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In KAZ 304 hatten wir den ersten Teil der Ergebnisse der Arbeitsgruppe Gen veröffentlicht, die „rote“ Gentechnik, in deren Mittelpunkt die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Genom und seiner Evolution steht. Hier nun der zweite Teil zur „grünen“ Gentechnik, der sich mit dem Einsatz dieser Methoden in der Tier- und Pflanzenwelt befasst, wo die Verheißungen von der Beseitigung des Hungers bis zur Anthrax-Produktion – auch bei dir zu Hause – reichen. Es geht um die Herstellung transgener (= gentechnisch veränderter) Pflanzen und Tiere. Dabei wird – schon seit Jahren und ohne dass hierfür eine „Ethikkommission“ bemüht wurde – in die Grundbausteine des Lebens eingegriffen und die Veränderungen in der Erbsubstanz an nachfolgende Generationen weitergegeben. Die Übertragung einzelner Gene über die Artgrenzen hinweg verändert die Erbinformation auf eine Weise, die in der Natur so nicht vorkommt. Die Empfän­gerorganismen erhalten dadurch neue vererbbare Merkmale, deren Auswirkungen weitgehend unerforscht sind. Dennoch gehen solche gentechnisch veränderte Organismen bereits massiv in unsere alltäglichen Lebensmittel ein. Alles zum Nutzen „des Verbrauchers“, der sich billiger und gesünder ernähren kann? Oder zum Nutzen der Bauern, die rationeller wirtschaften können? Sehen wir uns die wirklich bestimmenden Faktoren an.

Grüne Gentechnik

Von wem hätten Sie Ihr Schnitzel gerne?
Von Bayer oder von Monsanto?

Riesen-Konzerne in Verbindung mit ebenfalls weltweit agierenden Großbanken[1] haben sich zunehmend einer neuen Technologie, den Entwicklungen der Biowissenschaften, zugewendet und sind dabei, sich die Biologie des Planeten untertan zu machen. Die Bio-Industrie ist ungemein daran interessiert, sich den Genvorrat der Welt anzueignen, und damit den Schlüssel zu vielen Lebensbereichen. Dabei kollaborieren sie, etwa um bestehende Beschränkungen zu brechen, andererseits rivalisieren sie miteinander um die größten Brocken aus dem Kuchen. Der „Nutzen für die Menschheit“ ist dabei die Blaupause für Sonntagsreden und Werbekampagnen. Entscheidend ist der Erwerb ausschließlicher Rechte, um damit den Konkurrenten zuvorzukommen, und selbst entscheiden zu können, ob und wie die Möglichkeiten der Wissenschaft genutzt werden können – oder je nach Verwertungsmöglichkeiten (sprich Profiterwartungen) auch nicht.[2] Der unmittelbare Verwertungszwang nimmt die langfristige Erosion genetischer Ressourcen allemal in Kauf.

Unser täglich Brot schmeckt – nach Kapital

Fusionen, Neu- und Ausgliederungen zwischen Pharma-, Chemie- und Saatgutbranche begannen schon in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, der Zeit der sog. „Grünen Revolution“. Diese „Revolution“ von oben baute in der kapitalistischen Entwicklung mit dem entsprechenden wissenschaftlichen und technischen Fortschritt den Druck auf für Mechanisierung, Chemisierung und Intensivierung in der Landwirtschaft. Enorme Ertrags- und Leistungssteigerungen in der Pflanzen- und Tierproduktion durch Züchtung bei gleichzeitigem steigendem Dünger-, Pflanzenschutzmittel- und Einsatz von Leistungsförderern und Antibiotika machten in einem gewaltigen Aufschwung innerhalb von 2 bis 3 Jahrzehnten den Weg frei für Standardisierung, Monokulturen, Spezialisierung und Automatisierung im Interesse der Kapitalverwertung. Bauernhöfe, großagrarische Ländereien bis hin zu großen Mastbetrieben wurden zunehmend dominiert und kontrolliert vom großen und sich schnell konzentrierenden Kapital im Vor- und Nachleistungsbereich der Landwirtschaft: der Agrartechnik (Traktoren, Melkmaschinen usw.), der Düngemittel- und Pestizidproduktion, der Futtermittel- und Verarbeitungsindustrie bis hin zum Groß- und Einzelhandel.

Die Lebensmittelindustrie hat sich dabei stärker in den Händen weniger Großkonzerne konzentriert als jeder andere Wirtschaftszweig der Agrarwirtschaft (z.B. Oetker, Nestlé, Unilever). So wird es für den landwirtschaftlichen Anbieter immer schwieriger seine Produkte kostendeckend abzusetzen. Marktmacht und Preisgestaltung liegen eindeutig in den Händen der Unternehmen der großindustriel­len Verarbeitung und des Handels, die auf Grund der geringen Transportkosten Erzeugnisse und Roh­stoffe aus allen Teilen der Welt einkaufen können. Konzerne der Ernährungswirtschaft haben teilweise derart expandiert, dass sie integrierte Produktions- und Verwertungsketten entwickelt haben, oftmals zentriert um ein bestimmtes Agrarprodukt. So liegen bestimmte Produktketten in der Hand eines einzigen Konzerns mit seinem Tochterunternehmen und Beteiligungen: z.B. der Getreideaufkauf, -transport, der mit Getreidefütterung operierende Sektor der Geflügelwirtschaft, die Produktion gebrauchsfertiger Geflügelteile bis zum Absatz in Fastfood-Ketten. „Die Ernährungswirtschaft arbei­tet primär auf der Basis einer ausgedehnten Kapitalkontrolle über die unmittelbare Agrarproduktion, wobei die Konzerne für gewöhnlich mehr an der Kontrolle über Familienfarmen (z.B. mittels Produk­tionsverträgen) interessiert sind als daran, Land zu aufzukaufen und selbst Lohnarbeiter für die unmittelbare Produktion anzustellen.[3] Produktionsverträge dienen als Form der Kontrolle, bei der sich Kapital mit Wissenschaft und Technologie verbün­det, um solche Inputs und Regeln für das Farmmanagement bereitzustellen, die einen Output zu den vertraglich vereinbarten Qualitäts- und Preisbedingungen gewährleisten. Auch die heutigen kleinbäuerlichen Agrarbetriebe ähneln viel mehr den vielen weltweit verstreuten Lieferanten der großen Autokonzerne. Nur dass hier an markanten Standorten großer Lebensmittelhersteller oder großer Verbraucher­märkte die „Montage“ erfolgt. Die Umsiedlung der Pfanni-Werke nach Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise verringerte die Zahl der zuliefernden Kartoffelproduzenten von ca. 1.000 auf etwa 50 mit dem Effekt, dass der kleinteilige Erfassungshandel entfiel.[4]

Ihr Problem: Nicht der Hunger – Überproduktion

Trotz Ausbau der Exportindustrie für Agrarprodukte führte das Vordringen des Kapitals im Bereich der Landwirtschaft bereits in den 70er Jahren zu relativer Überproduktion[5].: Orangen wurden ins Meer geschüttet, Äpfel kompostiert, Getreide verbrannt und Fleisch mit hohen staatlichen Exportsubventionen zu Schleuderpreisen in vom Imperialismus abhängige „Entwicklungsländer“ transportiert, wo es nachweislich einen großen Teil der einheimischen traditionellen Produktion zum Erliegen brachte.[6] Die damit verbundenen sinkenden Rohstoff- und Lebensmittelpreise haben für das Kapital mindestens zwei Vorteile: Zum einen lässt der zunehmende Konkurrenzdruck kleine, finanziell schwache und für das Kapital ineffiziente Bauern durchs Verwertungsraster fallen. Noch heute hält der Strukturwandel an und das Bauernsterben setzt sich fort. In der EU verschwinden jeden Tag 550 Bauernhöfe. Auch in der BRD sind es seit Jahren und Jahrzehnten im Schnitt 2 bis 3% aller Landwirte[7], die pro Jahr ihren Hof aufgeben, den Boden verpachten, verkaufen, aufforsten oder sogar brach fallen lassen.

