In diesem Buch wird die Geschichte der Roten Hilfe in Deutschland von 1919 bis 1938 beschrieben. Sehr anschaulich mit vielen Beispielen und einer Fülle von Dokumentationen und Faksimileabdrucken schildert Nikolaus Brauns die Entstehung der Organisation, ihren Aufbau, die vielfältigen Aktionen und ihr Vorgehen bei der Verteidigung der revolutionären Kämpfer dieser Zeit.
„Die Arbeit der Roten Hilfe beruhte auf drei Säulen. Die Erste war die Masse der einfachen Arbeiter, die als Mitglieder, Funktionäre und Spender die Organisation trugen.
Das zweite Standbein waren etwa 300 Rechtsanwälte unterschiedlicher politischer Gesinnung. Ein Gesicht, dass bis weit in das demokratische Bürgertum wahrgenommen wurde, bekam die Rote Hilfe jedoch durch eine Reihe couragierter Intellektueller, die sich nicht scheuten, mit ihrem bekannten Namen für die Rote Hilfe oder einzelner ihrer Kampagnen zu werben.“ (S.11)
„Die Aktivität der Roten Hilfe ist untrennbar mit der Geschichte der Justiz in der Weimarer Republik verbunden. Gerichtssäle waren zu einem wesentlichen Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung geworden, in denen sich die inneren Widersprüche der ersten parlamentarischen deutschen Demokratie in ebenso deutlicher Weise manifestierten, wie in den militanten Auseinandersetzungen während der Anfangs- und Schlussphase der Republik.“ (S. 11)
„Die doppelte Zielstellung, konkrete Hilfe für die Opfer des Klassenkampfes zu leisten und neue Mitstreiter für eine sozialistische Veränderung der Gesellschaft zu gewinnen, zwang die Rote Hilfe auf einen schmalen Grad zwischen kompromissbereiter Reformpolitik, für die sie ein Bündnis mit nichtkommunistischen Juristen und Wissenschaftlern suchte, sowie einer auf die Entlarvung der Klassenjustiz abzielende Propaganda zur Sammlung von Kräften für den revolutionären Sturz des Systems.“ (S. 13)
„Internationalismus gehört zu den Eckpfeilern des kommunistischen Selbstverständnisses. Vor allem der Roten Hilfe war es – zusammen mit der Internationalen Arbeiterhilfe – zu verdanken, dass die internationale Solidarität im linksproletarischen Milieu in Deutschland konkret erfahrbar wurde und nicht bei abstrakten Lippenbekenntnissen endete.“(S. 13)
Das Buch gliedert sich in folgende Kapitel:
Vorläufer, Rote Hilfe Deutschland, Routine und Rituale, Freiheit für alle proletarischen politischen Gefangenen, Justiz und Klassenkampf, Politische Flüchtlinge und das Asylrecht, Internationale Solidarität gegen den weißen Terror, Rote Hilfe in der Weltwirtschaftskrise, Illegal unter dem Hakenkreuz, Resümee.
Manche Ansichten über die Beurteilung dieser Geschichte teile ich mit dem Autor nicht. Die als Dissertation im Fach Neuere Geschichte entstandene Arbeit bietet aber einen reichen Schatz an Anmerkungen und eine umfassende Bibliographie, die eine eventuelle weiterführende Beschäftigung (zum Beispiel örtlich orientiert) ermöglicht.
Wenn wir heute als einzigen Weg aus unserem Elend den Weg des Sozialismus ansehen, wie die Genossen der Roten Hilfe damals, dann ist es nicht nur eine Frage des eigenen Überlebens, ihre Methoden zu studieren und von ihren Erfahrungen zu lernen. Deswegen halte ich dieses Buch für eine lesenswerte Darstellung eines nicht unwichtigen Teils der proletarischen Geschichte unseres Landes, die den stolzen Preis von 32,– € durchaus rechtfertigt.
H.Renrew
Nikolas Brauns: Schafft Rote Hilfe! – Geschichte und Aktivitäten der proletarischen Hilfsorganisation für politische Gefangene in Deutschland (1919-1938), Pahl-Rugenstein Verlag ISBN 3-89144-297-1, 32,– €