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Ihr Herren, freut Euch nicht zu früh!

Wir kommen wieder!

In offener Schlacht gelang es dem Imperialismus nicht, das Land der Oktoberrevolution niederzuringen. Nicht die Intervention von 14 Staaten im Bürgerkrieg von 1917-22, nicht der darauffolgende Boykott und die Wirtschaftsblockade und die Hungersnöte zwangen das darniederliegende Land mit seinen Millionen Toten, mit seiner zerstörten Industrie und seiner ausgepowerten Landwirtschaft in die Knie.

Während die kapitalistische Welt 1929-32 in Krise und Depression versank, verwandelten die Werktätigen der Sowjetunion ihr Land. Sie schufen aus eigener Kraft eine moderne Industrie und begannen die Landwirtschaft umzugestalten. Der jahrhundertelang geknechtete Bauer wurde an der Hand des Proletariats zum Herrn über das riesige Land.

Kaum 10 Jahre des Aufbaus ließ der Imperialismus der Revolution. 1941 überfielen die Hitlerfaschisten als Speerspitze der internationalen Konterrevolution die Sowjetunion, ein Ausrottungs- und Vernichtungsfeldzug ohne Beispiel in der Geschichte. Alles was der Barbarei und der Versklavung der Menschheit nicht folgen wollte, sammelte sich um die Sowjetunion. Während die Hitlerbande in Rußland sengte und mordete, befahl die Führung der KPdSU unter Stalin dem Sowjetvolk zu unterscheiden zwischen den Hitlers und dem deutschen Volk. Stalingrads Ruinen und blutgetränkter Boden wurden zum Symbol für die Befreiung auch der Deutschen. 20 Millionen tote Sowjetmenschen und die Zerstörung, die buchstäblich verbrannte Erde der gesamten westlichen Territorien der Sowjetunion hatte Hitlerdeutschland auf dem Gewissen. Nur die DDR leistete einen Beitrag zum Wiederaufbau. Westdeutschland wurde zum Bollwerk gegen die Sowjetunion, der die ehemaligen Alliierten der Anti-Hitler-Koalition kaum zwei Jahre Atempause ließen. 1947 begann von neuem die Einkreisung und Abschnürung der Sowjetunion und der Völker im Osten, die die Rote Armee befreit hatte. Mit der Drohung der Atombombe in der Hand der US-Imperialisten wurde die Sowjetunion in einen gnadenlosen Wettlauf getrieben. Statt die Früchte des Siegs zu genießen und den Aufbau des Landes großzügig voranzutreiben, mußten abermals Panzer und Flugzeuge gebaut werden Der Kampf ums tägliche Brot, der nackte Überlebenskampf forderte wieder die Kraft einer ganzen ­Generation.

Terror und Schrecken hatte der Imperialismus ins Land getragen. Und mit Terror und Schrecken zur Selbstbehauptung hatte die Revolution geantwortet. Nicht nur gegenüber dem Feind und seinen Kollaborateuren, sondern gegenüber allen Schwankenden, allen Unentschlossenen, allen Zögernden. Der Krieg in Permanenz seit 1914 und dann seit 1917 hatte die Freiheit, sich über den richtigen oder falschen Weg beim Aufbau des Sozialismus, die Zukunft des Volkes, zu streiten, aufs äußerste reduziert. Die Entscheidung über Richtig oder Falsch wurde jedesmal zu einer Frage des Überlebens der Revolution. Die Aktionen des Feindes erforderten schnelle Reaktion der Führung und Entscheidungen, die unbedingt befolgt werden mußten. Vertrauen in die Führung und Gehorsam wurden zu zwingenden und eben auch erzwungenen Tugenden.

Die Bourgeoisie weint Krokodilstränen über die Opfer der Revolution. Sie beweint sogar die alten Genossen der Bolschewiki, den Trotzki, den Bucharin usw. Sie sollen der Machtgier eines Despoten zum Opfer gefallen sein. Aber bevor wir die Verurteilung von einstigen Weggefährten der Revolution als Problem eines Individuums behandeln, ist da nicht gründlich zu prüfen, welche Stellung zum Kampf gegen den Feind, zur Selbstbehauptung der Revolution diese Genossen eingenommen hatten? Wir ehren den Beitrag auch dieser Genossen zur Revolution, indem wir die Unentschlossenheit und das Zaudern und den Verrat bei uns selbst bekämpfen und nicht dadurch, daß wir die Schwankung, die Unaufrichtigkeit zum Maßstab für die Freiheit machen.

