Die Konkurrenz, das russische Roulette der Kapitalisten, hatte nur wenige der zahlreichen im 19. Jahrhundert gegründeten Chemieunternehmen übrig gelassen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schlossen sich die verbliebenen zum „Dreibund“ aus Bayer, BASF und AGFA und zum „Dreierverband“ um Hoechst zusammen. 1916, mitten im 1. Weltkrieg schlossen sich die beiden Verbände zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammen. 1925 wurde mit Hilfe der Großbanken daraus ein festverschweißter Verbund, ein Trust, der sich „IG Farben AG“ nannte, der mit 650 Mio. Reichsmark Aktienkapital das damalig größte Unternehmen Europas.
24 Vertreter der IG Farben wurden 1947 im Nürnberger Kriegverbrecherprozess angeklagt. Telford Taylor, Hauptankläger im IG Farben Prozess führte damals aus: „Diese Angeklagten und andere mit ihnen, nicht die halbunzurechnungfähigen Nazi-Fanatiker und schießwütigen Raufbolde der Straße, sind die Hauptkriegsverbrecher. Sollte die Schuld dieser Angeklagten nicht ans Tageslicht gezogen und bestraft werden, so werden sie für den künftigen Frieden der Welt eine viel größere Gefahr darstellen als Hitler, wenn er noch am Leben wäre.“
Die Eigenschaft Kriegsverbrecher zu sein, entwickelten die später zu den IG Farben zusammengeschlossenen Firmen schon frühzeitig.
Als 1914 der 1. Weltkrieg losbrach, war dies auch für die Imperialisten aus der chemischen Industrie nur die Fortführung der Ökonomie mit anderen Mitteln. Die deutschen Unternehmer von Kohle und Stahl, Elektro und Chemie hatten sich seit ihrem Bestehen untereinander bekriegt oder vornehmer ausgedrückt „Konkurrenz“ gemacht. Das Ergebnis der gegenseitigen Vernichtung waren in jedem Bereich eine Handvoll Großunternehmen als Überlebende, die zeitweise Waffenstillstände schlossen, um gemeinsam besser Krieg gegen andere Unternehmen, Verbraucher, Arbeiter führen zu können. Das Monopol war geboren. Sie teilten die Welt, d.h. vor allem Märkte und Rohstoffquellen untereinander auf, kauften Regierungen und Parteien. Nicht, dass es jetzt friedlicher geworden wäre. Im Gegenteil: Was macht ein Monopol mit den riesigen Gewinnen, die es einsteckt. Es muss sie wieder investieren. Es kann billiger und mehr produzieren – mit weniger Arbeitskräften. Was passiert, wenn der Markt im eigenen Land zu klein wird? Auslandsmärkte erobern! Wenn sich aber dort, in den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien ähnliche Monopole herangebildet haben? Dann muss man sie von ihren Märkten verdrängen! Wenn sie aber nicht freiwillig abgeben und ihre Regierung „bewegen“, die Märkte zu schützen? Dann muss man sie zwingen – mit politischem, mit militärischem Druck, mit Waffen. Völker bluten, damit die Monopole feststellen, wem welcher Marktanteil gehören soll. Zwang zur Neuaufteilung als Geheimnis moderner Kriege. Und so schrieen die „armen, zu kurz gekommenen“ deutschen Imperialisten, unter ihnen Carl Duisberg, langjähriger Chef der Bayer AG, schon 1906 lauthals nach ihrem „Platz an der Sonne“.
„National“ waren die großen Chemiemonopole schon lange nicht mehr. 85% ihrer Produktion ging ins Ausland. Ansonsten wurden sie es erst, wenn sie dadurch internationale Interessen durchsetzen konnten.
Für die Chemie war der Krieg eine Profitmaschine. Riesige Leistungen menschlichen Erfindergeistes wurden durch den Einsatz für Profit und Krieg verhöhnt. Aus den Küchen der Chemiemonopole kam die schrecklichste Waffe des 1. Weltkriegs – das Gas. Unter anderem von Nobelpreisträger Fritz Haber (dank des bekannten Haber-Bosch-Verfahrens) entwickelt. Die Gaswaffe kam am 22. April 1915 zum ersten Mal bei Ypern (Kleinstadt in Flandern) zum Einsatz. Dabei wurden 15.000 Männer ausgeschaltet, 5.000 starben einen jämmerlichen Tod.
Auch das System der Zwangsarbeit geht auf die IG Farben und ihren Ehrentheologen Duisberg zurück, der im September 1915 bei Hindenburg und Ludendorff über Arbeitskräftemangel und steigende Löhne klagte. Zwei Monate später begannen deutsche Soldaten belgische Arbeiter zu Sklavenarbeit in deutsche Fabriken zu verschleppen. Damals war der Protest der Weltöffentlichkeit noch so stark, dass das Zwangsarbeiterprogramm abgebrochen werden musste.
