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Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals:

Der Kampf geht weiter!

Freundeskreis verschafft sich mit Gerichtsvollzieher Zugang zur Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals +++ Gutachten stellt wissenschaftlich einmaligen Wert der Gedenkstätte fest +++ Selbst „SPIEGEL“ und „Super-Illu“ haben für Gröger kein Verständnis

In der KAZ Nr. 305 (S.33/34 und letzte Seite) hatten wir über die widerrechtliche Schließung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals durch den neuen Besitzer des Grundstücks, den Ministerialbeamten Gröger, berichtet.

Jetzt können wir berichten, dass die große Solidarität der Antifaschisten, Demokraten, Kommunisten schon greifbaren Nutzen, nämlich Teilerfolge, gebracht hat.

Eine einstweilige Verfügung zugunsten des Freundeskreises „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ besagt, dass der Freundeskreis bis Ende November Zutritt zur Gedenkstätte hat. Dagegen hat Herr Gröger prozessiert und verloren. Dann hat er sich an diesen Gerichtsbeschluss nicht gehalten. Also musste das Recht durch Zwangsvollstreckung durchgesetzt werden: Die neu installierten Schlösser des Herrn Gröger in der Gedenkstätte wurden mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers aufgebrochen und ausgetauscht. Daraufhin tauschte Herr Gröger wiederum die Schlösser aus, und der Freundeskreis musste abermals den Gerichtsvollzieher bemühen. Insgesamt blieb dem Freundeskreis durch die kriminellen Behinderungen nur eine Woche Zeit, die Exponate zu inventarisieren und witterungsempfindliche Gegenstände, die im Eigentum des Freundeskreises sind, auszulagern.

Eine weitere Schlappe musste Herr Gröger, der erklärtermaßen die Gedenkstätte vernichten will, einstecken: ein vom Landesamt für Denkmalpflege bestelltes Gutachten besagt, dass die Gedenkstätte sich an einem authentischen Ort befindet und in geschichtlicher und wissenschaftlicher Hinsicht einen einmaligen Wert hat. Verglichen wird sie mit dem Balkon des Hohenzollernschlosses in Berlin, von dem aus Karl Liebknecht am 9.November 1918 die Sozialistische Republik Deutschland ausgerufen hatte (der Balkon des 1950 gesprengten Hohenzollernschlosses befindet sich am früheren Staatsratsgebäude der DDR); mit dem Bendler-Block, auf dessen Hof Stauffenberg und andere führende Männer des Attentats auf Hitler am 20.Juli 1944 erschossen wurden und in dem sich seit 1968 die „Gedenkstätte deutscher Widerstand“ befindet (Westberlin); und mit der „Gedenkstätte Plötzensee für die Opfer des Nationalsozialismus“ (Westberlin), der Ort, an dem fast 3000 Menschen nach Urteilen der Nazi-Justiz hingerichtet wurden – darunter auch Angehörige der „Roten Kapelle“ und tschechische Widerstandskämpfer.

So gewachsen ist die Solidarität für die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, dass die gesetzwidrigen Aktionen des Herrn Gröger selbst bei Publikationen wie „SPIEGEL“ und „Super-Illu“ Missfallen ernten. Im „SPIEGEL“ war ein Artikel des demokratischen Publizisten Henryk M.Broder, der mit einer ganzen Ladung Spott Grögers Namen nennt und damit alle wüsten juristischen Drohungen mit hohen Geldstrafen gegen linke Organisationen, die Grögers Namen genannt haben, gegenstandslos gemacht hat – Herr Gröger muss sich jetzt an die Rechtsabteilung des „SPIEGEL“ wenden, und jeder, der jetzt Grögers Namen nennt und kein Geld und keine Rechtsabteilung besitzt, sollte im Fall des Falles den „SPIEGEL“ Nr. 43/2003 als Quelle nennen (was wir hiermit natürlich auch tun). Die sonst sehr antikommunistische „Super-Illu“ konnte nach dem Artikel im „SPIEGEL“ – wenn sie ihre Leser aus der DDR behalten wollte – nicht an der Schließung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte vorbei und ging in die Offensive: sie brachte sogar ein Bild von Gröger und berichtete über die Intrigen, mit denen ein potentieller Käufer des Grundstücks, der das Vielfache des jetzigen Kaufpreises geboten hatte und die Gedenkstätte erhalten wollte, durch Treuhand-Liegenschaft und Gröger ausgetrickst worden war.

