Ein Mensch der sein ganzes bewußtes Leben dem Kampf der Arbeiterbewegung, ja dem Volk gewidmet hat, wird trotz Verleumdung und Hetzte von vielen einfachen Menschen geachtet und gegrüßt und von der Reaktion bespieen, juristisch gemäß der nazibehördlichen Vorlage durch den „Rechtsstaat” verurteilt und zum Teufel der Nation erklärt, weil es zur Stasihysterie gehört.
Er wird 90, der Erich Mielke. Man kann hier weder sein Leben schildern, noch alle Lügen und Verleumdungen widerlegen, die gegen den Sozialismus deshalb in die Welt gesetzt werden. Aber zwei Dinge möchte ich für die, die mit ihm für die staatliche Sicherheit der DDR unter seiner Leitung gearbeitet haben, hier äußern:
1. In der Volkskammersitzung vom 13.11.1989, einer fast ersten Sitzung der Volkskammer die von der Wende zur Rückwende im Fernsehen übertragen wurde, sagte er in äußerster Erregung: „Ich liebe alle!“. In einem Interview, das er dem Spiegel (36/92) während seiner Inhaftierung gab, sagte er dazu: “Aber das war nur die Hälfte dessen, was ich eigentlich sagen wollte. Der Satz sollte weiter gehen: Alle, die für Frieden und Sozialismus sind, die beiden Worte gehören dazu.” „Ich habe mein ganzes Leben eingesetzt für die Menschen, damit sie besser leben. Und ich habe mich nicht gescheut, zuerst mein persönliches Ich zu opfern und selbst, wenn notwendig, in den Tod zu gehen...“
2. Im gleichen Interview beantwortet er folgende Frage: Spiegel: „Die Sowjets haben Ihnen nach der Wende geraten, nach Moskau zu gehen. Weshalb haben Sie das eigentlich nicht getan?“ Mielke: „Ja, ich hätte die Möglichkeit gehabt und zwar bessere Möglichkeiten als Honecker. Ich hätte nicht in die chilenische Botschaft ausweichen müssen. Aber ich habe mir die Frage gestellt: Wie sieht es mit meinen Mitarbeitern aus? Ich haue ab, rette meine Haut, und sie müssen hierbleiben und müssen ihre Haut zu Markte tragen. Da habe ich mich entschieden zu bleiben.“
So und nur so handeln echte Kommunisten.
Man muß ihn nicht lieben, aber seinen Kampf gegen die Feinde des Sozialismus muß man in Wahrheit wenigstens zur Kenntnis nehmen. Er hat der Bourgeoisie das Feld nicht überlassen.
G. Bergmann
Königs-Wusterhausen