Den deutschen Monopolen war es gelungen die Novemberrevolution niederzuschlagen. Mit der Inflation 1922/23 konnten sie die Kriegsgewinne realisieren und die Kriegslasten (100 Mrd. Mark Kriegsanleihen) auf die Masse der Bevölkerung abwälzen. Durch die ständige Abwertung der Mark verbilligten sich die Exporte, gerade der Chemie. Die nach dem Krieg zunächst geschwächten Chemiemonopole konnten verlorenes Terrain auf den Weltmärkten wieder gutmachen.
- 1934-1945 Vorstandsmitglied von IG Farben, stellvertretender Direktor von Sektion I, Direktor für synthetisches Benzin der IG Auschwitz
- Führte 1932 (zusammen mit Gattineau) das Gespräch mit Hitler, das den Benzinpakt begründete, 1936 Mitarbeiter von Krauch im Hinblick auf den Vierjahresplan als Produktionsvertreter für Öl im Rüstungsministerium
- SS-Obersturmbannführer, militärisch-industrieller Leiter, Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS“
- 1948 der „Versklavung“ für schuldig befunden und zu sechs Jahren Haft verurteilt
- 1951 entlassen
- 1952 Aufsichtsratsmitglied u. a. von Ruhr-Chemie und Kohle-Öl-Chemie
- 1964 Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland; aufgrund heftiger Proteste wurde die „Ehrung“16 Tage später zurückgenommen.
Otto Ambros (1901-)
- 1938-1945 Mitglied des Vorstands von IG Farben, Mitglied des chemischen Ausschusses und Vorsitzender der Kommission K (Wirkstoffe), Sonderberater von Krauchs Forschungs- und Entwicklungsabteilung für den Vierjahresplan, Direktor des Sonderausschusses C (chemische Wirkstoffe), des Hauptausschusses für Pulver und Sprengstoffe in der Rüstungsbehörde, militärisch-industrieller Leiter
- Verantwortlich für die Auswahl von Standort, Planung, Bau und Betrieb der IG Auschwitz als Werksleiter. Geschäftsführer der Buna-Werke und verantwortlich für die Produktion von synthetischem Benzin
- 1945 Ritterkreuz
- 1948 der „Versklavung“ für schuldig befunden und zu acht Jahren Haft verurteilt
- 1952 entlassen
- ab 1954 Vorsitzender, stellvertretender Vorsitzender und Mitglied der Aufsichtsräte von: Chemie Grünenthal (Contergan-Produzent), Pintsch Bamag AG, Knoll AG, Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke, Telefunken GmbH, Grünzweig & Hartmann, Internationale Galalithgesellschaft, Berliner Handelsgesellschaft, Süddeutsche Kalkstickstoffwerke, Vereinigte Industrieunternehmungen (VIAG) mit ihren Tochtergesellschaften Scholven-Chemie und Phenol-Chemie, als Berater für F. K. Flick und den US-Industriellen J.P. Grace Anfang der achtziger Jahre in den „Flick-Skandal“ verwickelt.
Die Gründung der IG Farben AG 1925 war nicht nur eine ungeheure Zentralisierung von wirtschaftlicher und damit politischer Macht in Deutschland. Es war auch der Auftakt zu einem Kampf um die Neuaufteilung der Welt auf noch größerer Stufenleiter. Dieser Kampf ist jedoch nicht linear – gegen den Rest der Welt, sondern zeichnet sich durch zeitweilige Zusammenarbeit mit den schärfsten Konkurrenten aus.
So gab es schon 1919 Kontakte zu französischen Konzernen (gegen den gefährlichen Konkurrenten Dupont), um die Demontage der Farb- und Nitratfabriken zu verhindern, bei Zusicherung der Hilfe beim Aufbau einer Stickstoffindustrie. Oder die Beziehungen zu Rockefellers Standard Oil (heut Exxon bzw. Esso). Die IG Farben hatte durch die Erforschung der Kohlehydrierung zur synthetischen Benzingewinnung eine Vormachtstellung erobert und Standard Oil sah seine Beherrschung der Ölmärkte gefährdet. Sie traten 1927 in Verhandlungen und beschlossen in Manier von Großmächten 1928 ein streng geheimes Abkommen über die genaue Abgrenzung ihrer Interessen.
- 1926-1935 Vorstandsmitglied von IG Farben, 1935-1945 Aufsichtsratsvorsitzender und „Finanzchef“ von IG Farben
- Militärisch-industrieller Leiter, Mitglied der NSDAP
- 1941 Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse
- 1948 der „Plünderung“ für schuldig befunden und zu vier Jahren Haft verurteilt
- 1950 entlassen
- 1952 Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank, 1956 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Rheinischen Stahlwerke
Selbst nach der Machtübertragung an die Faschisten funktionierte der rege Austausch zwischen den Monopolisten, die bald schon Kriegsgegner sein sollten. Durch den vereinbarten Austausch von Patenten gelangten die IG Farben z.B. an Bleitetraethyl, einer Voraussetzung für die Erzeugung von Flugbenzin (was wiederum erst die Luftrüstung, und damit die Blitzkriegstrategie der Nazis ermöglichte). Kurz vor Kriegsbeginn wurden im Gegenzug die Buna-Patente an Standard Oil ausgeliefert. Dafür belieferte diese die IG Farben in den ersten beiden Kriegsjahren (Polen, Frankreich, Benelux wurden in dieser Zeit durch die Nazi-Faschisten besetzt) auf dem Weg über Südamerika mit wichtigen Erdölprodukten.
