KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
Innerhalb weniger Monate des Jahres 1976 verlor die Volksrepublik China drei ihrer herausragenden Führungspersönlichkeiten. Welch ein Verlust, umso mehr als diese Drei bis zuletzt in ihren führenden Positionen in Staat, Partei und Militär dienten statt einen hochverdienten Ruhestand zu genießen. Als Banditen verschrien, als Revolutionäre gekämpft, als Helden verehrt – wer waren diese Männer in ihrer Zeit und was ist ihre Bedeutung für heute – in China und der Welt?
Gerade wir in Deutschland können ahnen, was der Verlust von bedeutenden Führern der Arbeiterbewegung bedeuten kann. Was hätte anders werden können, wenn wir Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches, Eugen Leviné besser geschützt hätten? Was wenn wir dafür gesorgt hätten, dass Ernst Thälmann nicht verhaftet worden wäre?
Wir wissen, dass die Massen die Geschichte machen. Aber wir wissen auch, wieviele Opfer den Massen, uns, erspart bleiben im Kampf um eine sozialistische Zukunft, wenn wir Führer haben, die den Weg der Revolution überblicken, Führer, Wegzeiger, Wegfinder, die Orientierung geben können in unbekanntem Terrain, in unübersichtlichen Lagen, in langsamen dunklen Zeiten und in rasanten revolutionären Abschnitten, die Kühnheit und schnellen Entschluss verlangen, Führer, die Vormarsch und Rückzug beherrschen.
Viel ist gesagt worden gegen den Personenkult und was er Nachteiliges mit sich bringen kann; und wie alle Anbetung selbstverständlich auch Götzendienst ist, den Revolutionäre stets verachten. Hier gilt es ein richtiges Verhältnis zu gewinnen.
Im ersten Teil (s. KAZ 3952) wurde nach einer Einführung in die „Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“ (nach Plechanow) das Leben des großen Revolutionärs Zhu De dargestellt und sein Weg vom Sohn armer Bauern, zum General in der Ära der warlords, der opiumabhängig wird, der als Suchender zu den Kommunisten findet und schließlich zu einem der bedeutendsten Führer des chinesischen Befreiungskampfes und zum Marschall und einem der herausragenden Repräsentanten der siegreichen Volksrepublik wird. Auch seine besondere Verbindung zu Deutschland und zur deutschen kommunistischen und Arbeiterbewegung wurde dabei angesprochen. Nach dem Vortrag zum Thema beim Deutsch-Chinesischen Freundschaftsverein Ludwigsfelde konnte ich von einer Zuhörerin erfahren, dass Genosse Zhu in der DDR 1986 geehrt und die Polytechnische Oberschule (POS) in Berlin/Hohenschönhausen mit dem Namen „Marschall Zhu De-Schule“ ausgezeichnet wurde. Die Bilderstürmer der Konterrevolution entblödeten sich nicht, der Schule den Ehrentitel zu entziehen.
