KAZ
Lade Inhalt

Für Dialektik in Organisationsfragen

Das Fiasko der Missionare

Warum der Volksentscheid „Pro Reli“ in Berlin scheitern musste

Alan Posener war (nach eigenem Bekunden) ein „68er“. Heute ist er bei Springers „Welt“ tätig und macht bei „Welt-TV“ die Rubrik „Alan Poseners Blattkritik“.

Am 28. April 2009 begann Posener seine „Blattkritik“ so (nach Mitschrift): „Die Abstimmung am Sonntag gegen Pro Reli war eine eindeutige Niederlage für die 68er. Warum für die 68er? Na, die haben ja immer behauptet – ich gehörte ja dazu – dass Springer eine große Meinungsmacht, geradezu eine Monopolmacht in Berlin sei. Nun sehen wir uns mal an, wie BILD geworben hat (es folgen die unsäglichen Überschriften in BILD und anderen Springer-Zeitungen, dass es bei dem Volksentscheid um die „Freiheit“ ginge etc.). Und trotz dieses geballten Einsatzes haben die Berliner gegen Pro Reli gestimmt, und zwar mächtig.“

Das klingt intelligent und witzig, ist aber völlig abwegig („Bullshit“, wie Posener sagen würde). Die „68er“, oder besser gesagt, die große demokratische Bewegung der 60er Jahre, hatte mit ihrer Forderung „Enteignet Springer!“ völlig Recht. Und der Volksentscheid gegen „Pro Reli“ ist sogar ein Beweis dafür!

Sehen wir uns die Abstimmungsergebnisse (siehe Tabelle unten) mal genauer an:

Die Berliner, die „mächtig“ dagegen gestimmt haben, haben also genau da eine Mehrheit bekommen, wo die Menschen 40 Jahre ohne Springer-Hetze, ohne und gegen deutsche Banken- und Konzernherren gelebt und gearbeitet haben! Und denen konnte auch fast 20 Jahre konsequente Umerziehung und Missionierung offenbar nichts anhaben. Sie blieben aufgeklärte Bürger, die das demokratische Prinzip der Trennung von Kirche und Staat verteidigen, die wollen, dass an den Schulen Wissen und nicht Glauben vermittelt wird. Diese Menschen hat Herr Posener geflissentlich übersehen. Und die Bischöfe und CDU und FDP und Günther Jauch und die Springer-Presse etc. etc., die doch nun die Ossis endlich aus dem Unglauben befreien wollten, sie sind nun auf die Schnauze gefallen, weil gerade die zu Missionierenden sich als unheilbar vernunftbegabt erwiesen.

Gibt es einen besseren Beweis, dass die demokratische Losung der Studentenbewegung der 60er Jahre „Enteignet Springer!“ berechtigt war?

Was hatte es mit Pro Reli überhaupt auf sich?

Die Sachverhalte, auf die sich diese ganze reaktionäre Kampagne stützte, sind sehr kompliziert. Uns ist ein Artikel zugeflattert, der auf der Internet-Seite der „Jungen Linken“ zu finden ist, und der, wie wir meinen, das Ganze sehr anschaulich darstellt, und auch einige richtige Worte zum Ethik-Unterricht sagt (es ist keineswegs so, dass alle, die gegen Pro Reli gestimmt haben, sich deswegen für den Ethik-Unterricht ausgesprochen haben!). Deshalb veröffentlichen wir ihn in dieser Nummer.

Deutliche Worte fand auch die Freie Deutsche Jugend Berlin. Sie warf sich noch in den letzten Tagen in die Materialschlacht gegen Pro Reli mit schwachen Kräften und zwei kleinen Plakaten. Und erzielten eine erstaunlich große Wirkung: Das ZDF brachte ein Bild davon, Südkurier, Focus, Lausitzer Rundschau, Saarbrücker Zeitung …

Und nun auch die KAZ.
E.W.-P.

Spenden unterstützen die Herausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung
Email Facebook Telegram Twitter Whatsapp Line LinkedIn Odnoklassniki Pinterest Reddit Skype SMS VKontakte Weibo