KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Auschwitz und die Verbrechen am polnischen Volk

Zum Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Sowjetunion und die Rote Armee wollen wir an die Verbrechen des deutschen Faschismus erinnern: an den Völkermord an den Juden, an den Sinti und Roma und – was besonders hartnäckig aus den bürgerlichen Medien ausgeblendet wird – am polnischen Volk. Zu den um den 27. Januar 2015 verbreiteten Unsäglichkeiten (Fussnote: Die Widerwärtigkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz sind vorüber. Wir sollten jetzt wissen, dass die Sowjetunion damals die Ukraine und Deutschland überfallen hat (so der ukrainische Putsch-Ministerpräsident Jazenjuk) und Auschwitz von der Ukraine und nicht von der Sowjetunion befreit wurde (so der polnische Außenminister Schetyna); man hat also seine Schuldigkeit getan und die „vom Westen“ gewünschte Hetze gegen Russland abgeliefert. Und Gauck nutzt die Steilvorlagen, um wie weiland Josef Fischer und Rudolf Scharping im Kosovo-Krieg Auschwitz zu benutzen, um nach mehr deutscher Verantwortung (sprich deutsche Soldaten und Waffen) in der Welt zu rufen.) kam auch noch der polnische Film „Ida“, der ins Rennen um die Oscar-Verleihung 2015 ging. Dort werden die Eltern des jüdischen Kindes Anna während der deutschen Besatzung von einem polnischen Nachbarn getötet. Mehr als 20.000 Unterzeichner einer Petition an das Polnische Institut für Filmkunst hatten gefordert, den Film zu ändern. Ohne einen Hinweis auf die Taten der Deutschen im besetzten Polen könnten westliche Zuschauer andernfalls den Eindruck erhalten, die Verbrechen an Juden im Zweiten Weltkrieg seien von Polen ausgegangen. – Soweit ist es also schon wieder!

In dem Buch „Geschichte des polnischen Widerstands 1939-1945“ (Fussnote: Berlin (Militärverlag der DDR), 1980) – man hört auch darüber nicht allzu viel – wird die Vernichtungspolitik an Polen während des Hitlerfaschismus aufgezeigt (gekürzt).

Das faschistische Okkupations­system in den polnischen Gebieten

Nach der Eroberung der polnischen Gebiete gingen die Faschisten sofort daran, ihre verbrecherischen Expansionspläne zu verwirklichen, in denen in ihrem „Drang nach Osten” die Vernichtung des polnischen Staates und die Germanisierung der polnischen Gebiete im Vordergrund standen. Und die deutschen Faschisten verfolgten dieses Ziel mit besonderer Grausamkeit.

Die faschistischen Pläne sahen vor, das polnische Staatswesen zu liquidieren und alle Erscheinungen des polnischen nationalen Lebens zu vernichten, polnische Gebiete zu annektieren und sie gleichzeitig durch Massenvertreibung und Ausrottung der Polen zu germanisieren.

Bereits die ersten Schritte der Okkupanten führten zur Aufteilung des polnischen Territoriums und der polnischen Bevölkerung, zur Liquidierung der polnischen Staatsverwaltung und der örtlichen Selbstverwaltungen sowie aller politischen, sozialen und kulturellen Organisationen. In wirtschaftlicher Hinsicht wurden der polnischen Bevölkerung von Anfang an jegliche Existenzgrundlagen genommen.

Das polnische Staatsgebiet wurde in zwei Teile gespalten: Ein Teil wurde dem Deutschen Reich angegliedert, der andere Teil wurde das sogenannte Generalgouvernement. Der annektierte Teil sollte möglichst rasch germanisiert werden, der übrige dann später.

Die Deutschland angegliederten Gebiete umfassten eine Fläche von etwa 92.000 km², wo 10,5 Millionen Menschen lebten. Die Germanisierungspolitik in diesen Gebieten praktizierten die Okkupanten von Anfang an, indem sie die polnische Bevölkerung massenweise vertrieben oder die Bewohner in die sogenannte Deutsche Volksliste einschrieben.

Mit Massenvertreibungen polnischer Bürger begannen die Faschisten bereits im Oktober 1939 auf Befehl Himmlers, der von Hitler zum „Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums“ ernannt worden war. Am 11. November 1939 entstand in Poznan das „Amt für Aussiedlung von Polen und Juden“, das im März 1940 in „Umwandererzentralstelle“ umbenannt und nach Lodz verlegt wurde. Dieses Amt, an dessen Spitze der SS-Obersturmbannführer Hermann Krumey stand, vertrieb in den Jahren 1939 bis 1944 mehr als 1.200.000 Polen. Die Mehrheit davon wurde in das „Generalgouvernement“ umgesiedelt, der übrige Teil entweder zur Zwangsarbeit nach Deutschland oder direkt in Konzentrationslager deportiert.