Zum anderen aber sorgen billige Lebensmittel dafür, dass sich die Arbeitskraft billiger reproduzieren lässt, der Wert der Ware Arbeitskraft sinkt und kann so weiteren Druck auf die Löhne „vertragen“. Mindestens aber wird so Platz geschaffen in den Budgets der Arbeiterhaushalte, um als Abnehmer von mehr Industriewaren, langlebigen Konsumgütern u.ä. genutzt zu werden.

Gift – Hin und Zurück

Auch die wachsende Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gegenüber Umweltschäden, Gesundheitsschädigungen, die durch Pflanzenschutzmittel verursacht wurden, und gegenüber häufiger werdenden Lebensmittelskandalen minderte den Anreiz zur weiteren Expansion. Doch die Ausweitung der Chemieindustrie auf die in Unterentwicklung gehaltenen Länder sicherte weiterhin Profite. In der Ausnutzung mangelnder Gesetzgebung und des geringen Ausbildungsstandes der Bauern und Landarbeiter verwandelten die Chemiegiganten, allen voran die deutschen IG-Farben-Nachfolger Bayer, Hoechst und BASF die Export-Landwirtschaft der „Entwicklungsländer“ in ihr Eldorado: in erster Linie um hier die Produkte abzusetzen, deren Verwendung in den Industrieländern längst eingeschränkt oder verboten ist. DDT, Lindan, Aldrin, Endrin, Endosulfan etc. eben jene Organo-Chlorate und -Phosphate, die wegen ihrer akuten Giftigkeit und Langlebigkeit in der Umwelt in der BRD und in der EU verboten wurden, sind von Brasilien bis zu den Philippinen noch in fast jeder bäuerlichen Genossenschaft und im Landhandel zu finden. Schließlich kamen die in die „Entwicklungsländer“ importierten Chemieprodukte per Futter- oder Lebensmittel zurück in die „entwickelten“ Länder. Davon ging ein Teil z.B. als Milchpulver oder Butteröl ein drittes Mal auf die Reise wieder zurück in die „Entwicklungsländer“. Die Ächtung von hochtoxischen Stoffen weltweit war und ist auf Grund der Machtposition der Chemiekonzerne ein langwieriger Prozess. Und dies obwohl dieselben Firmen in der BRD sowohl den innerdeutschen, den europäischen als auch den internationalen Handel bedienen und bereits Hunderte von Todesfällen bei den Soja-, Baumwoll- und Kaffeebauern auf Grund von Vergiftungen durch Pestizideinsatz nachgewiesen wurden.

Macht euch die Erde untertan (Genesis, 9,7)?

Großagrarische Produktion, Überproduktion und die besondere Ausbeutung von Lohnarbeitern auf den Großplantagen ohne Rücksicht auf Natur, Boden und Gesundheit (Sozial- und Umweltdumping) lassen die Preise für landwirtschaftliche Produkte auf dem Weltmarkt weiter fallen. Dementsprechend groß ist der Kostendruck auf die Landwirte, die weniger Saatgut und Pflanzenschutzmittel nachfragen. Zusammen mit der tiefen Krise in Lateinamerika hat dies bereits in den 80er Jahren begonnen und zu Preis- und Umsatzrückgängen in der Chemiebranche bzw. zu Wertverlusten ihrer Aktien geführt. Demzufolge wurde die Verwertungssituation des Finanzkapitals in der Branche prekär. Hinzu kommt, dass die Bauern aus der Sicht der Monopole noch viel zu sehr vom sog. Landwirteprivileg Gebrauch machen. D.h., sie setzen Saatgut aus der eigenen Ernte ein, anstatt es jedes Jahr neu zu kaufen und dafür Patentgebühren zu zahlen. Dementsprechend intensiv ist die Konkurrenz um Marktanteile und neue Produkte, die auf zwei Ebenen ausgetragen wird: Zum einen versuchen die führenden Agrochemiehersteller, ihre Marktposition insbesondere mit neu entwickelten Kombiangeboten aus gentechnisch verändertem Saatgut und darauf abgestimmten Pflanzenschutzmitteln zu verbessern. Denn bei der grünen Gentechnik werden nicht nur Profite über die Bestimmung der Ernährungsbasis, sondern gleichzeitig über den komplementären Einsatz von Chemie abgeschöpft. Zum anderen hat die massive Kapitalakkumulation – nicht zuletzt die Investitionen in die Biotechnologieforschung – den Druck auf die Profitraten erhöht. Dadurch wurde eine weitere beträchtliche großindustrielle Akquisitions- und Fusionsdynamik ausgelöst. Die erhöht den Druck weiter, die Kontrolle des Kapitals über die landwirtschaftliche Produktion auszubauen, damit bestimmte Verfahren und Anwendungen der Biotechnologie breit eingeführt werden können – koste es was es wolle. Das fortschrittliche Potenzial der Biotechnologie, die Einsparung von notwendiger Arbeitszeit (deren Korrelat im Kapitalismus zwangsläufig die Verelendung ist[8]), kehrt sich so gegen die Produzenten, gegen die Werktätigen in der Landwirtschaft, in den Laboren, in den Fabriken der Chemie und Nahrungsmittelindustrie und gegen die Masse der Verbraucher.

Hemmung der Produktivkräfte

Angesichts der hohen Entwicklungskosten und -risiken stellt das Engagement der Agrochemie im Saatgutbereich eine Form der Produktabsicherung dar. Es wird sichergestellt, dass eine Produktlinie den Bedarf nach der nächsten aus dem gleichen Hause weckt. Neben der neuen transgenen Kulturpflanze entsteht so in erster Linie ein neuer Markt für Herbizide – dem eigentlichen Wirtschaftsziel der Chemiegiganten. Herbizidtolerante Pflanzen machen nicht zufällig zwei Drittel aller am Markt vorhandenen transgenen Pflanzen aus und gehören zu den Favoriten von Firmen wie Monsanto, Aventis und Syngenta (s. Kasten „Die grüne Gentechnik – (k)eine Erfolgsstory“ auf Seite 38). Diese Pflanzen sind nicht gerade im Sinne der Lösung der dringendsten Probleme der Menschheit entwickelt worden, aber die Logik ist einfach: herbizid­resistente Pflanzen gefährden den Herbizidmarkt nicht.[9] Monopole würden wohl kaum auf die profitschmälernde Idee kommen, Pflanzen zu entwickeln, mit denen sich keine Herbizide oder Düngemittel mehr verkaufen lassen. „Daher wurde der Versuch, die bei Hülsenfrüchten vorhandene Fähigkeit der Stickstoffbindung auf andere Pflanzen zu übertragen, von Firmen wie Agricetus, Agrigenetica und Biotechnica und anderen weitgehend aufgegeben, ...[10] Eine an sich sehr sinnvolle Entwicklung, denn Stickstoffproduktion und Überdüngung verursachen ökologische Schäden. Aber Stickstoff gehört zu den Favoriten unter den Düngemitteln. Die Chemiebranche würde sich selbst den Profit-Ast absägen, auf dem sie sitzt. Und die Monopole in Verbindung mit den Banken haben die Macht, den Fortschritt zu hemmen. „Diese Produktivkräfte erhalten unter dem Privateigentum eine nur einseitige Entwicklung, werden für die Mehrzahl zu Destruktivkräften, und eine Menge solcher Kräfte können im Privateigentum nicht zur Anwendung kommen.[11] Auch in der Forschungslandschaft ist zu beobachten, dass die neuen Schwerpunkte überwiegend in Forschungsrichtungen liegen, die den Absatz durch Innovationen nicht gefährden. So werden u.a. vorrangig bestimmte Kulturpflanzen mit ausgesuchten Pilz- und Viruskrankheiten gentechnologisch beforscht, wogegen es ohnehin keine oder keine wirksamen Spritzmittel auf dem Markt gibt.

