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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Bomben auf Teheran – es geht ums Öl

Vor allem westliche Ökonomen oder Marktbeobachter versuchen die Überlegenheit des bestehenden kapitalistischen Systems – auch „Marktwirtschaft“ genannt oft mit dem Zusatz „sozial“ – mit dem Vorhandensein oder dem Wirken der “unsichtbaren Hand” zu erklären.

Dieser Begriff bzw. das Phänomen der unsichtbaren Hand wird oft dem schottischen Politökonomen Adam Smith zugeschrieben. In Wikipedia kann man lesen:

die unsichtbare Hand (Lehnübersetzung von invisible hand) ist ein metaphorischer Ausdruck, mit dem der schottische Ökonom und Moralphilosoph Adam Smith (1723–1790) die unbewusste Förderung des Gemeinwohls beschrieb. Wenn alle Akteure an ihrem eigenen Wohl orientiert seien, führe eine angenommene teilweise oder vollständige Selbstregulierung des Wirtschaftslebens zu einer optimalen Produktionsmenge und Produktqualität sowie zu einer gerechten Verteilung der Güter. Inwiefern Smith diesen Begriff selbst so verstand, ist umstritten.

Heutige westliche Ökonomen, ob Anhänger des Neoliberalismus oder anderer bürgerlicher Theorien versuchen uns auch mit diesem Begriff weiterhin zu erklären, dass die von Ihnen sogenannte Marktwirtschaft funktioniert, sich selbst reguliert und sie machen für alle Krisen das Eingreifen des oder der Staaten verantwortlich. Das kapitalistische System ist ihrer Meinung nach in Ordnung.

Am Bespiel des weltweiten Öl -und Gasmarktes wollen wir untersuchen, was es mit der „unsichtbaren Hand“ auf sich hat, wer hinter dieser unsichtbaren Hand steckt, zu wessen Nutzen diese wirkt.

Die Konsumenten spüren die unsichtbare Hand an den Zapfsäulen, beim Kauf von Energie zum Heizen oder beim Strom und von anderen Produkten, die aus Öl und Gas hergestellt werden, wie z.B. Plastik oder chemische Produkte. Dabei ist davon auszugehen, dass die Preise für Öl und Gas gekoppelt sind und sich mehr oder weniger im Gleichklang bewegen.

Seit Beginn des Ukrainekriegs bewegen sich die Preise für Öl und Gas zwar leicht schwankend, aber auf einem sehr hohen Niveau. Als Gründe für die hohen Preise werden die geringeren Angebotsmengen aufgrund der Sanktionen gegen Russland, des Krieges im Nahen Osten und die Militäraktionen der USA und der von Israel angeführt. Gleichzeitig ist Öl und Gas aufgrund der bekannten Vorkommen auf unserem Planeten ausreichend vorhanden. Es gibt allerdings Kräfte am Markt, die ein starkes Interesse daran haben das Angebot knapp zu halten. Vor allem die USA sowie das UK mit den dahinterstehenden, großen anglo- amerikanischen Öl-Monopolen dringen ständig auf Kürzung der Fördermengen der anderen Produzenten (vor allem Russland, Saudi-Arabien und Iran), damit die Preise hochgehalten werden können. In früheren Ausgaben der KAZ haben wir Artikel zum Thema Öl und Gas sowie zum Thema Fracking veröffentlicht; im April 2022 „Öl und Gas und der Ukrainekonflikt“ (mit der These: Es ist der Kampf des Ölkartells gegen die russischen Kartell-Außenseiter, der heute auch als Krieg in der Ukraine geführt wird); Anfang 2024 den Artikel „Was hat der Gaza-Krieg mit ÖL und Gas zu tun?“ in KAZ 386, S. 31.

