KAZ
Lade Inhalt

Für Dialektik in Organisationsfragen

Arbeitskraftverschleiß durch erhöhte Ausbeutung

„Die Fehlzeiten der Beschäftigten in Deutschland haben ein Rekordniveau erreicht. 2022 lag der Krankenstand mit 5,5 Prozent um 1,5 Punkte über dem Vorjahresniveau. Das ist der höchste Wert, den die DAK-Gesundheit für ihre 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten seit dem Start der Analysen im Jahr 1997 gemessen hat. Im Durchschnitt fehlten die Beschäftigten fast zwanzig Tage mit einer Krankschreibung im Job. Das ist ein Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr (...)

Die meisten Fehltage verursachen Atemwegserkrankungen, wie Erkältungen und Bronchitis. Das Niveau lag um 172 Prozent über dem vom Vorjahr und erreichte mit 398 Fehltagen je 100 Versicherte einen Rekord. Bei den Muskelskelett-Erkrankungen verzeichnet die Analyse einen leichten Anstieg um 5 Prozent. Rückenschmerzen und vergleichbare Probleme verursachten 354 Fehltage je 100 Versicherte (Vorjahr: 337 Tage) Bei den psychischen Erkrankungen gab es mit 301 Fehltagen je 100 Versicherte ebenfalls einen neuen Höchststand. (...) DAK Versicherte Erwerbstätige kamen insgesamt auf fast 20 Fehltage pro Kopf. Das waren rund 5,5 Tage mehr als 2021. Hochgerechnet auf alle Erwerbstätigen in Deutschland ergibt sich ein Plus von rund 250.000 Fehltagen. „Dieser Rekord-Krankenstand ist alarmierend und sollte ein Weckruf für die Wirtschaft sein“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.“ (Auszug aus der DAK-GESUNDHEIT-Mitteilung, Hamburg 20. Januar 2023)

So viel zum „Weckruf für die Wirtschaft“

„Après moi le déluge! (Nach mir die Sündflut!) ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation“, heißt es bei Karl Marx. „Das Kapital ist daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des Arbeiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rücksicht gezwungen wird. Der Klage über physische und geistige Verkümmerung, vorzeitigen Tod, Tortur der Überarbeit antwortet es: Sollte diese Qual uns quälen, da sie unsre Lust (den Profit) vermehrt?“ (MEW Bd. 23 Das Kapital 1. Band S. 285/286).

Ganz in dem Sinne hat sich ein Teil der BRD-Wirtschaft mit einem erneuten Angriff auf die Arbeitszeittarifverträge zu Wort gemeldet. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, ein ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter, hat im einem Interview mit „Table Media“ erklärt: „Wir werden länger arbeiten müssen“, und dabei gefordert, „Wir brauchen mehr Bock auf Arbeit“, eine gute Work-Life-Balance „bekommt man auch mit 39-Stunden Arbeit in der Woche hin.“ Die Rente mit 63 hat er dabei als „offenkundige Fehlleistung der Politik“ bezeichnet. Die Arbeitszeit betreffend hat die bayrische CSU-Arbeitsministerin Ulrike Scharf bereits im November 2022 ein Zeichen gesetzt. Sie hat erklärt: Die Arbeitszeitgesetze müssten sich endlich an „die Lebenswelten der Menschen anpassen“. Das bayrische Arbeitsministerium hat dabei nachgeschoben, um welche Arbeitszeitwelten es gehen soll. Dazu sei es ein „erster wichtiger Schritt“, Arbeitszeiten von mehr als den bisher gültigen 10 Stunden täglich zu ermöglichen. Freiwillig natürlich, nur für einzelne Arbeitstage „und unter Beachtung des Arbeitnehmerschutzes“.

Arbeitszeitgesetz und Arbeitszeittarife aushebeln „unter Beachtung des Arbeitnehmerschutzes“? Das ist sicher auch nur an einzelnen Arbeitstagen möglich. Auf die Nummer ist CDU-BDA-Kampeter noch nicht gekommen. Aber Scherz beiseite, die meinen es ernst. Das ist dem fehlenden gewerkschaftlichen Kampf für weitere Arbeitszeitverkürzung geschuldet. (Infos zu Kampeter Labournet, 27.02.2023 und CSU-Scharf SZ online 30.11.2022, Artikel von Maximilian Gerl)

Ludwig Jost

Spenden unterstützen die Herausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung
Email Facebook Telegram Twitter Whatsapp Line LinkedIn Odnoklassniki Pinterest Reddit Skype SMS VKontakte Weibo