Sinnvolle Entwicklungen werden schon im Keime erstickt, wenn sie entweder zu forschungsaufwendig sind, zu kostenintensiv, zu langwierig und alles in allem keine Profite abschmeißen. Die Züchtung und Vermarktung transgener Sorten ist somit bislang auf wenige Nutzpflanzen beschränkt geblieben, deren agronomische Merkmale eher geringfügig verändert und insbesondere mit Herbizid- und Insektenresistenzen ausgestattet wurden. Dieses so genannte Hucke-Pack-Verfahren, d.h. der Verkauf von transgenem Saatgut mit komplementären Pestiziden, bringt die größten wirtschaftlichen Nachteile für die Anbau- und Entscheidungsfreiheit der Bauern mit sich. Diese Art der Vertragsproduktion unter der Kontrolle der Agrobusiness-Konzerne treibt sie weiter in deren Abhängigkeit. Der Gipfel der Ausbeutung sind die sog. Knebelverträge.[12] Hinzu kommt: nicht nur die ökologischen Risiken gehen auf ihre Kappe bzw. die der Gesellschaft, auch die wirtschaftlichen Risiken der Ernte-Abnahmeverweigerung muss allein der Bauer tragen, wenn der Verbraucher Gen-Food weiterhin ablehnt. Die Monopolherrschaft hat dazu geführt, dass in der Entwicklung der Produktivkraft Gentechnik die Stufe eingetreten ist, „auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, die unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionsmittel mehr sind, sondern Destruktionskräfte.[13] Da das Kapital den Weg geht, wo die größte Verwertung erhofft wird, werden auch trotz viel versprechender Perspektiven Produktivkräfte zu Destruktivkräften. „Dieses Gesellschafts­system verhunzt die Technik. Die verhunzte Technik wird zur Bedrohung für die Gesellschaft.[14]

Die grüne Gentechnik – (k)eine Erfolgsstory

- Weltweit sind seit dem Beginn 1996 die Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen auf nunmehr 58 Millionen Hektar im Jahr 2002 gestiegen – zum Vergleich: Die Gesamtfläche Deutschlands beträgt 35 Millionen Hektar. Sechszehn Länder auf allen Kontinenten setzen die Grüne Gentechnik kommerziell zur Lebens- und Futtermittelproduktion ein. Sie ist damit zwar weltweit eine Realität, aber geographisch und wirtschaftlich als auch nach Qualitätsmerkmalen und Sorten höchst ungleich verteilt.

- Fast 99 Prozent der GVO-Flächen verteilen sich auf vier Länder: Zwei Drittel der gesamten GVO-Flächen entfallen allein auf die USA (39 Mio. ha). Argentinien (13,5 Mio. ha) verfügt über ein Viertel und Kanada (3,5 Mio. ha) über 7% der weltweiten Flächen. China nutzt auf 2,1 Mio. ha vor allem insektenresistente Bt-Baumwolle (vorwiegend eine Entwicklung von Monsanto); das entspricht nahezu 51 Prozent der nationalen Baumwollerzeugung. China hat jedoch inzwischen ein Investitionsverbot für ausländische Unternehmen erlassen. Zwölf weitere Länder nutzen GVO-Pflanzen – jedoch auf jeweils weniger als 100.000 Hektar.

- Die bedeutendsten GVO-Pflanzen sind nach wie vor die Hauptkulturpflanzen Sojabohnen, Mais, Raps und Baumwolle. Inzwischen stammen mehr als 51 Prozent der Weltsojaproduktion aus GVO-Pflanzen. Bei Mais (9 Prozent) und Raps (12 Prozent) ist der Anteil deutlich geringer. Transgene Sojabohnen wurden im Jahr 2002 weltweit auf 36,5 Mio. Hektar angebaut. Das entspricht zwei Drittel der gesamten GVO-Flächen weltweit. In Argentinien sind konventionelle Sojabohnen fast vollständig verdrängt (GVO-Anteil 99 Prozent). Während in den 2 Jahren zuvor der Anteil von GVO-Mais auf Grund der Verbraucherblockade in der EU, durch Umweltschutzauflagen aber auch durch produktionstechnische Schwierigkeiten stets rückläufig war, konnte für 2002 erstmals wieder ein Anstieg auf 12,4 Mio. Hektar verzeichnet werden. Auch Raps (3 Mio. Hektar) legte nach drei Jahren erstmals wieder leicht zu. Während bei diesen Kulturarten Stagnation bzw. verglichen zum Boom Ende der 90er Jahre nur leichte Wachstumsraten zu verzeichnen sind, ist der Anbau von GV-Baumwolle in den USA deutlich zurückgegangen, dafür in China gestiegen. Insgesamt liegt er mit 6,8 Mio. Hektar weltweit auf dem Vorjahresniveau.

- Das Spektrum transgener Pflanzen ist bislang auf wenige Sorten und technisch einfach zu realisierende Merkmalsveränderungen begrenzt geblieben: Sie sind entweder herbizidresistent (zu 71 %) oder insektenresistent (zu 22 %) oder mit einer kombinierten Herbizid- und Insektenresistenz (zu 7 %) ausgestattet. Veränderte Qualitätsmerkmale, die auch den Verbrauchern einen zusätzlichen Nutzen versprechen (wie etwa eine Reduktion von toxischen Inhaltsstoffen und Allergenen) spielen im kommerziellen Anbau transgener Pflanzen dagegen noch keine Rolle. Entsprechende Produkte dürften erst in fünf bis zehn Jahren technisch realisierbar sein und auf den Markt kommen.

- In der Forschung spielt die schnelle Anwendungsorientierung eine ebenso übergeordnete Rolle, so dass die Herbizidresistenz 64 % und Insektenresistenz 15 % aller Freisetzungsversuche ausmachen. Daneben spielen aber auch Eigenschaften wie Nematodenresistenz, Markergene, metabolische Veränderungen (Stoffwechsel-, Gestalt- und Formveränderungen), männliche Sterilität, Pilz- und Bakterienresistenzen eine Rolle. Noch 1998 wurden in den EU-Ländern mehr als 2.500 Freisetzungsversuche mit GVO gezählt. Seitdem weisen die Statistiken einen deutlichen Rückgang aus. Die Freisetzungsversuche dienen vorrangig dem Nachweis der Stabilität der neu „eingezüchteten“ Resistenzen unter natürlichen und Produktionsbedingungen und der Wirksamkeit der komplementären Pflanzenschutzmittel. Bei der Mehrheit aller Freisetzungsversuche findet weder eine gezielte ökologische und gesundheitliche noch langfristige Begleitforschung statt. Die anwendungsorientierte „Verwertungsforschung“ (vorwiegend privatwirtschaftlich finanziert, auch staatlich gefördert) steht in keinem Verhältnis zur Risikobegleitforschung (vorwiegend staatlich gefördert). Weltweit erreicht sie lt. Umweltbundesamt (UBA) nur 1 %, in Deutschland nimmt sie 15 % an der Gentechnik-Forschung ein.

