„Schreiben Sie nicht, dass Sie mich bewundern. Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke. Es gibt auch dann noch gewisse Möglichkeiten.“ (Bertolt Brecht)
Hanne Hiob stellte die schönste dieser „gewissen Möglichkeiten“ vor, damit ihr Vater auch nach dem Tod unbequem bleiben konnte. Dadurch wurde sie selbst unbequem. Was will man mehr.
Während ihres Lebens hatte sie nicht viel von ihrem Vater gehabt. Wenige Stunden im dänischen Exil, ein paar Wochen in Berlin, dann schon Hauptstadt der DDR. Hanne Hiob hat sich ihren Brecht erkämpfen müssen.
Sie hat sich Brecht erkämpft, indem sie ihn benutzt und dadurch geehrt hat. Sie hat ihn zusammen mit den Kommunisten benutzt, ihn auf die Straße gebracht: „Der Anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy“, „Die Legende vom toten Soldaten“, „Herrnburger Bericht“. Das hat auch uns geholfen, unbequem zu bleiben. Was wollen wir mehr.
Mit ihren eigenen Programmen ist sie durch die Republik gereist (u.A.: „Menschenlandschaften“, „Am Fleischerhaken hängt er, ach“ (Aussagen von Wehrmachtsdeserteuren) und „Nun lebet wohl und werdet Kämpfer…“ (letzte Briefe aus Konzentrationslagern).
Hanne Hiob stand für Unversöhnlichkeit gegen alles Reaktionäre, gegen alles, was sich in dieser Republik aufgestaut hat an Nationalismus und Chauvinismus, an rassistischem Dünkel und spießbürgerlicher Feigheit und Brutalität, Unversöhnlichkeit gegen die Dumpfheit, die im Größer-Deutschland wieder bereit gemacht wird, sich über andere Völker zu ergießen.
Wenn schon diese kleine zierliche Person soviel Phantasie und Energie im Kampf aufbringen konnte – dann wollen wir mehr, mehr von uns und von Euch, die Ihr seht statt stiert.
Danke Hanne! Wir denken an Dich – damit es den Herrschern von Geld und Kapital in diesem Land richtig unbequem wird!
Corell