Aus all dem kann man nur schließen: der Kampf um die Gedenkstätte hat sich gelohnt und lohnt sich auch weiterhin! Der öffentliche Druck ist unsere einzige Waffe! Der Freundeskreis hat uns mitgeteilt, dass er allen dankt, die bis jetzt ihre Solidarität gezeigt haben. Und jetzt heißt es: Übt weiterhin Solidarität! Alle bisherigen Erfolge bedeuten noch überhaupt keine Sicherung der Gedenkstätte, sie kann immer noch vom Erdboden verschwinden! Gröger führt bereits einen Prozess gegen die untere Denkmalschutzbehörde, damit die Gedenkstätte von der Liste der geschützten Denkmäler gestrichen wird.

Der juristische Kampf kostet viel Geld. Helft mit, dass nicht bei jeder Entscheidung über juristische Fragen jeder Cent umgedreht werden muss! Konto: Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals“ e.V., Kontonr. 3302254, Deutsche Bank, BLZ: 12070024.

Und hier zwei Geschenktipps für diejenigen, denen diese Zeitung schon vor Weihnachten zugegangen ist: Das Buch „Ziegenhalser Reden“ ist nach der gewaltsamen Öffnung der Gedenkstätte, in der sich die Buchbestände befanden, wieder erhältlich (zu bestellen bei: Heinz Schmidt, Käthe-Kollwitz-Straße 23, 15711 Königs Wusterhausen). Es ist ein interessantes Geschenk für alle, die sich für die Geschichte der letzten 10 Jahre interessieren. Und der zweite Geschenktipp: die Spendenquittung für Ziegenhals auf dem Gabentisch.

Natürlich lässt der Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ nicht davon ab, zu den traditionellen drei Kundgebungen im Jahr in Ziegenhals aufzurufen. Und die müssen umso größer werden, je frecher sich die reaktionären Kräfte an der Gedenkstätte vergreifen! Deshalb komme wer irgend kann zur Kundgebung anlässlich des 71. Jahrestages der illegalen Tagung des ZK der KPD. Sie findet statt am Sonntag, 8.Februar 2004 um 11.30 Uhr am Sporthaus Ziegenhals.

E.W.-P.

Abschied von Véra Picková

Am 17.August 2003 ist Véra Picková im Alter von 83 Jahren in Prag gestorben. Véra war eine Genossin, Kommunistin und Antifaschistin, die sich Zeit ihres Lebens nicht klein kriegen ließ. Das schafften weder die deutschen Faschisten, die sie nach einem Verrat 1940 ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und später dann ins „Arbeitserziehungslager“ Hallendorf verschleppten. Das schaffte auch die Konterrevolution 1989 nicht. Bis zuletzt war sie eine lebenslustige, energische Frau, die nicht locker ließ in ihrem Engagement, die Zusammenarbeit zwischen Kommunisten und Antifaschisten in Deutschland und in der Tschechischen Republik voranzutreiben. Viele von uns Genossen aus der Gruppe KAZ lernten sie auf Veranstaltungen hier in Deutschland kennen oder in Prag, wo sie uns nach Lidice oder Theresienstadt führte. Ihre Erzählungen aus ihrem Leben waren mehr als Erinnerungen. Sie waren ein sehr lebendiger und oft auch humorvoll vorgebrachter Auftrag: nicht locker zu lassen im Kampf gegen die Gefahr von Faschismus und Krieg und für ein besseres Leben. Mit großem Misstrauen zu beobachten, was da im Kleide der EU-Osterweiterung voranschreitet und dagegen die Zusammenarbeit zu suchen mit den tschechischen Genossen, Kollegen und Antifaschisten. Uns gemeinsam zu wehren und gemeinsam zu kämpfen – für dieses Ziel scheute Véra keine Mühe. Sie wird uns sehr fehlen.

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