„Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.“

(Bertolt Brecht)

Zur Erinnerung an Genossin Renate Münder

Noch bis kurz vor ihrem Tod am 8. August 2015 hat Genossin Renate alle ihre Kräfte darauf verwendet, das Ihre dazu zu tun, dieser Gewissheit zum Durchbruch zu verhelfen, so, wie sie fünf Jahrzehnte lang dafür gekämpft hat.

Wie viele ihrer Generation war es die Studentenbewegung in den 60er Jahren, die sie politisierte. Es war jene demokratische Bewegung, in der die Studenten begannen, sich gegen die kaum vom Faschismus gereinigten Lehrinhalte und Moralvorstellungen aufzulehnen, auf die Straße gingen gegen den bruchlosen Übergang vom Faschismus in eine bürgerliche Demokratie, die diesen Namen kaum verdiente. Die Herren von Großbanken und Industriemonopolen, die Hitler an die Macht gehievt hatten, waren wieder unangefochten in die Chefetagen der Wirtschaft zurückgekehrt. Überall saßen noch Nazifaschisten an den Schaltzentralen dieses Westdeutschlands, Richter und Professoren, Minister, Generäle und Geheimdienstler. Mit deren Hilfe ist dieser durch und durch reaktionäre Staat der deutschen Monopolbourgeoisie wieder aufgebaut worden – gegen die Arbeiterbewegung, gegen das antifaschistische Deutschland. Doch anders als der größte Teil der Studentenbewegung schloss sich Renate mit denjenigen zusammen, die sich der Arbeiterbewegung verpflichtet fühlten. Die in diesen Auseinandersetzungen lernten und dann lehrten, dass selbst die bürgerliche Demokratie, jedes demokratische Recht, stets bedroht bleibt, solange die Monopolbourgeoisie an der Macht ist; dass jeder Frieden ein brüchiger, vorübergehender bleibt, unter der Herrschaft derjenigen, die um Absatzmärkte, Einflussgebiete und Rohstoffe kämpfen müssen, um ihre Profite abzusichern; die sich organisierten, weil sie wussten, dass jede erkämpfte Errungenschaft der Arbeiterklasse, wie klein oder groß sie auch ist, nur von zeitweiliger Dauer ist, solange diejenigen das Sagen haben, die aus der Ausbeutung der Arbeiter ihren unermesslichen Reichtum und ihre Macht ziehen – und die gleichzeitig doch nicht anders können, als stets von Neuem ihre Totengräber zu schaffen. Genossin Renate wurde Kommunistin. Sie war von Anfang an bei den Arbeiterbasisgruppen dabei, aus denen schließlich der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD hervorging.

Fast eine halbes Jahrhundert lang kämpfte sie, um diese Erkenntnisse in die Arbeiterklasse hineinzutragen – neben Lohnarbeit und Familie mit 2 Kindern. Sie war eine ausgesprochen gute Organisatorin und nutzte ihre Fähigkeiten, in welcher Funktion auch immer sie tätig war. Auch die folgenschwere, weltweite Niederlage der Arbeiterbewegung durch die siegreichen Konterrevolutionen in der DDR, in der Sowjetunion und den anderen Staaten des Warschauer Paktes, das Triumphgeschrei der Bourgeoisie ob ihres scheinbar unumkehrbaren Sieges, machten Genossin Renate nicht mutlos. Sie kehrte dem Kommunismus, der Arbeiterklasse nicht den Rücken wie so viele andere, die sich resigniert ins Privatleben zurückzogen oder aber auf die ein oder andere Art ihren Frieden schlossen mit den scheinbar übermächtigen herrschenden Verhältnissen. Sie wusste: „Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine“, welche für die überwältigende Mehrheit der Menschheit katastrophalen Schleifen die Geschichte auch macht. Doch die Niederlage hatte auch auf den Arbeiterbund Auswirkungen, 1990 kam es zur Spaltung. Genossin Renate arbeitete bei der Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung mit. 1996 trat sie zusammen mit anderen KAZ-Genossen in die DKP ein und sah dort den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit, blieb aber gleichzeitig Mitglied der Gruppe KAZ. Wo es ihr möglich war, hat sie die Auseinandersetzung gesucht und so auch an der Kommunistischen Arbeiterzeitung mitgewirkt. Mit der Publikation „Theorie und Praxis“ schuf sie, gemeinsam mit Hans Heinz Holz und anderen Genossen, ein Forum für die solidarische Auseinandersetzung um zentrale und strittige Fragen der Arbeiterbewegung. Sie war auch bis zuletzt in der Redaktion der Münchner Betriebszeitung „Auf Draht“, die von der Gruppe KAZ und der DKP gemeinsam herausgegeben wird. Und immer wieder diskutierten wir, wie wir denn mit unseren Artikeln am besten dazu beitragen können, den Einfluss des Opportunismus in der Arbeiterklasse zurückzudrängen, um Arbeiter zu gewinnen für den doch so bitter notwendigen Kampf gegen Faschismus und Krieg, für Demokratie und Sozialismus.

Genossin Renate war eine unermüdliche Kämpferin – sie wird uns sehr fehlen.