Die IG Farben förderten und unterstützten die Errichtung der faschistischen Diktatur. Schon Anfang der 30 er Jahre gab es Verbindungen zwischen Vorstand und NSDAP. Intensiviert wurden die Kontakte im Sommer 1932 im Zusammenhang mit Plänen zur Ausweitung der Produktion von synthetischem Treibstoff in den Leunawerken als Voraussetzung für eine relative Autarkie im Kriegsfall. Es folgte eine Spende von 100.000 Reichsmark.
Noch zögerte aber der IG „Rat der Götter“ (s. dazu den gleichnamigen ausgezeichneten DDR-Film nach einem Drehbuch von Friedrich Wolf und der Musik von Hanns Eisler), einseitig auf die Nazis zu setzen. Schließlich war im Sommer 1932 nicht endgültig klar, ob sich Hitler im Lager der Reaktion durchsetzen würde und ob er in der Lage wäre, die Arbeiterbewegung in Schach zu halten. Im Februar 1933 gab es nach einem Treffen Görings mit den Spitzen der Industrie für den bevorstehenden Wahlkampf 400.000 Reichsmark, soviel wie sonst für alle bürgerlichen Parteien (einschl. der SPD).
Dies signalisierte den Übergang der gesamten Bourgeoisie ins Lager des Faschismus. Am 5. März 1933 wurde zum letzten Mal gewählt, unter notdürftig gewahrtem demokratischem Schein. Im Juni 1933 wurde der Konzern am geheimsten Unternehmen beteiligt, dem Aufbau einer illegalen Luftwaffe. Im Dezember erhielt die IG die vertragliche Zusicherung, dass alles synthetische Öl vom Staat zu Höchstpreisen gekauft werde. Im März 1935 verfassten die IG Farben eine Denkschrift an das Reichswehrministerium „Zur Vorbereitung der Industrie auf den Krieg“. „Die wehrwirtschaftliche Neuorganisation“ führte IG-Vorstandsmitglied Carl Krauch ins neu eingerichtete Rohstoff- und Devisenamt, der Leitstelle für die Kriegsvorbereitung.
Die IG Farben diktierten den faschistischen 4-Jahresplan. Die Denkschrift Hitlers vom 25.8.1936 „Die Armee muss in vier Jahren kriegsfähig sein“, beruht voll auf ihren Vorschlägen. Im Zuge der systematischen Kriegsvorbereitung verdoppelte der Konzern in den Jahren 1933-39 seinen Gesamtumsatz.
Und das ging so:
Vorneweg marschieren die Raubtruppen, von den Nazis gehetzt, hintendrein die IG für den Profit.
1938 Skoda Werke Wetzlar in Österreich
1939 Chemie Fabriken des Aussiger Vereins in der Tschechoslowakei
1939 vier Farbstoffwerke in Polen
1940 51% Anteile der gesamten Chemie in Frankreich (Francolor) erpresst
1941 estnische Phosphate, Öl des Kaukasus etc. aus der Sowjetunion. Aber da war dann ja nichts mehr.
Und das ging so:
Etwa 28 Häftlingslager wurden während der Kriegsjahre bei IG Betrieben eingerichtet. Mindestens 15.000 wurden ständig zu Arbeitssklaven der IG gemacht, davon allein 10.000 im Buna Werk der IG Auschwitz im dritten Auschwitzlager Monowitz, direkt am Firmengelände. 3 RM pro Tag zahlte die IG pro Zwangsarbeiter an die SS. Die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit in dieser Hölle betrug drei bis vier Monate. Wer nicht mehr arbeiten konnte, ging ins Gas.
Cyklon B wurde von der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch) hergestellt, einem Konzernbetrieb der IG Farben.
Im Mordreich der IG Farben, in dem Experimente an lebenden Tieren (Vivisektion) als Kapitalverbrechen bestraft wurde, wurden sie folgerichtig an Menschen durchgeführt.
Konzentrationslager (KZ) hieß für die IG Farben eine dreifache Quelle für den Profit:
1. Experimentierfeld für ungeprüfte Pharmazeutika,
2. billiges Arbeitskräftereservoir
3. Absatzmarkt für Giftgas
Durch den Erwerb der Behringwerke 1929 erweiterten die IG Farben ihr Produktprofil im Sera- und Impfstoffgeschäft, worin diese Firma eine führende Rolle spielte. Nachdem die IG Farben schon ab Anfang der 30er Jahre ihre Forschung auf Kriegsaufgaben umstellte, begannen bei den Behringwerken Experimente mit den drei Verursachertoxinen des Gasbrandes, einer typischen Kriegsinfektion.
