Bei anderen gelesen
Der neue Volksschädling ist gefunden. Er ist blond, braunhaarig, türkisch, deutsch, männlich, weiblich und ... raucht.
Bist Du es? Aber sicher! Du belastest die Versicherungskassen, tötest auf brutale Weise, weil selbstsüchtig, 8.000 Menschen jährlich in Deutschland, in dem Du ihnen ständig Deinen perversen Qualm in die Fresse hauchst. Womöglich noch in Deinem Auto mit einem gesunden Kind hinten, schämst Du Dich nicht? Du gehörst angezeigt, verqualmst mir die Bude, meine Kleidung, selbst meinen Teller Müsli mit den getrockneten Apfelringen.
Ja, Biedermeier und Saubermann beherrschen die Szene: „Hier, ich habe einen Raucher gesehen, Herr Polizist, ich habe es genau gesehen.“
Der Raucher wird zuerst in die Ecke gedrängt, mit immer höheren Steuern gequält, schief angeguckt, von den Bahnhöfen verjagt, (dabei ist es ihm nicht einmal gestattet, an diesen eisigen Bahnhöfen ein wenig Wärme einzuatmen) gejagt und schließlich denunziert. Nun kommt er in den Bußgeldkatalog. Dieser wurde schon längst geschrieben, der Fiskus frohlockt. Eine neue Art Politessen wird geboren; das Rauchen in den Gaststätten wird – verboten. Man stelle sich vor:
Der Tag eines Studis: die Mühle falsch geparkt, dann in die Ecke gepinkelt, und nun mal eine durchziehen – ab in die Kneipe, jetzt ..., ahhhhh... Von wegen – die dritte Knolle an einem Tag und die Rechnung für die Studiengebühr liegt noch im Müll der anderen Mahnungen.
Der Tag eines Arbeiters: Im Betrieb: Rauchverbot, zu Hause: Rauchverbot (wegen der Kinder), Ehestreit, wegen der leeren Haushaltskasse, schon ewig keinen Sex mehr, stattdessen, Streitereien, also: ab in die Kneipe, um mit seinesgleichen bei einer Zigarette ... endlich ... durchzuatmen; jetzt ... zündet sich eine an; die Vereinigung von Feuer und Tabak steigt zunächst in die Nase und gibt einen Vorgeschmack auf den lang ersehnten Höhepunkt im Leben der Lunge; Pustekuchen: Erst das Klopfen auf der Schulter, dann: „hasse datt Schild nich’ geseh’n? Hier iss Rauchverbot! Ja, Rauchverbot!“
Denunziert wird der Wirt, ihm bleiben die Gäste weg, er kann den Laden dicht machen, bei diesem miesen Job bleibt ihm selbst gar nichts anderes übrig, als ... zu rauchen!
Eine Kneipe ohne Raucher ist wie Bier ohne Alkohol; fad, es fehlt was ... die Seele.
Doch die verdampft allmählich in der genussfeindlichen und denunziativen Volksgemeinschaft. Ja, warum Volksgemeinschaft?
Es ist eine Hatz, wir kontrollieren uns gegenseitig, der Staat kassiert ab, nicht, um die Löcher in den Mauern der Mieter zu stopfen, nicht um den Schimmel in den Schulen zu beseitigen, nicht um die Ratten aus unseren Kellern auszurotten, nicht, um das zu beseitigen, was uns wirklich krank macht und – so viele von uns – zur Zigarette greifen lässt.
Wie sagte doch neulich ein Kollege zu mir: „Das fehlt mir noch, dass ich nach diesem scheiß Leben auch noch gesund sterbe ...“
gelesen bei www.secarts.org