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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

„Bis zum letzten Tropfen“

Am 8. Februar ist unser Freund und Genosse Clemens Messerschmid in seiner geliebten Wahlheimat Palästina, in ‚seiner‘ Stadt Ramallah, mit 58 Jahren viel zu früh verstorben.

„Bis zum letzten Tropfen“ – das war der Titel seines Vortrags, den er seit Jahren im deutschsprachigen Raum vor kleinen und größeren Gruppen hielt. Als ausgewiesener Spezialist in allen Wasserfragen, explizit vertraut mit jeder Facette von Grundwasser, Regenwasser, Wasserverbrauch und vor allem der politischen Dimension der Wassernutzung in Palästina und Israel konnte Clemens wie kein anderer komplizierte Zusammenhänge verständlich erklären. Er hat 25 Jahre in der Westbank/ Palästina gearbeitet und geforscht.

Der wesentliche Kern seiner Arbeit, der eng verknüpft war mit naturwissenschaftlicher Forschung, aber weit über sie hinausging, ist die politische Interpretation seiner Erkenntnisse. Von ihm konnten wir lernen, dass in Ramallah mehr Regen fällt als in Berlin und dass der „Wasser-Mangel“ in Wirklichkeit ein „Wasser-Mythos“ ist. Wir begriffen, warum der Jordan-Fluss in der besetzten palästinensischen Westbank austrocknet, wenn die Wüste auf israelischem Staatsgebiet „zum Blühen“ gebracht wird. Er lieferte uns erweiterte Kenntnisse und Analysen zur Kolonisierung durch Wasser, was bis dato wenig erforscht war. Er lehrte uns, wie die israelische Militärbesatzung durch ihren Raub von Wasser das tägliche Leben der Palästinenser bestimmt. Er analysierte wissenschaftlich präzise, mit großer Akribie die systematische Diskriminierung der Palästinenser durch Israels staatlich gelenkte Wasserentnahme und prägte den Begriff der Hydro-Apartheid. Seine letzte berufliche Herausforderung war ein Projekt in der Westbank im Auftrag der Weltbank, das 2022 begann und das er nun nicht zu Ende bringen konnte. 

Seine palästinensischen Freunde gaben ihm liebevoll den Ehrentitel „deutscher Palästinenser“. Er träumte von einem Land zwischen Mittelmeer und Jordan, in dem alle Menschen friedlich zusammenleben können.

Clemens hat mit der AG Palästina für die KAZ in den vergangenen Jahren mehrere Artikel wesentlich recherchiert und mit verfasst. Zuletzt arbeitete er an der Artikelserie zum Thema „Was steckt eigentlich hinter der Israelfreundschaft des deutschen Imperialismus?“, von der bisher 3 Folgen in der KAZ erschienen sind. Der 4. Teil zu „Zionismus und die Nazis“, der in dieser Ausgabe abgedruckt ist, wurde zusammen mit ihm wenige Tage vor seinem Tod noch abgeschlossen.

Clemens war seit einigen Jahrzehnten ein überzeugter Marxist und Kommunist. Jeder, der mit ihm zu tun hatte, und insbesondere jeder, der mit ihm zusammen Artikel recherchiert und diskutiert hat, wird nicht vergessen, wie hartnäckig er sein konnte. Er ließ nicht locker, bis alle Argumente durchdiskutiert, analysiert, bis ins letzte Detail beleuchtet und auf ihren Wahrheitsgehalt hin hinterfragt waren, gerne bis tief in die Nacht hinein. Ihm reichte seine Lebenszeit niemals aus.

Clemens wäre nicht Clemens gewesen, wenn er nicht seine Grenzen bis zum Äußersten ausgereizt hätte. Beim Arbeiten und beim Genießen! Sein plötzlicher Tod ist für uns ein unersetzlicher Verlust. Adios Clemens, es lebe die internationale Solidarität!

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