In beiden Artikeln haben wir u. a. aufgezeigt, dass weltweit große Öl- und Gasreserven vorhanden sind und dass Maßnahmen wie die US-Sanktionen und die Sprengung der Nord Stream Pipelines und Verhinderung des Baus neuer Pipelines lediglich dazu dienen, „den Preis so hochzuhalten, damit auch Fracking Öl und Gas noch Profit abwirft. Marx hat in seiner Grundrententheorie aufgezeigt, dass sich der Preis für Rohstoffe nach den schlechtesten Quellen richtet. Und die schlechtesten Quellen sind derzeit die aus nur mit aufwändigen Fracking-Methoden zu gewinnenden Gasvorkommen. Diese befinden sich derzeit in den USA und Kanada, durch ihre Ausbeutung wurden die USA zum größten Öl und Gas-Produzenten der Welt. Wird durch ein Überangebot auf dem Markt der Preis unter den Kostpreis gedrückt, lohnt sich der Abbau nicht mehr, werden Verluste gemacht und schließlich werden die Quellen dicht gemacht. Die Leidtragenden wären in diesem Fall die Unternehmen, die Fracking- Gas (nicht nur in den USA) fördern – da sind dann auch wieder die „Schwestern“ (Exon Mobile, Shell, BP und Chevron) mit dabei. Diese haben, nachdem die US-Fracking Startups Pleite gegangen waren, diese Produktionsstätten aufgekauft und wollen jetzt damit Profite machen. Um die hohen Preise zu erreichen, bei denen auch die Produktion von Fracking Öl und Gas noch Profit bringt, muss preislich günstigeres Gas, derzeit vor allem aus Russland und dem Iran, daher mit allen Mittel vom Markt – zumindest in Europa – ferngehalten werden. Das ist eines der kleinen Geheimnisse derzeitiger ´großer Politik`“ (aus KAZ 386).

Wir gingen damals von einem Kostpreis für Fracking-Öl von ca. 70 $ je Barrel aus; einige Experten sehen diesen derzeit bei ca. 65$ pro Barrel. Hierzu ein Zitat aus Pioneer Briefing vom 10.09.2025: „Die Nordsee-Sorte Brent hat sich seit dem Ukraine-Peak ungefähr halbiert und notiert derzeit bei rund 66 US-Dollar je Barrel. In der US-Schieferförderung liegt die Gewinnschwelle bei etwa 65 US-Dollar. Zugleich erhöht Opec+ die Produktion weiter und verstärkt damit den Preisdruck.“

In unserer weiteren Untersuchung beschränken wir uns wesentlich auf den Markt für Öl und Gas, wobei wir durchaus sehen, dass die großen Öl-Monopole nichts unversucht lassen, um die Märkte für fossilen Brennstoffe auszubauen und auszubeuten und den Ausbau „grüner Energiequellen“ zu behindern. Sie versuchen die Klimakonferenzen oder die Konferenz zur Reduzierung der Plastikproduktion zu sabotieren, die Klimaziel zu schleifen usw. Wenn man genauer hinschaut, kann man leicht erkennen, dass auch hier die „Seven Sisters“ am Werk sind.

Unsere Thesen von 2022 und 2024 bestätigen sich also bis heute. Einige weitere Fakten, die das belegen und auch zeigen, dass die Monopole ihre Interessen auch mit militärischen Mitteln durchsetzen:

Die geplante Pipeline vom Pars Öl- und Gasfeld (Katar und Iran) zum Mittelmeer und nach Europa wurden bis heute nicht realisiert.

Laut Wikipedia war die Pipeline Katar–Türkei ein Vorschlag zum Bau einer Pipeline für Erdgas vom iranisch-katarischen South Pars/North Dome Gas-Kondensatfeld in Richtung Türkei, wo sie an die Nabucco-Pipeline angeschlossen werden sollte, um sowohl europäische Kunden als auch die Türkei zu versorgen. Eine vorgeschlagene Route in die Türkei führte über Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien, eine andere über Saudi-Arabien, Kuwait und den Irak. Die Türkei zeigt bis heute Interesse an dieser Pipeline, gebaut wird sie bisher nicht. Cui Bono?