Quellen: www.transgen.de; www.bba.de/gentech/gentech.htm

Kuba: Es geht auch anders

Wo die Produktionsmittel in Volkes Hand sind und der Verwertungszwang die Entwicklung der Produktivkräfte nicht mehr beherrscht, sind andere Nutzungsmöglichkeiten gegeben (natürlich auch dort nicht frei vom Zwang, sich dem Imperialismus entgegen zu stemmen).

So besteht z.B. für Kuba die Chance, die Entwicklungen in gesellschaftlicher Verantwortung voranzutreiben. Fernab der in Europa üblichen Restriktionen in der Biotechnologie haben Forscher auf Kuba weitgehend freie Hand. So entstanden auf dem Gelände des „Centro de Ingeniería Genética y Biotecnología“ (CIGB) im Westen Havannas hochmoderne 150 Versuchslabore, Sicherheitsschleusen und Treibhäuser, wo seit 1986 fast 1.300 kubanische Wissenschaftler forschen. Ziel für Kubas Biotechnologen und Genetiker ist die Erwirtschaftung von Devisen und die Erhöhung der Effizienz im landwirtschaftlichen Bereich. Die biomedizinische Forschung ließ 40 Millionen Dollar in die Staatskassen fließen, die dort weitgehend für das Gesundheits- und Bildungswesen verwendet werden. Zu den international akzeptierten kubanischen Entwicklungen gehört im humanmedizinischen Bereich z.B. die Impfung gegen Hepatitis-B, hergestellt auf pflanzlicher Basis, und in der Veterinärmedizin ein Impfstoff gegen von Zecken übertragene Infektionen, die auch international trotz der US-Blockade große Beachtung und Absatz finden. Resistenzforschungen gegen pflanzliche wie tierische Schädlinge haben Einzug in die Labore gehalten. Die Debatte um die Risiken der Veränderung tierischer und pflanzlicher Organismen ist integraler Bestandteil bei der Vergabe von Forschungsmitteln. Inzwischen widmet sich die Agraruniversität von Havanna auch der Bioethik in der Landwirtschaft.[15]

Gentechnik-Konzerne in der Krise – die Aggressivität wächst

Das enorme wirtschaftliche Potenzial der Biotechnologie hat zunächst che­mische, pharmazeutische und medizini­sche Unternehmen sowie Saatgutzüchter zu einem „lebenswissenschaftlichen“ Komplex (Life-Science) zusammen­geführt, was zu einer riesigen Machtkonzentration führte. Die treibende Kraft in der Entwicklung der grünen Gentechnik waren die Chemiegiganten. Weltumspannend wurden Saatgutzüchter aufgekauft. Die Käufer waren vor allem internationale agrochemische Konzerne, jedoch nicht nur reine Agrobusiness-Firmen, sondern auch Mischkonzerne, die ihren Hauptprofit im Pharmazeutika- oder Erdölderivatbereich erzielen. Marktbeherrschend waren ausschließlich die bekannten internationalen Chemieunternehmen mit ihren Agro-Sparten: Hoechst, Bayer, BASF, Shell, Dow, Novartis (Ciba Geigy/Sandoz), Pfizer, Upjohn, Monsanto, Union Carbide. Es gab aber auch Konzerne wie ITT, Anderson Clayton, Cargill. Fusionen folgten untereinander. Expansion hieß zunächst die Strategie im Kampf um die Neuaufteilung der Märkte. Die französische Saatgutproduktion beispielsweise, die früher in den Händen von Familienbetrieben lag, wurde seit der Einführung des Sortenschutzes in den 70- und 80ern zunehmend monopolisiert. Schon der Sortenschutz als Vorläufer des Patentschutzes ist eine Art Eigentumsrecht an lebendem Pflanzenmaterial. Er gab der damals aufkommenden Gentech-Industrie den erforderlichen Investitionsschutz. Entwicklung der armen Länder ist dabei ausgeschlossen. So zieht die Anwendung von transgenen, vorwiegend „monsantinischen“ Pflanzen in den exportierenden agrar-dominierten Ländern z.B. in Lateinamerika Vertreibung der Bauern, Anschwellen der Favelas usw. für die einheimischen Werktätigen nach sich. Die Ressourcen des Landes wie der Humus des Bodens und Wasser werden in Exportprodukte verwandelt und außer Landes geschafft. Die Gewinne bleiben beim internationalen Finanzkapital und bei den Großgrundbesitzern, dem Kern der einheimischen Oligarchen. Den Ländern bleibt dagegen das Gift, Herbizid- und Pestizidrückstände, die ganze Regionen nachhaltig verseuchen.

Sobald sich jedoch abzeichnet, dass das Kapital nicht wie im gewünschtem Maße verwertet wird, werden Strategien geändert: Agrarbereiche wurden aus Pharmafirmen ausgegliedert; Lebensmittelindustrie und -handel fahren eine Doppelstrategie oder schlagen sich – wie einige „Gen-Food“-freie Lebensmittelketten – vorerst einmal auf die Seite der Verbraucher. Nach der großen Fusionswelle zwischen Pharma- und Saatgutbereich haben sich die großen Pharmakonzerne angesichts der schleppenden Kommerzialisierung transgener Pflanzen und der zum Teil weit verbreiteten gesellschaftlichen Inakzeptanz aus ihren Engagements in der grünen Gentechnik wieder zurückgezogen bzw. entsprechende Unternehmensteile ausgegliedert. Sie verabschiedeten sich vom Konzept des integrierten Life-Science-Konzerns mit aufeinander bezogenen Standbeinen in den Bereichen Pharma, Agrochemie und Ernährung. Novartis und Astra-Zeneca haben ihre Agrosparten in das neu gegründete Unternehmen Syngenta ausgelagert, Aventis hat seinen Agrobereich 2002 an Bayer verkauft, Pharmacia hat den erst 1999 erworbenen Monsanto-Konzern schon 2002 wieder abgestoßen. In anderen Fällen wurden die Agrosparten als GmbHs ausgegliedert. (siehe Kasten „Die Multis dieser Welt“) Dies geschah vor allem, um damit die Gefahr von Produkt- und Umwelthaftungen für angerichtete Schäden zu minimieren. Es soll ja zumindest in den USA noch Richter geben, die auch Konzerne zu saftigen Entschädigungen verurteilen. Die Täuschung des Publikums mit glitzernden Perspektiven für unendliches Wachstum fand ihren Rückschlag im Börsen-Crash von 2000. Die Goldgräberstimmung ist vorerst verraucht. Auch an der Börse sind – um im dort üblichen Jargon zu sprechen – Agrochemie und grüne Gentechnik zurzeit alles andere als „sexy“.[16]

Im Vergleich zum dynamisch wachsenden Pharmaweltmarkt[17], auf dem in 2001 insgesamt über 350 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden, handelt es sich bei der Agrosparte mit weltweit ca. 42 Milliarden US-Dollar, davon ca. 13 Milliarden Dollar mit Saatgut und 29 Milliarden mit Pflanzenschutzmitteln, allerdings um ein vergleichsweise kleines ökonomisches Segment. Es hat jedoch innerhalb des Finanzkapitals eine strategische Stellung, weil darin der Schlüssel für die Beherrschung der Landwirtschaft liegt, die weltweit betrachtet immer noch der größte wirtschaftliche Sektor mit den meisten Beschäftigten ist und weil davon die ganzen vor- und nachgelagerten Bereiche leben, nicht zuletzt die Finanziers. Weltweit agieren wenige Monopole, die die Anbauentscheidung und Produktionsweise und damit die Grundlage der Nahrungsmittelproduktion unter Kontrolle haben. Die fünf größten Saatgutunternehmen bedienen mittlerweile mit über 40 Prozent den gesamten kommerziellen und nahezu 100 Prozent des transgenen Saatgutmarktes, der vom US-amerikanischen Konzern Monsanto dominiert wird. Während 1997 die sieben größten Agrochemieunternehmen schon ca. 60 Prozent des Weltmarktes für Pflanzenschutzmittel auf sich vereinigten, erzielten in 2001 bereits die ersten sechs über 80 Prozent der weltweiten Umsätze. Die sechs derzeit führenden Agrochemiekonzerne sind Syngenta, Bayer CropScience, Monsanto, DuPont, BASF und Dow. Allerdings soll der weltweite Anteil mit transgenen Produkten nur ca. sieben Prozent entsprechen (ca. drei Milliarden US-Dollar).

