Anlässlich des 90. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution legen wir unseren zweiten Teil zum Themenkomplex Kulturrevolution in der VR China vor.
90 Jahre Oktoberrevolution in Russland und (knapp) 40 Jahre Große Proletarische Kulturrevolution in der VR China - zwei Lokomotiven der Geschichte. Nicht nur, dass sie beide Bahnbrecher waren und sich als Eisbrecher nützlich gemacht haben, sie gehören zum Erbe des Proletariats, das es zu bewahren und weiter zu entwickeln gilt. Bewahren heißt hier: die Bedingungen, den Hergang und das Wesen dieser Revolutionen in ihrem historischen Zusammenhang zu erfassen. Wir wollen dabei zurückschauen, damit wir den Blick nach vorne nicht verlieren. Wir wollen in „ferne Länder“ sehen, damit wir hier – in der imperialistischen BRD – wieder klarer sehen. Wir gedenken schließlich nicht der Revolutionen zwecks eines Rituals mit feuchten Augen, mit Händchenhalten und einer Runde (Selbst-)Mitleid, sondern um für die Zukunft Kraft zu haben, gewappnet zu sein, um vielleicht den einen oder anderen Umweg nicht machen zu müssen.
In unserer Fraktionserklärung (siehe KAZ 312, S. 4 f.) haben wir unsere Aufgaben wie folgt beschrieben: „Unser Ziel, der Kommunismus, ist aus dem Blickfeld geraten, ebenso der Sozialismus als Weg zur klassenlosen Gesellschaft. Die Arbeit zu den Ursachen für den Niedergang und die konterrevolutionäre Zerschlagung des Sozialismus in Europa führen wir nicht weiter. Diese Arbeiten sind aber notwendig, damit die Arbeiterklasse wieder ihr Ziel und ihre revolutionäre Aufgabe erkennen und eine gesellschaftliche Kraft werden kann. Ohne diese Voraussetzung wird auch der Kampf gegen Faschismus und Krieg nicht erfolgreich sein.“
Der erste Artikel von Teil 2 „Die Große Proletarische Kulturrevolution in China 1966-1976“ beschäftigt sich dabei vor allem mit dem Hergang und dem Wesen von knapp 10 Jahren Kulturrevolution. Der zweite Artikel „Die ‚Viererbande’ und das Ende der ‚Großen Proletarischen Kulturrevolution’“ behandelt die letzte Phase der Kulturevolution und ihr Ende und gibt einen Ausblick in die 80er Jahre. Der dritte Artikel „Lehren der ‚Großen Proletarischen Kulturrevolution’“ ist ein Beitrag, um die Ergebnisse der Revolution in der Revolution sichtbar zu machen und um die Kulturrevolution in ein Verhältnis zu uns und zu unseren Aufgaben nach 1989 zu setzen.
Wir werden in der nächsten Ausgabe der KAZ das Thema Kulturrevolution in der VR China zu einem vorläufigen Abschluss bringen. Dort werden wir uns im Teil 3 mit einigen Kritiken an der Kulturrevolution und spezifischen Erfahrungen auseinandersetzen.
Unser Beitrag „Granatsplitter des alltäglichen Imperialismus“ setzt sich mit der aktuellen Bankenkrise auseinander und einigen Hinweisen dazu aus der Großen Krise 1929-32.
Sozusagen als Einstieg in die Lektüre hier eine grobe Übersetzung des chinesischen Transparents auf der Titelseite (das Foto zeigt Demonstranten in Shanghai anlässlich des Siegs des „Januarsturms“ 1967):
„Lasst uns von ganzem Herzen rufen: die Vorhut Chinas, der kommunistischen Regierung, des Militärs und der Kulturrevolution überbringt den Shanghaier Kulturrevolutionären ein großes Lob!“
KAZ-Fraktion „Ausrichtung
Kommunismus“
Im Editorial der KAZ Nr. 286, erschienen im November 1997, haben wir geschrieben: „Wir legen diese Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) mit dem Schwerpunktthema ,80 Jahre Oktoberrevolution’ vor. Wir wollen die Oktoberrevolution gegen Gift und Galle der herrschenden Ideologen verteidigen als notwendigen Ausdruck einer Epoche, in der Kriege und Revolutionen unvermeidlich sind, unabhängig vom Willen der Beteiligten (wie es Brecht auf den Punkt gebracht hat: ,Die Kapitalisten wollen den Krieg nicht, sie müssen ihn wollen!’). Wir wollen den Sozialismus, diesen umfassenden Prozeß der Vereinigung der Proletarier aller Länder und der unterdrückten Völker, wieder erkennbar machen als Form des Widerstands des internationalen Proletariats gegen Imperialismus und kapitalistisches Ausbeuterregime. Damit wollen wir wegkommen von der statischen Betrachtungsweise des Sozialismus, wie sie durch die Einkreisung und Abschnürung der sozialistischen Länder durch den Imperialismus nach dem 2. Weltkrieg gefördert wurde, und damit die Frontabschnitte wieder sichtbar machen, an denen der Sozialismus erkämpft wird: die Arbeiterbewegung in den kapitalistischen und imperialistischen Ländern, die um ihre Befreiung kämpfenden Völker, und die Länder, die sich den Weg zum Sozialismus erkämpft haben und ihn verteidigen.“
Auch im 90. Jahr nach dem die Arbeiter in Russland das „Kapitel zwei der Weltgeschichte aufgeschlagen haben“, hat die KAZ Nr. 286 nichts an Aktualität verloren.
Fraktion „Für Dialektik in
Organisationsfragen“