Die Behringwerke gehörten zu den ersten pharmazeutischen Unternehmen, die Impfstoffe im KZ erprobten. Schon zwei Jahre vor Beginn der Versuche gab es direkte Kontaktaufnahmen zum KZ Buchenwald. Als Ende 1939 die Ruhrepedemie im sog. Polen-Sonderlager ausbrach, lieferten sie den Impfstoff an die SS. Wegen der bekannten schlechten Verträglichkeit lieferten sie auch gleich anschließend noch den neuentwickelten Impfstoff, der allerdings noch nicht getestet war. Das konnten dann ja die SS-Lagerärzte erledigen, diese sollten dann zur Titerbestimmung, also der immunologischen Bestimmung der Wirkung des Präparats, noch ein paar Blutproben ins Behringlabor schicken.
Alle folgenden Versuche im KZ Buchenwald, und die dortige SS experimentierte ausschließlich im Interesse des IG Farben-Konzerns, waren an den Notwendigkeiten des Kriegsverlaufs orientiert. Vor allem die Versuche mit Fleckfieber nahmen Ausmaße wie in keinem anderen Konzentrationslager an. Nach Aussagen Arthur Dietzschs, Kapo von Block 46 (hier verlief ein Großteil der Versuche) erfolgte eine laufende Nummerierung der Krankenblätter, und danach waren bis Januar 1945 988 Häftlinge in die Fleckfieberversuche einbezogen.
Nach den heldenhaften, opferreichen Kämpfen brachte die Rote Armee in der Schlacht von Moskau das Blitzkriegkonzept der Wehrmachtsführung zu Fall. So lagen die Truppen ohne Winterbekleidung, Frostschutz für technisches Gerät und entsprechende Verpflegung bei eisigen Temperaturen und Schneestürmen im Schützengraben fest. Aber sie hatten ja die polnischen und sowjetischen Städte und Dörfer niedergebrannt und Ernten vernichtet. So litt bald nicht nur die Zivilbevölkerung in den okkupierten Gebieten Hunger. Seuchen brachen aus, insbesondere Fleckfieber und Ruhr, und drohten auf das deutsche Heer überzugreifen.
- 1931-1945 Vorstandsmitglied von IG Farben, Leiter von Sektion III (Koordination mit Dynamit Nobel)
- In Nürnberg aller Anklagen für „nicht schuldig“ befunden
- 1949 Geschäftsführer, 1952 Aufsichtsratsvorsitzender der Dynamit Nobel AG
- 1953 Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
- 1957 Ruhestand, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Dynamit Nobel AG, Aufsichtsratsvorsitzender von Genschow & Co. und der Chemie-Verwaltungs AG, Aufsichtsratsmitglied der Hüls AG und der Gelsenkirchener Bergwerke
Fleckfieber wird durch die Kleiderlaus übertragen, besonders im Winter, bei seltenem Kleiderwechsel und hat mit steigendem Alter eine immense Todesrate (von 50%, bei Epidemie sogar 80%). Es gab keine Serumtherapie für schon Erkrankte und keinen günstigen Massenimpfstoff in ausreichender Menge.
Die IG Farben witterten eine profitable Einnahmequelle bei einem Monopol für die Herstellung von Massentherapeutika und -impfstoff. Die SS berief am 29.12.1941 zwei Sitzungen in Berlin ein, jeweils u. a. mit Vertretern der IG Farben. Dabei wurden Entscheidungen zur Erweiterung der Produktionsstätten und Kapazitäten gefällt, aber auch über eine Wirksamkeitsprüfung, bei der direkte Entscheidungen für Experimente im KZ Buchenwald fielen. Im Umfeld dieser Sitzungen erhielt die IG Farben eine Art Startbonus, später per Runderlass durch den Reichsinnenminister einen festgeschriebenen Vorsprung in der Fleckfieberimpfstoffproduktion und das Monopol auf den kriegswichtigen Impfstoff.
- 1926-1945 Vorstandsmitglied von IG Farben, Mitglied des Arbeitsausschusses und des technischen Ausschusses, Direktor von Sektion II
- 1943 Bevollmächtigter für Italien des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion, militär-wirtschaftlicher Chefindustrieller, zuständig für Auschwitz
- 1948 der „Plünderung“ und der „Versklavung“ für schuldig befunden und zu sieben Jahren Haft verurteilt, 1952 entlassen
- 1955 Aufsichtsratsmitglied von Bayer
- 1956-1964 Aufsichtsratsvorsitzender von Bayer, Aufsichtsratsvorsitzender der Th. Goldschmidt AG, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG, Aufsichtsratsmitglied der Waggonfabrik Uerdingen, der Düsseldorfer Waggonfabrik AG, des Bankvereins Westdeutschland AG und der VIAG
Schon kurz darauf begann der systematische Aufbau einer Versuchsstation und am 9.1.1942 begannen die Vorversuche. Leiter fast aller Versuche war Dr. Ding-Schuler und sein Vertreter Dr. Hoven. Im März 1942 und im Mai wurde eine neue Station in Block 46 mit vier großen Sälen und hygienischen Bedingungen fast wie im Krankenhaus eingerichtet. Die Fleckfieberversuchsreihen gingen hauptsächlich von August 1942 bis Oktober 1944 (letzte Versuche aber noch am 29.3.1945). Die letzte Fleckfieberimpfstoffreihe im Februar 1943.