Auch bei den großen Agrochemiekonzernen, die in die grüne Gentechnik investiert haben, dominiert das Kerngeschäft mit herkömmlichen nicht-transgenem Saatgut und entsprechenden Pflanzenschutzmitteln. Mit Ausnahme des US-amerikanischen Biotechnologievorreiters Monsanto weisen sie bislang lediglich geringe Umsatzanteile mit transgenen Produkten auf. Nur auf den Monsanto-Konzern, der in 2001 rd. 5,5 Milliarden US-Dollar umsetzte, davon 1,7 Milliarden US-Dollar im Geschäftsfeld „Seeds and Genomics“, entfällt der weit überwiegende Teil des Gesamtumsatzes der Branche mit transgenem Saatgut und entsprechenden Pestiziden. In 2002 waren in den USA ca. 79 Prozent der Sojabohnenflächen der Großfarmer mit gentechnisch veränderten „Roundup-Ready“-Sorten des Monsanto-Konzerns bestellt, machten genveränderte Maissorten des Unternehmens ca. 27 Prozent der Maisanbaufläche aus und standen mit Schädlingstoleranz oder Herbizidresistenz ausgestattete gentechnisch veränderte Baumwollsorten von Monsanto auf etwa 69 Prozent der Baumwollfelder. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren über fünf Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner Forschungskapazitäten und den Aufkauf von Saatgutfirmen gesteckt und ist entsprechend hoch verschuldet. Noch 1995 brachte das Agrochemie-Business inkl. Gentech-Bereich Monsanto 700 Millionen Dollar Profit. Gesellschaftliche Produktion, gesellschaftliches Risiko, aber private Aneignung in hundertfacher Millionenhöhe. Die jetzige Stagnation in Verbindung mit der hohen Kapitalakkumulation der vergangenen Jahre machen die Monopole in dieser Sparte besonders aggressiv.

Politiker und Verbraucher in der Überzeugungsmaschinerie der Konzerne

Die Biotechnologie-Branche ist offenbar ein noch größerer Sumpf aus Korruption und Profitgier, Lobbyismus und Verantwortungslosigkeit, als wir es ohnehin von den Monopolen gewöhnt sind. Inzwischen gibt es eine Vielzahl bekannt gewordener Machenschaften aggressiver Werbeveranstaltungen, gezielter Manipulation und Verschleierung von Risiken durch die Chemie- und Pharmariesen rund um den Erdball, die an die schattenhaften Orte führen, an denen sich Lüge und Wahrheit begegnen. Die Liste der Skandale von Nichtkennzeichnung, Untermischung, politischer Korruption bis zur Biopiraterie ist lang. Der verbrecherische Charakter der angesehensten Firmen der Welt wird nicht zuletzt an den illegalen Preisabsprachen bei gentechnisch hergestellten Nahrungs-, Arznei- und Futtermittelvitaminen im sog. „Vitaminkartell“, an denen u.a. Hoechst AG (AgrEvo), ADM (Archer Daniels Midland), BASF und der Schweizer Pharmariese Roche sich eine goldene Nase verdient haben. (vgl. „Durch Vitamine zum Krieg?“ in KAZ 300)

Auch politische Skandale sind an der Tagesordnung: So stellte sich heraus, dass 3 Mitglieder der finnischen Kommission zur Überwachung von Gentechnik selbst Patente oder Patent-Anträge im Bereich Biotechnologie innehalten. An andrer Stelle versuchte die sehr „wirtschaftsfreundliche“ EU-Kommission die Umweltminister zur Beschleunigung von Zulassungen zu erpressen. Die EU-Kommission selbst hat den Saatgutherstellern – wie Monsanto – eine Klage empfohlen.

Ein Fall politisch brisanter Manipulation ist der herbizidresistente Bt-Mais mit „integrierter Selbstverteidigung“ von Ciba Geigy (Novartis, jetzt Syngenta): Der Import von Gen-Mais stieß in Europa auf heftigen Wider­stand und wurde schließlich zu einem Lehrstück, wie mit guter Lobbyarbeit und mächtigen poli­tischen Verbündeten in der EU Entscheidungen gegen den Willen der Mehrheit durchzubringen sind. Im März 1995 beantragte die Firma Ciba-Geigy bei den französischen Behörden, ihren in den USA angebauten Bt-Mais in der EU für Import und Anbau zuzulassen. Diese befürworteten den Antrag und schickten ihn nach Brüssel. Trotz der Ablehnung durch 13 der 15 Mitgliedsstaaten im Rat der Umweltminister konnte die EU-Kommission das Inverkehrbringen von Bt-Mais durchsetzen. Dass die Kommission bei ihrer Entscheidung unter massiven Druck einerseits der Industrie, anderseits den USA standen, zeigt ein internes Protokoll der Ratssitzung. Besonders die italienische Kommissarin für Konsumentenschutz, Emma Bonino, drückte deutlich ihren Ärger aus, dass die Kommission nicht mehr Herr im eigenen Haus sei: „Ich bedaure”, sagt Bonino, „dass die Kommission über einen Gegenstand, der die Öffentlichkeit sehr beunruhigt, eine Entscheidung unter Druck treffen musste, da bereits beachtliche Mengen von Mais aus den USA importiert wurden.” Auch der britische Kommissar Sir Leon Brittan unterstützte die Zulassung des Bt-Mais, da sie „die Beziehungen zu den USA erleichtern” würde.[18]

Und Bundeskanzler Schröder hatte noch Mitte Juni 2000 die Gentechnik zur Chefsache erklärt und wollte den Gen-Unternehmen umfangreiche Zugeständnisse machen. 2001 wurde allerdings das deutsche Moratorium für eine Überwachung transgener Pflanzen[19] auf Eis gelegt. Einkehr von Risikobewusstsein? Nicht wirklich. BSE überrollte Deutschland und damit passte das Laborzeug nicht mehr ins Konzept. Denn der Genmais, für den der Kanzler werben wollte, ist der Rohstoff der industriellen Rinderproduktion. BSE ist verblasst und die Werbetour beginnt von neuem, um dem Druck der Gen-Lobby und -Konzerne zur Aufhebung des noch bestehenden EU-Moratoriums[20] nachzugeben. Wichtigste Schützenhilfe für Monsanto, Bayer und Co. ist die Regierung der USA, die erst kürzlich eine Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) gegen das Importverbot von Gen-Food der EU erhoben hat. Grundlage für eine erfolgreiche WTO-Klage und Aufhebung des EU-Moratoriums sind die nun seit mehreren Jahren in der „Komitologie”[21] der EU befindlichen überarbeiteten EU-Verordnungen zur Freisetzung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit, die unter Diskussion aber ohne Zustimmung des EU-Parlaments in die nationale Umsetzung der Mitgliedsländer gehen müssen. Allein die Festlegung auf einen Kennzeichnungs-Schwellenwert von 0,9% Anteil von gentechnisch verändertem Material in Nahrungsmitteln zeigt, wie sich trotz technischer Machbarkeit und heftiger Gegenwehr von EU-Parlament (das sich allerdings für 0,5% ausgesprochen hat), NGO, Verbraucherschutzorganisationen und kritischen Wissenschaftlern Konzerninteressen durchsetzen lassen. Mit diesem Schwellenwert lassen sich in fast allen veredelten Lebensmitteln u.a. die Zutaten Sojalecithin aus Gen-Soja oder Stärkezusätze aus Gen-Mais sehr gut ohne jegliche Kennzeichnung verkaufen.

