KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
Der deutsche Imperialismus kann seit den „Deals“ der USA mit Russland um die Ukraine endlich wieder offen zeigen, dass er bei seinem dritten Anlauf zur Weltmacht, diesmal mit der „souveränen“ EU im Rücken, einen dritten Weltkrieg in Kauf nimmt. In der Finanzkrise um 2010 war es ihm zeitweise gelungen, Frankreich auf seine Linie zur Hegemonie in der EU zu bringen. Die politische und militärische EU-Hegemonie, zum Greifen nahe, kommt aber seitdem nicht voran.
Inzwischen drängt sich in der Souveränitätsdiskussion die Frage in den Vordergrund, ob „Europa“ mit den USA und China in der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI, engl. Artificial Intelligence, AI) mithalten kann. Dabei wird wegen des enormen Energiebedarfs der KI-Rechenzentren jetzt auch ohne Klimafeigenblatt thematisiert, dass die „digitale Souveränität“[1], man könnte auch Weltmacht-Tüchtigkeit sagen, nur mit „Dekarbonisierung“, Unabhängigkeit von Öl und Gas geht.
Wir verfolgen hier den deutsch-französischen Weg zur Weltmacht-Tüchtigkeit, mit oder ohne EU, und beleuchten Hintergründe und Aspekte, die helfen, die aktuellen Widersprüche zu verstehen, um Ansatzpunkte für widerständiges Eingreifen zu finden.
Anfang letzten Jahres, im Januar 2025, hatte sich die deutsche Wirtschaftsministerin und frühere Managerin im Energiekonzern Eon, Katherina Reiche, über den Stand von Rechenzentren für die Cloud- und KI-Entwicklung in Deutschland in einem Gutachten informieren lassen[2]. Das Gutachten stellte fest, dass die EU und besonders Deutschland in der der KI- und Cloud-Entwicklung nicht nur hinter den USA und China zurückbleiben, sondern auch gar nicht die dafür nötige Infrastruktur d.h. große Rechenzentren, „KI-Giga-Factories“, haben, für die man Geld, Netze, Chips und auch eine große Menge elektrischen Strom bräuchte. KI-Rechenzentren unterscheiden sich fundamental von früheren Anlagen, sie benötigen ein Vielfaches an Stromleistung. Der Strom, so das Gutachten weiter, fehle in Deutschland bereits für die Energietransformation der industriellen Kernbereiche wie Auto, Stahl und Chemie. Und jetzt auch noch für die KI, mit der man diese noch führenden Industrien retten könnte und müsste. Für die immer größeren Rechenzentren zur KI-Entwicklung hätten die USA und China ganze „Ökosysteme“ entwickelt. China habe einen Vorsprung wegen der starken staatlichen Interventionen, die USA wegen der großen Tech-Monopole.
Kaum war das Gutachten im Ministerium, fand im Februar 2025 in Paris mit großem Pomp ein internationaler „AI-Action-Summit“ statt, anlässlich dessen die EU-Finanzoligarchie mit Gefolge, um die 100 Firmenchefs, eine „EU-AI-Champions-Initiative“ gründeten und einen KI-Brandbrief an die EU-Kommission schickten. Sie mahnten, ein europäisches KI-Ökosystem sei nicht allein regulatorisch zu schaffen. Die größte Hürde beim Ausbau von KI-Rechenzentren sei außer den hohen Kapitalkosten die Energieverfügbarkeit.
Dem „AI-Action-Summit“ gelang es, die zentralen Fragen so grandios zu ignorieren, dass sich die New York Times fragte, ob die Politiker dort die schnelle und „disruptive“ Wirkung der KI überhaupt begriffen hätten.[3] EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte zusätzliche 20 Milliarden Euro aus dem Haushalt der EU für die Entwicklung von KI zu. Das Geld solle in diese Giga-Factories fließen, in denen KI-Modelle mit großen Datenmengen trainiert werden. Wir kommen darauf zurück.
Frühjahr und Sommer verstrichen, im Oktober 2025 nahm schließlich eine 15-köpfige „Expertenkommission“ des deutschen Wirtschaftsministeriums mit einer Sitzung zum Thema „Leistungsfähige KI-Infrastruktur und digitale Souveränität“ die Arbeit auf[4] Der Co-Vorsitzende der Kommission, Rolf Schumann, Chief Digital Officer der Schwarz-Gruppe[5] wird uns weiter unten wieder begegnen, auch die Kommissionsmitglieder von Telekom, Siemens und von SAP.
Kurz darauf, im November 2025 begann die Schwarz-IT--Gruppe, die auf dem Weg zum deutschen KI-Monopol ist, geleitet vom oben genannten Rolf Schumann, in Brandenburg eines der größten Rechenzentren Europas für elf Milliarden Euro zu bauen, ohne die Ergebnisse der „Expertenkommission“ abzuwarten.
Die großen alten deutschen IT-Gruppen in der Kommission, Telekom, Siemens und SAP, schritten ebenfalls ohne Kommissionsergebnisse gemeinsam zur Tat, wenn auch etwas schüchterner: Die Deutsche Telekom bzw. dessen Kommissionsmitglied Dr. Abolhassan und sein Chef Tim Höttges gaben schon in diesem Februar 2026 bekannt, dass sie ein KI-Rechenzentrum in München mit Nvidia-Prozessoren, ansonsten mit Technik der Kommissionskollegen von Siemens und SAP aufgebaut haben, welches mit einer Investition von einer Milliarde Euro die bisherige (bescheidene) deutsche KI-Rechenkapazität um 50% vergrößere und melden stolz (trotz der Abhängigkeit von Nvidia Prozessoren): „Eine der größten KI-Fabriken Europas stärkt Europas digitale Souveränität“. Mehr Investition sei möglich, aber nur mit staatlicher Profitgarantie. Wie die aussieht, wird uns die „Experten“-Kommission sicher mitteilen, wenn sie sich über die Marktaufteilung in Deutschland geeinigt haben, während die Schwarz-Gruppe die Kommission lenkt und außerhalb Fakten schafft.
