Die folgenden Berichte über die Auseinandersetzung einer Belegschaft und ihrer Interessenvertretung mit den Erpressungsversuchen „ihrer“ Geschäftsführung erschienen zuerst in der Betriebszeitung der DKP-Betriebsgruppe bei Karmann in Osnabrück „KarlOS-DIE PRESSE“. Karmann ist ein Automobilzulieferer mit vier Sparten:
– Im größten Bereich Fahrzeugbau (Presswerk, Rohbau, Lackiererei, Fertigmontage) werden Komplettfahrzeuge (in Osnabrück z.Zt. Daimler CLK-Cabrio und Chrysler-Crossfire) sowie Komponenten (u.a. für den in Bremen hergestellten Daimler SLK) hergestellt und montiert,
– ca. 500 Beschäftigte im Center Dachsysteme entwickeln und fertigen Verdecksysteme für Cabrios und andere „oben offene“ Autos,
– die (noch) ca. 650 Beschäftigten im Betriebsmittelbau entwickeln und bauen Werkzeuge und Vorrichtungen sowohl für Hausaufträge (also bei Karmann gefertigte Karosserien oder Teile) als auch für verschiedene europäische Autokonzerne – VW, DaimlerChrysler, MAN, Renault usw.,
– in der Technischen Entwicklung entwickeln ca. 650 Beschäftigte Karosserien und Komponenten, ebenfalls sowohl für Hausaufträge als auch für Produkte verschiedener Konzerne, welche nicht bei Karmann gefertigt werden.
Insgesamt arbeiten bei Karmann in Osnabrück etwas unter 7.000 Beschäftigte – im Moment mit sinkender Tendenz. In den letzten Jahrzehnten schwankte die Osnabrücker Belegschaft zwischen knapp 5.000 (um 1994) und ca. 7.000. Neben dem Hauptwerk im Osnabrücker Firmensitz gibt es weitere Standorte – die größten in Rheine (NRW, Fahrzeugbau), Brasilien (Betriebsmittel, Presswerk, Fahrzeugbau), Portugal (Textil) und Mexiko (Dachsysteme für den VW-New Beetle-Cabrio). Die Karmann-Gruppe hatte am 30.06.2004 insgesamt 9.810 Beschäftigte, davon allein 8.228 in Osnabrück und Rheine.
Karmann befindet sich in Familienbesitz und ist als Zulieferer extrem abhängig von den Autokonzernen – von Ende der 40er bis Ende der 80er Jahre v.a. von Volkswagen, heute v.a. von DaimlerChrysler.
Der seit langem krisenhafte Betriebsmittelbau wurde Ende letzten Jahres zum Testfeld für die auch woanders heute üblichen erpresserischen Forderungen: fünf Stunden pro Woche mehr ohne Lohn und weniger Stundenlohn, Weihnachts- und Urlaubsgeld oder massive Arbeitsplatzvernichtung. Gemeint war die gesamte Belegschaft.
Die Karmann Belegschaft und ihre Vertretung konnten bisher diese Erpressungsmanöver „ihrer“ Kapitalisten abwehren. Der in den Artikeln beschriebene Weg dazu – Zugeständnisse „mit Rückholfeder“ – ist sicher kein „Modell“ für andere. Zwei Dinge drückten sich darin aus: Einerseits das Wissen der Kollegen um die Abwärtsspirale, die „Standortvorteile“ aus Lohnverzicht schnell wieder zunichte macht und ihr Wille, darum die tariflichen Standards zu halten und einen Dammbruch zu verhindern – andererseits die (wohlbegründete) Angst um die (real bedrohten) Arbeitsplätze und der Glaube, durch eigene Beiträge zur „Kostensenkung“ diese doch „sichern“ zu können. Diese beiden Seiten prägten das Verhalten der Belegschaft und ihrer Vertreter – das war die konkrete Situation, die sich in dem Konfliktverlauf ausdrückte. Letztendlich war es das „Überziehen“ der Kapitalseite, welches die schon angebotenen Zugeständnisse verhindert und der Belegschaft dabei auch Lehren vermittelt hat. Aber dieser Konflikt ist auch ein Beispiel dafür, dass Gegenwehr möglich ist – und dass man dafür eine selbstbewusste, konfliktbereite und eng mit der Belegschaft verbundene Interessenvertretung braucht.
