Damit Ziegenhals weiterhin Stachel bleibt!

Für die Wiedererrichtung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals!

Nach dem Erfolg vom 10. Februar 2013, als in Ziegenhals mit internationaler Beteiligung ein Gedenkstein zu Ehren der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der illegalen ZK-Tagung der KPD eingeweiht wurde, versammelten sich darauf am 21. April 2013 rund 250 Antifaschistinnen und Antifaschisten in Ziegenhals. Damit setzte der Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e. V., Ziegenhals, zusammen mit seinen Freunden und Sympathisanten, die gute Tradition fort, in Ziegenhals keine Ruhe einkehren zu lassen und an den Genossen Ernst Thälmann und seine Kampfgenossen zu erinnern. Eine Tradition, die Erinnerung nicht als Ritual oder Selbstzweck betreibt, sondern den Bogen spannt zu unserem heutigen Kampf gegen Faschismus und Krieg. Erinnerung als Stachel. Darum wird es auch in Zukunft in Ziegenhals gehen.

Die April-Kundgebung hatte wiederum starken internationalistischen Bezug. Zum Einen sprach ein Vertreter der Venezuela-Soligruppe „Interbrigadas“ über die Situation in Venezuela nach dem Versuch konterrevolutionärer Kräfte, die jüngsten Wahlen für Unruhen zu nutzen. Zum anderen sprachen am 21. April zwei Genossen aus Schottland: Sandra und Iain, deren Rede wir hier dokumentieren wollen. Zudem drucken wir auch die Rede von Hans Erxleben (Partei Die Linke, Berlin) ab, der insbesondere in Berlin-Lichtenberg gemeinsam mit zahlreichen Antifaschisten den Faschisten die Stirn bietet.

Die nächste Kundgebung in Ziegenhals findet am 18. August 2013, um 11:30 Uhr in Ziegenhals (gehört zur Stadt Königs Wusterhausen, Ortsteil Niederlehme, Seestr. 27) statt. Näheres unter: www.etg-ziegenhals.de

Rede von Sandra und Iain, Freunde und Genossen aus Schottland, Großbritannien, am 21. April 2013 in Ziegenhals

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

(Iain)

Ich bin nicht daran gewöhnt, Reden zu halten, ich bin nur ein Arbeiter, der leidenschaftlich für unsere Sache kämpft. Bei einem Familientreffen habe ich zum ersten Mal den Namen „Ernst Thälmann“ gehört. Wie es so üblich ist, fingen die Männer – die alle in der britischen Armee gegen Hitler gekämpft haben – an, von ihren Erfahrungen aus diesen dunklen Stunden zu erzählen. Auf einmal waren einige anti-deutsche Kommentare zu hören. Da wurde mein Vater ärgerlich und sagte ihnen, dass sie alle ein sehr kurzes Erinnerungsvermögen hätten. Die ersten Opfer des deutschen Faschismus wären deutsche Menschen gewesen; seine Genossen und Genossinnen in der KPD, Ernst Thälmann, und tausende andere Parteimitglieder haben ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus verloren und auch ihre Brüder und Schwestern in den Gewerkschaften seien Opfer geworden.

Mein Vater war aktiv in der „Freiheit für Ernst Thälmann“-Bewegung durch die Kommunistische Partei GB involviert, hauptsächlich durch Unterschriften- und Spendensammlungen in Südschottland und durch Aufklärung und Berichte über das Leiden der deutschen Bevölkerung unter der Naziherrschaft.

Später, als ich dann selbst aktiv in der linken Bewegung war, habe ich mich oft mit meinem Vater über Ernst Thälmann unterhalten. Ich habe nichts als Bewunderung für diesen Mann, der sein gesamtes Leben dem Kampf der Arbeiterklasse und für Frieden und Freiheit gewidmet hat, übrig.

(Sandra)

Ich bin in der DDR geboren und aufgewachsen und habe schon als kleines Kind von Ernst Thälmann gehört und über seine wichtige Rolle in der deutschen Geschichte gelernt, und weiß von daher von seinem Kampf für Frieden und Freiheit für alle Menschen. Ich habe Berichte von seiner Tochter gelesen, in denen sie ihre Besuche zu ihrem Vater in Einzelhaft beschreibt und habe versucht, mich in ihre Position zu versetzen; wie schwierig es für beide gewesen sein muss, aber auch, wie stolz sie auf ihren Vater sein musste, auf seine Entschlossenheit, seine Stärke und seinen Widerstand. Er wurde mein Held und ist es bis heute geblieben. Und zum Glück habe ich nach meinem Umzug nach Schottland einen Mann kennen und lieben gelernt, der Ernst Thälmann genauso verehrt wie ich

 (Iain und Sandra)

Vor fünf Jahren haben wir zum ersten Mal vom Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ Ziegenhals im Internet gehört. Wir kamen dadurch in Kontakt mit seinem langjährigen Vorsitzenden Heinz Schmidt, der uns erklärte, dass das Museum leider abgerissen wurde, er uns aber gerne nach Ziegenhals begleiten würde. Wir verbrachten einen sehr interessanten Nachmittag mit Heinz, der uns bis aufs kleinste Detail von der Ziegenhalser Geschichte erzählte. Anschließend lud er uns bei sich zu Hause auf einen Kaffee ein, wo wir dann seine liebe Frau Brigitta kennenlernten und wir haben seit diesem Tag das Privileg, sie FreundInnen und GenossInnen zu nennen.

