 40 Manager, ist die enge Verbindung der zum Monopolkapital gehörenden Konzerne untereinander und die totale Verflechtung zwischen Konzernen, Banken und Versicherungen.

Die „vier” haben über die „vierzig” zu folgenden, jetzt noch mal gebündelt aufgezählten Konzernen den heißen Draht:

Allianz, Bosch, Deutsche Bank, VEBA, Holtzbrinck, BASF, Dresdner Bank, Linde, MAN, Mannesmann, Metro, Münchner Rück, Nestlé, Siemens, Krupp/Thyssen, Ruhrgas, Preussag, VW, BMW, Heidelberger Zement, RWE, Henkel, Esso, Zeiss, Karstadt, Bankgesellschaft Berlin, Hypo-Vereinsbank, VIAG, Boehringer, Lufthansa, Philipp Holzmann, Metallgesellschaft, Mobil Oil, Schering, Bayer, Daimler Benz, Deutsche Babcock, Gerling, Springer, Agfa, Telekom, Oetker, Stihl, Quelle, Bertelsmann, Alcatel, Deutsche Shell, GEA, Commerzbank, Bil­fing­er+Berger, Degussa, RAG.

Wie lange noch?

Wie man hoffentlich nachvollziehen konnte: Die Kapitalistenklasse ist in der Gesellschaftsstruktur der BRD eine Minderheit. Innerhalb dieser Minderheit bestimmen ein paar Dutzend Monopole, 100 Familien und ein paar hundert Herren und Damen, wohin die Wirtschaft dieses Landes und damit die Politik zu gehen hat. Sie haben etwa drei Millionen Lohnabhängige unter ihrem unmittelbaren Einfluß als Beschäftigte in ihren Unternehmen. Sie bestimmen letztlich, was in diesem Land mit welchen Mitteln produziert wird; sie bestimmen, wie wir leben, ob wir arbeitslos werden oder uns kaputtschuften dürfen. Und sie setzen uns die Brille auf, mit der wir ihre Herrschaft betrachten dürfen. Man muß gar nicht in erster Linie an Lobby, Schmiergeldzahlungen, Korruption, Massen­suggestion durch Werbung, Medien und irgendwelche Komitees der Finanzoligar­chie denken, die da Böses aushecken. Das gibt es natürlich, und es wäre naiv zu meinen, sie kämen ohne solche Mechanismen aus. Schaut man aber hinter die „Skandale“, den Sumpf, wirkt dort eine ganz einfache behäbige Gesetzmäßigkeit, die alles scheinbar wie von selbst regelt: der Profit. Profit aber ist vom Privateigentum nicht zu trennen. Der zarte Charme des Privateigentums ist uns zu einer zweiten Identität geworden, die alle brutalen Schläge, die wir mit der Herrschaft des kapita­listischen Privateigentums einstecken, abfängt, weil sie uns dadurch einleuchten und als notwendig, unvermeidlich und selbstverständlich erscheinen. Die Welt in Parzel­len und Dinge zerfetzt, wo man rufen darf: Es ist mein! Und es mit Zähnen und Klauen verteidigt, um wenigstens das Bißchen für sich zu haben. Nur daß bei genauerem Hinsehen die Parzelle der Bank gehört, das Ding von anderen hergestellt wurde usw. Jeder gegen jeden - das ist die Botschaft und - um Gottes willen - nur wir nicht gegen die.

Die Finanzoligarchie wirkt in diesem System wie der Gralshüter des Privateigen­tums, das sie mit Zähnen und Klauen verteidigt. Für sie die großen Brocken, für uns die Brosamen, um die wir uns mit unseresgleichen balgen und die Köpfe einschla­gen sollen.

Wie lange noch?

Arbeitsgruppe „Klassenanalyse“

1 Anders als bei der Arbeiterklasse oder den Zwischenschichten kann man nicht von der westdeutschen Bourgeoisie sprechen. Denn nach 1945 versammelte sich in Westdeutschland alles, was bis dahin in Deutschland als Kapitalist Rang und Namen hatte, hier konzentrierte sich im wesentlichen die deutsche Bourgeoisie. Von hier aus bekämpfte sie die DDR, besiegte sie schließlich und verleibte sie sich wieder ein.

2 „Bislang verfügt die Deutsche Bank, auch Dank der Depotstimmen ihrer Kunden, über etwa ein Viertel aller Aktienstimmen [der wesentlichen, börsengehandelten Konzerne] in Deutschland [...] – nichts geht gegen ihren Willen.“ (ND 18./19.04.99)

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