KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Vorsicht: Wippermann

Wolfgang Wippermann, Historiker an der Freien Universität Berlin, wies in seinem Beitrag auf der Konferenz der VVN-BdA am 28.04.2010 die Etablierung von „inhaltsleeren und unwissenschaftlichen Begriffen“ wie Totalitarismus, Extremismus und Rechtspopulismus scharf zurück. Das hält ihn aber nicht davon ab, den Kampfbegriff der Bourgeoisie vom „Stalinismus“ zu verwenden. Und gleichzeitig appellierte er, der unter Linken verbreiteten Position abzuschwören, der zufolge der Faschismus „die offen terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals” darstelle, was großen Widerspruch bei den Diskussionsteilnehmern hervorrief. Nicht weniger umstritten war auch Wippermanns Position, dass sog. „religiös-fundamentalistische“ Organisationen wie die Hamas als faschistisch zu kategorisieren seien.

Totalitarismus ist zwar für ihn eine Ideologie. Hier wie bei seiner Faschismusdefinition fehlen die Klassen und ihre Interessen. Nichtsdestotrotz gilt er als „linker“ Historiker und ist gern gesehener Gast bei Veranstaltungen der VVN-BdA und ihren Kreisvereinigungen.

Vielleicht kann der folgende Ausschnitt aus einem Interview, geführt von Mathias Brodkorb, Herausgeber des Blogs endstation-rechts, dazu beitragen, Wolfgang Wippermann dort einzuordnen, wo er hingehört und wo er bis heute Mitglied ist, zur (rechten) SPD:

Mathias Brodkorb: Sehr geehrter Herr Wippermann, Sie haben bei Ernst Nolte promoviert. Wie kam es dazu?

Prof. Dr. Wolfgang Wippermann: Das ist richtig. Ich habe aber nicht nur bei ihm promoviert, sondern auch habilitiert – als Einziger, glaube ich. Ich bin also sein Meisterschüler, wenn Sie so wollen. Wir trafen in Marburg aufeinander. Ich hatte eine Stelle bei dem marxistischen Professor Wolfgang Abendroth. Marburg entwickelte sich aber immer mehr zu einem Hort von Stalinisten. Ein Schockerlebnis war für mich, das weiß ich noch wie heute, im Jahr 1970. Es war der 100. Geburtstag von Lenin und Abendroth hielt so eine Rede, in der war Lenin so etwas wie eine Mischung aus Jesus und Mutter Theresa. Und zum Schluss erhob sich das gesamte Auditorium und klatschte, und auch das Podium erhob sich und klatschte sich selbst zu, nur ich blieb sitzen. Damals dachte ich so bei mir: Das ist nun wirklich etwas zu viel des Guten. Ich hatte damals eine Stelle bei Abendroth und wurde dann wegen ,Abweichlertums’ von den Studierenden entfernt. Anschließend begann ich bei Nolte zu arbeiten. Er war durch seine Belesenheit durchaus faszinierend für mich, aber auch methodisch, das muss ich schon sagen. Methodisch war damals entweder ein vulgärer Marxismus oder das Dogma der Sozialgeschichte angesagt. Nolte war der letzte Vertreter der traditionellen Ideengeschichte, was insbesondere für die Faschismusanalysen von Bedeutung ist. Faschismus kann man nicht erklären mit Ökonomie, sondern nur mit Ideologie. Dann gingen wir nach Berlin und ich wurde Noltes Assistent. Hier habe ich dann über die Bonapartismus-Theorie meine Habilitationsschrift verfasst. In Sachen Marxismus war und ist Nolte ein anregender Autor. Sein Marx-Buch ist wirklich sehr gut. Der Erste, der mich dann darauf hinwies, dass in Noltes Buch über den Kalten Krieg ein Israel-Kapitel enthalten ist, das so nicht geht, war Peter Gay. Es ging damals um eine Parallelisierung von Verbrechen der Israelis gegenüber den Palästinensern mit den Verbrechen der Nazis gegenüber den Juden. Nolte hatte dies in seinem berühmten schwebenden Stil geschrieben, der sehr problematisch ist – ,man könnte’, ,es ist vielleicht’ usw. usf. Obwohl das in der Öffentlichkeit gar nicht so bemerkt wurde, war diese komische aufrechnende Tendenz darin schon enthalten. Damit verband sich dann auch Noltes Wende um 180 Grad. Ich selbst hatte ihn ja als denjenigen gefeiert, der die Totalitarismustheorie im Grunde theoretisch erledigt hatte, aber dann gab es diese Wende in seinem Denken. Er hat mit seinem großen Erstlingswerk ,Der Faschismus in seiner Epoche’ für den Faschismusbegriff wirklich Großartiges geleistet, anschließend aber selbst alles wieder kaputt gemacht …

AG Totalitarismus: Corell, Karlchen, Stephan Müller, Rosa