Die Broschüre der „Initiativgruppe Kundschafter für den Frieden“, beschäftigt sich mit „Motivation, Situation, sozialer Abstrafung und Forderungen der Kundschafter des Friedens“.
Fünf Kundschafter melden sich stellvertretend in dieser Broschüre zu Wort. Diese Kundschafter des Friedens waren Westdeutsche, die sich als Angestellte im „Verteidigungsministerium“, als Agenten des BND oder als Angehörige der Bundeswehr dazu entschieden, für die DDR Informationen zu sammeln, für den „Feind“ zu arbeiten, „Landesverrat“ zu begehen.
Ihre Beweggründe sind unterschiedlicher Natur. Ich möchte hier einen Beitrag herausgreifen und zwar den von Alfred Spuhler:
Nachdem er seinen Dienst als Fernspäher bei der Bundeswehr absolvierte, entschied er sich letztendlich für den Dienst beim BND. Durch die Informationen, die er bei der Bundeswehr und vor allem beim BND erhielt, stellte er „in diesen Jahren auch sehr viele eigene Überlegungen an und kam zu der ernüchternden Erkenntnis, daß die von westlicher Seite ständig geschürte Angst vor der militärischen Überlegenheit des Warschauer Pakts eine glatte Lüge war.“ Aufgrund dieser Fakten und anderen Informationen „vollzog sich parallel ... auch in meiner gesellschaftspolitischen Einstellung ein Gesinnungswandel.” Die Erkenntnis darüber wuchs, daß die Bundeswehr nur dem Interesse des westdeutschen Monopolkapitals dient und dienen kann. „Meine Beurteilung der kapitalistischen Gesellschaft erreichte damit einen Negativpegel, den ich nicht mehr mitverantworten wollte und konnte. Von diesem Zeitpunkt an sympathisierte ich mit sozialistischem Gedankengut und machte mich mit den Lehren von Marx und Engels vertraut.“
Dem folgte der Kontakt zu linken Organisationen, um spezielle Fragen zu klären, die sich hauptsächlich um den Sozialismus drehten. Diesem ersten Gespräch folgten weitere. „Ich wollte unbedingt Klarheit über mich selbst erlangen, auf welcher Seite ich mit meiner Überzeugung nun wirklich stehe.“
Schließlich entschied er sich, nach allem Abwägen, die Informationen, an die er rankam, an die DDR weiterzugeben. Die folgenden Ereignisse sind in der Broschüre nachzulesen.
Wie oben schon erwähnt, war dies nur ein Beispiel. Andere wurden Kundschafter, aufgrund anderer Erfahrungen und anderer Konsequenzen. Aber eine Sache ist allen gemeinsam: einen Beitrag leisten für den Frieden. Alle taten ihren Dienst freiwillig und ohne Bezahlung.
Nach 1989 wurden diese Menschen mit der ganzen Härte der Justiz bestraft: Hohe Geldstrafen, Isolationshaft, Entziehung der Bürgerrechte, usw ...
Sie wurden dafür bestraft, weil sie für die DDR Partei ergriffen haben, für eine DDR, die allein durch ihre Existenz 40 Jahre den Frieden in Europa sichern half.
Zu der Frage, warum diese Broschüre jetzt erscheint, will ich zum Abschluß Monika Windhorn zu Wort kommen lassen: „Wir mußten ... erkennen, daß es in der alten Bundesländern kaum Wissen über die Motive, Hintergründe und die Notwendigkeit der Arbeit der Kundschafter gibt. Daraus resultiert auch bei vielen eine Ablehnung, das geringe Interesse und die mangelhafte Solidarität für die Betroffenen. Bis zum heutigen Tage hat sich das leider nicht geändert, es wurde eher problematischer. Noch immer wenden sich die Linken in ihrer Mehrheit ab. Einige halten es sogar für gerechtfertigt, was den Kundschaftern zugefügt wurde. ... So konnte das Zweiklassen-Strafrecht, die völkerrechtswidrige Praxis der Ungleichbehandlung und die soziale Abstrafung nach der Haft ungehindert in voller Härte durch die BRD-Justiz angewendet werden; wohl wissend, daß von den Linken der Alt-BRD kaum Proteste zu erwarten waren. Sie überließen widerspruchslos diese Menschen den Repressalien der bundesdeutschen Klassenjustiz. ... Wir sind zuversichtlich, daß mehr Menschen das Unrecht erkennen und energischer der Kriminalisierung der Aufklärer der DDR-Auslandsnachrichtendienste durch die BRD-Klassenjustiz widersprechen und öffentlich die Forderung der Kundschafter gegen das Unrecht unterstützen.“
Diese Aufforderung sollten wir ernst nehmen. Heute sind es die Kundschafter, die wegen „Landesverrat“ abgestraft werden, und morgen? Werden dann die Kriegsgegner vor Gericht gezerrt, die den Hauptfeind im eigenen Land benennen? Oder die hier lebenden jugoslawischen Kollegen, die gegen den Angriffskrieg der BRD gegen die Bundesrepublik Jugoslawiens auf die Straße gehen? In punkto „Landesverrat“ sind alle Kriegsgegner und Internationalisten Kundschafter für den Frieden.
D.B.Phu
Die Broschüre ist zu beziehen bei:
Verein Initiativgruppe Kundschafter des Friedens fordern Recht
c/o Dieter Popp
Postfach: 140246
53057 Bonn
Spendenempfehlung 5,- DM