KAZ
Lade Inhalt

Editorial

Alle kommunistischen Strömungen, alle Revolutionäre, die in der arbeitenden Klasse das revolutionäre Subjekt sehen, gehen mit Selbstverständlichkeit davon aus, daß die kapitalistische Gesellschaft in Klassen gespalten ist und halten das für ein Wesensmerkmal dieser Gesellschaft. Sie treten damit in Gegensatz zur herrschenden bürgerlichen Meinung, die sich auch die Mehrheit des Proletariats namentlich in Westdeutschland unterworfen hat. Die „Lehre von den Klassen“ und noch mehr die „Lehre vom Klassenkampf“ und erst recht die „historische Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats“ werden wahlweise als veraltet, in früheren Zeiten vielleicht einmal zutreffend, aber inzwischen durch die kapitalistische Entwicklung überholt, als kriminell und „dogmatisch“/„totalitär“ dargestellt. Überall, wo dieses Bild in den Köpfen der Menschen weitgehend durchgesetzt ist, haben die bürgerlichen Verhältnisse, die Manipulationsindustrie und die Staatsgewalt „Großes“ vollbracht: es ist gelungen, die geistigen Strömungen und politischen Bewegungungen, die die Zukunft der Menschheit in sich tragen, in den Augen der meisten Menschen in etwas „Gestriges“, „Verstaubtes“, „Antiquiertes“ zu verwandeln. Die Kraft der bürgerlichen Verhältnisse, der bürgerlichen Ideologie, der Medien und der staatlichen Unterdrückungsmaschinerie reicht so weit, daß selbst „links“ eingestellte Menschen an ihrer Überzeugung zweifeln und daß ein Teil von ihnen entweder abschwört oder seine Überzeugung in seinem Herzen verschließt. Ein anderer Teil versucht, sich dem Zeitgeist anzupassen, indem er die eigenen Überzeugungen „modernisiert“. Der schwache Rest hält dem Druck der politischen und gesellschaftlichen Isolierung und der staatlichen Verfolgung stand, aber in verzweifelter Defensive, mit geringem Bewegungsspielraum und geringen Kräften, teilweise wirklich in dog­matische Erstarrung verfallend.

Diese schwachen Kräfte müssen heute nicht mehr und nicht weniger leisten, als die revolutionäre Theorie wieder zunehmend als Handlungsanleitung innerhalb der Arbeiterbewegung ins Bewußtsein zu bringen. Sie müssen den Popanz, den die bürgerliche Ideologie aus der Arbeiterbewegung gemacht hat, zerstören. Sie müssen die kostbaren Ergebnisse der generationenlangen revolutionären Theoriebildung und Praxis verteidigen und bewahren und gleichzeitig Schematismus, oberflächliche Analogiebildung und kritikloses Nachbeten überwinden. Sie müssen - vorurteilslos und wach gegenüber allen wirklich neuen historischen Entwicklungen - die marxistische Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse weiterentwickeln. Nur so werden sie den Massen (und sich selbst) helfen, die Angst in revolutionären Zorn, die Unterwerfung und das Duckmäusertum in revolutionäre Auflehnung, die Ohnmachtsgefühle in revolutionären Mut, die Stimmungen der Auswegslosigkeit in revolutionäre Zukunftshoffnung zu verwandeln.

Ein Schlüssel für die Wiedergewinnung der geistigen und praktischen Initiative ist die Selbstvergewisserung der Revolutionäre darüber, ob die Bestimmung der gesellschaftlich/politisch/kulturellen Prozesse als klassenbedingt richtig ist oder nicht; ob die Achse der politischen Kämpfe innerhalb der bürgerlichen Herrschaft nach wie vor der Klassenkampf ist oder nicht; ob die kommunistische Revolution die Hoffnung des Proletariats ist oder nicht; ob seine politische Hegemonie, seine Diktatur gegenüber der enteigneten und politisch besiegten Bourgeoisie in einer Gesellschaft, die das Kapitalverhältnis aufgehoben hat und die Aufhebung der Warenproduktion, der Klassen und des Staates anstrebt, notwendig ist oder nicht.

Ein Teil dieser Selbstvergewisserung ist die Analyse der heutigen Klassenverhältnisse und -beziehungen.

Wir konzentrieren uns auf einen Ausschnitt: Die Klassen in einer imperialistischen Metropole, in Westdeutschland.

Unsere Arbeit kann angesichts der zur Verfügung stehenden Kräfte nicht mehr als thematisierend, diskussionsanregend sein. Den wissenschaftlichen Apparat, die politische Organisiertheit und Praxis, die eine umfassendere und wissenschaftlich fundiertere Analyse ermöglichen würde, müssen wir erst wieder schaffen.

Und so geht’s weiter:

Die Liste der Schwerpunktthemen: (Änderungen vorbehalten)

KAZ 292 Standortdebatte und Gewerkschaften

Redaktionsschluß: 26.3.1999

weitere Schwerpunktthemen:

Bahn AG und Verkehrswesen

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik vor 50 Jahren

Wer zu den einzelnen Themen in einer Arbeitsgruppe mitarbeiten möchte, kann sich gerne an die Redaktion wenden.

Redaktion der

Kommunistischen Arbeiterzeitung

Spenden unterstützen die Herausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung
Email Facebook Telegram Twitter Whatsapp Line LinkedIn Odnoklassniki Pinterest Reddit Skype SMS VKontakte Weibo