Arbeitsgruppe „Stellung des Arbeiters in der
Gesellschaft heute“
„Sorge um den Betriebsmittelbau“ („Osnabrücker Nachrichten (ON)“, 24. März) bewegt seit Monaten viele Kolleginnen und Kollegen bei Karmann. Die Geschäftsführung wollte das nutzen zum Großangriff auf Arbeitszeiten und Löhne – nicht nur im Betriebsmittelbau (BMB). Dies ist gescheitert – am Widerstand von Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall. Doch die Sorge bleibt – wie geht es jetzt weiter?
Den Kollegen im Vorrichtungsbau[1] wurde Mitte Mai[2] mitgeteilt: 100 ihrer heute 220 Arbeitsplätze (vor allem an Werkbänken und Maschinen) sollen in ein „Billiglohnland“ verlagert werden. Für die Sparte Werkzeugbau scheint noch kein Konzept vorzuliegen. Der Leiter des Betriebsmittelbaus, Alexander Paul, sieht für sich keine Zukunft bei Karmann und hat das (sinkende?) Schiff in Richtung Konkurrenz verlassen.
Ein Blick zurück: „Ohne Zugeständnisse auf der Entgeltkostenseite“ gebe es in Zukunft „keine nennenswerte Beschäftigung in Osnabrück“, so die Geschäftsführung (GF) Ende 2003. Ihr „Horrorkatalog“: fünf Stunden jede Woche länger arbeiten ohne Bezahlung, Wegfall aller Überstunden- und Samstagszuschläge, Halbierung von Weihnachts- und Urlaubsgeld, Kürzung der Akkordzuschläge von 28,5 auf 15%...
Die Verfügung über die Produktionsmittel und damit über unsere Arbeitsplätze gibt den Herren die „Lizenz zum Jobkillen“ – damit wollten sie uns heute noch knapp 700 Beschäftigten im Werkzeug- und Vorrichtungsbau diesen „Sanierungskostenbeitrag ... von rd.7 Mio.EUR“ abpressen.
Das wollte die GF in Geheimverhandlungen mit dem Betriebsrat (BR) hinter verschlossenen Türen vereinbaren und dann der Belegschaft „verkaufen“. Doch BR und IGM informierten und beteiligten die Belegschaft – durch Infoblätter und Abteilungsversammlungen. Wir Kollegen zeigten in mehreren spontanen Versammlungen unsere Wachsamkeit.
BR und IGM hatten die Bereitschaft erklärt zur Vereinbarung eines „Arbeitnehmerbeitrages“: fünf Arbeitsstunden mehr in der Woche, zunächst unbezahlt. Dieser „Arbeitnehmerbeitrag“ sollte aber „nicht ... dauerhaften Verzicht“ einleiten, sondern „rückholbar“ sein durch eine Rückzahlung nach erfolgreicher Sanierung.
Dieses Angebot der Interessenvertretung war nicht ungefährlich. Wenn die Geschäftsführung darauf eingegangen wäre, hätte sie von der Belegschaft zunächst die geforderte längere Arbeitszeit (40 Stunden) erhalten – allerdings grundsätzlich (später) bezahlt. Die Regelung für diese (Rück-)zahlung („Besserungsschein“) hätte ihr je nach verhandelter Variante verschiedene Schlupflöcher offen gelassen, die zusätzlichen Stunden doch unbezahlt zu bekommen (Bindung an zukünftige Gewinne, Verfallsdaten). Dazu kamen weitere Zugeständnisse wie der weit gehende Wegfall der Überstunden- und Samstagszuschläge.