Außerdem ist da noch die Frage der Hegemonie in der EU und der Rolle der EU auf dem Weltmarkt:
Im vergangenen Herbst 2025 hatte es schon gleich nach Gründung der Ministeriumskommission ebenfalls in Berlin einen EU-Gipfel gegeben, auf dem mehr als 900 EU-Wichtig-Personen[6] sieben Bereiche zur „digitalen Souveränität“ definierten, z.B. „ein weltweit führendes Umfeld für die öffentlich-private Entwicklung von Speerspitzen-KI in Europa schaffen“. Eine deutsch-französische Taskforce, die sich auf Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit konzentrieren will, soll Ergebnisse beim nächsten Deutsch-Französischen Ministerrat, möglicherweise noch in diesem Sommer 2026 vorstellen.
Während die deutsch-französische Task Force tagte und die deutschen IT-Riesen zögerten, war Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Anfang April in Japan. Er sprach dort mit dem Chef des IT-Investors Softbank, der nun am 1. Juni in Paris bekanntgab, 75 Milliarden Euro in den Aufbau von KI-Rechenzentren in Frankreich zu investieren. Softbank will damit fünf Gigawatt-Rechenkapazität für Künstliche Intelligenz (KI) aufbauen und Frankreich zum führenden europäischen Standort für KI-Infrastruktur machen, auch wegen der guten und zunehmend CO 2-ökonomischen Stromverfügbarkeit. Die deutsche EU-Führerschaft meckert über Atom, was (schlechtinformiert?) am Thema vorbeigeht, wie die unten folgende Betrachtung des Energiekonzerns Total zeigen wird.
Die von der EU im Februar 2025 auf dem „AI-Action-Summit“ in Paris zugesagten 20 Milliarden Euro für vier „AI-Gigafactories“ stehen währenddessen nicht einmal mehr auf dem Papier. Die Ausschreibung käme „noch im Sommer 2026“, sie müsse grundlegend überarbeitet werden, heißt es aus Brüssel. Es könnten statt drei oder vier Giga-Factories auch ein paar große und ein paar kleine Rechenzentren entstehen. Die 20 Milliarden Euro sollen zu 70% privat finanziert werden. Telekom-Chef Höttges beklagt nun, auf dem Weg von Paris nach Brüssel seien „16 Milliarden verloren gegangen“[7]
Amazon, Alphabet/Google, Apple, Microsoft und Meta starten inzwischen laufend neue Investitionen in KI-Infrastruktur, bis Juni kündigten sie bereits über 800 Milliarden US-Dollar allein für das laufende Jahr 2026 an. Das mag sich als temporäre Überinvestition herausstellen, wenn die mit Sicherheit kommende Nachfrage nach der neuen Technologie zeitlich nicht wie erwartet eintrifft. An den Größenordnungsunterschieden zwischen den EU- und USA-KI-Investitionszahlen ändert das nichts.
Im Februar 2025 hatten die Firmenchefs der „EU-AI-Champions-Initiative“ in ihrem Brandbrief an die EU-Kommission für ein europäisches KI-Ökosystem außer dem regulatorischen Rahmen und Kapital vordringlich Energieverfügbarkeit angemahnt. Während in Deutschland Frau Reiche mit E.on-Management-Hintergrund konfuse Energiepläne vorlegte, ist in Frankreich etwas passiert. TotalEnergies kündigt an, sich zum Stromkonzern zu wandeln.
Nach dem Kapitalproblem wird auch das Energieproblem der KI-Rechenzentren von der französischen Finanzoligarchie anders als von der deutschen angegangen. Die verschiedene Herangehensweise der deutschen und der französischen Monopolbourgeoisie lässt an die historisch sehr verschiedene Herausbildung dieser Oligarchien denken, dort aus der großen Revolution, hier aus dem feigen Klassenkompromiss mit dem Adel, dort aus einem großen Kolonialreich, hier bei der Aufteilung der Welt zu spät und zu kurz gekommen. Auch die unterschiedliche Lösung des Stromproblems für die gemeinsame KI-Weltmachtposition wäre ohne die sehr unterschiedliche Entstehung der Energiewirtschaft nicht möglich, nicht nur in der Kernkraft. In den neoliberalen Blütejahren vor und nach der Jahrtausendwende wurden in Deutschland RWE, Veba, Viag, oder Eon in den Privatisierungsstrudel gezogen wie auch in Frankreich Gaz de France oder Eléctricité de France (EDF), nicht aber der französische strategische staatsmonopolistische Öl- und Gaskonzern Total. Die andere Entwicklung von Total wurde, wie wir im Folgenden sehen werden, in der Rivalität um die Hegemonie in der EU wirksam.
Ein Blick auf Total lässt beispielhaft die feinen Risse in der Kooperation der Kapitalgruppen und Staaten erkennen, besonders im Verhältnis von Kooperation und Konkurrenz der deutschen und der französischen Finanzoligarchie, des deutschen und des französischen Imperialismus, die in der Rivalität auf Zusammenarbeit angewiesen sind, weil es beide allein nicht mehr zu einer Weltmacht bringen, die auch bei der Verteilung des sich gerade neu entwickelnden Weltmarkts mitreden könnte. Diese Risse zu verstehen wird helfen, Strategien gegen den Weg in den dritten Weltkrieg zu entwickeln.