Die Massendeportationen dienten den Faschisten als ein Ausrottungsmittel. Sie praktizierten sie darum mit geplanter außerordentlicher Grausamkeit. Von der Polizei und den mit ihr kollaborierenden örtlichen Volksdeutschen überrumpelt und terrorisiert, mussten die polnischen Bürger ihre Wohnsitze mit ihrem ganzen Hab und Gut verlassen. Sie durften nur die notwendigste Kleidung und wenige Gegenstände für den persönlichen Gebrauch mitnehmen. Die Okkupanten brachten sie mit Lastwagen oder trieben sie wie Vieh in sogenannte Sammellager oder unmittelbar zu den Eisenbahnstationen, wo sie gewöhnlich in Güterwagen eingepfercht wurden.

An die Stelle der polnischen Bürger siedelten die Faschisten Deutsche, vor allem aus den baltischen Ländern, aus der Sowjetunion, aus Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Italien und zum geringen Teil aus Deutschland selbst an. Gemäß dem Plan Himmlers wendeten sie dabei in den annektierten Gebieten eine spezielle „Ansiedlungsgeographie“ an. Sie bestand darin, dass kompakte polnische Siedlungsgebiete von Gürteln deutscher Siedlungen, von sogenannten deutschen Volkstumsbrücken, zerschnitten und somit lediglich „polnische Inseln“ geschaffen werden sollten.

Um die polnische Bevölkerung zu germanisieren oder wenigstens teilweise zum Verleugnen ihrer polnischen Nationalität zu zwingen, bedienten sich die Okkupanten verschiedener Formen des Druckes, der Drohungen und harter Strafen. Sie versuchten auch, die regionalen Eigenheiten einiger Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel der Kaschuben, Masuren und Goralen, zu missbrauchen, um das polnische Volk ethnisch zu spalten.

Die Kaschuben und Masuren sollten später, besonders in der letzten Phase des Krieges, durch Zwangsaushebung als „Kanonenfutter“ für die geschlagene Wehrmacht dienen. Aus den Goralen wollten sie ein sogenanntes Goralenvolk bilden. Ein schweres Schicksal erwartete auch jenen Teil der polnischen Bevölkerung, der in den eingegliederten Gebieten zurückbleiben durfte. Die Okkupanten beschlagnahmten das gesamte polnische – staatliche, genossenschaftliche und private – Eigentum. Auf diese Weise wurden die Bauern, die nicht vertrieben worden waren, zu Pächtern ihrer eigenen Grundstücke. Die Polen durften keine wirtschaftliche Tätigkeit entfalten und nicht einmal auf unterster Ebene leitende Stellungen in der Verwaltung, in der Produktion, im Handel oder in irgendeinem anderen Bereich einnehmen. Sie wurden aller politischen, sozialen und nationalen Grundrechte beraubt. Die Okkupanten lösten das polnische Schulwesen völlig auf, verfolgten drakonisch die polnische Sprache und ließen im öffentlichen Leben nur Deutsch als Amtssprache zu. Sie vernichteten Denkmäler und Zeugnisse der polnischen Kultur. Der polnische Bürger war bar jeden Rechtsschutzes. Fast jedes „Vergehen“ eines Polen wurde mit der Todesstrafe geahndet.

Diese Okkupationspolitik hatte die totale materielle, politische, rechtliche, soziale und nationale Degradation der polnischen Bürger zur Folge.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion entstand am 1. August 1941 aus den Gebieten der Westukraine der sogenannte Distrikt Galizien.

Damit umfasste das „Generalgouvernement“ 142.000 km² mit 16,8 Millionen Einwohnern. Eine Pass-, Zoll- und Währungsgrenze trennte es von dem annektierten Teil. An der Spitze des „Generalgouvernements“ stand der Generalgouverneur Hans Frank, dessen Amt zugleich die „Regierung“ darstellte.

Im faschistischen Staatsgefüge des Deutschen Reiches war das „Generalgouvernement“ als eine Art Hilfsgebiet gedacht. Zuerst sollte es als Agrarkolonie, als Arbeitskräftereservoir und als Reservat für die polnische Bevölkerung dienen. Dann, mit der allmählichen physischen Ausrottung der Polen, sollte es ein deutsches Ansiedlungsgebiet werden.

In wirtschaftlicher Hinsicht gingen die Faschisten im „Generalgouvernement“ nach einer Periode der rücksichtslosen Ausplünderung zu einer organisierten Ausbeutung des Landes über. Sie waren aber stets darauf bedacht, möglichst große Mengen von Agrarerzeugnissen und Industrieprodukten für den Bedarf Deutschlands einzutreiben. Sie zwangen die polnische Bevölkerung zur Sklavenarbeit, für die sie die niedrigsten Löhne und kleinsten Lebensmittelrationen erhielt.