Doch der GF reichte das nicht. Vor allem die geforderte Rückzahlung lehnte sie ab. Dagegen zog sie alle Register der Erpressung und Spaltung. Zur vollen Durchsetzung der GF-Forderungen sollten die „Führungskräfte“ die Angst und die vorhandene Verzichtsbereitschaft bei Teilen der Beschäftigten gegen die Belegschaftsvertretung mobilisieren. Die Betriebsmittelbau-Leitung sammelte Unterschriften für längeres Arbeiten bei Lohnverzicht.
Diese Rechnung ging nicht auf. An den Zugeständnissen konnte jeder auch noch so verzichtsbereite Beschäftigte sehen: die Belegschaftsvertretung geht auf die schwierige Situation ein.
Zugleich stellten BR/IGM mit ihrer Unnachgiebigkeit beim Prinzip „Rückzahlung“ die GF auf den Prüfstand. Jeder Beschäftigte konnte sehen: die GF wollte nicht wirklich eine Notlage überbrücken, ihr ging es nie um eine „Sanierung“ des Betriebsmittelbaus, sondern um „nachhaltige“, nämlich dauerhafte Arbeitszeitverlängerung und Lohnsenkung.
Was hätte uns die Annahme dieser GF-Forderungen gebracht? Längere Arbeitszeit oder Lohnverzicht als „Geschenke“ (ohne Rückzahlung) führen zu dauerhaften und flächendeckenden Verschlechterungen für alle Arbeitenden, aber nicht zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Die Übertragung auf die anderen Karmann-Bereiche Technische Entwicklung, Fahrzeugbau und Dachsysteme wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, ebenso das Nachziehen der Konkurrenzbetriebe. Wo bliebe dann die „höhere Konkurrenzfähigkeit“, wenn erst ALLE Metallbetriebe 40 Stunden arbeiten? Sind wir dann nicht wieder da, wo wir angefangen haben – mit dem Unterschied, das sich die Bosse noch mehr Geld in die Tasche stecken?
„Sichere Arbeitsplätze“ lassen sich vom Kapital weder erbetteln noch erkaufen – sie wird es erst dann geben, wenn „unsere“ Arbeitsplätze wirklich uns gehören. Bis dahin müssen wir uns immer wieder dagegen wehren, von den Kapitalbesitzern mit ihrer „Lizenz zum Jobkillen“ erpresst zu werden.
40 Stunden Arbeit für 35 Stunden Lohn fordert die Kapitalseite nicht nur bei Karmann. In der letzten Tarifrunde war dies die zentrale Forderung der Unternehmerverbände. Und bei den Nachrichten über Siemens fragt man sich: hat eigentlich Siemens-Chef Heinrich von Pierer von Dr. Lieberoth-Leden[3] abgeschrieben oder umgekehrt?
Die Reaktionen der Öffentlichkeit und vor allem der Karmann-Kunden auf die von ihr selbst angedrohte Stilllegung des Betriebsmittelbaus[4] hat die GF erschreckt. Doch was kommt jetzt? Droht ein „Sterben auf Raten“? Hat die GF überhaupt Konzepte für die Zukunft, oder stochert sie im Nebel?
Wir Beschäftigten erwarten von der GF, dass sie ihre Karten auf den Tisch legt. Wir haben in den letzten Monaten auch im Konflikt um den Betriebsmittelbau gezeigt: wir sind nicht so wehrlos, wie uns die Herren gerne hätten!
