Gerhard Feldbauers Buch endet im Jahr 1996. Er konnte da natürlich noch nicht wissen, dass Berlusconi, der reichste Kapitalist Italiens, zum zweiten Mal nach 1994 mit seiner Forza Italia in einer Koalition mit Finis faschistischer Allianza Nationale und Bossis Lega Nord die Regierung übernimmt.
Mit akribischer Kleinarbeit beschreibt der Autor die Geschichte der Faschisten in Italien.
„Faschismus“: 1919 gründete Mussolini seine Bewegung und bezeichnete sie als Fascismo, die Mitglieder Fascisti, seine Partei Partito Nationale Fascista, PNF. Gegründet, um die Arbeiterbewegung zu terrorisieren, sein Ziel: an die Macht zu gelangen. Gestärkt durch einflussreiche Kreise der Industrie, der Großagrarier, der Staatsbürokratie und Teile des Militärs sowie des Vatikans, die ihn mit Geld unterstützten, brachen im Oktober 1922 40.000 Mann der Sturmabteilungen im „Marsch auf Rom“ auf. Vom König empfangen, übergab dieser dem „Duce del Fascismo“ die Macht. Die Macht an eine Partei, die nur 36 Parlamentssitze innehatte, aber durch den Eintritt der Nationalisten, Liberalen und der Volkspartei legalisiert wurde. Über 20 Jahre dauerte die Terrorherrschaft.
Und nach 1945: Die MSI (Movimento Sociale Italiano), auf Deutsch „Sozialbewegung“, bereits als Nachfolgerin der faschistischen Partei Mussolinis gegründet, nahm bereits im selbigen Jahr an Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung teil. Bereits 1953 stieg sie mit 5,8% zur fünftstärksten Parlamentspartei auf. Nach dem Zusammenschluss mit den Monarchisten gaben „3 Mio. Wähler ihre Stimmen für eine offen faschistische Bewegung. Und was die gewählten Parlamentarier betrifft, so handelt es sich zum großen Teil um Personen, die sich der Verurteilung als Kriegsverbrecher entziehen konnten, oder aber um Leute, die in Verbrechen der jüngeren Zeit verwickelt waren. („Gaddi“ Feldbauer)
Die MSI hält bis heute an Erbe und Tradition fest, auch wenn sie sich heute A.N. nennt. Alessandra Mussolini, die Enkelin Mussolinis, brachte dies auf die kurze Formel. „Wir schauen vorwärts, aber wir halten an unseren Wurzeln fest.“ (anlässlich des 70. Jahrestages des „Marsches auf Rom“, 1992)
Man fragt sich, wie es erneut geschehen konnte, dass der Faschismus, der in Italien, wie in ganz Europa so ungeheures Leid brachte, wieder groß werden konnte. „Die Antwort ist ebenso einfach wie schwerwiegend. Das war möglich, weil seine wirtschaftlichen, sozialen, seine politischen und ideologischen Wurzeln nicht angetastet wurden.“(Feldbauer)
Der Autor informiert über die Zusammenhänge,
Um zu verstehen, wie konnte es dazu kommen, dass Berlusconi seinen 2. Wahlsieg feiern konnte, liefert das Buch hervorragendes Hintergrundmaterial.
Der Autor Dozent Dr. sc. Gerhard Feldbauer habilitierte 1981 in der DDR zum Thema „Italienischer Faschismus“. Er arbeitete viele Jahre als Korrespondent u.a. in Indochina und Italien.
Die MSI hält bis heute an Erbe und Tradition fest, auch wenn sie sich heute A.N. nennt. Alessandra Mussolini, die Enkelin Mussolinis und Abgeordnete der A.N., brachte dies auf die kurze Formel. „Wir schauen vorwärts, aber wir halten an Unseren Wurzeln fest“.
Illu
Gerhard Feldbauer:
Von Mussolini bis Fini. Die extreme Rechte in Italien.
Elefanten Press Berlin, 1996, 223 Seiten,
ISBN 3-88520-575-0