Es lebe Griechenland!

Mit der ätzenden Arroganz ungeheuren Reichtums und entsprechender Macht schlägt die herrschende Klasse hierzulande seit nun bald zwei Jahren auf das griechische Volk ein. Unfähigkeit, Faulheit, Schlendrian, Bestechlichkeit – das sind nur einige der Schlagworte, mit denen die griechische Bevölkerung seither beschimpft und lächerlich gemacht wird. Diese Hetze ist für unsere Hirne und Herzen hier bestimmt. Wir sollen auf die Griechen schimpfen, die „unser“ Geld verbraten, statt denjenigen in den Arm zu fallen, die uns immer ärmer und rechtloser machen. Und die nun wieder einmal daran gehen, einen ganzen Staat zu entrechten und in den Ruin zu treiben.

Diktierte Verelendung

Schlimmer als die Krise in den Jahren 2008 bis 2010 zerstören die von der deutschen Regierung durchgedrückten EU-Spardiktate die griechische Wirtschaft und bringen den griechischen Staat endgültig an den Rand des Staatsbankrotts. Die griechische Industrieproduktion fällt und fällt, ebenso die Reallöhne. Die Erwerbslosigkeit steigt. Zehntausende Geschäfte und andere Kleinunternehmer sind inzwischen ruiniert. Die Steuereinnahmen des griechischen Staates gehen zwangsläufig zurück, die griechischen Staatsschulden steigen. Von den EU-„Rettungspaketen“, auch keine Geschenke, sondern Kredite, die mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt werden müssen, sieht Griechenland nichts. Sie werden weitergereicht an die Besitzer griechischer Staatspapiere, vor allem auch an deutsche Banken und ihre vermögenden Anleger, die auf diese Weise schon Milliarden aus dem griechischen Volk herausgepresst haben. Und Milliarden haben deutsche Monopolherren schon vorher aus Griechenland herausge­quetscht. Mit Billigexporten drangen sie in den griechischen Markt ein und konkurrierten so die dortigen, sehr viel schwächeren Kapitalisten nieder. Weil Siemens, VW, BASF und wie sie alle heißen mit steigender Arbeitshetze, längeren Arbeitszeiten und niedrigen Löhnen immer mehr Reichtum aus unseren Knochen und Hirnen ziehen, können sie sich die Dumpingpreise leisten. Reichtum, der unser Leben immer schlechter macht und als steigende Profite in den Taschen der Konzerne landet. Der sich in Griechenland in ein immer höheres Handelsdefizit verwandelte und entsprechend in wachsende griechische Schulden. Mit stolz geschwellter Brust weisen die Herrschaften dann auf ihre Exporterfolge hin, auf die solide deutsche Wirtschaft und beschimpfen gleichzeitig die Griechen, über ihre Verhältnisse gelebt zu haben. Als wäre der Reichtum der einen ohne die Armut der anderen zu haben.

Die „großherzigen Deutschen“

Nun, da die griechische Regierung die erzwungenen Sparzusagen nicht einhalten kann, heulen sie hierzulande wieder alle auf. CSU-Chef Seehofer droht empört: „Die Deutschen sind sehr großherzig, aber wenn sie das Gefühl bekommen, dass der Hilfsbedürftige nicht tut, was er tun könnte oder versprochen hat, bröckelt die Solidarität gewaltig.“ (SZ 6.9.11) Diese Demagogie schlägt nun wirklich dem Fass den Boden aus. Welche „großherzigen Deutschen“ meint Herr Seehofer denn? Etwa diejenigen, die für die Gier der deutschen Banken und Konzerne nach Absatzmärkten und Rohstoffen 1941 auch Griechenland überfielen und besetzten, ganze Dörfer ausrotteten und das Land zerstörten? Die griechische Zwangskredite an das faschistische deutsche Reich befahlen und „großherzig“ versprachen, diese inklusive Zinsen zurückzuzahlen? Sie zahlten keinen Pfennig. Meint er die „Großherzigkeit“ der Verantwortlichen des Nachfolgestaates BRD, die diese ungeheuren Verbrechen mit der lächerlichen Summe von 115 Millionen DM abgegolten haben? Die sich weigern die Kredite, die sich inklusive Zinsen und Preisanpassungen heute auf mehrere Dutzend Milliarden Euro belaufen, an Griechenland zurückzuzahlen? Der Räuber wird zum großzügigen Wohltäter hochgejubelt und der Beraubte zum unfähigen „Hilfsbedürftigen“, der dankbar zu sein hat, dass man ihn weiterhin ausraubt.

Nach deutschem Vorbild

Nichts anderes bedeutet es, wenn nun eine auf EU-Ebene beschlossene Privatisierungsgesellschaft die geforderte Verscherbelung griechischen Staateigentums vorantreiben soll. Vorbild dafür ist ausgerechnet die deutsche Treuhandanstalt. Wir sollten wissen, was das bedeutet: die Treuhand hat das Vermögen der DDR für wenige Groschen an die Banken und Konzerne in Westdeutschland verramscht. Was diese zur Mehrung ihres Kapitals brauchen konnten, nutzten sie, der Rest wurde verschrottet. Die Folgen sind bis heute zu sehen – ein weitgehend deindustrialisiertes Land, in dem ganze Städte veröden, weil die Arbeiter dort keinen Job mehr finden. Das wird in Griechenland nicht anders sein. Ausländische Banken und Konzerne, allen voran deutsche wie die Telekom, bereits an der griechischen Telefongesellschaft beteiligt, werden für möglichst billiges Geld übernehmen, was sie brauchen, „gesund schrumpfen“ und den Rest vernichten. Doch all diese Unterjochungsmaßnahmen Griechenlands reichen den Herrschaften noch nicht. Der deutsche EU-Kommissar Oettinger schlug kürzlich vor, u.a. deutsche Beamte nach Griechenland zu schicken, die den dortigen Behörden „helfen“ sollen, die beschlossenen Sparmaßnahmen „ohne Rücksicht auf Widerstände“ durchzusetzen (SZ 10.9.11).

Sie führen sich auf, als wäre Griechenland bereits ein Protektorat. Das widerspenstige griechische Volk, die streikenden Arbeiter sollen in die Knie gezwungen werden. Und wir sollen mit den Wölfen heulen, statt uns auf die Seite des kämpfenden griechischen Volkes zu stellen, an die Seite der streikenden Arbeiter. Statt zu erkennen, dass wir nur so, gegen und ohne die Monopolherren und ihre staatlichen Gehilfen, eine Zukunft haben.

Annullierung der griechischen Staatsschulden bei den deutschen Banken! Bezahlung der Schulden, die die BRD noch gegenüber Griechenland hat!

Solidarität mit dem griechischen Volk – gegen Kapital und Regierung hierzulande!