KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
„Wenn die Bundesregierung im Frühjahr 2009 der schlingernden Arcandor AG die beantragte öffentliche Hilfe von 650 Mio. Euro gewährt hätte, dann wären die größten Nutznießer womöglich nicht die gut 50.000 Beschäftigten des Konzerns gewesen, sondern sieben Personen aus dem Umfeld des Bankenhauses Sal. Oppenheim. Der zur Bewältigung der Finanzkrise aufgelegte Deutschlandfond wäre als Einlagensicherung für Superreiche missbraucht worden“. Hat da jemand das Wohl der Quelle Beschäftigten im Blick? Mitnichten!
Da wollen andere Superreiche die Kohle abgreifen und machen das manager magazin (11/09 S. 36) zu ihrem Sprachrohr. Schön wenn man so mal einen kurzen Blick hinter die Kulissen werfen kann. Die Geschichte:
1998 erwirbt Madeleine Schickedanz, Haupterbin des Versandhauses Quelle mit einem Kredit über ca. 1 Milliarde Euro den Warenhauskonzern Karstadt.
Der Kredit kommt vom Bankhaus Sal. Oppenheim, Europas größter Privatbank, die vor allem vermögende Familien betreut (u.a. eben Schickedanz) und in ihrer langen Geschichte nichts ausgelassen hat.[1]
1914 beteiligte sie sich an 9 Kriegsanleihen, nach der Arisierung firmierte sie unter Robert Pferdmenges und Co (später Finanzberater von Adenauer; heute sind seine Nachfahren noch an der Bank beteiligt), 1993 machte der sozialdemokratische ehemalige Bundesbankpräsident Otto Pöhl den Sprecher von Sal. Oppenheim, dann war die Bank mit „Immobilienentwickler“ Esch voll im Kölner Klüngel unterwegs, derzeit eben auch wegen Quelle in Not und mit Übernahme durch die Deutsche Bank von „ Rettung bedroht“.[2]
2004 Kapitalerhöhung Karstadt Quelle, dafür weitere Kredite (über 200 Mio.) nötig. Der bei Bertelsmann geschasste Middelhoff übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz bei Quelle-Karstadt jetzt zu Arcandor umfirmiert. Gut dazu passt, dass Middelhoff mit Esch und anderen Oppenheimern zwischen 2001 und 2003 fünf geschlossene Immobilienfonds aufgelegt hatte (daran über seine Frau auch persönlich beteiligt), in welche die Arcandor Immobilien eingebracht wurden, die dann wieder gegen teures Geld an die Arcandor Warenhäuser zurückvermietet wurden.
2005 wird Middelhoff dann Vorstandsvorsitzender, Arcandor braucht weitere Kredite. Dafür bürgen die o.g. „sieben Personen“ im einzelnen
– Karin Baronin von Ullmann im Juni 2009 verstorben
– Ihr Sohn Georg Baron von Ulmann (Vorsitzender des AR von Sal. Oppenheim)
– Ehefrau Corinna
– Tochter Iliona Gräfin von Krockow
– Ehemann Mathias Graf von Krockow (60), der die Bank führt
– Christopher Freiherr von Oppenheim (44) persönlich haftender Gesellschafter, Stamm Lindenallee
– Esch, vom Mauerpolier zum „Immobilienentwickler“ und schließlich zum (kleinen) Teilhaber gemacht.
2008 wurde der vormalige Telekom Finanzvorstand Eick, der sich seiner guten Kontakte zu Peer Steinbrück rühmte mit dem Versprechen seinen 15 Mio. schweren 5-Jahres Vertrag auch im Fall einer Insolvenz auszuzahlen als Nachfolger von Middelhoff angeheuert. Dessen Versuche, die 650 Mio. für die sieben Bürgen von Oppenheim aus dem Staatshaushalt rauszuleiern, scheiterten, ein Scheitern, das die Konkurrenten (z.B. Otto Versand, der den Namen von Quelle übernimmt, Deutsche Bank, die Oppenheim übernimmt) wohl befördert haben u.a. durch die Diskreditierung der Staatshilfe als „Einlagensicherung für Superreiche“ (s.o.)
2009 folgende. Da muss man sich natürlich schon fragen: Und wem haben die Milliarden für die Banken geholfen? Gibt es überhaupt eine andere Form der Staatshilfe?
Nicht solange das Privateigentum als Institution unantastbar ist. Natürlich kann Eigentum in der Krise vernichtet oder zeitweise unter staatliche Verwaltung gestellt werde, aber solange die Ökonomie um diesen Fetisch herum organisiert bleibt, geht es bei der „Rettung von Arbeitsplätzen“ immer um die Rettung des dahinter stehenden Kapitals, wie z.B. von Oppenheim und Co.
Flo
1 siehe dazu z.B. Junge Welt, 2009/11-03/005
2 Ausführlich zum Thema z.B. Werner Rügener, Der Bankier, Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim“ Nomen Verlag Frankfurt, derzeit in der vierten Auflage mit Schwärzungen erhältlich