Der französischen Energiekonzern Total hat eine sehr deutsch-französische Geschichte in ihren „geopolitischen“ Widersprüchen.
Die Firma hieß die meiste Zeit ihrer 100-jährigen Existenz Total, mit wechselnden Zusätzen, derzeit TotalEnergies, so die Eigenschreibweise. Damit stellt sie eine Perspektive über Öl und Gas hinaus in Richtung auf andere Energien dar.
Um die Jahrtausendwende firmierte man nach Fusionen mit Petrofina und Elf Aquitaine als „TotalFinaElf“.
Das „Fina“ im Namen kam von der Compagnie finançière belge des pétroles, abgekürzt Petrofina. Sie war 1920 gegründet worden und diente ursprünglich zur Übernahme von deutschen Erdölinteressen in Belgien nach dem ersten Weltkrieg, ebenso in Frankreich die Compagnie française des pétroles, der Vorläufer von Total. Das Übernahmemotiv „Energiesouveränität“ ist noch heute gültig, davon unten mehr.
Das „Elf“ in TotalFinaElf kam von der Elf Aquitaine, auch eine staatsmonopolistische französische Öl- und Gas-Gesellschaft. Die Fusion half, aus den Schlagzeilen heraus zu kommen nach der „größten Korruptionsaffäre Europas nach 1945“, so der britische Guardian. Als man den Namen 2003 schlicht auf „Total“ ohne Zusätze kürzte, war der Skandalname Elf praktischerweise verschwunden. Im Zug der „Dekarbonisierung“, sprich dem Bestreben der EU, die Abhängigkeit von den USA auch auf dem Feld der Energie zu vermindern, folgte 2021 ein weiterer kommunikativer Befreiungsschlag mit der Umfirmierung auf TotalEnergies, um die Richtung der Transformation weg vom Öl- und Gasgeschäft anzuzeigen.
Der Komplex der Affären und Skandale um die Öl-Gesellschaft Elf Aquitaine schlug seine Wellen in Deutschland mit der Leuna-Affäre, mit Kanzler Helmut Kohls Spendenaffäre und den „Bundeslöschtagen“, wonach Kohl sein Schweige-Ehrenwort bekanntgab und abtrat.
Hintergrund des Affärenkomplex war der Schwenk des französischen Imperialismus zum Neokolonialismus. Nach Dien Bien Phu musste die französische Finanzoligarchie Vietnam den USA überlassen, auf Neokolonialismus umstellen und sich auf eine Weltmachtposition durch Hegemonie in Europa konzentrieren.
Frankreichs Präsident Charles De Gaulle hatte Elf Aquitaine in den 1960er Jahren zu einer Zentrale der mehr oder weniger gewaltsamen Einflussnahme in Afrika gemacht. Die Sumpflandschaft der Korruptions- und Mörderbanden, der im Übergang der direkten kolonialen zur indirekten neokolonialen Herrschaft im Zwielicht der Geheimdienste entstand, wird in Frankreich unter dem Schlagwort „Françafrique“ zusammengefasst. Aus dem afrikanischen Ölreichtum wurden bei Elf gewaltige schwarzen Kassen generiert. Das Geld stand zur Verfügung für Schwarzgeldeinsätze für die Förderung „französischer Interessen“ oder das, was die jeweils an der Kasse bzw. in der Regierung Sitzenden dafür hielten – zum Beispiel im Wahlkampf, nicht nur in Frankreich.
Nach 1989 ging es um die Beteiligung des französischen Imperialismus an der Beute aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion in der Konterrevolution, an der auch der französische Imperialismus seit 1917 mitgearbeitet hatte. Um die Beute in der DDR hatte Frankreich mit Deutschland gefeilscht. Der französische Imperialismus, an einem starken Deutschland nur bedingt interessiert, hatte der „Wiedervereinigung“ schließlich zugestimmt, nicht zuletzt, weil Elf Aquitaine am Minol-Tankstellennetz interessiert war. Darum hatte sich aber auch z.B. die britische BP beworben. Die Konkurrenten zogen ihre Angebote jedoch zurück, als die profitable Minol von der „Treuhand“ schließlich nur noch im Paket mit der Petrochemie in Leuna zu haben war, die aber Milliarden an Renovierungskosten erforderte. Nur für Elf war das kein Problem, weil die Renovierungs-Milliarden von Helmut Kohl für Freund François Mitterand als EU-Subventionen lockergemacht wurden. Gleichzeitig füllte sich Kohls Wahlkampfkasse aus Schwarzgeldkoffern. Die gigantische Elf-Korruptions- und Staatsaffäre wurde in Frankreich unter Leitung der mutigen Untersuchungsrichterin Eva Joly mit Hilfe der Schweizer Justiz aufgedeckt.
In Deutschland ist die Aufklärung der Affäre im politischen Dickicht steckengeblieben. Angela Merkel nutzte sie zwar geschickt, um Kohl zu stürzen und Schäuble als Nachfolger zu verhindern. Nach ihrem Aufstieg ließ Merkels Aufklärungseifer aber stark nach. Mit dem Regierungswechsel 1998 zu Gerhard Schröder, dem „Neuanfang“ der CDU mit Merkel an der Spitze und dem Verschwinden des Namensteils Elf der Total-Gruppe begann die staatsmonopolistische Medienwelt Gras über die Affäre wachsen zu lassen. Die französisch-deutsche Energie-Kooperation, Total immer dabei, wandte sich neuen Themen zu wie den sibirischen Öl- und Gasvorkommen, um die gemeinsame Energie-Abhängigkeit von den USA zu vermindern. Hoffte man doch, bei der Beuteverteilung unter die imperialistischen Räuber nach dem Sieg der Konterrevolution in der UdSSR gemeinsam stark genug zu sein, um dem US-Imperialismus nicht die gesamte Beute überlassen zu müssen. Während Total erfolgreich Kontrakte zur Erschließung von Ölfeldern abschloss, etablierten sich deutsche Firmen wie die BASF-Tochter Wintershall im Gasgeschäft.
