Gegen die Versklavung

Mit der KAZ bei den antifaschistischen Kämpfern – von Maren Cronsnest

„... Antifaschismus ist der Kampf gegen die Versklavung unseres Volkes. Das alles ist schon einmal mitangesehen worden, wie schnell sich die Oligarchen mit den gleichen Faschisten einig werden. Was Krupp am anderen Ort darstellte, das ist bei uns Kolomoisky. ...“, sagte Alexej Mosgovoi, legendärer Kommandant der Brigade der Volksmiliz „Prisrak“ (Geist)“ am 8. Mai 2015 in einem Interview mit dem ukrainischen antifaschistischen Internet-Magazin „Liwa!“. Am 23. Mai 2015 kam die niederschmetternde Nachricht, dass Alexej Borissowitsch Mosgovoi, seine Pressesprecherin Anna Alexandrowna Sameljuk und drei weitere Kameraden gegen 17.30 Uhr Lugansker Zeit auf der Straße zwischen Lugansk und Altschewsk feige ermordet wurden.

Ein ferngesteuerter Sprengkörper hatte das Auto des Kommandanten erfasst, dann hatten vier Maschinengewehrschützen alle, auch die Zivilisten, brutal ermordet. Einer der Soldaten drückte in einer Mail aus, was vielleicht alle dachten: „... Indem sie unseren Anführer töteten, rechnete der Feind damit, unseren Geist zu brechen und Panik in unseren Reihen zu säen. Aber da haben sie sich verrechnet! Unsere Reihen werden immer dichter und zahlreicher, der Kampf gegen den Faschismus, wird fortgesetzt!

Ein Jahr später, am 08. Mai 2016, bin ich mit einigen Exemplaren der „KAZ“ und einer großzügigen Spende dieser Zeitung unterwegs zur Frontlinie, einer der Orte, wo die Kämpfer der Volksrepublik Lugansk ihr junges Land vor der Übernahme durch das reaktionäre Kiewer Regime schützen.

Die Mehrheit der Menschen in den heutigen, international noch nicht anerkannten Volkrepubliken Lugansk und Donezk hatten sich gegen den Putsch vom Februar 2014 nach den vom Westen finanzierten und medial unterstützten „Maidan-Protesten“ in Kiew ausgesprochen und hatten in Lugansk am 30. April desselben Jahres das Regionalparlament und die Polizeizentrale besetzt. Am 28. April 2014 hatte man zuvor die „Volksrepublik Lugansk“ ausgerufen und im Mai wurde die staatliche Unabhängigkeit von einem Referendum mit 96 Prozent der Stimmen bestätigt. Ähnlich hatten sich die Menschen im Oblast Donezk ausgesprochen und am 25. Mai wurde von beiden ein Dokument über den Zusammenschluss beider Volksrepubliken zum neuen Staat „Novorossia“ unterzeichnet.

Im April 2014 entstand auch die Brigade „Prizrak“ (Geist), die aber erst am Ende des Sommers ihre Brigadestärke und damit auch ihren Namen bekam. Insbesondere bei der Befreiung von Debalzewo hat sie sich Anerkennung und Respekt verdient.

Ich bin mit dem stellvertretenden Kommandeur der OmBr (Fussnote: OMBR (Отдельная механизированая бригада = Mechanisierte Brigade).) „Prisrak“ Alexej Markow in Kirowsk verabredet. Die Stadt befindet sich im östlichen Donezkbecken etwa 55 km westlich von Lugansk. Sie beheimatet heute das Hauptquartier der Brigade, zuvor war dies Altschewsk, eine Stunde südlich von Lugansk. Mit mir kommen internationale Delegierte der „antifaschistischen Konferenz“, die am Tag zuvor in Krasnodon stattgefunden hatte.

Wir finden uns auf einer großen Kreuzung wieder, hier stehen sich die antifaschistischen Kämpfer und die ukrainische Armee einschließlich der faschistischen Brigaden wie „Asow“ direkt gegenüber. Sandsäcke und in die Erde eingegrabene Unterstände markieren den Alltag der Soldaten. Immer wieder gibt es Beschuss durch die ukrainische Seite, dies ist reiner Terror gegen die Bevölkerung hier. Der Boden ist übersät mit den Resten der Schrapnelle.

Durchs Fernrohr können wir auf der anderen Seite die Flagge von „Asow“ erkennen. Die ukrainische Armee hat die höchste Zahl von Deserteuren wahrscheinlich weltweit. Die jungen Männer ganzer Städte gehen zur Arbeit ins Ausland, um der Einberufung zu entgehen. Und so sind die Faschisten für Kiew ein wichtiger Bestandteil der kriegerischen Stellungen.

Hier wird auch klar, was uns später der Kommandeur Pjotr Birjukow (genannt Arkaditsch) erklärt: „Unsere Stärke ist die Motivation unserer Soldaten. Aber wir müssen immer wieder große Anstrengungen unternehmen, um die Motivation hochzuhalten. Wenn wir hier fortgehen, dann ist das Land dem Kiewer Regime überlassen. Wir müssen die Stellungen halten.

Und auf die Frage nach dem Vermächtnis von Alexej Mosgovoi kommt spontan die Antwort: „Wir sind hier“. Das ist die hauptsächliche Antwort. „Wir haben ihn nicht vergessen. Wir halten an den Prinzipien fest, an dem Programm für die Volksmacht“.

Und Alexej Markow (genannt „Dobri“ = der Gute) fügt hinzu: „Im Jahr 1914, als der Erste Weltkrieg begann, wusste niemand, dass Weltreiche fallen würden. .... Als Kommunisten müssen wir auf jede Art von Weltlage vorbereitet sein. In den Zeiten der Krise gibt es eine Chance für kleine, aber ideologisch hoch entwickelte Kräfte wie die Bolschewiki nach dem Ersten Weltkrieg. Vielleicht werden wir diese Chance.“ „Wir sind keine Helden“, fügte Arkaditsch hinzu, „wir sind Revolutionäre.

Endlich kommt mein Treffen mit Markow zustande. Interessiert blättert er in den mitgebrachten Exemplaren der „KAZ“, er spricht fließend Englisch und erklärt, was die Brigade mit der Spende anfangen wird. „Wir haben den Menschen versprochen, an seinem Todestag ein Mahnmal für Alexej Mosgovoi zu errichten“. Dies sei nicht nur für die Bevölkerung, aber auch für die Brigade sehr wichtig.

Am 23. Mai 2016 haben sie das Versprechen gehalten. Im Zentrum von Altschewsk wurde die Statue errichtet. Die Brigade hatte noch nicht einmal Zeit, die Schaufeln in die Hand zu nehmen, da kamen die Leute aus Altschewsk und rissen ihnen die Werkzeuge aus der Hand. Das Geld zur Errichtung des Monuments kam aus Spenden aus der ganzen Welt. Und so ist es nicht nur ein Mahnmal zur Erinnerung an die antifaschistischen Kämpfer, es erinnert auch an die internationale Solidarität. Und die muss weiter aufrechterhalten bleiben.