Nachdem wir uns verlobten, haben wir gehofft, vor Teddy in Berlin zu heiraten. Wir riefen dann Heinz und Brigitta an, um sie um Rat zu fragen. Sie gaben uns dann den Kontakt des derzeitigen Vorsitzenden des Freundeskreises. Wir erzählten ihm dann von unserem Traum und fragten, ob es möglich wäre, weil wir natürlich nicht die Erinnerung an Thälmann schänden wollten und auch nicht die Leute verärgern, die unermüdlich daran arbeiten, seinen Namen und seine Erinnerung am Leben zu halten. Glücklicherweise fand der Freundeskreis-Vorsitzende die Idee super und hat uns sofort seine Hilfe und die des Freundeskreises angeboten, unseren Traum zu erfüllen. Im Juli letzten Jahres haben wir uns dann vor Teddy und vor unserer Familie und FreundInnen das Ja-Wort gegeben, oder wie eine deutsche Tageszeitung berichtete: „Teddy als Trauzeuge“. Und es gibt nun 40 Schotten, die Thälmanns Namen kennen und auch wissen, wofür er gekämpft hat.

Für uns ist es eine Schande, dass dieser wichtige historische Ort in Ziegenhals abgerissen wurde. Aber Überraschung ist es natürlich nicht, der gute Name Ernst Thälmann wird ja ständig angriffen. Wenn man den Leuten an der Macht zuhört, könnte man glauben, dass der Widerstand gegen das Hitlerregime im Juli 1944 angefangen hat, obwohl wir doch alle wissen, dass es Ernst Thälmann war, der von Anfang an gegen den Faschismus in Deutschland gekämpft hat. Dieser Kampf ist heutzutage genauso aktuell wie er damals war und wir müssen Schulter an Schulter stehend gegen die konstante Drohung des Faschismus in diesem Land, in Europa und der ganzen Welt kämpfen.

Teddy lebt! Rot Front!

Rede von Hans Erxleben (Partei Die Linke, Berlin) am 21. April 2013 in Ziegenhals vor dem Gelände der geschändeten und zertrümmerten Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, anlässlich des 127. Geburtstages Ernst Thälmanns

Kurz ein paar Worte zu meiner Person. Ich bin, seitdem die neofaschistische NPD im Jahr 2000 ihre Bundeszentrale in Köpenick eingerichtet hat, Sprecher des Bündnisses für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenick und in der dortigen Bezirksverordnetenversammlung Sprecher der Linksfraktion gegen Rechtsextremismus, denn wir haben auch die NPD dort sitzen. Die beschimpfen mich als Berufs-Antifaschisten und ich stehe auf der Feindliste des Nationalen Widerstandes als Linkskrimineller, was mir auch einen Gewaltanschlag auf mein Wohnhaus im letzten Sommer einbrachte. So was kann einem „Linksextremisten“ und zivilem Ungehorsamen heutzutage hierzulande eben passieren. Wer sich mit denen anlegt, braucht einen langen Atem, starke Nerven und eine stabile Familie im Rücken.

Für die bin ich eine Hassfigur. Der Hass der Nazis ist mein Ansporn und sicher für viele von euch auch. Ich meinerseits fühle keinen Hass auf die, nur abgrundtiefe Verachtung. Dass ich für intolerante Menschen-, Demokratie- und Verfassungsfeinde keine Toleranz habe, muss ich wohl nicht extra betonen.

Also, hier spricht an einem symbolischen Ort der Mahnung ein bekennender Antifaschist von heute über den konsequenten, aufrichtigen, charismatischen Antifaschisten Ernst Thälmann, der mehrfach zur Antifaschistischen Aktion gegen die Nazibanden aufrief, schon bevor Ende Januar 1933 der Vorschlag der KPD zu einem Generalstreik gegen Hitler von der SPD abgelehnt worden war. Hier in Ziegenhals wandte er sich am 7.Februar 1933 gegen die Theorie des „Abwirtschaftenlassens“ der Hitlerregierung – das erinnert mich an Leute heute, die meinen, das Problem der NPD würde sich irgendwann von allein erledigen.

Ich möchte über meinen ganz persönlichen Bezug zu Thälmann sprechen. Für mich gehört er gewissermaßen zur Familie – nicht nur zur großen Familie der Antifaschistinnen und Antifaschisten, zu der wohl alle hier gehören. Nein, symbolisch auch zu meiner eigenen.