Zhou Enlai wuchs in einem großbürgerlichen Elternhaus auf in der Provinz Jiangsu, deren Hauptstadt Nanjing ist. Sein Großvater war hoher Staatsbeamter. Für seine Erziehung verantwortlich war vor allem seine Adoptivmutter Chen, die sehr gebildete Frau seines Onkels Zhou Yigan. Sie weckte früh seine Leidenschaft für Literatur und Kunst. Enlai besuchte eine vom amerikanischen Erziehungsmodell (Phillips Academy) inspirierte Mittelschule. Geprägt wurde er in seinen nationalrevolutionären Überzeugungen vom Gründer der Schule Yan Xiu und vom Leiter der Schule Zhang Boling. Von dort sind seine ersten Essays und Artikel in diesem Geist aus der Schülerbewegung bekannt. Er schloss die Schule mit hervorragenden Ergebnissen ab. Ab 1917 studierte er zwei Jahre in Japan (Tokio und Kyoto). Er war tief enttäuscht von Japan, das ja damals von vielen Chinesen als Vorbild in ökonomischer, politischer, kultureller Hinsicht gesehen wurde. Besonders verhasst waren ihm das elitäre Standesdenken und der Militarismus. In Japan lernte er aber auch den Marxismus näher kennen, begann auch den chinesischen Marxisten Chen Duxiu (1879-1942)[3] zu lesen und erlebte mit Begeisterung die russischen Revolutionen 1917. Zurückgekehrt 1919, unterstützte er in Tianjin die „Bewegung 4. Mai“[4]. Er gründete die „Awakening Society“, die aufräumen wollte „mit allem, was mit dem Fortschritt in der heutigen Zeit unvereinbar ist, wie Militarismus, Bourgeoisie, Parteifunktionäre, Bürokraten, Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, verhärtete Ideen, überholte Moralvorstellungen und alte Ethik ...”.[5] In diesem Zirkel lernt Zhou seine spätere Frau Deng Yingchao (1904-1992) kennen. Dort erhielt er auch den Decknamen „Nummer Fünf“, den er auch später noch mit Stolz verwendete. Enlai wurde in diesen Kämpfen des Jahres 1920 das erste Mal verhaftet und für 6 Monate in den Knast gesteckt. Von der Universität in Tianjin ausgestoßen, entschied er sich, ein Werkstudium in Frankreich zu beginnen. Zur Finanzierung wurde er Sonderkorrespondent einer Tianjiner Zeitung. Er verließ im November 1920 China von Shanghai aus Richtung Marseille, das er nach fünf Wochen erreichte. Wir finden ihn 1921 in London, in Paris. Dort hat Zhou Kontakt zu anderen angehenden Kommunisten wie Cai Hesen (1895-1931), Nie Rongzhen 1899–1992), Chen Yi (1901-1972), Li Lisan (1899-1967) und Deng Xiaoping (1904-1997). Ab März 1922 ist er in Berlin, bereits als Mitglied in der im Juli 1921 gegründeten KP Chinas und ihrer Organisation in West-Europa. Er schreibt für ihre Organe Shaonian (Jugend) später umbenannt in Chiguang (Rotes Licht). Zu seinen Tätigkeiten gehörte auch der Kontakt zur in Moskau neugegründeten Universität der Werktätigen des Ostens und der Aufbau der Guomindang in Europa. Im Oktober nimmt der 24jährige Zhou den wesentlich älteren Zhu De als Kandidat in die Partei auf.
Zhou Enlai soll während seines Aufenthaltes in Deutschland 1923 an einem Marsch zum Gedenken an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht teilgenommen haben. Er hat 1922/23 in der Kaiserallee 45A (seit 1950 Bundesallee) in Berlin-Charlottenburg gewohnt. Die „Hinterlassenschaft“ eines Sohnes Kuno, gezeugt mit einem Stubenmädchen Kunigunde Staufenbiel, wie der Spiegel 3/1976 verbreitete, und eines Enkels Wilfried in der DDR, konnte nicht zuverlässig geklärt werden.
Zhou kehrt im Spätsommer 1924 nach China zurück. 1925 heiratete er Deng Yingchao, die bis an ihr Lebensende 1992 eine Aktivistin und führende Genossin der patriotischen und kommunistischen Frauenbewegung in China sein wird als Kämpferin auf dem Langen Marsch, als Mitglied des Politbüros der KP, als Vorsitzende des Frauenverbands, u.a.
In der Zeit, als Mitglieder der KP auch gleichzeitig Mitglied der Guomindang (KMT) waren, übernahm Zhou wichtige Aufgaben in gemeinsamen Einrichtungen. So wurde er 1926 Vorsitzender des politischen Ausschusses der berühmten von Sun Yat-sen geschaffenen Whampoa-Militärakademie. Zur Erinnerung: Ihr erster Leiter war Chiang Kai-shek.
Nach dem Aufstand in Nanchang (s. ausführlicher bei Zhu De) im August 1927 mussten sich die kommunistisch geführten Truppen unter schweren Verlusten zurückziehen (der sog. Kleine Lange Marsch). Während dieser Zeit erkrankte Zhou Enlai an Malaria. Er musste fliehen, erreichte Hongkong und wurde dort gepflegt.