Um Energie-Souveränität bei der Konfrontation der Großmächte ging es schon bei der oben erwähnten Gründung von Total in den 1920er Jahren: Würden die deutschen Imperialisten den Wunsch, Weltmacht zu werden, nach 1918 aufgeben? Würden die verbündeten Großmächte von 1918 – Briten und US-Amerikaner – Frankreichs Kolonial-Empire schützen? Ministerpräsident Raymond Poincaré glaubte beides nicht und ließ die Compagnie française des pétroles (CFP) gründen.
Öl war imperialistische Rüstungsressource geworden, seit die Kriegsflotten von Kohle auf Öl umstellten. Poincaré war unter Zugzwang, weil die Briten 1918 den 25% Anteil der Deutschen Bank an der Turkish Petroleum Company, TPC, beschlagnahmt hatten. Diesen Anteil beanspruchte aber Frankreich als Reparation für seine Kriegsschäden. Die Deutsche Bank war wegen der Finanzierung der Bagdadbahn im Ölgeschäft: Die ursprüngliche Abneigung der Deutschbanker gegen das „Bagdadbahn-Abenteuer“ war mit dem Hinweis ihrer kaiserlichen Regierung überwunden worden, die Flotte brauche „Zugang zum Öl“. Die Briten hatten, getrieben von Winston Churchill, seit 1911 First Lord of the Admiralty, eine eigene Ölgesellschaft gegründet, die spätere British Petroleum, BP. Sie vertrauten den Zusagen der multinationalen Royal Dutch Shell nicht, im Krieg zuverlässig Öl an die britische Flotte zu liefern. Aus dem gleichen Grund, um Öl als imperialistische Rüstungsressource zu sichern, aber für Frankreich, lehnte Poincaré nach 1918 den britischen Vorschlag ab, die deutschen 25% der TPC an die die multinationale Shell zu übertragen, die dann Frankreich beteiligen würde. Das Ganze wurde 1920 mit der Aufteilung des osmanischen Reichs verhandelt. Im San Remo Oil Agreement wurde dann Frankreich die 25% an der TPC direkt zugestanden.
Damit konnte Poincaré die Compagnie française des pétroles (CFP) auf den Weg bringen. Schon damals war eine Streitfrage, wieviel Aktienanteil an der Gesellschaft muss der Staat haben, um die Rüstungssouveränität abzusichern und wieviel wird unter mehr oder weniger staatsnahe Finanzkapitale aufgeteilt. Man entschied sich zunächst für 30% Staatsanteil. Im Lauf der Zeit mit wechselnder Staatsform wurde die Frage flexibel gehandhabt, z.B. wurde der Staatsanteil reduziert auf eine ‚goldene Staatsaktie‘ mit Vetorecht.
Die CFP nahm im Zug ihrer internationalen Expansion den Markennamen Total an und stieg auf zu den Firmen, die das weltweite Ölgeschäft monopolisieren. Auch heute findet man TotalEnergies auf den Listen der Größten, je nach Betrachtung als privates oder staatliches, Öl- oder Energieunternehmen.
Die Garantie der Souveränität, d.h. des französischen Großmachtanspruchs als Gesamtinteresse des französischen Finanzkapitals, bleibt Unternehmenszweck auch unter dem Namen TotalEnergies.
Das zeigt auch ein Blick auf die Zusammensetzung die Leitungsgremien der TotalEnergies SE. (siehe Kasten auf Seite 9).
Patrick Pouyanné, Jahrgang 1963, ist seit 2014 an der Spitze. 1986 absolvierte er die elitäre Ecole Polytechnique in nur drei Jahren so gut, dass er in das altehrwürdige Corps des Mines aufgenommen wurde, welches der Regierung zur Technologieberatung dient. Bald aufgestiegen in die Direktion des Service des Mines, die Energieabteilung des französischen Industrieministeriums, wurde er 1993 bis 1996 Technologieberater der Ministerpräsidenten Edouard Balladur und FranÇois Fillon. 1997 begann daraufhin sein Aufstieg zur Spitze von Total, von wo er nun als staatsmonopolistischer Multiaufsichtsrat z.B. über Capgemini auch Einfluss auf die Entwicklung der Datenverarbeitungs- und -auswertungstechnik in Frankreich hat oder über das Corps des Mines und die Ecole Polytechnique die weitere Entwicklung der französischen Technologie-Spitzenkräfte im Auge behält.
Anders als im Aufsichtsrat einer deutschen Aktiengesellschaft können in einer SE, Societas Europea, Gesellschaftsform der EU, im Verwaltungsrat, dem conseil d‘ administration, auch operative Direktoren sein, so auch bei TotalEnergies SE. Das ausführende Organ des Verwaltungsrats ist ein Comité exécutif der Generaldirektoren, ähnlich dem Vorstandsgremium einer deutschen AG.
Pouyanné hat inzwischen im Unternehmen die maximale Machtposition. Als PDG, président directeur général, ist er Vorsitzender beider Gremien, leitet also seine eigene Kontrolle und ist zudem als einziger operativer Generaldirektor im Verwaltungsrat.