Mein Vater – Hans Jendretzky – gehörte als Leiter des Roten Frontkämpfer Bundes Berlin-Brandenburg zur Bundesführung des von Thälmann geleiteten RFB, zusammen mit Ernst Schneller, Willy Leow und Fritz Selbmann bis zum Verbot 1929. Um das nur schnell einzuflechten – der RFB war keineswegs eine „paramilitärische Schlägertruppe“ oder gar Bürgerkriegsarmee, wie es bei Wikipedia behauptet wird, sondern eine mehrheitlich disziplinierte Schutzformation der KPD.

Die beiden hatten auch auf der parlamentarischen Ebene miteinander zu tun – mein Vater als KPD-Abgeordneter des Preußischen Landtags und Thälmann in der Reichstagsfraktion. Zum Führungsstil von Thälmann hat er sich zuletzt auf einer wissenschaftlichen Konferenz zum 100.Geburtstag von Thälmann im März 1986 in Berlin geäußert, das kann man bei Bedarf nachlesen.

Und insofern hat auch der Rot-Front-Gruß als ursprünglich interner Gruß des RFB für mich eine persönliche Bedeutung. Vielen von euch wird die Zeile aus dem Thälmannlied vertraut sein – „Thälmann ist niemals gefallen, Stimme und Faust der Nation“. Sicher, das ist großes Pathos, heroisierend, ikonisierend, aber der Mann mit der geballten Faust steht eben für die Legende, den Mythos Thälmann, der trotz allem kein Heiliger und nicht nur der strahlende Kult-Held war, aber eben auch nicht die Unperson, zu der er heute gern gemacht wird.

Meine Mutter war in den 50er und 60er Jahren im Institut für Marxismus-Leninismus verantwortlich für den Nachlass von Thälmann, zu dem auch die Berichte der Thälmann-Kuriere gehörten. Das waren jene, die von der Verhaftung Thälmanns im März 1933 bis September 1939 regelmäßig Kontakt zwischen dem gefangenen Thälmann, seiner Familie und der Emigrationsleitung der KPD in Paris hielten. Sie reisten illegal nach Deutschland, trafen Rosa Thälmann und seine Anwälte, gaben Infos und Instruktionen weiter. Ihre Berichte wurden geheim aufbewahrt und nach Moskau weitergeleitet. Sie geben noch heute hochinteressante Einblicke in das Leben und Denken des Sonderhäftlings Thälmann.

Der Kurier, der diese lebensgefährliche Tätigkeit am längsten ausübte, hieß Walter Trautzsch. Die Mappen mit seinen mehreren hundert Seiten Berichten liegen vergilbt im Bundesarchiv und tragen den Aufdruck Vertraulich, das stammt noch aus DDR-Zeiten. Das Benutzerbuch weist nur wenige Namen aus, meine Mutter gehörte zu den intensivsten Auswerterinnen. In den 60er Jahren war es ihr gelungen, den in Leipzig lebenden Trautzsch ausfindig zu machen und aufzuschließen, nachdem der sich über Jahrzehnte an sein Schweigegelübde gehalten hatte. Wenige Jahre später starb dieser Kurier vereinsamt und nervlich zerrüttet von der jahrelangen Konspiration und ungerechtfertigten Verdächtigungen, er könne ein Verräter gewesen sein.

Das Schicksal dieses Kuriers war eng mit dem Thälmanns verbunden. Für mich ist auch dieser Mann einer der stillen Helden, für die es leider keinen Platz in irgendeinem Museum gibt.

Und wenn jetzt von noch 50 lebenden unbestraften Aufsehern des KZ Auschwitz die Rede ist, dann möchte ich kurz daran erinnern, dass das feige hinterhältige SS-Mordkomplott – es gab ja auch gar kein Urteil gegen ihn – gegen Thälmann nie wirklich aufgeklärt und gesühnt wurde!

Vor 80 Jahren war der Geburtstag Thälmanns der erste in der Haft und weitere 11 in der Hand der Nazis folgten. Kurier Trautzsch berichtete meiner Mutter von Körben voller Glückwünsche für Thälmann, die zu jedem Geburtstag im Gefängnis ankamen, und wenn er uns hier heute sehen könnte, würde er sich sicher auch freuen.

Rot Front, Teddy! Eine Gedenkstätte für dich kann man abreißen, aber die Erinnerungen an dich nicht! Die geballte Faust ist für mich auch kein Nostalgiegruß, sondern Symbol des gemeinsamen Handelns gegenüber den Herrschenden. In diesem Sinne die Faust hoch!

Wer an der nächsten großen antifaschistischen Aktion teilnehmen will, der muss am 1.Mai nach Schöneweide kommen, wo wir ab 10 Uhr der NPD die Faust zeigen wollen, Blockadewillige sollten in den nächsten Tagen verfolgen, wo Treffpunkte genannt werden und wem nicht nach Blockaden ist, der kommt einfach zum Bahnhof Schöneweide, wo wir in Sicht- und Hörweite der Nazis protestieren werden.