1928 finden wir Zhou in Moskau, wo im Juni der 6. Parteitag der KP Chinas stattfindet. Zhou selbst war als Antiquitätenhändler getarnt dorthin gelangt. Auf dem Parteitag hielt er eine ausführliche Rede. In China stehe die Revolution nicht unmittelbar bevor. Er unterstütze die Linie Maos: Befreite Stützpunktgebiete schaffen und die Städte vom Dorf her einkreisen. Die Agrarrevolution durchführen. – Der Parteitag billigte die Einschätzung Zhous. Er wurde zum Orgleiter des ZK gewählt. 1929 kehrt er nach China zurück, um in Shanghai konspirativ im Untergrund zu arbeiten. Er übernahm dabei auch die „Teke“, das Sicherheitsorgan der Partei. Meisterhaft baute er den Aufklärungsapparat auf, der später wertvollste Dienste bei den Vorwarnungen für die Einkreisungs- und Ausrottungskampagnen Chiang Kaischeks leisten sollte. Nachdem zwei seiner besten Aufklärer von der Guomindang, gefasst, gefoltert wurden und schließlich Verrat geübt hatten, den tausende von Kommunisten mit dem Tod bezahlten, konnte Zhou knapp entkommen. Es gelang ihm, sich mit seiner Frau und Genossin nach Jiangxi, in das rote Stützpunktgebiet abzusetzen, das sie Ende 1931 erreichten. Als faktischer Führer der KP musste sich Zhou mit harscher Kritik aus den eigenen Reihen an Maos Führungsstil auseinandersetzen, nachdem gerade die dritte Ausrottungskampagne der Guomindang gegen das Jiangxi-Sowjetgebiet überstanden war. Mao wurde von seinen führenden Positionen in der Roten Armee auf der Ningdu Konferenz abgelöst. Sie wurden zum Teil auf Zhou übertragen, der Maos politische Positionen explizit verteidigt hatte. Mao behielt auch deshalb seine herausragende politische Stellung im Sowjetgebiet. Damit beginnt eine Beziehung zwischen den beiden Genossen, die sie durch ihr ganzes Leben in Respekt und Vertrauen tragen wird.
Über die folgenden 18 Jahre bis zur Befreiung Chinas im Oktober 1949 muss hier nicht explizit berichtet werden. Sie zeigt die drei Genossen eng verbunden im Kampf, in unendlichen Entbehrungen, von Krankheiten (Mao hatte Tuberkulose, Zhou Malaria) gezeichnet, auf dem Marsch, in eisiger Kälte und sengender Hitze, beim Überqueren von reißenden Flüssen und unwegsamen Bergen, immer in Bewegung, froh um ein sicheres Nachtlager, immer wachsam, weil gejagt von der übermächtigen und grausamen Guomindang, von der barbarischen japanischen Armee und ihren Marionetten in China. Vom Tod bedroht in den Schlachten, aber auch durch Hinterhalte, durch Verrat, durch Freunde, die zu Feinden wurden. Und bei allen physischen Strapazen, niemals vergessen Klarheit zu gewinnen über die Grundlagen des Kampfes, die Kräfteverhältnisse, Aufrufe verfassen, Dokumente studieren bei Funsellicht, immer wieder die Soldaten schulen, aufrichten, mitreißen.
Vom Feind als „Banditen“, als „Verbrecher“ für vogelfrei erklärt, aber getragen und geschützt von der unendlichen Liebe und Verehrung der Bauern, des in China noch jungen Proletariats, der Volksmassen, im Bewusstsein, dass nur der Kommunismus China und seine Menschen retten kann und dass sie nichts zu verlieren haben als ihre Ketten, als ihr armseliges Dasein, die ewige Unsicherheit der Existenz. Zhu und Mao persönlich haben Frauen und Kinder verloren, ermordet, enthauptet durch die Guomindang. Sie haben als Individuen die Familie hintangestellt, haben ihr Blut und Gut eingesetzt für die größere Sache des Kommunismus, der erst mit der Wiederaufrichtung eines großen Chinas den großen, weltweiten Durchbruch erreichen kann.