Unter ihm sind im Verwaltungsrat die Chefs von „Orange“ (früher France Télécom, die aus der Privatisierung der PTT- Postes, télégraphes et téléphones entstand) und von der Groupe „La Poste“ (ebenfalls aus der PTT entstanden), außerdem die Milliardärin Coisne-Roquette aus der Leitung des Großunternehmerverbands MEDEF und weitere Repräsentanten der alten (de Wendel) und der neuen (Bouyges) Finanzoligarchie, sowie je eine Person aus dem kanadischen und dem brasilianischen Öl- und Gasgeschäft, weiter ein Professor, der das US-Finanzkapital in Energiefragen berät. Schließlich sitzt im Verwaltungsrat mit Dr. Dierk Paskert noch ein Deutscher, der in 12 Ländern alternative Energieanlagen betreibt. Seine Karriere führte ihn über den Deutsche Bahn- zum Eon-Konzern. Dort entwickelte er strategische Konzeptionen für alternative Energiegewinnung. Weitere Verbindungen im Geflecht zwischen Industrie und Staat in Deutschland baute er auf als erster Geschäftsführer der „Allianz zur Rohstoffsicherung“, eines Projekts des Bundesverbands der Deutschen Industrie.
Für die Einbindung der Belegschaft in die Unternehmens- und Staatsinteressen sind im Verwaltungsrat von TotalEnergies drei weitere Sitze vergeben.
Nicht im Verwaltungsrat vertreten ist der größte Aktionär, der Investmentfonds Amundi mit ca. 10%, der zum Konzern der Credit Agricole gehört, der Zentrale der Agrargenossenschaftsbanken, die ebenfalls dem staatsmonopolistischen Netzwerk zuzuordnen ist.
Aktuell verlangt die Staatsräson des französischen Imperialismus, repräsentiert durch den TotalEnergies-Verwaltungsrat, dass sich der Energie-Souveränitätsgarant der Elektrizität zuwendet, auch für KI-Rechenzentren, die für die Weltmachtrolle bzw. für die Hegemonie in der EU gebraucht werden. Die Transformation von TotalEnergies muss nun finanziert werden im Gesamtinteresse des französischen Finanzkapitals.
Am 17.11.2025, neun Monate nach dem Pariser AI-Action-Summit und am Vortag des Berliner EU-KI-Gipfels, auf dem die deutsch-französische Task-Force für ein europäisches KI-Ökosystem gegründet wurde, hatte das Handelsblatt gemeldet:
„Paris. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky wird zu einem der größten Einzelaktionäre des französischen Energiekonzerns Total Energies. Total Energies habe mit Kretinskys tschechischem Energieunternehmen EPH eine Abmachung zum 50-prozentigen Kauf einer Stromerzeugungsplattform getroffen, die aus Gas- und Biomassekraftwerken und Batteriespeichersystemen besteht, teilte der französische Energieriese mit.
Im Gegenzug für den Anteil erhalte EPH Total Energies-Aktien im Wert von 5,1 Milliarden Euro. Dies entspreche 4,1 Prozent des Grundkapitals von Total Energies, womit EPH zu einem der größten Einzelaktionäre werde.
Die Plattform besteht aus Kraftwerken und Batteriespeichersystemen in Italien, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und Frankreich, die bereits in Betrieb oder in Bau sind und über eine Bruttokapazität von mehr als 14 Gigawatt verfügen. Beide Partner wollen die Kraftwerke in einem Gemeinschaftsunternehmen betreiben.
Für den bisher primär auf die Förderung von Öl und Gas konzentrierte französischen Konzern passt der Deal nach eigenen Angaben in die Strategie, seine Position auf den europäischen Strommärkten zu stärken, unter anderem um der steigenden Nachfrage von Rechenzentren gerecht zu werden.“
Ob EPH bzw. Kretinsky einen Sitz im Verwaltungsrat beanspruchen wird, ist offen (s. Kasten zu Kretinsky).
Patrick Pouyanné erklärte den Schwenk zur Elektrizität auf einer Veranstaltung der Wirtschaftszeitschrift ‚Challenges‘9 im März, noch vor der Japan-Reise von Macron: Das 21. Jahrhundert sei das Zeitalter der Elektrizität. Seitdem die USA die Fracking-Technologie entwickelt haben und damit das weltweite Öl- und Gasgeschäft dominieren, sobald der Ölpreis über 60 $/b liegt und andererseits China uneinholbar führend in nichtfossiler Energie wurde, müsse man sich entsprechend anpassen. TotalEnergies werde das Öl- und Gasgeschäft schrittweise reduzieren und in die USA verlegen, in der Elektrizitätsproduktion und -versorgung wachsen und diese zunehmend nichtfossil generieren.
Ein Teil der Transformation soll also durch Einnahmen aus dem perspektivisch auslaufenden Öl- und Gasgeschäft finanziert werden, das in den USA anders als in Europa politisch willkommen ist. LNG wird dann z.B. aus den USA nach Deutschland exportiert, das hilft, die Trump-Quoten zu erfüllen, sowohl Frankreichs als Investor, als auch Deutschlands als Importeur von US-Waren.
Interessanterweise verlässt sich Total bzw. Pouyanné auf die Ölpreis-Durchsetzungskraft der USA: Der Total-Geschäftsplan ist auf einem Ölpreis von 60 $/b aufgebaut, dem Preis, ab dem im Fracking-Geschäft Geld verdient wird.
Pouyanné weiter: „Außerhalb von China sind wir unter den drei größten Investoren in erneuerbare Energie. Unsere Ingenieure der Ölprospektion werden heute ausgebildet, Felder für Windkraftwerke zu berechnen.“
TotalEnergies will bis 2030 unter den zehn größten Elektrizitätsproduzenten der Welt sein, mit einer Produktion von über 100 Twh/a[10], 70% aus erneuerbarer Energie.