(Alle Zitate aus den BR-Infos)
KarlOS-Die Presse, Mai 2004
Wer erinnert sich nicht an die Stellungnahme von Dr. Lieberoth-Leden in der Betriebsversammlung letzten Sommer gegen die Forderung der IG Metall nach der 35-Stunden-Woche auch in Ostdeutschland? Den ostdeutschen Metallern standen in ihrem Tarifkampf vor allem westdeutsche Unternehmer gegenüber, die nach dem Anschluss der DDR an die BRD die „Standortvorteile“ der Billiglohnzone Ostdeutschland nutzen wollten. Letztes Jahr ist es ihnen gelungen, den „Standortvorteil“ längere Arbeitszeit gegen unsere ostdeutschen Kollegen zu verteidigen. Heute kann so ein Lieberoth-Leden gegen unsere Tarifverträge die niedrigeren Lohnkosten z.B. bei KUKA-Schwarzenberg[5] ins Feld führen. Jede Niederlage der Arbeiter, egal an welchem Ort, ist eine Niederlage aller Arbeiter – jeder Sieg irgendwo ist ein Sieg für alle!
KarlOS-Die Presse, Mai 2004
Woher kommen eigentlich unsere Beschäftigungsprobleme? Die Vertreter der Kapitalbesitzer sagen: „wir sind zu teuer“ – und meinen uns Arbeiter und Angestellte, unsere Einkommen und Arbeitszeiten. Viele Kollegen sagen: „unsere Manager sind Nieten in Nadelstreifen – sie müssten Arbeit reinholen“. Wir Kommunisten sagen: die erste Meinung ist falsch, die zweite so nicht richtig. Die Ursachen unserer Probleme liegen in der kapitalistischen Produktionsweise selbst, in ihren Gesetzen.
Unser „Kronzeuge“ dafür: Dr. Lieberoth-Leden! Er ist nicht verdächtig, mit uns und unseren Ideen zu sympathisieren, kennt aber die Welt des Kapitals. Er hat auf der Betriebsversammlung die Ursachen für „die Überkapazitäten im Betriebsmittelbau und die dadurch nicht auskömmlichen Preise“(Karmann-Post 175[6]) beschrieben.
Durch moderne und bessere Maschinen (z.B. NC-Fräsen) werden Werkzeuge mit viel weniger Aufwand, viel schneller und viel genauer gebaut als früher. Wie lange saß man noch vor 10 Jahren mit einem Werkzeug in der Tuschierpresse – und heute? Weniger Arbeit bei gleicher Arbeitszeit heißt weniger Arbeitsplätze. Ganze Firmen werden „überflüssig“ – abzulesen an den Konkurszahlen.
Diese Rationalisierung vollzieht sich bei Karmann und allen Konkurrenten. In der kapitalistischen „Marktwirtschaft“ gibt es aber keine gesellschaftliche Gesamtplanung – jeder wirtschaftet für sich! Betriebswirtschaftlich handelt jeder einzelne Kapitalist „vernünftig“, Produktion, Produktivität und Arbeitszeit möglichst zu steigern, die „Lohnkosten“ aber zu drücken. Gesamtwirtschaftlich aber verursacht dies Überproduktion und Überkapazitäten – vielleicht nicht gegenüber den Bedürfnissen der Gesellschaft, jedenfalls aber gegenüber ihrer zahlungsfähigen Nachfrage („Kaufkraft“).
Die Folgen in der betroffenen Branche: verschärfte Konkurrenz und Preisverfall. Die Preise, die auf dem Markt z.B. für Werkzeuge zu erzielen sind, fallen unter die Produktionskosten (einschließlich unserer Löhne und Gehälter).
Karmann als ein nichtmonopolistischer Zulieferer unter vielen ist durch seine Kunden - monopolistische Großkonzerne – erpressbar und muss Teile des von uns erarbeiteten Gewinns an die Großkonzerne abtreten, um als Zulieferant attraktiv zu bleiben. Dabei will Karmann den eigenen Gewinn nicht schmälern und darum mehr aus uns Arbeitern herauspressen.
Die Großkonzerne unter Karmanns Konkurrenten (Magna; ThyssenKrupp usw.) verfügen über bedeutend mehr Geld als Karmann. Sie können Krisen leichter überstehen und Firmen ohne ausreichende „Kriegskasse“ bankrott gehen lassen, diese dann relativ billig kaufen und deren Märkte übernehmen.