Die Strategie der Großkonzerne passt wie ehedem genau zu ihrem Erscheinungsbild nun auch in Sachen grüne Gentechnik: Lauthals von der Mündigkeit und Wahlfreiheit zu reden, aber genau aufs Gegenteil hinzuwirken. Die altruistischen Anwandlungen der Konzerne dienen allenfalls systemtragender Desinformation und Akzeptanzbeschaffung.

An der Gesetzgebung arbeiten Agro- und Chemiekonzerne gleich selbst oder in Form ihrer Lobbyverbände mit bis in die Aus­schüsse. So wurde von Vertretern der AgrEvo GmbH vor den Parlamentariern im Bundestag zur Novellierung der Freisetzungsrichtlinie RL 90/220 geäußert: „... die bisherige Diskussion um diese Vorlage (muss) als unbefriedigend bezeichnet werden. Dies gilt besonders für die vom Umweltausschuss eingebrachten Änderungsvorschläge. ... Die Bedürfnisse der im globalen Kontext agierenden Wissenschaft und Wirtschaft werden ignoriert. ... Eine stärkere Einbeziehung ethischer und sozioökonomischer Aspekte bei der Risikobeurteilung von GVO ist abzulehnen, da hieraus keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich der vermuteten Risiken abzuleiten sind.[22] Im Klartext: „Ethikheinis“ sind so lange gut, wie wir deutschen Monopole selbst noch nicht so weit sind wie die Konkurrenz. Jetzt sind wir so weit, jetzt schadet Moral dem Geschäft.

Kampf um die Vorherrschaft

Die privatwirtschaftlichen internationalen Gruppen benutzen die eigens zur Austragung der Widersprüche zwischen den imperialistischen Staaten eingerichteten Foren der UNO, der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltorganisation für Ernährung (FAO), der WTO oder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für ihre Kapitalinteressen und haben eine Vielzahl von Lobbyorganisationen und Lobbyisten vor Ort. Die Großen der verarbeitenden Ernährungsindustrie, der Chemie- und Pharmariesen und der Handelskonzerne arbeiten auf nationaler, EU- und WTO-Ebene und das nicht gerade in bescheidenen Dimensionen. Immer häufiger tauchen die Spitzen der europäischen Chemiebranche in Brüssel auf und versorgen die Kommissare mit Zahlen, Fakten und Prognosen.[23] Nicht nur dass bei Umstrukturierungen und dem Entstehen neuer Behörden, wie die Europäische Lebensmittelbehörde, gleich die entsprechenden Interessenvertreter dort im Aufsichtsgremien oder etwa in der Geschäftsführung selbst sitzen. Sie haben auch das Entstehen dieser neuen Behörde maßgeblich forciert und mitgestaltet – um in ihren Interessen an Regulierung und Deregulierung sowie politischen Entscheidungsfindung die Hebel zu bewegen.

Die EU, die auch als Agrarveranstaltung mit Regierung und Parlament im Stall bezeichnet werden kann, gibt etwa die Hälfte ihrer Mittel für Agrarsubventionen aus, schottet den Agrarmarkt massiv ab und versucht ihre Überschüsse zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt abzusetzen. Die USA haben ebenfalls große Überschüsse in der landwirtschaftlichen Produktion, die sie zu exportieren suchen. Agrarprodukte, Nahrungsmittel sind darüberhinaus ein Potenzial, um Not leidende Länder abhängig zu machen. Die Agrarbörsen, wo Ernte und Hunger als Termingeschäfte verhandelt werden, werden von wenigen Monopolen und ihren Großbanken in den imperialistischen Ländern beherrscht. Hinter dem Bananenkrieg, dem Soja- oder Hormonfleischkrieg stehen nicht nordamerikanische Farmer gegen europäische Bauern, sondern in unterschiedlichen Allianzen die ganze Bande von Großagrariern, Großbanken und Industriemonopolen, die Staaten und Staatenbündnisse wie die EU gegeneinander ins Feld führen, um die Vorherrschaft zu erlangen. Da ist nicht hier die bösen USA und dort die brave EU oder gar das saubere Deutschland, für das Partei zu ergreifen ist. Wir sollten uns vor keinen Karren spannen lassen, wo die Zügel in der Hand der Herren von Monopol und Bank liegen - schon gar nicht wenn sie BASF, Bayer oder Hoechst-Aventis heißen. Deren Fahrtrichtung heißt bekanntermaßen Massengräber - und Jauchegrube der Geschichte.

Savoi und Arbeitsgruppe Gentechnologie[24]

Gentechnik in „bewährten“ Händen

Monsanto ist heute globaler Marktführer bei Gensaatgut – Weltkonzern der Gene und Gifte. Monsanto-Unternehmen verteilen sich in 51 Ländern über den ganzen Erdball: von Argentinien über Europa, Asien bis nach Zimbabwe. Gegründet im Jahr 1901 als pharmazeutischer Betrieb durchlief das Unternehmen mehr als eine nur friedfertige 100-jährige Geschichte. Sie ist eng verknüpft mit Gift-Skandalen. Berühmt-berüchtigt wurde Monsanto durch das dioxinverseuchte Entlaubungsmittel „Agent Orange”, getestet in den 60er und 70er Jahren in Panama und verwendet im Vietnamkrieg – auch zur Besprühung von Reisfeldern, um die Bevölkerung auszuhungern. Es wird für Lymphdrüsen-, Lungen- und Hautkrebs an vielen Verstorbenen verantwortlich gemacht. Noch heute leiden sowohl Vietnams Bevölkerung als auch US-Kriegsveteranen unter den Folgen des großflächigen Gifteinsatzes – ohne jegliche Entschädigung.

Standen in den frühen Jahrzehnten die Sacharin-Produktion für Coca-Cola, alsbald auch Coffein, Vanillin, der Aspartam-haltige Süßstoff NutraSweet, Aromen aber auch Aspirin auf der Produktionspalette, kamen später Insektizide, Herbizide, synthetische Harze und ab den 70ern die biotechnologische Forschung und Produktion hinzu. Monsanto war bis vor wenigen Jahren noch einer der größten und skandalträchtigsten Produzenten für krebserregende polychlorierte Biphenyle (PCB). Heute als gefährliches Gift verbannt, sind die von Monsanto entwickelten PCB‘s bis vor kurzem nur in der westlichen Welt verboten gewesen. Mit der POP-Konvention, dem weltweiten Verbot über dem „dre­ckigsten Dutzend hochgefährlicher Stoffe“ wurde nach jahrelangen Tauziehen endlich ein Meilenstein in der globalen Chemiepolitik geschaffen. Doch auch viele Millionen Dollar Entsorgungskosten (aus vorrangig öffentlichen Geldern) können die verheerenden Schäden, die PCB‘s in Altlasten und vor allem in den Entwicklungsländern nach wie vor anrichten, nicht wieder gutmachen.