Bei den fossilen Energieträgern soll Öl reduziert und Gas hochgefahren werden. Die auch in Frankreich umstrittene Elektrizitätsproduktion aus Atomenergie erwähnte Pouyanné nicht – dazu unten.
2050 soll die Hälfte der Energieproduktion von TotalEnergies direkt auf Elektrizitätsproduktion entfallen, ungefähr 500Twh/a.[11] Das entspricht in etwa dem heutigen jährlichen Strombedarf Frankreichs. Worauf Pouyanné abzielt, ist aber nicht die heimische Stromversorgung, wie aus der obigen Meldung deutlich wurde. Es geht um „die Strategie, seine Position auf den europäischen Strommärkten zu stärken, unter anderem um der steigenden Nachfrage von Rechenzentren gerecht zu werden.“ Der Bedarf an Rechenzentren wird getrieben durch die schnelle Entwicklung von Clouds zum Betrieb der KI, ein Markt, der, wie eingangs erwähnt, außerhalb von China eben durch die USA-Tech-Monopole beherrscht wird. McKinsey schätzte eine weltweite jährliche (!) Zunahme des Rechenzentren-Bedarfs für KI-Anwendungen von 33% ab 2023[12], das würde bedeuten, dass sich der Bedarf alle drei Jahre verdoppelt oder nach sechs Jahren verfünffacht.
Zur gleichen Größenordnung kommt das Ökoinstitut von Greenpeace, das schätzt, dass sich der weltweite Strombedarf für KI-Rechenleistung in den Jahren 2023 bis 2030 mindestens verzehnfacht haben wird.[13] Der Rechenaufwand allein für das KI-Training verdoppele sich etwa alle fünf Monate.
Die Deckung dieses Bedarfs sei aber abhängig von der Verfügbarkeit der zum Bau und Betrieb nötigen Ressourcen, vor allem Strom. Für die von Macron in Japan angestoßene Entscheidung der Softbank, Frankreich zum KI-Zentrum Europas zu machen, war die politisch abgesicherte Stromverfügbarkeit ein zentrales Kriterium.
Die Schätzungen des Strombedarfs sind mit großen Unsicherheiten behaftet, eben wegen der aktuell sehr schnellen Entwicklung der KI-Modelle und des schon dadurch steigenden Stromverbrauchs der immer gigantischeren Datenzentren für das Training der Modelle. Durch die Anwendung der Modelle wird sich der Stromverbrauch dann entsprechend vervielfachen und schließlich weiter steigen durch die Entwicklung und den Betrieb der ganzen sich daraus entwickelnden KI-Wirtschaft, angefangen von Gebäuden über Daten- und Stromübertragungsnetze, nicht zu vergessen die praktische Ausbildung von KI-Fachpersonal. Wann genau wieviel Bedarf zu zahlungskräftiger Nachfrage wird, ist daher schwer vorauszusagen. Das lässt, wie wir eingangs gesehen haben, die deutschen Finanzoligarchen bei Siemens, Telekom und SAP zögern bzw. staatliche Profitgarantie anfordern. Nur im grün-schwarzen Ländle schreitet der greise Dieter Schwarz mit CDU-Freund Frankenberg voran.
Vor allem aber die USA-Big-Tech-Monopole und ihre chinesische Konkurrenz warten nicht auf Profitgarantien. Sie entwickeln Lösungen für das Energieproblem der KI-Rechenzentren mit neuartigen Atom- und Weltraumkraftwerken für Betrieb und Kühlung.
Planungen für 2050, wie bei TotalEnergies, können auch nicht ausblenden, dass die ökonomische Realität von 2050, die mit Sicherheit von KI-Technik dominiert sein wird, auch schon gekennzeichnet sein kann durch eine KI-Technik, die auf Quantencomputern läuft und mit Energie aus Kernfusionskraftwerken versorgt wird.
Mit der KI entwickeln sich die Produktivkräfte und damit die politischen Kräfteverhältnisse wie einst mit der großen Maschinerie auf Grundlage der Werkzeugmaschine[14]. Die Denkzeugmaschine Mikrochip bringt die große Denkzeugmaschinerie der KI hervor. Für uns wird die Änderung der Kräfteverhältnisse des zweiten Viertels des 21. Jahrhunderts zunächst politisch weiter geprägt durch die deutsch-französische Kooperation und Konkurrenz im Wettbewerb mit den USA und China, die sich in der Entwicklung des Energiemonopols Total widerspiegelt.
Das Schlagwort von den Daten als Öl des 21 Jahrhunderts passt dann auch zu der Bedeutung, die die KI inzwischen in der Rüstung hat[15]. Anfang Mai machte US-Kriegsminister Hegseth Schlagzeilen, als er einen Vertrag mit acht großen KI-Firmen abschloss, um „die US-Überlegenheit in allen Gebieten der Kriegsführung zu wahren“. Der bessere Algorithmus siegt auf dem Weltmarkt und eben auch auf dem Schlachtfeld, wo die Neuaufteilung der Weltmärkte nicht mehr friedlich vorangeht. Die Schlachtschiffe, für die Total einst gegründet wurde, heißen jetzt Datenzentren oder „KI-Gigafactories“.