Als bevollmächtigter Vertreter des Zentralkomitees der KPCh verhandelte er 1936 im Xi’an-Zwischenfall mit Chiang Kai-shek und zwang ihn, den Vorschlag der KPCh zum Kampf gegen die japanische Aggression anzunehmen. Das war auch die Probe auf die Ernsthaftigkeit der „antiimperialistischen Einheitsfront“ wie sie Dimitroff auf dem VII. Weltkongress der Komintern 1935 proklamiert hatte. Während des chinesischen Widerstandskrieges gegen die japanische Aggression seit 1937 leitete er nacheinander die Angelegenheiten des Jangtse-Büros und des Südbüros der KPCh. Er vertrat die KPCh bei der Arbeit an der Einheitsfront im Herrschaftsgebiet der Guomindang (KMT) und initiierte Kampagnen, um für die KPCh umfassende internationale Unterstützung zu gewinnen. 1941 zum Beispiel lernen ihn Ernest Hemingway und Martha Gellhorn kennen und sind von ihm und der Sache, die Zhou vertritt, begeistert.
Auf der ersten Plenartagung des siebten Zentralkomitees der KPCh wurde er1945 zum Mitglied des Politbüros und zum Parteisekretär gewählt. Nach dem Sieg Chinas über Japan 1945 leitete er die KPCh-Delegation zu den Verhandlungen mit der Guomindang. Er unterstützte Mao Zedong bei der Organisation und Führung des chinesischen Befreiungskrieges bis zum vollständigen Sieg, nachdem Chiang Kai-shek den Bürgerkrieg entfacht hatte. Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 war Zhou Ministerpräsident und bis 1958 Außenminister. Er war darüber hinaus Vizevorsitzender des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), Vizepräsident der Zentralen Militärkommission und Vizepräsident und später Präsident der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV). Zhou war bereits vor der Gründung der Volksrepublik China einer der führenden Köpfe der KPCh in der Außenpolitik; leitete die Ausarbeitung des Gemeinsamen Programms der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV), das erstmals die Grundprinzipien der Außenpolitik des neuen China in Form eines Gesetzes festlegte; entwickelte in der Anfangsphase nach der Gründung des neuen China zahlreiche Methoden zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu anderen Ländern, entsprechend deren Haltung zur Taiwan-Frage, darunter volle diplomatische Beziehungen, halbdiplomatische Beziehungen und nichtdiplomatische Beziehungen mit Handels- und Wirtschaftsverbindungen.
Er reiste im Februar 1950 nach Moskau, um Mao Zedong bei den Verhandlungen mit Stalin und dem Abschluss des Freundschafts- und Beistandsvertrags mit der Sowjetunion zu unterstützen; war im Juni desselben Jahres an der Entscheidungsfindung zum chinesischen Krieg gegen die US-Aggression und zur Unterstützung Koreas beteiligt. Er zwang die Vereinten Nationen (UN), der Teilnahme einer chinesischen Regierungsdelegation am UN-Sicherheitsrat zuzustimmen, bei der die chinesische Regierungsdelegation die Vereinigten Staaten im November der bewaffneten Aggression gegen Chinas Taiwan beschuldigte. Er trug die direkte Verantwortung für den Waffenstillstand im Koreakrieg und die Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens von Juli 1951 bis Juli 1953. Er legte die Richtlinien für den Aufbau diplomatischer Teams vor, wie zum Beispiel „eine feste Haltung einnehmen, die Politik beherrschen, fachlich kompetent sein und sich strikt an die Disziplin halten“; Auf der ersten Sitzung chinesischer Gesandter im Jahr 1952 wurden, basierend auf Mao Zedongs diplomatischen Ideen, sechs diplomatische Prinzipien für das neue China formuliert, darunter „Neue Wege gehen, Rücksicht nehmen, Gäste empfangen, nachdem man die eigenen vier Wände gereinigt hat“, „Gegenseitigkeit, Bedürfnisse des anderen erfüllen und sich mit der Weltgemeinschaft solidarisieren“. Nach dem Waffenstillstand des Koreakriegs wurden große Anstrengungen unternommen, Chinas friedliche Außenpolitik zu verbreiten. Bei einem Treffen mit indischen Delegierten im Dezember 1953 wurden erstmals die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz vorgestellt, darunter „gegenseitige Achtung der Souveränität und territorialen Integrität, gegenseitiger Nichtangriff, gegenseitige Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen, Gleichberechtigung und gegenseitiger Nutzen sowie friedliche Koexistenz“. Er leitete die chinesische Delegation zur Genfer Konferenz im April 1954 und führte Gespräche mit den betroffenen Parteien im Geiste der Wahrheitsfindung, der Taktik