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„Ernst Thälmann ist sehr stark – viel stärker als seine Peiniger, die ihn verschwinden lassen möchten ...„ (Heinrich Mann, 1936)

Solidarität gegen die Schließung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals!

Am 31.Mai 2003 standen Mitarbeiter und Besucher der denkmalgeschützten Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals vor verschlossener Tür. Der neue Besitzer des Geländes des Sporthauses Ziegenhals, auf dem sich die Gedenkstätte befindet, ein Herr Gröger aus Westberlin, hatte über Nacht die Schlösser ausgetauscht.

Wie kam es dazu:

Im Jahr zuvor hatte die Treuhand Liegenschaft das Grundstück zu einem Schleuderpreis verkauft. In den Jahren zuvor hatte sie die Pächter der Gastwirtschaft Sporthaus Ziegenhals vor die Tür gesetzt, das Sporthaus Ziegenhals als Gaststätte unbrauchbar gemacht und verkommen lassen, um jetzt das lukrative Wassergrundstück zu einem lächerlichen Preis loszuschlagen.

Herr Gröger ist nicht irgendwer, sondern hoher Beamter im brandenburgischen Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr. Er ist in der Abteilung, die u.a. für Denkmalpflege (!!) zuständig ist, die oberste Bauaufsicht (!).

Alle Proteste und Anfragen bei diesem Ministerium sowie bei dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Platzeck (SPD) haben bisher ergeben: Dies sei die Privatsache des Herrn Gröger!

Sehen wir uns mal näher an, um was es sich bei dieser Privatangelegenheit handelt.

Das Sporthaus Ziegenhals im Februar 1933

Am 7. Februar 1933, also nicht viel mehr als eine Woche nach der Übertragung der politischen Macht an die Hitlerfaschisten, fand im Sporthaus Ziegenhals eine illegale Tagung des Zentralkomitees der KPD statt. Die Tagung war mit großem organisatorischen Geschick vorbereitet worden, die Teilnehmer kamen als Ausflugsgesellschaft getarnt aus verschiedenen Richtungen angereist. Das ZK konnte zwar seine Sitzung abhalten, musste sie aber früher als geplant abbrechen, da die Gefahr der Entdeckung drohte. Einige Teilnehmer verließen die illegale Tagung mit dem Motorboot „Charlotte“, das noch heute auf dem Gelände des Sporthauses Ziegenhals steht.

Diese ZK-Tagung war die letzte, an der Ernst Thälmann, Vorsitzender der KPD, teilnahm. Am 3. März 1933 wurde er verhaftet und 11 ½ Jahre eingekerkert, ohne Prozess. Im August 1944 wurde er in das KZ Buchenwald verbracht und dort auf Befehl Hitlers und Himmlers ermordet.

Die Rede, die Ernst Thälmann auf dieser ZK-Tagung hielt, hatte eine große Bedeutung für den Kampf der KPD gegen den Faschismus. Dass nach dem Sturz des Faschismus womöglich nicht gleich die Macht der Arbeiter errichtet werden könnte, erwies sich als eine richtige Voraussicht Thälmanns – da wo die Kriegstreiber, die Monopolkapitalisten, nach 1945 bereits entmachtet waren, im Osten Deutschland, war doch erst eine antifaschistisch-demokratische Umwälzung im Bündnis mit verschiedenen bürgerlichen Kräften notwendig, bevor der Aufbau des Sozialismus in Angriff genommen werden konnte.

Die DDR und die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte

1953, zum 20. Jahrestag der Ziegenhalser Tagung, wurde die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals eröffnet. 1959 musste das Sporthaus Ziegenhals aus baulichen Gründen neu errichtet werden, aber das Nebenzimmer, in dem das ZK damals getagt hatte, ist vollständig mit allem Inventar erhalten. Die Gedenkstätte, die ihre Existenz auch vielen freiwilligen Helfern und Spenden aus der Bevölkerung zu verdanken hat, war in der DDR äußerst populär. Viele hatten dort ihre Jugendweihe erlebt, Thälmann ihren Brautstrauß vermacht, die Dokumente der Ziegenhalser Tagung studiert oder sich einfach anlässlich einer Ausflugsfahrt mit dem Dampfer über diese große historische Stunde der deutschen Arbeiterbewegung informiert.