- 1926-1940 Vorstandsmitglied von IG Farben, 1940-1945 Aufsichtsratsvorsitzender, Direktor des Koordinationszentrums W, Direktor der Reichswirtschaftsbehörde, Bevollmächtigter für Sonderfragen der chemischen Produktion, militärisch-industrieller Leiter
- 1943 Ritterkreuz für besondere Verdienste
- 1948 der „Versklavung“ für schuldig befunden und zu sechs Jahren Haft verurteilt
- 1950 entlassen
- 1955 Aufsichtsratsmitglied der Hüls GmbH
- Im Frankfurter Auschwitz-Prozess 1956 soll er gesagt haben: „Sie waren in der Regel asoziale Elemente, so genannte politische Gefangene.“ (Beschreibung der Gefangenen von Auschwitz-Monowitz)
Anfang 1943 zeichnet sich ab, dass sich das Robert-Koch-Institut (Hauptkonkurrent der Behringwerke) beim Wettlauf um den effektivsten Impfstoff durchsetzen wird. Am 4.1.1943 wird per Runderlass durch das Innenministerium deren Produktionsverfahren zugelassen. Durch den Monopolverlust verlor die IG Farben zwar das Interesse an einem Fleckfieberimpfstoff, trotzdem dehnte sie ihr Engagement im KZ Buchenwald aus. So verliefen Versuche von April 1943 bis März 1945 mit Fleckfieberkrankenfrischblut, wobei die Häftlinge vorsätzlich infiziert wurden und es zu unnatürlich schwerem Krankheitsverlauf kam. Zeitgleich begann die Firma Hoechst (also auch IG Farben) mit Fleckfiebertherapieversuchen.
Verträglichkeitstests mit einem Gelbfieberimpfstoff von Januar und Mai 1943 (gedacht für den Afrikakorps) enden „aufgrund der militärischen Lage“, also als sich am 13.Mai 1943 die faschistische Heeresgruppe Afrika mit 250.000 Mann den Alliierten ergaben.
- 1934-1945 Vorstandsmitglied von IG Farben, Chefingenieur von IG Farben, stellvertretender Direktor der BG-Zentrale Rhein/Maingau
- 1943 militärisch-industrieller Leiter, Verdienstkreuz 1. Klasse; 1948 der „Plünderung“ für schuldig befunden und zu 18 Monaten Haft verurteilt
- 1955 Aufsichtsratsmitglied der „neuen“ Farbwerke Hoechst. Im selben Jahr zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt – Karl Winnacker sagte: „In der Zwischenzeit wurde das Gesetz über Liquidation verabschiedet und hat uns alle von diskriminierenden Vorschriften befreit. So konnten wir Friedrich Jähne, Chefingenieur der alten IG Farben, in den Aufsichtsrat berufen. Er führte bis 1963 den Vorsitz über den Aufsichtsrat. Niemand von uns hätte 1945 gedacht, dass wir eine solche Kooperation erreichen würden.“
- Aufsichtsratsvorsitzender der Alfred Messer GmbH (später Messer Griesheim), Aufsichtsratsmitglied bei Linde
- 1959 Dr. Ing. eh. der TH München, 1962 Bayer-Verdienstmedaille, Ehrensenator der TH München, Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
Diese nur sehr unvollständige Auflistung der immensen Versuche durch die IG Farben im KZ Buchenwald soll deren Ausrichtung am Verlauf des Krieges, zu dem sie selbst angetrieben und den sie erst ermöglicht hatten, dokumentieren. Dabei wurden skrupellos der karrieristische Ehrgeiz und die Geltungssucht der SS-Ärzte ausgenutzt, die dadurch noch Anregung für ihren Sadismus bekamen.
Aber welchen Sinn konnten diese unwissenschaftlichen Versuche für diese Firma haben?
Dem Vorstand und den Wissenschaftlern musste klar sein, dass die Versuche unter den harten, unhygienischen Bedingungen im KZ mit derart geschwächten Menschen keinerlei wissenschaftlichen Wert hatten.
Schon Anfang 1943 hatten die IG Farben eine Umsatzsteigerung von 100% erreicht, mit einer noch darüber liegenden Produktionssteigerung. 55% der Pharmazeutika der Wehrmacht kamen von der IG. Eine Profitsteigerung war nur noch mit drastischen Sparmaßnahmen möglich, also rationeller Einsatz von Rohstoffen, Vereinfachung der Verpackungen und von Heilmittelwerbung, rationeller Einsatz von Arbeitskräften durch massiven Einsatz von Zwangsarbeit (in den Betrieben im Reich und in der IG Auschwitz), eine Ersetzung eigener aufwendiger Versuchsaufbauten mittels der Verbindungen zum KZ. Diese konnten dann als vorzeigbare, scheinbar wissenschaftliche Versuchsergebnisse mit möglichst vielen Menschen ausgegeben werden.
