KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
Das Flugblatt „100 Jahre Henry Kissinger – Grund zu feiern?“ wurde am Dienstag 20. Juni in der Fürther Innenstadt, sowie vor dem Stadttheater Fürth, beim „Festakt“ verteilt.
Es war ein großer Erfolg, dass sich vier Organisationen zusammenfanden, um das Flugblatt herauszugeben.
Der Kriegsverbrecher Kissinger war selbst bei der Feier anwesend und wurde von diversen Politikern und Unternehmensvertretern gefeiert: Steinmeier, Söder, Schäuble, Ischinger, Mathias Döpfner (Vorstandvorsitzender Springer Verlag). Im Endeffekt erzählte jeder die gleiche Soße, vom großen Staatsmann, dem Jahrhundertpolitiker eben.
Nun kennt nicht jeder Leser der KAZ die spezifischen Bedingungen in Fürth, deren OB Thomas Jung nunmehr seit vielen Jahren als SPD-Bürgermeister mit großer Mehrheit gewählt ist. Jung zu charakterisieren ist relativ einfach: Er beherrscht es meisterhaft, dem Volk nach dem Mund zu reden. Er bedient sich, wenn es sein muss, jederzeit populistischer Argumente, Hauptsache es bringt Stimmen. Das hat bisher vorzüglich geklappt. So natürlich auch bei der Ehrung von Henry Kissinger. Fürth ist ja „gesegnet“ mit weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Menschen:
Ludwig Erhard, Gustav Schickedanz und eben auch Henry Kissinger. Alle werden von der offiziellen Stadtpolitik als große Söhne der Stadt Fürth hofiert. Aber jeder von denen hat eine Menge Dreck am Stecken. So etwa auch Gustav Schickedanz, bekannt als Gründer von Quelle, welches 2009 Pleite ging und zig Menschen in große wirtschaftliche Not brachte. Schickedanz war einer der großen „Arisierungsgewinner“ und Mitglied der NSDAP.
Was aber den OB und seine Anhänger nicht weiter interessiert. Seit Jahren klären wir über diese Personen auf und machen Druck auf die Stadt, sich endlich der Geschichte solcher Verbrecher und Verbrechen zu stellen.
Da konnten wir uns natürlich die Feiern zu Kissinger nicht entgehen lassen. Es entstand das nachfolgende Flugblatt, welches sehr gut bei der Bevölkerung ankam.
Die LINKE hat das Thema aufgegriffen und fordert über ihre Stadträte*innen die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft, die Umbenennung des Henry-Kissinger-Platzes und die Entfernung der Ehrentafel. Das ist gut so und ist sehr unterstützenswert.
Wir bleiben dran und lassen nicht locker!
Seit Wochen ist OB Jung in Wallung. Der Oberbürgermeister feiert, „wie der Hase im Rausch“[1]. Freilich will der Funke nicht so recht auf die Bevölkerung überspringen.
Höhepunkt ist am 20. Juni der Festakt zu Ehren von Kissinger im Stadttheater Fürth. Markus Söder hält die Festrede und wenn man den Ankündigungen Glauben schenken darf, soll Kissinger persönlich als Ehrengast anwesend sein.
Henry Kissinger wurde am 27. Mai 1923 als Heinz Alfred Kissinger in Fürth geboren.1938 musste er mit seinen Eltern vor den Nazis nach Amerika fliehen. Wer nun meint, dass die Verfolgung durch die Faschisten den jungen Heinz Alfred nunmehr zu einem entschiedenen Gegner imperialistischer, menschenverachtender und ausbeuterischer Politik werden ließ, wurde im weiteren Verlauf der Karriere von Henry bitter enttäuscht.
Kissinger integrierte sich schnell und intensiv in den amerikanischen Elite- und Politikbereich und stellte sich bereitwillig in den Dienst der imperialen amerikanischen Politik. Seine Grundprinzipien orientierten sich an Gewalt, Macht und Hegemonie durch die USA. (s. Bernd Greiner, Henry Kissinger, Wächter des Imperiums S.380 -384). Natürlich immer im Interesse des Kapitals und der wirtschaftlich Mächtigen.
