Mit einigem Theaterdonner wurde im März die Einführung des Euro verkündet. Die Ängste, die damit verbunden sind, richten sich vor allem auf die Ökonomie, auf weitere Belastungen, die mit einer neuen Währung anstehen können. Die Hoffnungen richten sich dagegen auf die Politik, auf die Chancen von Ausgleich, Zusammenwachsen, Versöhnung und Frieden. Fast unbemerkt beschloß im gleichen Monat der Bundestag die NATO-Osterweiterung, die den Einflußbereich dieses Militärblocks an die Grenzen der ehemaligen Sowjetunion vorschiebt. Wer gegen die Osterweiterung sei, sei für die Aufrechterhaltung der Stalin’schen Nachkriegsordnung, rief mit verzerrtem Gesicht Volker-Nibelung Rühe den wenigen aufrechten Abgeordneten zu, die sich den Ostlandreitern entgegenzustellen wagten.
Die vorliegende Ausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung versucht in ihrem Schwerpunktthema Hintergründe und Zusammenhänge aufzudecken, die Grundlage für ein Urteil sein können: Cui bono, Euro? - Wem nützt die Einführung des Euro? Wem nützen die Einigungsbestrebungen in einem Europa, das nicht von seinen Völkern beherrscht wird, sondern von ein paar Dutzend Riesenkonzernen? Welche Rolle spielen dabei die Monopole der BRD, die das Rückgrat des deutschen Imperialismus darstellen, der zweimal in diesem Jahrhundert die Nachbarvölker in Europa mit Krieg überzogen hat?
Wie kommt es, daß Teile der Linken und Teile der Rechten bis hin zu den Faschisten die Einführung des Euro gleichermaßen ablehnen? Wo verlaufen die Scheidelinien zwischen den Klassen, wo die Scheidelinie zwischen Internationalismus und Chauvinismus?
Natürlich muten wir Euch, liebe Leser, Genossinnen und Genossen, wieder einiges zu: Es ist zwar heute bekannt, wie ein Schaf geklont wird, aber über den Fragen von Geld und Währung liegt mehr denn je der Schleier des Geheimnisses. Also, nicht nur lesen, sondern hineindenken in die Sache, geistige Unterhaltung, aber wenig Unterhaltsames - denn leider ist die Einführung des Euro auch nicht besonders unterhaltsam. Aber wir gehen davon aus, daß Ihr in den Auseinandersetzungen mit Gegnern im Betrieb, in den Wartezimmern der Ämter und an anderer Stelle, aber auch in Diskussionen mit Freunden und Kolleginnen und Kollegen, die wir für den gemeinsamen Kampf gewinnen wollen, auch nicht mit Dünnbier weiterkommen könnt. Und der Euro hat Freund und Feind ziemlich durcheinandergewirbelt, bzw. mit der Diskussion darum versuchen die Rechten und Faschisten einen Durchbruch bis in unsere Reihen.
Offenlegen wollen wir dabei auch Mängel, die vieles im Thesenhaften belassen. Um nur zwei zu nennen: Nur rudimentär sind unsere Kenntnisse über die internationalen Kartelle und ihre Entwicklung insbesondere nach 1989, die aus der ökonomischen Verflechtung die Entwicklung von politischen Konstellationen ableitbar machen würden. Keinesfalls umfassend sind auch unsere Untersuchungen über die Neuaufteilung im Osten und über das Kräfteverhältnis von Monopolen und imperialistischen Ländern dort, über den bereits erreichten Grad der “Germanisierung”, über die Veränderung der Klassenstruktur und ihren Ausdruck in politischen Bewegungen usw. Es ist vielleicht nicht tröstlich, aber wir erkennen dies als Mangel an und bekennen, daß wir auf Hilfe und Unterstützung bei der Klärung angewiesen sind. Hilfe nicht zur eigenen Profilierung, sondern um Antworten auf brennende Fragen der Arbeiterbewegung zu finden.
Nicht zuletzt spielt die Europafrage tief in den beginnenden Bundestagswahlkampf hinein. Dazu enthält diese Nummer einen Aufruf der Redaktion. Wer nicht nur eine andere Regierung will, sondern eine andere Politik, der findet darin Hinweise, wie diese „andere” Politik aussehen kann und soll.
Mit 57 Milliarden Dollar Beistandskrediten wurde Südkorea unterstützt. Bei Hilfslieferungen an die Demokratische Volksrepublik Korea, wo Hunger herrscht, wird um jeden Sack Reis und jede Tonne Dünger gemarktet, halten die imperialistischen Staaten an ihrer seit bald 50 Jahren währenden Blockade fest. Unterwerfung wird von diesem Land verlangt. Wir wollen ein unbotmäßiges Korea, ein Korea, das wieder in die Lage versetzt wird, auf seine Kraft gestützt, seinen Weg zu gehen. Helft, gebt Spenden! Auch wenn es nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein erscheinen mag, es zeigt, daß dieses Volk nicht allein dasteht. Der Kampf der Demokratischen Volksrepublik Korea war und ist ein gerechter Kampf; bitte feilscht mit diesem Volk nicht über die Richtigkeit der Mittel in diesem Kampf. Laßt Euch nicht irre machen von der Lüge und Hetze in den Medien!