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Editorial

Wir-Gefühl macht sich breit: z.B. bei der Veranstaltung am 9. November in Berlin. „Wir Deutsche“, „wir trauern gemeinsam um die Opfer der Nazi-Barbaren (der alten und neuen). „Wir“ präsentieren uns der ganzen Welt - in erster Linie den Abnehmern deutscher Waren und deutschen Kapitals - in tiefer Empörung. Und dazu ist „uns“ fast jedes Mittel und fast jeder Rechte recht. Der „Aufstand der Anständigen“ schmückte sich mit solchen Juwelen des Anstandes wie Edmund Stoiber, dem wackeren Streiter gegen die „durchmischte und durchrasste Gesellschaft“ oder mit Friedrich Merz, dem Bannerträger der „deutschen Leitkultur“.

„Wir“ dulden die Brandstifter mitten unter „uns“ und wundern „uns“, dass es Feuer gibt. „Nie wieder Faschismus, Nie wieder deutsche Leitkultur! ­ Über den Unterschied von Volksfront und Volksgemeinschaft“ ist deshalb der Leitartikel dieser Ausgabe unserer Zeitung überschrieben. Dienen soll er als Orientierungshilfe im Dschungel von „Wir“ und „Die“. Außerdem haben wir uns entschlossen aus gleichem Anlass die „Thesen zu Rassismus und Kapital“ (siehe Anzeige S.48) als marxistische Antwort auf den Internationalismus des Kapitals und den damit einhergehenden wachsenden Nationalismus wieder aufzulegen.

Wie bereits angekündigt, erscheint in dieser Ausgabe der zweite Teil der „Die Bahn AG: ­mit 280 km/h aufs Abstellgleis“. Hier wird viel Hintergrundmaterial geliefert zur aktuellen Debatte um die Kahlschlagpläne von Mehdorn in fester Kontinuität zur Kohl-Regierung. Hervorzuheben sind hier die Gegenüberstellung Eisenbahn – Automobil und der Zusammenhang sowie der Gegensatz von kapitalistischen Interessen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten in Bezug auf Beförderung von Personen und Waren. „Just in time“ war das Motto neuer Produktions- und Logistikkonzepte in den 80er Jahren, „Just im Stau“ heißt es heute. Auswege aus der Verkehrsmisere des Imperialismus? Das Programm der Deutschen Bank und der Autolobby heißt: Vorwärts bis weit über die Belastungsgrenzen von Arbeiter und Natur. Dass die Bahn nicht irgendwann am Prellbock des Imperialismus stehen bleiben darf, ist uns allen klar. Oder sollen wir der nachfolgenden Generation verbrannte Erde hinterlassen? Wie zerschlagen die Bahn ist, wohin Privatisierung und Personalabbau geführt haben, zeigt eine Reportage über den Unfallhergang von Eschede. Interessant sind die Umstände, die zu so einem Unglück führen konnten.

„Wir“, mit Auschwitz gegen das Milosevic-„Regime“ und seine Gräueltaten - so wurde es uns von Scharping/Fischer im Krieg gegen Jugoslawien eingehämmert. Nun stehen deutsche Soldaten im Protektorat Kosovo und Serbien hat gewählt. Schwarz-rot-goldene Demokratie marschiert auf dem Balkan. Kann sich Jugoslawien das leisten? Und was wollen „wir“ uns noch leisten? Dazu der Artikel: „Rückkehr nach Europa“.

Im gleichen Zusammenhang: Eine Rezension zum Buch von J. Elsässer „Kriegsverbrechen“ behandelt die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt.

Besonders hinweisen möchten wir auf die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals. Sie muss vor dem Verfall und vor dem Vergessen gerettet werden.

Auch die Genossen von Clabecq melden sich wieder. Der Prozess wird erneut von vorne aufgerollt, nun zum dritten Mal. Empörung und Wut spiegelt die Meinung vieler belgischer Kollegen wieder, die gegen die Logik von Gewinn und Verlust angetreten sind und mit faschistischen Methoden an ihrem Kampf gehindert werden.

Dass Ernst Thälmann, der Antifaschist und Vorsitzende der KPD, zum Kristallisationspunkt für Widerstand gegen Faschismus, aber auch für bürgerliches Ausradieren und Vergessenmachen werden kann, zeigt darüberhinaus noch eine Aktion in Berlin, die wir von Herzen unterstützen und bei der man sich noch einschalten kann.

In diesem Zusammenhang ist ein weiterer Verlust zu betrauern. Irma Thälmann, die Tochter von Ernst Thälmann ist verstorben. Wir, die Redaktion der Kommunistischen Arbeiterzeitung, veröffentlichen aus diesem Anlass einen Nachruf für eine der größten Kämpferinnen für die Revolution.

Also, viel ist zu lesen und noch mehr zu tun. In diesem Sinne, Rot Front!

Redaktion der Kommunistischen
Arbeiterzeitung

Und so geht’s weiter:

Die Liste der Schwerpunktthemen (Änderungen vorbehalten):
KAZ 298 Fiktives Kapital und Börse – Gewinne und Ausbeutung
Redaktionsschluss: 1. März 2001
weitere Schwerpunktthemen:
- Bildung
- Gegen die imperialistische Propaganda
- Antisemitismus
- Arbeit
- Natur des Menschen oder Gentechnologie

Zu allen Themen wollen und suchen wir Mit- und Zuarbeiter. Wir sehen in der Erarbeitung der Themen einen Beitrag zur inhaltlichen Vereinigung der Linken. Zur Kontaktaufnahme wendet Euch bitte an die Adresse der Redaktion.

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