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Dieser Artikel wurde im November in der UZ veröffentlicht und bezieht sich auf die zunehmenden Schwerkranken und Toten von alten und auch zum Teil schon geimpften Menschen. Er wird hier etwas überarbeitet nochmals abgedruckt.

Schlaglichter rund um die Corona-Politik

Coronatote durch politisches Versagen – die Pharmaindustrie auf der Gewinnerseite!

Boosterimpfungen für die Alten kommen viel zu spät!

Wie lange von der Wissenschaft, von Virologen und Epidemiologen vorhergesagt steigen die Zahlen der symptomatischen Covid-19 Infektionen in Deutschland exponentiell, d. h. nahezu explosionsartig. Daher ging in einer öffentlichen Stellungnahme selbst dem sonst so hölzern daherkommenden RKI-Präsidenten Wieler der Gaul durch angesichts der überlasteten Intensivstationen. Trotz seiner Warnungen seit Monaten an die Politik kam bisher keine tatkräftige Reaktion, sondern im Gegenteil wurden wohl wahlkampfbedingt nur hoffnungsvolle rosige Zeiten eines Pandemieendes herbeigeredet. Doch das Virus und insbesondere die Delta-Variante ist eben unerbittlich und lässt sich dadurch nicht beeindrucken!

Was hätte die Politik und insbesondere ein Gesundheitsminister Spahn schon längst machen müssen? Es war klar und durch Studien mehrfach gezeigt, dass bei den Alten und insbesondere bei den Senioren- und Pflegeheimbewohnern der Schutz durch die Impfung nach 4-6 Monaten nach der Erstimpfung und erst recht nach mehr als 8 Monaten deutlich nachlässt. Die Alten waren ja die Gruppe, die schon früh geimpft wurde. Und eigentlich war schon lange klar, dass für einen längerfristigen Impfschutz wie auch sonst üblich 3 Impfungen notwendig sind. Daher hat die STIKO (Ständige Impfkommission) schon in ihrer Presseerklärung vom 7. Oktober dringend empfohlen, allen über 70-jährigen eine Auffrischungsimpfung zu geben. Bei „BewohnerInnen und Betreuten in Einrichtungen der Pflege für alte Menschen“ sollten „aufgrund des erhöhten Ausbruchspotentials … auch BewohnerInnen im Alter von < 70 Jahren eingeschlossen“ werden! Darüber hinaus sollten solche Auffrischungen auch „Pflegepersonal und andere Tätige mit direktem Kontakt mit den zu Pflegenden“ erhalten. Während sonst die Politiker immer schon Wochen vor einer Empfehlung der STIKO mit besserwisserischer Anmaßung Maßnahmen umsetzen, haben sie hier völlig versagt! Anstelle dass gezielt Impfteams aktiviert worden wären, wurden im Gegenteil die Impfzentren abgebaut! Auch für den schnellen Schutz der Heimbewohner durch verbindlich vorgeschriebene kostenlose Tests für Beschäftigte und Besucher wurde nichts unternommen. Obwohl seit langem klar ist, dass auch Geimpfte 3-4 Monate nach der Impfung wieder symptomlos mit dem Corona-Virus infiziert sein und andere Personen anstecken können, obwohl sie selbst weiter vor einer Erkrankung geschützt sind. Wieso ist das so? Eine ausreichend hohe Konzentration von Antikörpern gegen das Virus auf den Schleimhäuten in Mund, Nase und Rachen findet sich bei geimpften Personen nur anfangs nach der Impfung. Nur während dieser Zeit können diese Personen die Viren sofort abtöten und können daher auch das Virus nicht mehr übertragen. Doch dieser Schutz lässt mit der Zeit nach, obwohl die Personen selbst noch lange vor leichter und noch länger vor schwerer Erkrankung durch die Impfung geschützt sind. Weshalb ist das so? Nach der Impfung ist ein gesundes Immunsystem in der Lage, nicht nur schnell Antikörper zu produzieren (Kurzzeitwirkung) sondern auch Immungedächtniszellen zu produzieren, die dann über einen langen Zeitraum (Langzeitwirkung) den Geimpften schützen. Diese Gedächtniszellen des Immunsystems können nämlich dann, wenn eine Coronavirusinfektion auftritt, sofort reagieren und wieder die Antikörperproduktion umgehend hochfahren. Wie lange dieser Schutz reicht, weiß man heute noch nicht genau, mindestens aber etwa ein Jahr. Das alles funktioniert natürlich bei jungen Menschen mit gutem Immunsystem immer besser und anhaltender als bei älteren Personen oder Personen, die auf Grund anderer Erkrankungen ein geschwächtes Immunsystem haben. Das ist der Grund, weshalb ältere Menschen einerseits durch Infektionen stärker gefährdet sind und andererseits auch nach einer Impfung der Schutz nicht so gut ist und so lange anhält wie bei jüngeren. Daher sind die über 60-jährigen schon während der ganzen Pandemie deutlich gefährdeter als die unter 60-jährigen. Und das gilt natürlich auch jetzt insbesondere, da die Impfungen der älteren Personen die ersten waren und so am längsten zurückliegen. Eine systematische Booster- oder Auffrischimpfung hätte schon längst stattfinden müssen! Das ist ein eindeutiges Versagen der Politik! Die Toten in den Heimen durch Corona gehen wieder einmal mehr auf Kosten dieses Versagens. Auch die Situation auf den Intensivstationen wäre immer noch entspannt, wenn die Bundesregierung und die Länderregierungen einschließlich des Superman Söder wenigstens auf die dringenden Empfehlungen der STIKO reagiert hätten und nicht nur dann, wenn es ihnen in das politische Kalkül passt!