Stattdessen wird auf den Iran Druck ausgeübt mit ständig neuen Sanktionen und Forderungen, begleitet von einen gewaltigen Militärschlag Israels und der USA auf die iranischen Nuklearanlagen. Das von Iran und Katar ausgebeutete Pars-Vorkommen wird 2025 von Israel bombardiert, ebenso der Jemen und es gibt Sabotageakte in Süd Iran. Der Bau der geplanten Pipelines wurde auch durch den “Bürgerkrieg“ in Syrien verhindert.

Nach dem Sturz des Assad Regimes wird der Einfluss Russlands und Irans in Syrien zurückgedrängt und die Förderung oder Nichtförderung von Öl kommt unter die Kontrolle der USA und der Monopole, womit auch die Möglichkeit, Öl und Gas über Pipelines ans Mittelmeer zu bringen, durch diese gesteuert werden kann. Das hilft den Öl-Monopolen Europa langfristig vom teuren US Fracking Öl und Gas abhängiger zu machen.

Gleichzeitig wird durch den Gaza Krieg der bis dahin relativ reibungslose Transit von Öl und Gas durch das Rote Meer und den Suezkanal sehr risikoreich und somit stark eingeschränkt. Andere Förderländer wie der Irak, Sudan oder Libyen sind durch Sturz ihrer Regierungen und Chaos im Land, verursacht durch die imperialistischen Länder, derzeit keine bedeutende Bedrohung bezüglich der Reduzierung der Fördermengen.

Die US-Regierung drängt darauf, dass sich die europäischen Staaten vollständig von Exporten aus Russland trennen. Mit der Androhung erheblicher Zölle drücken sie neue Handelsabkommen durch.

Im Artikel der Jungen Welt vom 18.09.2025 „Den EU-Export ersetzen, Moskau sucht Alternativen für den entfallenen Absatz im Brüsseler Staatenbündnis“ wird dies ausführlich dargestellt.

Gleichzeitig werden in den Verhandlungen bezüglich der Sanktionen große Importe von Fracking Öl und Gas nach Europa vereinbart, um die Profite der anglo-amerikanischen Monopole zu sichern. Putin und die „Schattenflotte“ Russlands werden als Feind ausgemacht und bekämpft. Nord Stream wurde dem NATO-Bündnispartner FRG weggesprengt. Cui Bono?

Diese Politik der Sanktionen und Zölle konnten die Öl-Monopole mit wichtigen asiatischen Ländern bisher allerdings nicht besonders erfolgreich durchsetzen. China blieb hart und ließ sich nicht auf unfaire Deals ein. Wenn auch vorsichtig beim Umgang mit den Sanktionen, importieren sie ca. 90% des iranischen Öls. Durch die Mongolei bauen China und Russland eine neue Pipeline (s. JW vom 03.09.2025). Zwischen Gschwender, Pakistan und Ürümqi, China wird eine neue Pipeline gebaut.

Indien importiert trotz der Androhung von Zöllen von 50% auf alle seine Waren, die in die USA geliefert werden, weiterhin russisches ÖL und Gas in großen Mengen und widersteht bisher mit den anderen BRICS-Staaten und anderen Entwicklungsländern dem von den USA entwickeltem Druck. Bei größeren Zugeständnissen durch die USA kann es hier eventuell zu Änderungen der gelieferten Mengen kommen.

Der Politik der Monopole läuft auch zuwider, dass Indien russisches Gas weiterverkauft, auch nach Europa und nach der Zerstörung russischer Anlagen durch die Ukraine Lieferausfälle weltweit (Brasilien, UVA u.a.) ersetzt. Eine Pipeline für Gas von Iran nach Indien über Pakistan (Peace- Pipeline) wurde allerdings bisher von den USA immer wieder, auch mit Sanktionsdrohungen, verhindert.