Jetzt hießen sie: IG Farben in Liquidation (i.L.) oder in Abwicklung (i.A.)
Zum 1.1. 1945 beschloss der Alliierte Kontrollrat, die IG Farben vollständig zu enteignen. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde dies auch vollzogen. In den Westzonen kam es dagegen zu „Entflechtungsverhandlungen“, die im Grunde nichts anderes als Neuordnungs- und Rationalisierungsmaßnahmen waren. Die einstigen Gründerunternehmen der IG Farben, Bayer, BASF und Hoechst wurden wieder als eigenständige Unternehmen gegründet.
Von August 1947 bis zur Urteilsverkündung im Juli 1948 kam es zum Prozess vor dem Alliierten Kriegsverbrechertribunal. Mit den 23 Managern wurde erstmals ein Konzern wegen Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt. Die Ankläger warfen ihnen unter anderem die Planung und Vorbereitung des Angriffskrieges, Raub und Plünderung und die Versklavung und Tötung der Zivilbevölkerung, der Kriegsgefangenen und Konzentrationslagerinsassen vor. Es kam jedoch zu einem juristisch wie politisch beschämenden Urteil, ganz im Zeichen des Kalten Krieges. Trotz der überwältigenden Beweise gab es nur Minimalstrafen für einige Angeklagte. Zudem waren Anfang 1952 alle Verurteilten vorzeitig frei und kehrten zum Großteil an ihre alten Wirkungsstätten zurück.
Im Zuge der „Entflechtungsmaßnahmen“ des IG Farben-Konzerns gab der Alliierte Kontrollrat die Anordnung, eine Abwicklungsgesellschaft als aktienrechtliche und juristische Nachfolgerin der Firma zu gründen: die IG Farben i.A.. Ihre Aufgabe bestand darin, möglichst rasch unklare Vermögensdinge zu klären, Auslandsverpflichtungen abzuwickeln, Pensionen an die verdienten ehemaligen Direktoren auszuzahlen. Zudem war die Liquidationsgesellschaft für die Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zuständig. Danach sollte die Gesellschaft sich auflösen. Der Konzern setzte Prioritäten: Von 1948 bis 1957 bezahlten die IG Farben i.A. jährlich 30 Millionen Mark für Pensionen von ehemaligen leitenden Angestellten, unter ihnen auch die Angeklagten des Nürnberger Prozesses, ebenso andere Schreibtischtäter, die gar nicht erst angeklagt wurden, während die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter höchstens Einmalzahlungen, je nach Dauer der Zwangsarbeit (bis oder mehr als sechs Monate) 2.500-5.000 DM bekamen.
Nachdem IG Farben i.A. in den 50er Jahren 1,5 Mrd. Mark aus dem alten Konzern-Vermögen an BASF, Bayer, Hoechst und Casella verteilt hatte, fand man schnell ein neues Betätigungsfeld. Von Seiten der IG Farben i.A. wurde dies folgendermaßen kommentiert: „Es war das historische Glück des deutschen Volkes, dass sich die so heterogen zusammengesetzten, im Grunde nur durch das Ziel der Vernichtung der europäischen Diktaturen geeinten Sieger zu entzweien begonnen hatten.“ Es wurde, ermöglicht auch durch die politischen Konstellationen des „Kalten Krieges“, mit zum Teil nicht geringem Erfolg versucht, ehemaliges IG Farben-Vermögen wiederzubekommen. So konnte man dann bis zum Beginn der Proteste Mitte der 80er Jahre unbehelligt vor sich hin wirtschaften. Ende der 80er Jahre schien die Liquidationsgesellschaft dann kurzzeitig tatsächlich vor der Auflösung zu stehen, da es keine offenen Restitutionsansprüche mehr gab. Dies änderte sich 1990. Die Aktionäre witterten Morgenluft: Nach der deutschen Vereinigung hoffen sie auf Rückgabe von Immobilien und Grundstücken, die in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet worden waren. „Unsere Liquidatoren haben unser Vermögen zurückgeholt aus Honduras, Ägypten, Wien und da sollen wir kapitulieren davor, was uns die alten Stalin-Gangster weggenommen haben?“ wird ein Aktionär zitiert und ein anderer formulierte auf der Hauptversammlung 1991: „Sprechen wir doch von Auschwitz einmal andersherum. Welche Vermögenswerte haben wir eigentlich in Polen?“
Um ihren neuen Geschäften in Ruhe nachgehen zu können, versuchten IG Farben i.A. sogar, ihren Namen zu ändern, was jedoch vor Gericht scheiterte. Anfang der 90er Jahre besaß der Konzern noch ein Barvermögen von rund 100 Mio. DM, von diesem Betrag waren 1999 etwa 28 Mio. übrig, der Differenzbetrag wurde offensichtlich zu anderen Firmen verschoben. 1996 scheiterten die letzten Ansprüche auf Rückübertragung des ehemaligen Ostvermögens höchstrichterlich. Mit den wirtschaftlichen Aktivitäten der IG Farben i.A. (getarnt durch zwei Tochterfirmen) ging es ebenfalls bergab, aber an Auflösung dachte der Konzern nicht.