Der Bourgeoisie antworten wir: Für Euch ist ein guter Bolschewik immer nur der tote Bolschewik. Das einzige unserer Verbrechen, das ihr wirklich beweint, ist unsere Respektlosigkeit vor eurem Eigentum. Eure Ideale sind längst auf dem Altar des Privateigentums geopfert und eure Beschwörung von Freiheit und Demokratie pure Heuchelei.

Der Aufstand und der Widerstand der russischen Arbeiter und Bauern gegen die Zwingherrschaft des Kapitals hat sie nicht satt gemacht und der Mangel hat viele ihrer Rechte auf dem Papier gelassen. Die Opfer, die die Sowjetunion gebracht hat, zwangen dagegen das Kapital, in seinen Zentren alle Kräfte zu konzentrieren und seine Entwicklungspotentiale noch einmal auszuschöpfen. Und um seine Lohnsklaven ruhig zu stellen, förderten sie den Reformismus in unseren Reihen und ließen auch Bröckchen von ihrem reich gedeckten Tisch fallen. Die Opferbereitschaft der Sowjetunion hat die Imperialisten zu vierzig Jahren relativen Friedens gezwungen. Der Krieg eines Teils der Weltbourgeoisie gegen den faschistischen Teil ihrer Klassenbrüder hat dem Kapitalismus auch wieder einen demokratischen Anstrich gegeben. All das hat dazu geführt, daß Illusionen über Demokratie, Friedfertigkeit und Wohlstand unter der Herrschaft der Monopolbourgeoisie geschürt werden konnten und die Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern gelähmt wurde.

Jetzt gießen die Satten Hohn und Spott aus über die Planwirtschaft, über den Mangel, über die Rückständigkeit der Länder der SU, feiern ihre Hilfslieferungen, während sie sich die Republiken der Sowjetunion durch Kredit unterwerfen und politisch abhängig machen, die Kommandohöhen der Wirtschaft erobern und die Reichtümer des Landes unter sich aufteilen.

Freut Euch nicht zu früh, ihr Herren der Fabriken und Ländereien, der Banken. Ihr sagt die Planwirtschaft kann nicht funktionieren. Ihr praktiziert sie täglich in der Fabrik. Ihr meint also, das Volk kann nicht planen, es kann nicht auf eigene Rechnung und nach eigenen Zwecken sein Leben einrichten? Sollen wir etwa von eurem Wirtschaften lernen? Von Krise und Krieg, von Massenerwerbslosigkeit, vom Elend mitten in der Überproduktion?

Und der Mangel? Ihr höhnt über Schlangen vor den Läden im Sozialismus. Solange der Mensch akzeptiert, daß er hungern muß, wenn er kein Geld hat, um sich die Mittel zum Leben zu beschaffen, ist Euer system so einfach und klar, erscheint so überlegen. Nur: der Mangel verkriecht sich vor der in den Schaufenstern ausgebreiteten Fülle. Wo jeder Anspruch auf das noch immer Wenige hat, im Sozialismus, zeigt er sich offen. Mangel noch, aber Ansporn, ihn zu überwinden.

Die Oktoberrevolution hat einen mächtigen Staat geschaffen, den alle Mächte der alten Gesellschaft in offenem Kampf nicht aus den Angeln heben konnten, dem sie gerade in ihrer Wut und in ihrem Haß ihre Anerkennung zollen mußten, der Ansporn für alle Völker war und ist, es gleich und besser zu tun.

Ihr Herren, freut Euch nicht zu früh! Wir kommen wieder!

Arbeitsgruppe

In etwa dreihundert Jahren wird man noch sagen: “Das gewaltigste und folgenschwerste Ereignis für den Fortschritt menschlicher Entwicklung war die russische Revolution.”

B.Traven, 1918

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