In Saudi-Arabien sieht man, wie Israel auch mit militärischen Mitteln im Interesse der Öl-Monopole agiert, und den Iran, den Jemen sowie Syrien angreift und arbeitet im Rahmen von BRICS+ daran eine von den USA unabhängige Position einzunehmen. Der Kostpreis für Öl und Gas liegt hier bedeutend niedriger und mit jeder Erhöhung der Fördermengen steigen die Umsätze und Profite. Eine Erhöhung der Fördermengen läuft aber den Interessen der Öl Monopole (Nachfolger der Seven Sisters) zuwider. Auf diesem Hintergrund ist die Aussage führender Politiker des Landes zu sehen: wir bauen die Atombombe nicht, wir kaufen sie in Pakistan. Die dortige Produktion der Bombe wurde mit Geldern aus Saudi-Arabien finanziert. Nach dem Bombardement durch Israel und die USA auf Teheran und den Iran und auf den Jemen (in früheren Jahren auf Irak, Libyen u.a.) ist man gewarnt.

Aufgrund der bisherigen Sanktionsmaßnahmen – nur zum Teil erfolgreich – scheinen die Öl-Monopole bezüglich der Abnahme ihres Fracking – Öl und – Gas sich auf Europa und damit auch auf die BRD zu konzentrieren.

Bisher kommen trotz der Sanktionen erhebliche Mengen von Öl und Gas nach Europa. Über Pipelines die von Kasachstan über Aserbeidschan, Georgien, Türkei, Griechenland und Albanien bis nach Italien reichen (Southern Corridor), aber auch über Tanker, die das am Markt gehandelte Öl und Gas (Glencore, Vitol, Cargill, Trafigura u.a.) transportieren. Die Händler verdienen gut daran, gerade, wenn sie die Sanktionen umgehen.

Im Handelsabkommen, das Frau von der Leyen mit den USA für die EU ausgehandelt hat, wohl mehr von Vorteil für die KFZ-Monopole, werden riesige Abnahmemengen für die EU festgelegt; im Pioneer Briefing vom 22.08.2025 lesen wir: „Die Einkaufsmengen für die fossile Energie aus Amerika sind zu hoch. Der Berater von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Justus Haucap bewertet diese Zusage als „grotesk“. In den kommenden drei Jahren sollen 750 Milliarden US-Dollar an Energieimporten in die EU kommen. Das heißt pro Jahr etwa 250 Milliarden. Die gesamten Energieimporte der Europäischen Union betragen ungefähr 375 Milliarden Euro pro Jahr, wovon auf die USA ungefähr 17 Prozent entfallen. Diese will man demnach auf über 60 Prozent steigern. Das ist komplett unrealistisch.“

Oder anders interpretiert: Solche Mengen braucht man nur, wenn man Krieg führen will.

Der deutsche Imperialismus, der sich derzeit vor dem US-Imperialismus weg geduckt hat und sich keine offene Konfrontation mit den USA leisten kann, muss versuchen, zum einen seine Energieversorgung zu möglichst günstigen Preisen zu sichern, zum anderen die Führungsrolle in der EU zu behaupten und aggressiv eine Politik gegenüber Russland – seinem für lange Jahre günstigen Energielieferanten und Handelspartner – betreiben und es durch Aufrüstung und Kriegspropaganda bedrohen. Im Spiel mit den Öl-Monopolen wird sich so auf absehbare Zeit kein niedrigerer Energiepreis für die Konsumenten in der BRD und in der EU ergeben.

Unter dem Gesichtspunkt, dass bekannt ist, das die Öl-Monopole Abkommen mit den USA und UK haben, aufgrund derer sie die Streitkräfte dieser Länder mehr oder weniger umsonst mit Öl und Gas versorgen, dafür aber von der Bezahlung von Steuern weitgehend befreit sind, müssen die Konsumenten in der EU und besonders in der BRD mit höheren Preisen rechnen und so auch die von diesen Staaten geplanten kriegerischen Aktivitäten mitbezahlen.

Organisierter Widerstand ist das einzige Mittel dagegen.

KAZ-Fraktion „Ausrichtung Kommunismus“

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