des Aufbaus einer internationalen Einheitsfront und der fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, um die Indochina-Frage zu lösen und die Unabhängigkeit und internationale Anerkennung Nordvietnams, Laos und Kambodschas zu erreichen. Er leitete die chinesische Delegation zur Asiatisch-Afrikanischen Konferenz im April 1955, erläuterte die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz weiter, legte die Leitlinien für die Suche nach Gemeinsamkeiten unter Beiseitelegung von Differenzen vor, beteiligte sich an der Ausarbeitung der zehn Prinzipien der Bandung-Konferenz und knüpfte intensive Freundschaften mit den neu unabhängigen asiatischen und afrikanischen Ländern. Er legte selbst die Richtlinien für die Beilegung historischer Fragen wie der territorialen Abgrenzung und der doppelten Staatsbürgerschaft mit Nachbarländern fest und stabilisierte so Chinas Nachbarschaftsbeziehungen. Im Januar 1957, nach den „Ereignissen“ in Polen und Ungarn 1956, besuchte er die Sowjetunion und die beiden Länder, um Fehler der Sowjetunion in ihren Beziehungen zu anderen sozialistischen Ländern zu korrigieren und die Solidarität innerhalb des sozialistischen Lagers zu fördern. Zhou wies deutlich darauf hin, dass auch sozialistische Länder ihre Beziehungen auf den fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz gründen sollten. Von Ende 1956 bis Anfang 1964 besuchte er 28 asiatische und afrikanische Länder, darunter Ägypten, Algerien, Ghana, Guinea, Mali und Pakistan, legte die fünf Prinzipien für die Entwicklung der Beziehungen Chinas zu asiatischen und afrikanischen Ländern sowie die acht Prinzipien für Chinas Entwicklungshilfe vor und betonte, dass die Hilfeleistungen auf dem Prinzip der Gleichheit, des gegenseitigen Nutzens und der Achtung der Souveränität der Empfängerländer ohne jegliche politische Bedingungen beruhen sollten. Er schlug verschiedene Methoden für Chinas Entwicklung der Beziehungen zu entwickelten Ländern vor: etwa den Ausbau nichtstaatlicher Beziehungen zur Förderung der offiziellen Beziehungen zu Japan, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Großbritannien und den Niederlanden auf Ebene der Geschäftsträger, die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zu Frankreich, die auf Prinzipientreue und Flexibilität beruhten und Frankreich zur ersten westlichen Macht mit diplomatischen Beziehungen zu China machten, sowie den Dialog mit den Vereinigten Staaten, während er deren Aggression und Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten entschieden ablehnte. Von 1958 bis 1970 leitete er in Genf und Warschau die Gespräche auf Botschafterebene an zwischen China und den USA und öffnete so die Tür für chinesisch-amerikanische Kontakte. Er nutzte die seltene Gelegenheit, die sich durch die Anpassung der US-Politik gegenüber China bot, und traf gemeinsam mit Mao Zedong die strategische Entscheidung zur Aufnahme chinesisch-amerikanischer Beziehungen. Er leitete und führte 1971 direkt den Vorsitz in Chinas bekannter „Ping-Pong“-Diplomatie, empfing mehrere geheime Besuche von Henry Kissinger, dem damaligen stellvertretenden US-Sicherheitsberater, sowie den offiziellen Besuch von US-Präsident Nixon im Jahr 1972 und wirkte an der Ausarbeitung und Veröffentlichung des Gemeinsamen Kommuniqués von Shanghai sowie an weiteren diplomatischen Aktivitäten mit. Er widersetzte sich entschieden den Versuchen der Sowjetunion, Chinas innere Angelegenheiten zu kontrollieren und sich in sie einzumischen, und bemühte sich gleichzeitig, eine Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu vermeiden. 1969 traf er sich am Flughafen Peking mit Alexei Nikolajewitsch Kossygin, dem damaligen Ministerpräsidenten der Sowjetunion, um die Spannungen zwischen den beiden Ländern abzubauen. Er wies die massive Einmischung der Lin-Biao- und Jiang-Qing-Gruppe in Chinas Außenpolitik entschieden zurück und setzte alles daran, die Fehler der ultralinken Seite in der chinesischen Außenpolitik zu korrigieren und Schäden zu minimieren. Er verstand es, diplomatische Theorien und Praktiken, Prinzipien und Flexibilität sowie international anerkannte diplomatische Regeln gekonnt zu verbinden mit Chinas Traditionen und philosophischem Denken. So formte er ein diplomatisches Denken und einen diplomatischen Stil mit chinesischen Charakteristika.[6]. Soweit (angelehnt an) eine offizielle chinesische Würdigung.