Es bleibt die Frage, ob das Gesamtinteresse der deutschen Finanzoligarchen, d.h. des deutschen Imperialismus, mit dem Gesamtinteresse der französischen Finanzoligarchen, dem französischen Imperialismus in der Frage der Digital- und Energiesouveränität zusammengehen wird und wie das von ihrem politischen Personal veranstaltet werden soll. Bei den EU- Möchtegernweltmachtprojekten FCAS-Flugzeug und MGCS-Panzer und vor allem bei der EU-Cloud haben bisher weder der nun sinkende Stern Macron noch seine Partner Merkel, Scholz und Merz die Lösung im Geflecht der Interessen gefunden. Immer wieder stehen die Projekte „kurz vor einer Lösung“. Jörg Kronauer, ein erfahrener Beobachter der Szene, weiß aber: „Für deutsch-französische Projekte, ganz besonders für solche auf dem Feld der Rüstung, galt bislang recht zuverlässig: Nach dem Streit ist vor dem Streit.“[16]
Am 2.Juni schloss das Handelsblatt seine 2. „TECH“ Tagung im Schwarz-KI-Park Heilbronn, „Europas größtem KI-Ökosystem“, mit „2.000 Technologie-Experten“ mit der Zusammenfassung für das deutsche Kapital: „Es ist noch nicht zu spät – aber fast“ – für den „Technologiestandort Europa“.[17]
Das Handelsblatt hatte vor der Tagung die EU-Gesetzespaketentwürfe zur „digitalen Souveränität“ veröffentlicht, die Frau von der Leyen den Firmenchefs der „EU-AI-Champions-Initiative“ nach ihrem oben erwähnten Brandbrief versprochen hatte. Das Kernstück des Pakets heißt „EU Cloud and AI Development Act (CADA)“. Die Kommission erklärt, dass die EU 264 Milliarden Euro pro Jahr an Microsoft, Google und Meta bezahle, die die gesamte öffentliche und private Datenverarbeitung inklusive der elektronischen Kommunikation dominieren. Also müsse man europäische Firmen befähigen, hier konkurrenzfähige Angebote zu entwickeln, was auch der Datensicherheit dienen soll. Auch soll der Plan von 2023 wieder aufgenommen werden, 20% der in der EU nachgefragten Chips auch hier zu produzieren. Leider stecke man weiter bei 10% fest.
Mit diesen Feststellungen wolle man aber auf keinen Fall den USA nahetreten und etwa neue Rachegedanken von Trump auslösen.
Souveränität bedeute nicht Abkopplung, sondern Kontrolle, stellte Telekom-Chef Höttges auf der „TECH“ Tagung fest. Er glaubt offenbar, Nvidia, den Chipgiganten Nr.1 dieser Welt, kontrollieren zu können, mit dessen Chips, siehe oben, Telekom und Konsorten ihre kleine, aber „souveräne KI-Fabrik“ gebaut haben. Wozu Herr Knobbe aus der Chefredaktion des HB dann auch bemerkte: „Wo genau die Grenze der Abhängigkeit von den großen US-Unternehmen liegen wird, ist ungeklärt. Was man auch am aktuellen Streit sieht, wie groß KI-Gigafactories auf deutschem Boden sein müssen.“[18]
Das Geflecht, besser Dickicht der Interessen besteht nicht nur aus der Konkurrenz der Konzerne und ihrem Expansionsdrang, der mangels Weltmacht von der Dominanz des US-Imperialismus gebremst wird. Zur Weltmacht gehört die Atommacht, ein Hinweis, den auf der politischen Ebene z.B. Markus Söder selten vergisst. Die Atommacht in der EU hat Frankreich monopolisiert, es hatte einst auf Atomkraft als Hauptenergiequelle gesetzt. Nun sind die französischen Atomkraftwerke renovierungsbedürftig. Auch wegen der Renovierungskosten musste die teilprivatisierte französische Atomindustrie wieder ganz verstaatlicht werden. Macrons Nachfolger muss die Renovierungsmilliarden finden. Die auch in Frankreich von der Finanzoligarchie beherrschte öffentliche Meinung lehnt allerdings wie in Deutschland Steuererhöhungen und noch höhere Staatsschulden ab. Für die Transformation von Total ist nun der tschechische Oligarch Kretinsky eingesprungen. Das könnte auch nur eine Zwischenfinanzierung sein, dann müssen auch da noch weitere Milliarden gesucht werden. Der 2027 gewählte Nachfolger von Macron muss sehen, ob sich für die Energiesouveränität der Datenschlachtschiffe in alter deutsch-französischer Verbundenheit EU-Subventionen finden wie damals bei Elf Aquitaine und welcher Preis diesmal dafür zu bezahlen ist. Wir dagegen müssen Möchtegern-Siegfried Pistorius daran hindern zu versuchen, das Dickicht mit Gewalt zu durchschlagen, mit Freund Kerner von der IGM und den Schwertern Airbus und Rheinmetall an seiner Seite.
Stephan Müller mit AG Digitale Souveränität
– Patrick Pouyanné, *1963, Président Directeur Général
– Jacques Aschenbroich, *1963, Président des conseil d’administration von Orange (ex France Télécom), Corps des Mines, war 1987/88 Berater des Premierministers Chirac
– Marie-Ange Debon: *1965, PDG Groupe La Poste, vorher zuletzt Keolis (TGV), davor HEC, ENA, Cour de compte, France 3, Thomson, Suez.
– Laurent Mignon: *1963, Président du directoire de ‚Wendel‘ ab 2022, davor Chef von BPCE/Natixis, davor bei div. Großbanken.
– Marie-Christine Coisne-Roquette: *1956, Juristin, PDG der von ihrer Familie kontrollierten Sonepar SAS (ww. größter Elektronikteilehandel), persönliches Vermögen ca. € 5 Mrd, war seit 2002 langjährig in der Leitung des Industrieunternehmerverbands MEDEF.
– Helen Lee Bouygues: *1972, Unternehmensberaterin bes. Telecom, Reorganisationen, franz. und USA Pass, Ökonomin Princeton, Harvard, war u.a. bei J.P. Morgan und McKinsey, Ehefrau eines Neffen von Martin Bouygues. Multiaufsichtsrätin.