Bis vor 20 Jahren noch ein international agierender Chemiekonzern, der vor allem von den Erlösen seines hochgiftigen Totalvernichtungs-Unkrauttilgungs-Herbizids Roundup lebte, setzt Monsanto heute dieses Mittel ein, um die daran angepassten Gentech-Pflanzen im Paket zu verkaufen.

Organisatorisch teilte sich der Konzern in vier Sparten aufgeteilt: die Agro-Gruppe ist zuständig für Nahrungsmittel und Herbizide, die Chemie-Gruppe u.a. für Kunststoffe und Industriechemikalien. Diese Neugliederungen sollten besonders hohe Dividende garantieren und Tausende Arbeitsplätze wegrationalisieren. Besonders ,,reizvoll” für die Aktionäre, dürfte aber nicht nur die firmeninterne Dynamik, sondern auch die Expan­sionspolitik mit den Übernahmen von Tausenden von Pestizid-Firmen und Saatgutzüchtern rund um den Globus, insbesondere mit Patenten bzw. Genbanken sein. Im Jahr 1999 erfolgte die Fusion mit dem schwedisch-amerikanischen Konzern Pharmacia-Upjohn. Aber nach nur zwei Jahren hat Pharmacia die Agrosparte Monsantos wieder abgestoßen.

Monsanto machte sich ob seiner Arroganz, Biopiraterie und kriminellen Machenschaften weltweit einen mehr als missliebigen Namen und erhielt bei Farmern, Verbrauchern und NGO so beiläufige Namen wie Mon-Satan und Nonsanto.

Novartis ist stellvertretendes Beispiel für eine Riesenfusion – ein Weltunternehmen, dass aus der 27 Milliarden teuren Fusion der Schweizerfirmen Sandoz – ein Pharmaunternehmen, das durch die Verseuchung des Rheins traurige Berühmtheit erlangt hatte - und des Chemiegiganten Ciba-Geigy hervorging. Novartis ist der weltgrößte Agrarchemie-Konzern, zweitgrößter Saatgutproduzent, zweitgrößtes Pharmaunternehmen und viertgrößtes veterinärmedizinisches Unternehmen der Welt. Außerdem ist es durch Aufkäufe in der Humangenetik tätig. Praktisch ist es in jedem Land der Welt vor Ort, entweder durch Tochterunternehmen, Außenstellen oder entsprechenden Handelsvertreter. Im Jahr 2000 haben Novartis und das britisch-schwedische Unternehmen Astra-Zeneca ihre Agro-Sparten zum Marktführer Syngenta fusioniert. Der Agrochemiekonzern Syngenta, Marktführer bei Pflanzenschutzmitteln und Nummer drei im Saatgutgeschäft, erzielte in 2001 einen Gesamtumsatz von 6,3 Milliarden US-Dollar, von denen mit 139 Millionen US-Dollar allerdings lediglich ca. zwei Prozent vom Gesamtumsatz auf transgenes Saatgut entfielen.

Die deutsche Firma Bayer – in der Weltrangliste der zweitgrößte Pestizidhersteller hinter Syngenta – gibt sich auf seiner Homepage mit Spenden an die WHO und nach Naturkatatstrophen sowie mit Hilfsprojekten gern umwelt- und sozialengagiert. Im Geschäftsbericht des Unternehmens wird jedoch keine Spende erwähnt, die höher als eine Million Euro liegt. Diese Feigenblätter können nicht verhüllen, dass in der Realität in der fast 140-jährigen Bayer-Geschichte Profite stets Vorrang gegenüber Umweltschutz und sozialen Werten hatten: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts vermarktete der Konzern aggressiv das »Hustenmittel« Heroin, obwohl die drohenden Heroinabhängigkeiten längst bekannt waren. Im ersten Weltkrieg erfand die Firma Chemische Kampfstoffe und setzte sich vehement für deren Verwendung ein. Im Rahmen der IG Farben war der Konzern tief in Hitlers »Drittes Reich« verstrickt, produzierte Zyklon B für die industrielle Vernichtung von Menschen und war für Menschenversuche, den Tod Zigtausender Zwangsarbeiter und die Plünderung der eroberten Gebiete verantwortlich. In den 80er Jahren wurden Tausende Bluter durch Bayer-Produkte mit HIV infiziert – der Konzern hatte trotz Kenntnis des Ansteckungsrisikos auf Testverfahren verzichtet und noch Jahre nach Auftreten der ersten Infektionen alte Chargen verkauft. Aktuelle Skandale umfassen u.a. die umstrittenen Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Im Bereich der hochgefährlichen Insektizide, mit denen sich insbesondere in Entwicklungsländern jährlich Zehntausende Landarbeiter tödlich vergiften, ist der Leverkusener Konzern die Nummer eins. 1995 versprach das Unternehmen, innerhalb von fünf Jahren alle Pestizide der Gefahrenklasse 1 (extrem gefährlich) vom Markt zu nehmen. Bis heute wurde dieses Versprechen nicht umgesetzt. Ein von der UN-Abteilung FAO initiierter Kodex zum Verkauf von Agrogiften wurde von Bayer zwar unterschrieben, wird jedoch von der Firma täglich verletzt: Zahlreiche Recherchen von Journalisten und Umweltverbänden belegen jedoch, dass sämtliche Bayer-Produkte an jedermann verkauft werden und von Landarbeitern ohne Kenntnis der Gefahren und ohne Schutz verwendet werden.

Bayer ist Mitglied hunderter einflussreicher Lobbygruppen – neben der ICC und dem WBCSD sind die wichtigsten der European Table of Industrialists, der Trans-Atlantic Business Dialogue, die Global Crop Protection Federation und EuropaBio. Das 160 Konzerne umfassende World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und der International Chamber of Commerce (ICC) sind die weltweit größten Lobbyorganisation multinationaler Unternehmen. Die ICC vertritt weltweit rund 7000 Firmen, wird jedoch von rund 50 Großkonzernen dominiert.

Bayer hat ebenfalls im letzten Jahr erheblich zum „Clearing“ zwischen Pharma- und Agro-Bereich beigetragen. Im Jahr 2002 wurde die Aventis Pflanzenschutzsparte CropScience für 7,25 Milliarden Euro verbunden mit dem Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen übernommen und stieg damit zum führender Anbieter von Saatgut auf. Das Unternehmen erzielte in 2002 einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro, von dem derzeit mit gut 250 Millionen Euro lediglich knapp vier Prozent auf gentechnisch verändertes Saatgut und darauf abgestimmte Pflanzenschutzmittel entfallen.

Aventis ist nach vielen Fusionen und Beteiligungen ein Nachfahre von AgrEvo. Diese wurde im November 1993 als Kooperation der deutschen Chemie-Konzerne Hoechst (60 Prozent) und Sche­ring (40 Prozent) gegründet. Die AgrEvo GmbH gab den Standort in Berlin auf und kündigte 1300 der insgesamt 9300 Beschäftigten in Deutschland. Ziel des Zu­sammenschlusses war es, auf einem stagnierenden Markt für Herbizide mit einem schlagkräftigen Unter­nehmen Marktanteile zu sichern. AgrEvo entwickelte gentechnisch manipulierten Raps, Mais und Zuckerrüben, die gegen das Allround-Herbizid ,,Basta” (das auf Grund des negativen Namensimage nun als „Liberty“ betitelt wird) resistent sind. 1996 wurde das hollän­disch/belgische Forschungsunternehmen Plant Genetic Systems (PGS) erworben. Neben PGS besitzt AgrEvo den holländischen Gemüsezüchter Nunhems Zaaden, eine Minderheitsbeteiligung an der deutschen Kleinwanzlebener Saatzucht (KWS), die mit genmanipulierten Rüben experimentiert, und kaufte im April 1996 das süd-koreanische Unternehmen Misung auf – um auch dort in den Pestizid-Markt einsteigen zu können. Im Rahmen einer weiteren Großfu­sion der Frankfurter Hoechst AG (und IG Farben-Nachfolger) mit dem französischen Pharmaunternehmen Rhone-Poulenc entstand der Konzern Aventis bei einem Umsatz von 18 Mrd. Euro und ca. 92.000 Arbeitskräften, davon 72 Prozent im Pharmabereich und 28 Prozent in der Landwirtschaft. Die Fusion zu Aventis differenzierte nun nach ergangener Expansion die Agrar- und Pharmasparten beider Vorfahren.