Gewaltenteilung und Rechenschaftspflicht gegenüber den Regierten, war ihm im besten Falle egal, nach dem Prinzip „Das nationale Interesse ist bisweilen wichtiger als das Gesetz.“ (Ebd.S.386)
Er hielt „begrenzte Atomkriege für machbar“ (Ebd.S.65) „...mit ein paar taktischen Atombomben hätte man den Krieg in Korea gewinnen können.“ (Ebd.S.63)
Im März 1969 befahl der amerikanische Präsident Richard Nixon auf Empfehlung von Henry Kissinger den Krieg in Vietnam auf das neutrale Kambodscha auszuweiten. Senat und das Repräsentantenhaus wurden nicht informiert. Kissinger ist mitverantwortlich für den Tod zehntausender Kambodschaner (schätzungsweise 600.000) und tausender amerikanischer Soldaten. Gern prahlte er auf Partys mit den Worten „People call me a war criminal“ (Manche nennen mich einen Kriegsverbrecher).
Mit welcher Menschenverachtung und Brutalität der Krieg in Vietnam geführt wurde, zeigen die Dialoge zwischen Nixon und Kissinger.
„Nixon: „Also, also, also fickt die Wichser. Wir werden den gottverdammten Norden bombardieren, wie er noch nie bombardiert worden ist…Lasst dieses Land in Flammen aufgehen…Einfach die Scheiße aus ihnen rausbomben…Macht Kleinholz aus ihnen, macht Kleinholz aus ihnen, macht Kleinholz aus ihnen…Wir müssen dort alles treffen, was sich bewegt.“ Kissinger: “Herr Präsident, ich werde Sie aus ganzem Herzen unterstützen, und ich glaube, dass Sie das Richtige tun.“
Kissinger: „Scheißkerle sind das einfach (die Nordvietnamesen) …ich meine, sie sind schäbige, elendige, verdreckte Typen…Wenn wir alle ihre Kraftwerke an einem Tag zerstören würden, so dass die Bevölkerung ohne Strom ist…dann würden sie Bescheid wissen.“ (Ebd.S.238)
2-3 Millionen Menschen wurden allein in Vietnam getötet. Millionen Hektar Land wurden vergiftet und noch heute leidet Vietnam an den Nachwirkungen des Entlaubungsmittels „Agent Orange “.
Kissingers 100 Jahre würden kaum ausreichen, wenn er zur Aufgabe hätte, die Toten, Verletzten, Gedemütigten und Geschädigten zu zählen, die seinem Politik - Konto zuzuschreiben sind!
Dass Kissinger am 16. Oktober 1973, zusammen mit Le Duc Tho für Verdienste um den Frieden in Vietnam mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, rief weltweit ein Kopfschütteln hervor. Zwei der fünf Mitglieder des Nobel- Komitees legten konsequenterweise ihr Mandat nieder, für den Preisträger Kissinger aber war ein weiterer Traum in Erfüllung gegangen. (Ebd. S.254)
Der Schriftsteller Gore Vidal sagte einmal, dass die Satire an dem Tag starb, als Kissinger den Friedensnobelpreis erhielt.
Der nordvietnamesische Verhandlungspartner Le Duc Tho, der den Nobelpreis ebenfalls 1973 erhielt, lehnte ihn klugerweise ab. (Vgl. SZ, 20./21. September 2014)
Der Hauptverantwortliche für den Putsch in Chile 1973 war Kissinger, so der Auslandskorrespondent der New York Times Stephen Kinzer.
Dementsprechend pflegte er ein inniges Verhältnis zu Pinochet, dem Schlächter des chilenischen Volkes.
Kissinger zu Pinochet: „Es geht nicht darum, Sie zu schwächen, wir möchten Ihnen helfen. Mit dem Sturz Allendes haben Sie dem Westen einen großen Dienst erwiesen. Andernfalls wäre Chile den Weg Kubas gegangen.“ (Ebd. S.264)
„Meiner Meinung nach sind Sie ein Opfer aller linken Gruppen weltweit…Ich möchte, dass Sie Erfolg haben, und möchte dazu beitragen… (Ebd.S.299)
Die Liste der Verbrechen und der Unterstützung von Stellvertreterkriegen könnte noch weitergeführt werden (Osttimor, Irak usw.) Vieles wird noch geheim gehalten, aber was bekannt ist, genügt.
