Für Dialektik in Organisationsfragen

Gleiches Recht für alle ist konkrete Voraussetzung für erfolgreiche Kämpfe

Die Losung „Gleiches Recht für alle” ist eine Forderung nach dem bürgerlichen Recht. Das bürgerliche Recht ist die aktuelle Grundlage der Kämpfe um Lohn, Arbeitszeit und unsere Rechte. Um diese überhaupt führen zu können, ist die Bekämpfung des Rassismus für die Arbeiterklasse so elementar:

Im überregional bekannten Göttinger Hotel „Freizeit Inn“ taten sich zuletzt überraschende Dinge. Der Chef und wohl auch Teileigentümer des bekannten Hotels stellt sich plötzlich und für seine Funktion konsequent vor seine Beschäftigten, indem er rassistische Hotelgäste rausschmeißt. Eine nach seiner Aussage Gewerkschaftssekretärin und andere Gäste weigerten sich, sich von einer Bedienung mit Kopftuch ihren Kaffee bringen zu lassen, andere international erfahrene Kollegen werden aufgrund von Sprachschwächen oder Akzent von den Gästen diskriminiert. Der Chef stellte sich dazwischen und erklärte deutlich, dass er auf diese Gäste verzichten wird und verweist sie des Hauses. Dafür war er zuvor in keinster Weise bekannt, auf antifaschistischen Veranstaltungen hatte man ihn noch nie gesehen. Saunagäste beschwerten sich, dass „arabisch aussehende“ Gäste mit Badehose die Sauna besuchten, die „einheimischen“ Frauen begaffen würden und forderten Textilverbot. Eher ungewöhnlich nach der Kölner Propagandawelle wies der Hotelleiter darauf hin, dass es unterschiedliche Kulturen bei Saunabesuchen gibt, in vielen Ländern wird die Sauna bekleidet besucht und das würde bei ihm auch so bleiben, im Übrigen wären schon weit mehr Deutsche aufgrund belästigender Blicke der Sauna verwiesen worden. Nun ist er im türkischen Fernsehen, RTL undsoweiter. Rein geschäftlich versucht er damit auch, Geschäftsleute aus arabischen Ländern in sein Hotel zu bekommen. Dennoch ist es glaubwürdig, denn er erklärt auch deutlich, dass die auffälligen Rassisten unter seinen Hotelbesuchern Deutsche mit mutmaßlich höherer Bildung waren. Das ist sowieso klar, andere können sich den Besuch dieser Hotelkategorie in der Regel auch nicht leisten. Sein Verhalten könnte ihm fraglos aber geschäftlich auch teuer zu stehen kommen, denn auch CDU-Veranstaltungen sind regelmäßig dort.

So weit, so demokratisch. Dass er am Rande natürlich großen Spaß hat, eine angebliche (kann allerdings ja leider auch stimmen) Gewerkschaftssekretärin zu beschreiben, die sich weigerte, sich von einer Bedienung mit Kopftuch bedienen zu lassen, ist jetzt mal nicht der Hauptpunkt. Der Typ ist nicht zuletzt stadtbekannt für schlechte Arbeitszeiten und geringe Entlohnung, vor allem ohne Ende Überstunden. Was passiert nun? Durch das herrschende Gift des Rassismus wird er zum Beschützer seiner Beschäftigten, die ihm nachvollziehbar dankbar sein werden dafür, dass er die rassistische Stimmung draußen hält und ihnen so einen normalen Arbeitstag ermöglicht, was in Deutschland derzeit bei Bedienungen mit Kopftuch und Anderem offensichtlich nicht möglich zu sein scheint.

Was geschieht mit dem Klassenkampf und der Gegenwehr gegen die schlechten Arbeitsbedingungen? Vermutlich nichts mehr. Der Rassismus erstickt den Klassenkampf schon im Vorfeld und der Chef kann sich noch zum Demokraten aufspielen, braucht von seinen Leuten nichts mehr zu fürchten. So fördert der Rassismus ganz konkret die Ausbeutung.

Das Beispiel unterstreicht markant, dass ohne gleiches Recht für alle und durch den Rassismus scheinbar immer etwas zwischen den Klasseninteressen und der Gemeinsamkeit der Arbeiter steht. Erst durch den Kampf um das gleiche Recht kann sich auch der Klassenkampf in voller Breite entwickeln. Setzt der Chef das gleiche Recht im umgrenzten Raum seiner Firma durch, bringt das für den Klassenkampf wenig.

Außerdem zeigt das Beispiel am Rande auch, was Volksfront wäre, wenn Faschismus konkreter wird. Plötzlich tauchen Bürgerliche auf, die in ihrem Leben nichts Politisches gemacht haben und pochen auf Demokratie, weil sie meinen, dass sie dort besser Geschäfte machen können. Mit all diesen Widersprüchen sind wir konfrontiert, traurig genug wenn ein Chef den Rassismus aus dem Haus weist und nicht wir.

R. Fürst