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Editorial

Die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) erscheint nach nunmehr zehn Monaten Unterbrechung wieder in neuem Format und neuer Erscheinungsweise (zunächst dreimonatlich).

Ein Teil unserer Genossen hatte sich Ende 1996 entschieden, der DKP beizutreten, ohne jedoch die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) zu verlassen. Wir hoffen auf weitere Zusammenarbeit, wir brauchen die Hilfe auch dieser Genossinnen und Genossen.

Seit Januar 97 mußten wir die geringer gewordenen Kräfte unserer Organisation umgruppieren, verbunden mit dem Umzug der Redaktion von München nach Nürnberg. Im April und Juli brachten wir zwei Extraausgaben der Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) heraus mit Zusammenstellungen von bereits in früheren Ausgaben erschienenen Artikeln zu den Themen „Wer sind unsere Gegner: Zum Beispiel VW“ und „Rassismus und Kapital“.

Für die jetzt wieder regelmäßig erscheinende Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) wurde die Arbeitsweise des Redaktionskollektivs wesentlich verändert.[1] Wurden in der bisherigen Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ) Beiträge von einzelnen Redaktionsmitgliedern erstellt bzw. von anderen Genossen eingesandt und im Redaktionsausschuß letztendlich für den Abdruck freigegeben, haben wir jetzt Schwerpunktthemen festgelegt, die von Arbeitsgruppen bearbeitet werden. Damit wird die Auseinandersetzung bereits in die Erstellung von Beiträgen hineingetragen, statt sie wie bisher erst anhand von fertigen Beiträgen individueller Genossen führen zu können. Gerade die Situation von nebeneinander stehenden Beiträgen, gegensätzlich, aber ohne offen die Widersprüche auszutragen, hatte auch dazu beigetragen, daß wir die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) in der bisherigen Form nicht aufrechterhalten konnten und wollten.

Die Festlegung von Schwerpunktthemen erlaubt auch eine längerfristige Planung und eine gründlichere Arbeitsweise. Dabei ist es uns wichtig, mit Genossen auch außerhalb der Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) zusammenzuarbeiten, die bereits an bestimmten Schwerpunktthemen arbeiten, bzw. an einer gemeinsamen Arbeit daran innerhalb der Arbeitsgruppen Interesse haben. Die Planung der Schwerpunktthemen selbst ist Gegenstand der Debatte im Redaktionskollektiv und den Arbeitsgruppen und soll auch in der Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) geführt werden. Die Planung wollen wir an den Bedürfnissen des Klassenkampfs ausrichten und an den vorhandenen Kräften.

Eine gründlichere Arbeitsweise erschien uns auch deswegen angebracht, als wir vielfach bei uns festgestellt haben, daß wir politisch von der Hand in den Mund gelebt haben, und das Studium der Tatsachen und der marxistisch-leninistischen Theorie gelegentlich ersetzt haben durch Rückgriff auf politischen Instinkt und Theoreme, die wir aus der Zeit von vor 1989 herübergerettet hatten. Das wird umso problematischer, wenn unter den verbliebenen Kommunisten wieder Organisationsfragen in den Vordergrund gestellt werden, ohne daß Klarheit in grundlegenden ideologischen und politischen Fragen erreicht worden wäre.

Organisatorisch halten wir an dem Ziel „Wiederaufbau der KPD“ fest, weil dies am besten zum Ausdruck bringt, was uns fehlt, und allen der Arbeiterklasse parteilich verbundenen Organisationen erlaubt, ihren Beitrag in den Prozeß der Vereinigung der Kommunisten einzubringen, ohne sich von vorneherein etwas anderem unterzuordnen als dem Zwang zur Klärung der offenen bzw. der trennenden Fragen und der Einheit im Kampf gegen den Hauptfeind, der deutscher Imperialismus heißt. (Im übrigen gehen wir davon aus, daß keine der in diesem Land vorhandenen Organisationen und Parteien den Anspruch erhebt, die Kommunistische Partei bereits zu verkörpern.) Zur Vermeidung von Konkurrenz und Gezänk erklären wir, niemanden aus bestehenden Organisationen gegen den Willen dieser Organisation bei uns organisieren zu wollen. Insbesondere werden wir uns organisatorisch nicht auf das Gebiet der DDR ausdehnen. Nach der Einverleibung der DDR durch den deutschen Imperialismus lehnen wir Tendenzen zur „roten Kolonisierung“ durch westdeutsche Kommunisten ab. Insbesondere werden wir die PDS gerade in Westdeutschland vorbehaltlos gegen die Angriffe der Reaktion verteidigen, die PDS sagt, aber die DDR meint. Und die DDR steht allemal für das Verbrechen, Monopol und Junker aufs Haupt geschlagen zu haben.

In diesem Sinn will die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) auch den neu entstandenen und entstehenden Zirkeln vor allem junger Revolutionäre, Zirkeln, die durch ihre Existenz zum Ausdruck bringen, daß sie sich in den vorhandenen Organisationen nicht repräsentiert sehen, Vehikel sein, Differenzen zu formulieren und zu klären. Dies nicht zur Verfestigung der Zersplitterung und Verhinderung der Einheit, sondern nach dem leninistischen Grundsatz: Wer sich zusammenschließen will, muß sich zuvor unbedingt voneinander abgegrenzt haben. Erst so erscheint uns Einheit bewußt, freiwillig und damit dauerhaft möglich zu sein. Wir nehmen diesen scheinbar langwierigeren Prozeß in Kauf in Zeiten, wo Parteilichkeit zur Sache der Arbeiterklasse gefragt ist, und wollen damit die Bedingungen für tatsächliche Zusammenarbeit und gegenseitiges Überprüfen verbessern.

Wir legen diese Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) mit dem Schwerpunktthema „80 Jahre Oktoberrevolution“ vor. Wir wollen die Oktoberrevolution gegen Gift und Galle der herrschenden Ideologen verteidigen als notwendigen Ausdruck einer Epoche, in der Kriege und Revolutionen unvermeidlich sind, unabhängig vom Willen der Beteiligten (wie es Brecht auf den Punkt gebracht hat: „Die Kapitalisten wollen den Krieg nicht, sie müssen ihn wollen!“). Wir wollen den Sozialismus, diesen umfassenden Prozeß der Vereinigung der Proletarier aller Länder und der unterdrückten Völker, wieder erkennbar machen als Form des Widerstands des internationalen Proletariats gegen Imperialismus und kapitalistisches Ausbeuterregime. Damit wollen wir wegkommen von der statischen Betrachtungsweise des Sozialismus, wie sie durch die Einkreisung und Abschnürung der sozialistischen Länder durch den Imperialismus nach dem 2. Weltkrieg gefördert wurde, und damit die Frontabschnitte wieder sichtbar machen, an denen der Sozialismus erkämpft wird: die Arbeiterbewegung in den kapitalistischen und imperialistischen Ländern, die um ihre Befreiung kämpfenden Völker, und die Länder, die sich den Weg zum Sozialismus erkämpft haben und ihn verteidigen.

Und so geht’s weiter!

Die Liste der Schwerpunktthemen: (Änderungen vorbehalten)

KAZ 287 Globalisierung

Redaktionsschluß: 16.1.1998

KAZ 288 Euro

Redaktionsschluß: 4.4.1998

KAZ 289 Sozialstaat

Redaktionsschluß: 10.7.1998

Redaktion der Kommunistischen Arbeiterzeitung

1 Das Papier über die Arbeitsweise in den Arbeitsgruppen kann bei der KAZ-Redaktion angefordert werden.

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