Besonders am Herzen lag Zhou die Beziehung zu Deutschland, das er als junger Kommunist kennengelernt hatte. Einer der ersten Akte der beiden neugegründeten Staaten – die VR China am 1. Oktober, die DDR am 7. Oktober – war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bereits am 25. Oktober – während die Spalter im Bonner Separatstaat (gegründet am 23.Mai 1949) bis 1971 brauchten, um die Realität des neuen Staats des volkreichsten Landes der Erde anzuerkennen.
Hierzu zwei Schlaglichter, siehe die Bilder auf der Seite links.
1972 wurde festgestellt, dass Zhou Blasen-Krebs hatte. Er arbeitete dennoch bis zum letzten Tag seines Lebens. Er starb am 8. Januar 1976. Als der Leichenwagen zum Einäscherungsort über die Chang’an-Straße fuhr, versammelten sich Millionen Bürger spontan in Beijing, um vom verehrten Genossen Ministerpräsident Abschied zu nehmen.
Ehre seinem Andenken!
Fortsetzung (Mao Tse-tung) in KAZ 397
1 Mao Tse-tung spricht davon in seiner Schrift „Dem Volke dienen“: „Der Tod ist jedem beschieden, aber nicht jeder Tod hat die gleiche Bedeutung. In alten Zeiten gab es in China einen Schriftsteller namens Sima Tjiän. Dieser sagte einmal: ‚Es stirbt allerdings ein jeder, aber der Tod des einen ist gewichtiger als der Tai-Berg, der Tod des anderen hat weniger Gewicht als Schwanenflaum.‘ Stirbt man für die Interessen des Volkes, so ist der Tod gewichtiger als der Tai-Berg; steht man im Sold der Faschisten und stirbt für die Ausbeuter und Unterdrücker des Volkes, so hat der Tod weniger Gewicht als Schwanenflaum.“(Hervorheb. CoR)
2 Dort auch eine Übersichtskarte Chinas und eine Chronologie zur Geschichte Chinas von 1840 bis 1976.
3 1929 als bekennender Trotzkist aus der KP Chinas ausgeschlossen.
4 1919: Am 4. Mai demonstrieren Pekinger Studenten gegen die geplante Abtretung der deutschen Kolonien an Japan auf den Versailler Verhandlungen („Verteidigt die Souveränität, bestraft die Verräter“) für die Rückgabe an China. Sie brennen die Residenz des Verkehrsministers nieder, der Minister für die Beziehungen zu Japan wird verprügelt. Die chinesische Delegation verweigert die Unterschrift unter den Versailler Vertrag. Die „4. Mai- Bewegung“ wird ein Ausgangspunkt für die Gründung der KP China im Jahr 1921. Generalstreik und Massenkundgebungen. Erstmals tritt die Arbeiterklasse als militante Kraft auf die politische Bühne Chinas.
5 vgl. Lee, Chae-jin. Zhou Enlai: The Early Years, Stanford, 1994).
6 vgl. www.mfa.gov.cn/eng/zy/wjrw/3606_665551/202405/t20240531_11367616.html – 17.01.2026