Wer trägt das „Unternehmerrisiko“?
Die Ursachen unserer Lage sind also:
– kapitalistische, profitorientierte Nutzung der Technik,
– Planlosigkeit der kapitalistischen Wirtschaft und
– Konzentration des Kapitals in marktbeherrschenden Großkonzernen.
Diese Ursachen haben „unsere“ Manager nicht erfunden, sondern vorgefunden. Die Folgen dieser, also ihrer Wirtschaft wollen sie auf uns abwälzen. In „guten“ Zeiten werden die Gewinne privatisiert (wegen dem „Unternehmerrisiko“), in „schlechten“ Zeiten die Verluste und das Risiko sozialisiert. Wer sind im Endeffekt die wirklichen Dummen, falls Karmann Konkurs anmeldet? Die Kapitalbesitzer haben genügend privates Kapital, auch die Manager fallen weich (wie jetzt H. Paul[7] ) - wir stehen auf der Strasse ohne ausreichend Geld auf der Kante. Wir erarbeiten Karmanns Reichtum, aber das Risiko tragen wir allein.
Warum können die Großkonzerne Karmann, warum kann Karmann uns so erpressen? Warum tragen wir allein das Risiko? Weil (und solange) SIE, die Kapitalbesitzer, die Maschinen, Werkzeuge, Gebäude, die Fabriken – und damit „unsere“ Arbeitsplätze besitzen! Solange wir nicht alle zusammen ihnen diese Produktionsmittel und die damit verbundene Macht entreißen, „besitzen“ wir nie wirklich „sichere“ Arbeitsplätze und müssen immer wieder um unsere Rechte als „Arbeitnehmer“ kämpfen.
KarlOS-Die Presse, Mai 2004
Länger arbeiten für weniger Geld – mit dieser Forderung meinten die Karmann-Bosse nicht nur den Betriebsmittelbau und nicht nur Karmann. „Unsere“ Geschäftsführung steht hier in einer Front mit allen Unternehmern und Konzernherren. Diese Offensive der gesamten Unternehmerschaft erfordert die Antwort aller Arbeitenden.
In den Versammlungen[8] berichtete die Geschäftsführung:
Die Stückzahlen der beiden zurzeit bei Karmann produzierten Autos werden wohl gleichzeitig sinken. Ab 2006 fehlt Beschäftigung.
Auf der Suche nach Nachfolgeaufträgen befindet sich Karmann in Konkurrenz zu den Autokonzernen selbst mit ihren freien Kapazitäten und zu Firmen wie Magna-Steyr in Österreich und Valmet in Finnland, welche zu großen Konzernen gehören. In dieser Konkurrenz geht es neben Qualität und Liefertreue vor allem um die Kosten.
So weit, so unbestreitbar. Doch dann ließ Joschko[9] die Katze aus dem Sack: im Wettbewerb um einen Daimler-Cabrio-Nachfolger seien im Kostenvergleich alle europäischen Mitbewerber erheblich günstiger. Darum müsse Karmann vor allem die Personalkosten senken.
In der Freitagsversammlung hieß es dann noch deutlicher:
Im „Sorgenkind“ Betriebsmittelbau lägen die Lohnkosten angeblich 20-30% über dem Durchschnitt der deutschen Konkurrenten. „Bedauerlicherweise“ seien Betriebsrat/IGM den „Vorstellungen der GF“ (Fünf Stunden länger unbezahlte Arbeit, weniger Stundenlohn, Weihnachts- und Urlaubsgeld) „nicht gefolgt“. Das sei der Grund für die jetzige Unterauslastung, darum müssten zur Erreichung einer „überlebensfähigen Struktur“ Arbeitsplätze in Osnabrück vernichtet bzw. an einen „Niedriglohnstandort“ verlagert werden.
Die Siemens-Vereinbarung stellte er als positives Beispiel dar – besonders hob er hervor, dass bei Siemens keine Rückzahlung der Arbeitnehmerbeiträge vereinbart wurde.