Der Teilkonzern Bayer CropScience AG musste für die Übernahme von Aventis einer Auflage der Kartellbehörden nachkommen: Europas größte Chemiegruppe BASF hat 2002 eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln (Insektizide) vom Bayer-Konzern für 1,185 Milliarden Euro (inkl. Rücklizenzen für bestimmte nicht-landwirtschaftliche Anwendungsgebiete) gekauft.

Quellen: www.monsanto.com; www.gen-ethisches-netzwerk.de; www.greenpeace.de; Gentechnik-Nachrichten 1999-2003: www.oeko-institut.org/bereiche/gentech/newslet/index.html oder www.biogene.org/index.html; Archiv AGNET: www.plant.uoguelph.ca/safefood; GENET: www.gene.ch/genet.html

1 Diese Verflechtung von Bank und Industriekapital bezeichnen Marxisten seit Hilferding und Lenin als Finanzkapital.

2 In Analogie dazu: „Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren..., denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie.“ (W.I. Lenin, Der Imperialismus ..., LW22, S.273)

3 Tovey, Hilary (2001) Ländliche Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive. Berliner Debatte Initial 12, Heft 6, S. 3-14

4 Balling, Richard (1994) Horizontale und vertikale Kooperation bei der Vermarktung von Agrarprodukten in den neuen Bundesländern. In: Agrarwirtschaft 43 (3), 149 ff.

5 Lewontin, R.C. (1998) Die Herausbildung der kapitalistischen Landwirtschaft: Der Farmer als Proletarier, Marxistische Blätter Nr. 6, 1998, S. 45-52

6 Diese Art der „Markt­entlastungsmaßnahmen“ – die Vernichtung von Lebensmitteln – ist nach wie vor an der Tagesordnung. Kaum sind aufgrund eines Überangebotes die Schweinefleischpreise in der EU auf Talfahrt, wurde erst kürzlich von Frankreich ein Schlachtprogramm für Ferkel gestartet: Insgesamt sollen 100.000 Ferkel geschlachtet und vernichtet werden. Bauern erhalten eine Schlachtprämie von bis zu 15 Euro zur Entschädigung. Ähnlich wurde bereits auf dem Höhepunkt der BSE-Krise mit überschüssigen Kälbern verfahren, die Entschädigung als Form von Subvention (staatliche Mittel) nannte man auch noch „Herodesprämie“.

7 Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 2001 u.a. Jahrgänge

8 „Da also die Maschinerie an sich betrachtet die Arbeitszeit verkürzt, während sie kapitalistisch angewandt den Arbeitstag verlängert, an sich die Arbeit erleichtert, kapitalistisch angewandt ihre Intensität steigert, an sich ein Sieg des Menschen über die Naturkraft ist, kapitalistisch angewandt den Menschen durch die Naturkraft unterjocht, an sich den Reichtum der Produzenten vermehrt, kapitalistisch angewandt ihn verpaupert ....“ MEW 23, Bd. 1, 13. Kapitel, S. 465

9 Hier werden Pflanzen nicht etwa gegen Unkraut oder Schädlinge resistent gemacht, sondern gegen Schädlingsbekämfungsmittel! Der Wahnsinn hat Methode. Immerhin kann dann großflächig das Gift versprüht werden, ohne dass die Nutzpflanze darunter direkt leidet. Wie es dem Konsumenten oder gar dem Produzenten des Gifts oder der Nutzpflanze, dem Bauer und dem Arbeiter, dabei ergeht, ist schließlich Nebensache, Kollateralschaden sozusagen.

10 Lewontin, R.C., 1998, a.a.O.

11 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 60

12 Was in den USA bereits Praxis ist, kann auch in Europa für die Bauern kommen: Saatgut und Pestizide sind per Vertrag nur vom Konzern zu beziehen. Bauern müssen sich verpflichten, dem Konzern auch Jahre nach Vertragsende noch die Geschäftsbücher zur Kontrolle offen zu legen. Die Abhängigkeit gipfelt in der Aufgabe des traditionellen Landwirteprivilegs. Doch damit nicht genug! Derzeit werden reihenweise Landwirte verklagt, auf deren Feldern eine Auskreuzung durch den umherfliegenden Pollen nachweisbar ist. Sie sollen Technologieabgaben (Patentgebühren) an den Konzern abführen.

13 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 69

14 Fluch und Segen der Gentechnologie; AIDS und der kleinste Stahlarbeiter der Welt. KAZ Broschüre, München 1987, S. 33

15 Harald Neuber, 15.12.2002, www.sonnenseite.com

16 Ulrich Dolata (2003) Die grüne Gentechnik ist zur Zeit alles andere als sexy, Frankfurter Rundschau, 6.1.2003 www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=74488

17 Die 10 Spitzenreiter im Pharmageschäft kontrollieren fast die Hälfte (47%) des pharmazeutischen Marktes mit einem Umsatz von 197 Milliarden Dollar.

18 Internes Protokoll der Ratssitzung vom 18.12.1996; und Tagung des EU-Parlaments zur Biologischen Sicherheit, 13. 11. 1996; sowie Bernhard Odehnal, Die Geschäfte der Gentech-Lobby, Dossier Greenpeace, 1997

19 Es ging in dem Moratorium um die breite Schaffung aller Voraussetzungen zur wirtschaftlichen Nutzungvon transgenem Saatgut: kein Infragestellen bereits erteilter Genehmigungen und zügige Erteilung von beantragten Genehmigungen; aber freiwilliger Verzicht der Wirtschaft auf Nutzung ihrer Produktzulassungen im dreijährigen Programm; als sog. „Verschnaufpause für den Verbraucher“ wurde es zur Akzeptanzbeschaffung in den Medien gut verschleiernd als Anbaupause verkauft, obwohl genau das Gegenteil der Inhalt des Moratoriums war.

20 Das seit 1998 bestehende de-facto-Moratorium in der EU zur Verhinderung von Freisetzungen durch die 5 Länder Dänemark, Luxemburg, Österreich, Frankreich und Italien steht kurz vor der Aufhebung.

21 Fachbeiräte und wissenschaftliche Ausschüsse, die von EU-Rat und EU-Kommission ins Leben gerufen wurden, um beiden Gremien „kompetente Entschei­dungshilfen“ zu bieten. Einfluss und Kontrolle des Parlaments sind sie entzogen.

22 Sitzung des Agrarausschusses des Bundestages, Protokoll von 20.01.1999

23 Schellenberger, Rouven: CHEMIE INDUSTRIE – Angriff der Lobbyisten, BRÜSSEL, 24. November 2002; www.sonnenseite. com

24 Weitere Quellen: www.bba.de/gentech/gentech.htm; www. blauen-institut.ch; www.gene.ch/genet. html; ww.oeko-institut.org/bereiche/gentech/newslet/index.html; www.biogene.org/index.html, www.gen-ethisches-netzwerk.de; www. greenpeace. de; www.sonnenseite.com; www. transgen.de; www.zs-l.de, www. agbioindia.org

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