Der Konzern hat analog zu den Diskussionen um einen Industriefonds zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auf der Hauptversammlung im August 1999 beschlossen, eine Stiftung einzurichten, um die unliebsame Vergangenheit zu liquidieren. Die Stiftung soll mit 3 Mio. DM ausgestattet sein, deren jährliche Rendite (bei 10% also 300.000 DM, Eigenschätzung IG Farben) zur Entschädigung der noch laufenden, etwa 500 Klagen dienen soll. Zur Erinnerung: zwischen 1947 und 1958 zahlten IG Farben i.A. Jahr für Jahr 30 Mio. DM Pensionen an ehemalige Angestellte, darunter die im IG Farben-Prozess verurteilten Kriegsverbrecher.
- 1938-1945 Vorstandsmitglied von IG Farben, Direktor von BG Oberrhein, Aufsichtsratsmitglied von DEGESCH
- militärisch-industrieller Leiter und Reichsrechnungskammer für Wirtschaft
- 1945 Ritterkreuz
- in Nürnberg aller Anklagen für „nicht schuldig“ befunden
- 1952 Aufsichtsratsvorsitzender der „neuen“ BASF, Aufsichtsratsvorsitzender der Duisburger Kupferhütte und der Robert Bosch AG, Aufsichtsratsmitglied von Auguste Viktoria, der Buna-Werke Hüls GmbH, der Süddeutschen Bank, der Deutschen Bank, der Vereinigten Glanzstoff, von BBC, Allianz und Degussa; 1965 Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender der BASF
- 1952 Ehrenprofessor der Universität Heidelberg, Dr. h.c. der Universität Tübingen, 1953 Dr. Ing. eh. der TH München, 1955 Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, Bayer-Verdienstmedaille, 1960 Dr. h.c. der Universität Mannheim, Ehrensenator der Universitäten Mainz, Karlsruhe und Tübingen, Ehrenbürger der Universität Stuttgart, Ehrenbürger der Stadt Ludwigshafen, 1967 Schiller-Preis der Stadt Mannheim, Präsident des Verbands der chemischen Industrie, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, der Gesellschaft der deutschen Chemiker
Die 1999 verabschiedete Stiftung scheint ihren Zweck bereits erfüllt zu haben: die Proteste gegen IG Farben lassen sich immer schwerer vermitteln, die ehemals kritisch gegen IG Farben eingestellte Presse ist weitgehend positiv der Stiftung gegenüber eingestellt. Bei den Hauptversammlungen werden nach wie vor Überlebende, JournalistInnen und Protestierende, teilweise unter Einsatz körperlicher Gewalt, des Saales verwiesen. Initiiert von ehemaligen Zwangsarbeitern und Angehörigen von Ermordeten gibt es seit 1986 kontinuierlichen Widerstand und Protest gegen IG Farben.
Am 10.11.2003 meldete die IG Farben i.A. dann Insolvenz an, wodurch sie sich offensichtlich aus der Entschädigung für die Zwangsarbeiter verabschieden will.
Insgesamt erlaubte das Weiterbestehen der i.A. eine hervorragende Gelegenheit für die Nachfolger, bei jeglicher nachgefragter Verantwortung für die Verbrechen der IG Farben AG an die IG Farben i.A. zu verweisen. So konnte man sich fast 60 Jahre die Bälle zuwerfen, offensichtlich hat man das nicht mehr nötig. Oder?
Die sichtbaren Nachfolger:
Bayer AG 1951 gegründet. Sie ist seit 1995 auch in den USA wieder Bayer, durch Erwerb von Sterling Winthrop bekam sie auch Namensrechte zurück. besteht aus 350 Gesellschaften mit 115.400 Arbeitern und Angestellten (31.12.03)
Bis Ende der siebziger Jahre Vorstandsvorsitzender von Hoechst, war Mitglied der Sturmabteilung (SA) sowie Vorstandsmitglied von IG Farben.
BASF wird 1952 ins Handelsregister eingetragen, 1969 kauft sie die Wintershall AG und ist damit im Öl- und Erdgasgeschäft. 1990 erwirbt sie VEB Schwarzheide. Sie ist heute das führende Chemieunternehmen der Welt mit 160 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und 87.000 Arbeitern und Angestellten (Ende 2003)
Hoechst wird 1951 als Farbwerke Hoechst AG gegründet, fusioniert 1999 mit Rhône-Poulenc zur Aventis und wird 2004 von Sanofi übernommen.
Arbeitsgruppe Faschismus
Quellen: Otto Köhler: … und heute die ganze Welt (1986, Rasch und Röhring Verlag, Hamburg), Referat Corell zum Film „Rat der Götter“ (1983), Ulrich Schneider/Harry Stein: IG-Farben AG, Abt. Behringwerke Marburg, KZ Buchenwald, Menschenversuche, Ein dokumentarischer Bericht (Brüder Grimm Verlag Kassel 1986), Es ist vollbracht! Geschichtspolitik heute (Hrsg. Antifaschistische Gruppe FfM, unterstützt von Antifa-Referate der Asten der Uni Frankfurt und FH Frankfurt)
1925 Die IG Farben wurde im Jahre 1925 gegründet, als die BASF in Ludwigshafen ihren Firmennamen in „IG Farbenindustrie AG“ änderte und sich dabei mit fünf anderen führenden deutschen Konzernen – Farbwerke Hoechst, Bayer und Agfa, Casella und Kalle – zusammenschloss.