Das ist etwas, das ein Westberliner Staatsdiener, zur Abrichtung der DDR-Bevölkerung in ein Brandenburger Ministerium beordert, nicht verstehen kann: dass er nun schon so viele Protestbriefe auf seinem Tisch liegen hat. Immerhin sitzen diese Herrschaften auch ihren eigenen Lügen auf. Statt dass nun die Bevölkerung sich freudig die DDR zertrampeln lässt und dem „Stalinisten Thälmann“ (Originalton Gröger) den Rücken kehrt, spürt man immer noch sehr viel von der Popularität dieser Gedenkstätte und auch von der Popularität, die Thälmann selbst in der DDR hatte. Als Sinnbild des Kampfes der Arbeiterklasse gegen die deutschen faschistischen Kriegsbrandstifter, gegen das deutsche Monopolkapital, verkörperte er für viele die Hoffnung auf Frieden und ein Ende von Ausbeutung und Unterdrückung.

Die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte hatte seit 1990 einen Doppelcharakter: an Ernst-Thälmann und die Ziegenhalser Tagung ebenso zu erinnern wie an die Deutsche Demokratische Republik als Verneinung des aggressiven deutschen Imperialismus, der immer von Westdeutschland und Westberlin aus die DDR bedroht hat.

Seit 1990: Die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte bleibt ...

Dass die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte überhaupt trotz der Eroberung der DDR durch den deutschen Imperialismus erhalten geblieben ist, und zwar ohne „Korrekturen“ oder „Erläuterungen“ durch selbst ernannte „Historiker“, die die Bedeutung Thälmanns oder der Ziegenhalser Tagung schmälern wollen, liegt an einem Kreis Unbeirrbarer, der diese Gedenkstätte hegt und pflegt und verteidigt – am Freundeskreis Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals. Dieser Freundeskreis macht Führungen durch die Gedenkstätte und veranstaltet drei Mal im Jahr eine Kundgebung – zum Jahrestag der illegalen ZK-Tagung (7.Februar), zum Geburtstag Thälmanns (16. April) und zum Jahrestag der Ermordung Thälmanns (18. August). Ziegenhals dürfte damit das einzige kleine, abgelegene Dorf in diesem Land sein, in dem drei Mal im Jahr Kundgebungen zu Ehren von Ernst Thälmann stattfinden – jedes Mal von 200 bis 300 Menschen besucht.

Der neue Besitzer des Grundstücks, Herr Gröger, kann nun diesen Freundeskreis überhaupt nicht ausstehen. Das ist gut zu verstehen (auch wenn das nun wirklich Grögers ganz privates Problem ist), hat doch der Freundeskreis die Gedenkstätte zu einem Sammelpunkt des Antifaschismus, des Friedenskampfes und des Bekenntnisses zum Sozialismus und Kommunismus gemacht. Wer darüber mehr wissen will, sollte sich das Buch „Ziegenhalser Reden“ kaufen, in dem die Kundgebungsreden zwischen 1993 und 2002 dokumentiert sind. Bekannte antifaschistische Widerstandskämpfer, Historiker, Funktionsträger der DDR, Bundestagsabgeordnete, Vertreter verschiedener Parteien und Organisationen haben hier gesprochen, und auch die inzwischen verstorbene Genossin Irma Gabel-Thälmann.

... und muss auch weiter bleiben!

Das alles ist jetzt also die Privatangelegenheit des Herrn Gröger. Schließlich hat er das Grundstück doch gekauft!

Das kennen wir doch schon. Wenn im Osten die Metallarbeiter drei Stunden länger arbeiten müssen, dann ist ja auch eine Privatangelegenheit der Kapitalisten. Schließlich haben sie ja die Arbeitskraft dieser Arbeiter gekauft! Als die Vertreter der großen Kapitals Hitler in den Sattel hoben, war das auch ihre Privatangelegenheit. Schließlich hatten sie ja Hitler gekauft! Als die deutschen Kapitalisten zwei Mal im letzten Jahrhundert einen Weltkrieg vom Zaun brachen, war das auch ihre Privatangelegenheit. Schließlich ging es ja um ihre ganz privaten Verwertungsbedingungen ihres Kapitals!

Dafür aber stand Thälmann: dass Schluss ist mit diesen Privatangelegenheiten. Schluss mit Faschismus und Krieg, Schluss mit Ausbeutung und Unterdrückung, was nur möglich ist, wenn die Produktionsmittel keine Privatangelegenheit mehr sind, sondern Volkseigentum. Und deshalb fürchten sie den Arbeiterführer Thälmann heute noch, fürchten sie die verleugnete, wegdefinierte, getretene und eingeschüchterte Arbeiterklasse trotz allem. Und das ist auch der Grund, weshalb sich jede Solidarität gegen die Schließung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte auf jeden Fall auszahlt.

Was man in diesem Sinne tun kann, ist auf der letzten Seite dieser Zeitung zu lesen.

E.W.-P.

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