Rede des Vertreters der Antifaschistischen Linken Fürth (ALF) am 19.08.2012 in Ziegenhals vor dem Areal der zerstörten Ernst-Thälmann-Gedenkstätte

Liebe Freunde und Freundinnnen,

liebe Genossen,

im Namen der Antifaschistischen Linken Fürth möchte ich mich ganz herzlich für die Möglichkeit bedanken, hier eine kurze Rede zu halten. Zunächst ein paar Worte dazu, wie wir zu dieser Einladung gekommen sind:

Wir haben in unserem Infoladen Benario in Fürth im Dezember letzten Jahres eure Wanderausstellung gezeigt. Die Ausstellung ist auf großes Interesse gestoßen. Dies nicht zuletzt daher, da wir bereits selbst die Erfahrung machen, wie es ist, zäh und hartnäckig für eine Sache zu kämpfen. So haben wir nicht umsonst unserem antifaschistischen Infoladen den Namen Benario gegeben. Hintergrund ist folgender: Dr. Rudolf Benario (der nicht verwandt ist mit Olga Benario) war ein junger Kommunist und Antifaschist aus einem jüdischen Elternhaus in Fürth. Zusammen mit seinem Freund und Genossen Ernst Goldmann wurde Benario kurz nach dem Reichstagsbrand im März 1933 von den Nazischergen verhaftet und zusammen mit anderen Antifaschisten in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Am 12. April 1933 wurden die beiden zusammen mit einem Nürnberger Genossen hinterrücks von einem SS-Kommandanten erschossen.

Sie waren die ersten Ermordeten im KZ Dachau und wurden gerade mal 25 Jahre alt. Nach 1945 war die Geschichte von Benario und Goldmann nur wenigen bekannt und einige Antifaschisten kümmerten sich um das Andenken an die Ermordeten. Insbesondere die Stadt Fürth zeigte wenig Interesse an der Forderung, einem würdigen Gedenken nachzukommen. Im Gegenteil: Die beiden wurden als „Querulanten“ und Unruhestifter posthum diffamiert, während allerlei Nazigrößen und Profiteure des Krieges – wie beispielsweise Gustav Schickedanz (Versandhaus Quelle) – hofiert wurden und werden. Seit wir die Geschichte von Benario und Goldmann kennen, haben wir uns dafür eingesetzt, deren Widerstand gegen den Faschismus zu ehren. Daher haben wir auch unser politisches Zentrum nach Rudolf Benario benannt. Darüber hinaus organisieren wir gemeinsam mit dem Fürther Bündnis gegen Rechts ein jährliches Gedenken an die beiden Kommunisten. Nach Jahren der Forderung und Arbeit hat die Stadt Fürth endlich reagiert und will zumindest eine Straße nach beiden benennen. Ein kleiner Teilerfolg, welcher zeigt, wie wichtig es ist, in Ziegenhals, in Fürth oder sonstwo, entschlossen für ein würdiges Andenken an die antifaschistischen Widerstandskämpfer einzutreten.

Aber auch die Nazis haben reagiert. Bereits ein Jahr nach Eröffnung unseres Infoladens wurde dieser von Faschisten angegriffen. Fensterscheiben und Rollos wurden demoliert. Es entstand ein materieller Schaden von über 2.000 Euro. Der Anschlag war nur einer von vielen auf Antifaschisten aus der Region, welche im Zuge des Bekanntwerdens der Mordserie des sog. NSU begangen wurden. Die Täter sind der Nazikameradschaft „Freies-Netz-Süd“ zuzurechnen, welches bereits seit Jahren enge Kontakte zum Umfeld, aber auch zum engen Kreis des NSU unterhielt. Nicht zuletzt fand man auf einer Kontaktliste des NSU Name und Telefonnummer des Fürther Nazikaders Matthias Fischer. Trotz dieser offensichtlichen Verbindungen schweigt man von offizieller Seite. Dies ist aber nicht verwunderlich! Hat nicht der ehemalige bayrische Innenminister Günther Beckstein nach drei Morden der NSU allein in Nürnberg Anweisung gegeben, nicht in Richtung Neonazis zu ermitteln? Diese Politik hat spätestens seit Strauß-Zeiten Kontinuität in Bayern: Gemäß der Vorgabe von Franz-Josef Strauß „mit Hilfstruppen darf man nicht zimperlich sein – man weiß ja nie, wann man sie noch brauchen kann“, wird seither von der CSU Politik betrieben. Da wird vielmehr gegen Linke vorgegangen. Jüngstes und wohl gravierendstes Beispiel ist der Fall Deniz. Es handelt sich dabei um einen jungen Antifaschisten, der sich an einer Demonstration gegen Nazis und für die Abschaffung des Verfassungsschutzes beteiligte. Angeblich hatte er in deren Vorlauf mit einer Transparentstange mehrere voll gepanzerte Polizisten bedroht. Deniz wurde mehrere Wochen nach der Demonstration festgenommen, in Untersuchungshaft verschleppt und sitzt seither im Knast. Der Vorwurf: versuchter Totschlag in fünf Fällen. Im Oktober beginnt in Nürnberg der Prozess gegen Deniz. Wir werden alles dafür tun, damit Deniz endlich frei kommt. Aber wir wissen auch, wie sehr die staatlichen Instanzen daran interessiert sind, an Deniz ein Exempel zu statuieren und zu zeigen, dass es sich nicht lohnt, gegen Faschisten und deren staatliche Unterstützer zu demonstrieren.

Es lohnt sich aber doch! So wie ihr seit Jahren um die Gedenkstätte Ziegenhals kämpft und um das Andenken an Ernst Thälmann und alle anderen ermordeten Genossen, lassen wir uns nicht unser Engagement gegen Faschismus, Krieg und staatliche Willkürmaßnahmen nehmen.

In diesem Sinne: Hoch die internationale Solidarität!