– Lise Croteau: *1960, Kanadierin, Wirtschaftsprüferin, Audit comité, auch in den c.d’a von Boralex (erneuerbare Energie) und Quebecor (Telekom Kda.), davor CFO von Hydro-Quebec (einer der welt-größten Wasserkraftproduzenten)
– Glenn Hubbard: *1958, US-Amerikaner, Wirtschaftsprofessor Harvard, Columbia, Vors. d. Verw.rat MetLife (größte Lebensvers. USA), war im US-Finanzministerium und in Komitees der nat. US-Wirtschafts- Sicherheits- und Technologie-Berater und Mitglied in Verwaltungsräten u.a. KKR.
– Anelise Lara: *1961, Brasilianerin, Studium und Diss. In F, 1986 bis 2021 in div. Pos. Bei Petrobras, Up/Downstream, strat. Partnerschaften, zuletzt in der Leitung.
– Dr. Dierk Paskert: *1961, Deutscher, CEO von Encavis, Investor und Betreiber von Solarparks und Windkraftanlagen in 12 Ländern, davor Veba/Eon/Ruhrgas. Entwickelte strategische Konzeptionen für alternative Energiegewinnung. Erster Geschäftsführer der „Allianz zur Rohstoffsicherung“, ein Projekt des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Davor bei deutsch-britischen Banken, Degussa, Stinnes, Vorstand Schenker (Deutsche Bahn Konzern)
– 3 Personen Personalvertretung
Daniel Kretinsky stieg in der „Samt“-Konterrevolution der CSSR zum Finanzoligarchen auf, unter und mit seinem inzwischen verstorbenen Schwiegervater Petr Kellner. Der Reichtum stieg mit dem Abschmelzen der Bilanz-Rückstellungen der übernommenen privatisierten Banken, Versicherungen und vor allem des ungeliebten Braunkohleerbes Tschechiens, der Slowakei und der DDR (z.B. Lausitz) im regulatorischen Zwielicht der Konterrevolutionen nach dem Ende der UdSSR. Daraus entstand die Energieholding EPH, die bei TotalEnergies einstieg. Dass er auf die Nachsicht der Regulierungsbehörden angewiesen ist macht ihn offenbar zum beliebten Partner bei staatsmonopolistischen Transformations-Kräfteverschiebungen in der Finanzoligarchie, wie auch bei ThyssenKrupp in Deutschland, in der Logistik z.B. bei der britischen Royal Mail und der Post der Niederlande oder derzeit bei der Metro-Gruppe und nicht zuletzt in der Medienlandschaft z.B. bei ProSiebenSat1 oder Le Monde in Frankreich.
1 Unsere bisherigen Arbeiten zur „Digitalen Souveränität“ in den KAZ-Ausgaben 352 bis 385 sind zusammengestellt in der Broschüre „Digitale Souveränität“, unter www.kaz-online.de/broschueren
2 BMWK Gutachten Jan. 2025: Stand und Entwicklung des Rechenzentrumsstandorts Deutschland
3 The New York Times 10.02.2025 „5 Notes From the Big A.I. Summit in Paris”
5 Kern und vorläufiger Goldesel der Schwarz-Gruppe ist die Lebensmittelkette Lidl, kontrolliert von Deutschlands Milliardär Nr. 1, Dieter Schwarz, der auch den Aufbau der Schwarz-IT-Gruppe in Heilbronn zum führenden KI-Zentrum in Deutschland finanziert, wohlwollend von der baden-württembergischen CDU begleitet.
7 Handelsblatt 03.06.2026, S. 21
8 Mit dem Begriff „Staatsmonopolistischer Kapitalismus“ haben wir uns besonders in den Ausgaben 352, 389 und 390 der KAZ auseinandergesetzt.
9 Challenges Nr. 909, 11.03.2026
10 Twh/a: Terawattstunden pro Jahr. 1 Terawatt = 1.000 Gigawatt. Beispiel: Ein Großkraftwerk mit einer nicht ungewöhnlichen Leistung von 1 Gigawatt, das ein Jahr lang = 24 x 365 = 8.760 Stunden ohne Unterbrechung 1 Gw Strom liefert, produziert 8.760 Gwh/a oder 8,76 Twh/a.
11 Quelle: Factbook auf Website TotalEnergies (totalenergies.com/sites/g/files/nytnzq121/files/documents/totalenergies_factbook-2024_2025_en.pdf) Detail-Info zu Total: www.portail-ie.fr/univers/2025/total-energies/ (ie.fr = intelligence economique, Website der École de guerre économique (EGE) des französischen Armeeministeriums, die auch mit der Münchener Bw-Hochschule zusammenarbeitet)
12 BMWK-Gutachten Jan. 2025 s. FN ii oben, S. 25
13 www.greenpeace.de/publikationen/20250514-greenpeace-studie-umweltauswirkungen-ki.pdf
14 Werkzeugmaschine: K. Marx, Das Kapital Bd. 1, MEW 23, S. 394. s. auch FN 1 oben bes. S. 61 ff.
15 Eine gute Darstellung der wachsenden Bedeutung der KI für die Kriegsführung findet sich in:IMI-Analyse 2026/13, Christoph Marischka, Eskalierende KI, wachsender Widerstand, Machtansprüche, Deregulierung und strategischer Kontrollverlust
www.imi-online.de/2026/04/29/eskalierende-ki-wachsender-widerstand/
16 junge Welt 22.05.2026, S. 3
17 Handelsblatt 5/6/7.06.2026, S. 5 Editorial
18 Handelsblatt 5/6/7.06.2026, S. 5 Editorial