Das zeichnete sich schon in Studienzeiten ab. Ein Studienkollege sagte über Kissinger: „Alle hielten ihn für eine außergewöhnlich begabte Person, aber was für ein Hurensohn! Eine Primadonna, nur auf Eigennutz bedacht, egozentrisch.“ Aus Henry A. wurde schnell „Henry Ass Kissinger“. (Ebd. S.33)
„Wie ein herablassender, empathieloser Tyrann soll Kissinger später Mitarbeiter und Untergebene geschurigelt haben.“ Gleich „eines Machtmenschen, der andere erniedrigte, um sich selbst zu erhöhen – zumal, wenn er Konkurrenten witterte.“ (Ebd. S.58)
„Zugleich ging ihm der Ruf des skrupellosen Abräumers voraus, der sich darauf verstand, nach unten zu beißen und nach oben Pfötchen zu geben.“ (Ebd.S.107)
„Kissinger einzustellen wäre in etwa so, als würde man (den wegen Mordes verurteilten Sektenführer) Charles Manson Religion unterrichten lassen.“ (Ebd.S.330)
Sein Frauenbild war verheerend. „Für mich sind Frauen nur eine Ablenkung, ein Hobby. Niemand verbringt allzu viel Zeit mit seinen Hobbys.“ (Ebd.S.218)
Der ehemalige US-Verteidigungsminister Schlesinger urteilte: „Henry hat Gefallen an der Komplexität von Hinterhältigkeit und Verschlagenheit. Andere Leute schauen beschämt drein, wenn sie lügen. Henry macht das mit Stil, als wäre es eine Arabeske.“ (Ebd.S.269)
Der SPD-Oberbürgermeister Jung zusammen mit seiner bunten Stadt -Entourage überschlägt sich geradezu, wenn es um den Ehrenbürger Fürths geht, nach dem ein Platz in der Stadt benannt wurde und der jetzt eine Ehrentafel erhielt. Jung lobt „seine Verbundenheit zur Kleeblattstadt, seinen kritischen Verstand, seine höfliche, bescheidene Art – und seine Leidenschaft für die Fürther Spielvereinigung.“ (vgl. Fürther NN, 27.05.2023)
Und schließlich freue sich Kissinger über die Bratwürste und das Sauerkraut in Franken. Na dann Prost, Mahlzeit!
Dabei ließ Kissinger doch einst wissen, dass ihm seine Heimat Fürth ziemlich egal sei. (vgl. FN, 21.09.2016, S.8).
Aber bei der Beurteilung der „historischen Leistungen“ von Henry Kissinger fällt auf, dass sich nicht nur bei OB Jung ein beträchtliches Maß an geschichtlicher Amnesie breit gemacht hat.
Es war oftmals Hohn, Verachtung, Zorn und Wut, die viele „Verbündete“ traf. Allen voran den bundesdeutschen Kanzler Willy Brandt. (Ebd.S.317)
Ein auf Tonband überliefertes Gespräch zwischen Präsident Nixon und Kissinger gibt Aufschluss darüber. Adressat war Bundeskanzler Brandt (SPD), der sich 1973 einer Operation an den Stimmbändern unterziehen musste.
Nixon: „Wie sieht es mit Brandts Rachen aus?“ Kissinger: „Leider ist die Sache nicht bösartig. Nun, es ist schrecklich, so etwas zu sagen.“ Nixon: „Sie meinen, dass er unglücklicherweise bei sehr guter Gesundheit ist.“ Kissinger: „Leider wird er uns erhalten bleiben, yeah.“ Nixon: „Er ist ein Trottel.“ Kissinger: „Er ist ein Trottel…“ Nixon: „Er ist ein Trottel…“ Kissinger: „…und er ist gefährlich.“ Nixon: „Tja, leider ist er gefährlich.“ (Ebd. S.113)
Kissinger: „Das Hauptproblem ist, dass er (Brandt) nicht sehr helle ist. Nixon: „Dieser Kerl ist wirklich ein bisschen dumm.“ Kissinger: „Dumm und faul, und er trinkt.“ (Ebd. S.229)
Wie tief muss man gesunken sein, dass man jemanden wie Kissinger ehrt, der den Ehrenvorsitzenden seiner eigenen Partei den Tod an den Hals wünscht?!
„Henry Kissinger, ein Scheinriese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt“, so lautet das Fazit von Bernd Greiner in seinem Buch „Henry Kissinger – Wächter des Imperiums“. In Fürth ist es gerade andersherum.
Es ist Zeit Kissinger vom Sockel zu holen!
1 Gedicht nach Sergei Michalkow, welches für Speichelleckerei steht.