Diesen Äußerungen widersprachen BR-Vorsitzender Harald Klausing, VK-Leiter Achim Bigus und IGM-Chef Hartmut Riemann – unter großem Beifall der Belegschaft. Am Montag wurden diese Teile in der Rede der Geschäftsführung nicht wiederholt.
Doch im Betrieb weiß man: die GF hat vom Betriebsrat für den Daimler-Auftrag massive „Kostensenkungen“ verlangt – bei den „Personalkosten“ der Fahrzeugbau-Belegschaft, versteht sich. Dabei soll es um 20-30% Lohnkosten gehen oder um „600 € pro Auto“.
Anders als im Betriebsmittelbau gab es keine konkreten Forderungen, aber nach der Betriebsversammlung denkt man sich so seinen Teil ...
Daimler in Bremen steht im Wettbewerb um den gleichen Auftrag. Als „gefährlicher“ Mitbewerber stellt die Bremer Werksleitung unter anderem Karmann dar – vor allem wegen der „25% weniger Personalkosten“ in Osnabrück ...
Daimler fordert 500 € „Kostensenkung“ pro Auto. Erreicht werden soll diese durch unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit bis 40 Stunden/Woche, Reduzierung von Erholzeiten, Nacht-, Schicht- und Überstundenzuschlägen, Verzicht auf 1 Prozent Tariferhöhung für 10 Jahre, Koppelung der jährlichen Ergebnisbeteiligung an Krankentage und andere Grausamkeiten mehr ...
Ein anderer Mitbewerber ist Magna-Steyr in Linz. Auch Österreichs Unternehmer und Konzernherren fordern „Kostensenkungen“ zur Erhaltung der „Wettbewerbsfähigkeit“ – vor allem gegenüber den Niedriglöhnen in Tschechien, aber auch gegenüber Deutschland. Österreichs MetallerInnen arbeiten heute 38,5 Wochenstunden – bei der Forderung „Zurück zur 40-Stunden-Woche“ berufen sich die dortigen Unternehmer vor allem auf die Diskussion in Deutschland...
... oder gemeinsame Gegenwehr
Wenn wir die Konkurrenz der Kapitalbesitzer zu unserer Sache machen, dann sichern wir weder Standorte noch Arbeitsplätze, sondern unterbieten uns gegenseitig im Wettlauf um die niedrigsten Löhne und die schlechtesten Arbeitsbedingungen.
Die einzige Alternative zeigen uns gerade die Daimler-Beschäftigten mit ihren gemeinsamen Aktionen...
KarlOS-Die Presse, Juli 2004
1 Vorrichtungsbau – die kleinere der zwei Sparten des Betriebsmittelbaus
2 Mitte Mai – also nachdem die Verhandlungen um die im Dezember 2003 von der Geschäftsführung (GF) aufgestellten Forderungen nach 40 Stunden, Lohnverzicht usw. dann im März gescheitert waren.
3 Dr.-Ing. Bernd Lieberoth-Leden: Vorsitzender der Karmann-Geschäftsführung
4 Als die Drohung der GF, den Betriebsmittelbau zu schließen, öffentlich bekannt wurde, reagierten Karmann-Kunden, (Autokonzerne), mit Unverständnis und machten deutlich, dass auch der qualifizierte Betriebsmittelbau Karmann für sie als Zulieferer interessant macht.
5 KUKA-Schwarzenberg: Betriebsmittelbau in der annektierten DDR
6 Karmann-Post: „Mitarbeiter-Zeitung“ der Geschäftsführung
7 Alexander Paul – ehemaliger Betriebsmittelbau-Leiter , wechselte zu Müller-Weingarten
8 Betriebsversammlungen am 2. und 5. Juli 2004 (Teilversammlungen nach Schichten)
9 Hubert Joschko: Personalleiter, gab in den Betriebsversammlungen den Bericht der Geschäftsführung