Um das Risiko der Infektionsübertragung zu reduzieren hat daher die STIKO auch im November schon grünes Licht gegeben für Boosterimpfungen für alle Personen über 18 Jahren. „Ziele der Ausweitung der bestehenden Auffrischimpfempfehlung … (ist) die Reduktion der Übertragung von SARS-CoV-2 in der deutschen Bevölkerung, um Infektionswellen abzuschwächen und zusätzliche schwere Erkrankungs- und Todesfälle zu verhindern.“ Klar weist die STIKO erneut darauf hin, dass das Boostern von Alten nach wie vor Vorrang haben muss und die Impfung von noch nicht Geimpften entscheidend ist. Hierin liegt eines der Hauptversäumnisse der Bundes- und Länderregierungen. Nicht nur flexible Impfangebote vor Ort im Stadtteil, im Einkaufszentrum, in Fußgängerzonen etc. sind dafür notwendig, sondern insbesondere flächendeckende, gut verständliche und wiederholte persönliche Aufklärungen, bei denen auch auf die Ängste und Vorurteile der Menschen im Einzelnen eingegangen werden kann. Denn nur Wenige der bisher nicht Geimpften sind überzeugte Impfverweigerer. Adäquate niedrigschwellige Information zu Not!

Die aktuelle Situation „ganz Deutschland ist ein Ausbruch“ kann Pfizer/BionTech nur recht sein und deren Gewinne in die Höhe schnellen lassen. Das nach dem Versagen der Politik jetzt notwendige massenhafte Boostern ist wie ein warmer Kapitalregen. Das politische Versagen trotz unseres hochtechnifizierten Gesundheitswesens zeigt schlaglichtartig: nicht der arbeitende Mensch steht im Mittelpunkt unserer kapitalistischen Gesellschaft weder im Gesundheitswesen noch sonst wo. Ein planmäßiges Handeln nach den Bedürfnissen der Menschen ist nur schwer umsetzbar. Selbst, wenn es zu einem „Notfall nationalen Ausmaßes“ kommt, kann nicht ausreichend gezielt reagiert werden, da die zentralisierten Strukturen dafür fehlen. Einzelinteressen von niedergelassenen ÄrztInnen, Kapitalinvestoren, Pharma- und Geräteindustrie sowie sogenannten gemeinnützigen Organisationen machen ein planvolles Vorgehen unmöglich. Gleichzeitig fehlt das notwendige Personal vornehmlich im Krankenhaus wie auch im öffentlichen Gesundheitswesen durch die jahrelange Sparpolitik des Staates, der als Sachwalter des Gesamtkapitals die Kosten für die Arbeitskraft seit Jahren möglichst klein hält.

Robert Profan

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