So entstand das größte Industrieunternehmen Deutschlands und zugleich eines der größten der Welt. Die IG Farben entwickelten sich im Verlauf des deutschen Faschismus zum Paradebeispiel für die Verknüpfung der deutschen Wirtschaft mit dem nationalsozialistischen System: Schon vor der Machtübergabe ließ der Konzern der NSDAP finanzielle Unterstützung zukommen.
1931 Aufnahme der NSDAP in die finanzielle Unterstützung
06/1933 Dr. Duisberg IG Farben setzt sich für die Soforthilfe ein beim Fond „Adolf-Hitler-Spende“
07/1933 Hitler ernennt Hermann Schmitz zum Präsidenten des Kuratoriums für das „Haus der dt. Kunst“
(Hermann Schmitz: Vorstandsmitglied, Wehrwirtschaftsführer; Reichstagsmitglied der NSDAP seit 1933. Nach 1945 Angeklagter im IG Farben-Prozess; 4 Jahre Haft; 1950 vorzeitig entlassen; Aufsichtsratmitglied der Deutschen Bank und Ehrenvorsitzender der Rheinischen Stahlwerke.)
04/1939 600 000 RM-Spende der IG Farben an die NSDAP
1941 Bau von Auschwitz 3 (IG Auschwitz)
Die Luftaufnahme von Auschwitz spricht für sich selbst. IG Auschwitz (rechts) war grösser als alle Konzentrationslager von Auschwitz (links) zusammen.
1941 DEGESCH, die Tochterfirma der IG, lieferte das Giftgas Zyklon B
1941 Cannabis wird aus der Pharmocopeia (Medikamentenliste) gestrichen. Die deutschen Pharmariesen Bayer und IG Farben hatten sich ihre Erfindungen Heroin, Kokain und Methadon als neue Wundermedizinen patentieren lassen.
1945 Das „Office of Military Government for Germany“ kommt 1945 in seinem Bericht über die Bedeutung der IG Farben während des Nationalsozialismus zu folgendem Schluss: „Die IG Farben ist Deutschlands mächtigstes Industrieunternehmen; seit ihrer Gründung im Jahre 1925 ist sie häufig als ,Staat im Staate’ bezeichnet worden. Ohne die riesigen Produktionsstätten der IG Farben, ohne ihre weitgespannte Forschung, ohne ihre reichliche technische Erfahrung und ohne die wirtschaftliche Macht, die in ihren Händen konzentriert war, wäre Deutschland nicht in der Lage gewesen, im September 1939 seinen Angriffskrieg zu beginnen.“
1947 Von August 1947 bis zur Urteilsverkündung im Juli 1948 kam es zum Prozess vor dem Alliierten Kriegsverbrechertribunal. Mit den 23 Managern wurde erstmals ein Konzern wegen Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt. Die Ankläger warfen ihnen unter anderem die Planung und Vorbereitung des Angriffskrieges, Raub und Plünderung und die Versklavung und Tötung der Zivilbevölkerung, der Kriegsgefangenen und Konzentrationslagerinsassen vor. Es kam jedoch zu einem juristisch wie politisch beschämenden Urteil, ganz im Zeichen des Kalten Krieges. Trotz der überwältigenden Beweise gab es nur Minimalstrafen für einige Angeklagte. Zudem waren Anfang 1952 alle Verurteilten vorzeitig frei und kehrten zum Großteil an ihre alten Wirkungsstätten zurück.
1948 Von 1948 bis 1957 bezahlten die IG Farben i.A. jährlich 30 Millionen Mark für Pensionen von ehemaligen leitenden Angestellten, unter ihnen auch die Angeklagten des Nürnberger Prozesses, ebenso andere Schreibtischtäter, die gar nicht erst angeklagt wurden.
1951/52 Als Nachfolgegesellschaften und ausgestattet mit Vermögen der IG Farben entstehen als wichtigste Nachfolgegesellschaften: Bayer, BASF und Hoechst.
1957 Von 1957 bis 1967 war der junge Helmut Kohl bezahlter Lobbyist des Verbands Chemischer Industrie, der zentralen Lobby-Organisation des deutschen Pharma- und Chemie-Kartells. Die deutsche chemische und pharmazeutische Industrie baute also einen der ihren zum Politiker auf und ließ dem deutschen Volk nur die Wahl der letzten Zustimmung.
Der spätere Bundespräsident R. von Weizsäcker ist in dieser Zeit über seine Tätigkeit bei Boehringer ebenfalls eng mit den IG Farben-Nachfolgern verbunden.
So hatten sich die Nachfolger des berüchtigten Kriegsverbrecher-Konzerns in der BRD wieder in Stellung gebracht.