Die offizielle Versorgung mit Lebensmitteln deckte nur ein Drittel des notwendigen Kalorienbedarfs. 1941 sah die Ernährungslage so aus, dass Deutschen 2310 Kalorien pro Tag zustanden, Ausländern 1790 und Polen nur 645.

Um sich Arbeitskräfte zu sichern, führten die Faschisten im Oktober 1939 die allgemeine Arbeitspflicht für Polen vom 18. bis zum 60. Lebensjahr ein. Am 14. Dezember ermächtigte Frank die Gouverneure der Distrikte, den Arbeitszwang auch auf Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren auszudehnen. Diese Arbeitskräfte wurden sowohl im „Generalgouvernement“ als auch in Deutschland eingesetzt.

Die Faschisten liquidierten auch im „Generalgouvernement“ alle Formen des politischen, sozialen und kulturellen Lebens der polnischen Bevölkerung. Um das Nationalgefühl und das nationale Bewusstsein der Polen zu ersticken, bekämpften sie die polnische Kultur von Anfang an. Sie schlossen Hoch- und Mittelschulen und Bibliotheken, plünderten Archive und Museen, zerstörten solche materiellen Zeugnisse der polnischen Kultur wie historische Bauten, Denkmäler und Gedenktafeln. Die Okkupanten wollten auch aus dem „Generalgouvernement“ ziemlich rasch ein deutsches Siedlungsgebiet machen. Bereits im Juni 1941 – also sofort nach dem Überfall auf die Sowjetunion – trafen sie geheime Vorbereitungen zur Ansiedlung von Deutschen. Ende November 1942 begannen die Himmler unterstehenden Ämter und Stellen der SS ein verbrecherisches Experiment im Gebiet von Zamość: die Massenvertreibung der polnischen Bauern und die Ansiedlung von Deutschen, die aus allen unterjochten Ländern Europas hergebracht wurden. Die bei diesem Unternehmen gesammelten Erfahrungen sollten den Faschisten bei der Verwirklichung ihres gigantischen „Generalplans Ost“ dienen, der die Kolonisierung der Gebiete im Osten bis zum Ural vorsah.

Vom Beginn der faschistischen Herrschaft an war der Terror das Hauptmittel des gesamten Okkupationssystems. Bereits während der Kriegshandlungen im September 1939 verübten Wehrmachteinheiten mehr als 800 Massenmordaktionen an der Zivilbevölkerung oder deckten sie. Nach unvollständigen Angaben wurden dabei mehr als 18.000 Polen getötet. Auch die im Rücken der fünf Armeen der Wehrmacht handelnden „Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes“ sowie örtliche faschistische Gruppen, aus denen der „Selbstschutz“ gebildet worden war, verübten zahlreiche Morde, Provokationen und Plünderungen.

Die nächste Terrorwelle entfesselten die Okkupanten nach der Niederlage Frankreichs. Bereits am 30. Mai 1940, also noch während der Kriegshandlungen in Frankreich, erklärte der Generalgouverneur: „Jetzt müssen wir den Augenblick benutzen, der uns zur Verfügung steht ... Ich gestehe ganz offen, dass das einigen tausend Polen das Leben kosten wird, vor allem aus der geistigen Führerschicht Polens.“ Die mit dieser Erklärung angekündigte „Außerordentliche Befriedungsaktion“ („AB-Aktion“) dauerte bis zum August 1940. Dabei ermordeten die Faschisten mehr als 3.500 Polen, die zur intellektuellen, politischen und gesellschaftlichen Führungsschicht gehörten.

Eine der häufigsten Terrormethoden, die die Faschisten seit den ersten Tagen ihrer Herrschaft anwendeten, waren die Hinrichtungen und die „Befriedungsaktionen“, die oft mit sogenannter kollektiver Verantwortung verbunden waren. Die Faschisten verübten von 1939 bis 1945 ihre Verbrechen an polnischen Bürgern in 5.877 Lagern, Gefängnissen, Arrestlokalen, Ghettos und Arbeitskommandos und an etwa 20.000 weiteren Hinrichtungsstellen.

Von den faschistischen Stätten des Massenmordes waren die Konzentrationslager die grausamsten. Die Faschisten richteten in den polnischen Gebieten viele solcher Lager ein. Davon gehörten Auschwitz (Oświęcim) und Majdanek zu den größten Vernichtungslagern.

Auschwitz wurde im Mai 1940 errichtet und war anfangs als ein zentrales Konzentrationslager für polnische Bürger bestimmt. Bald aber wurde es zu einem Lagerkomplex ausgebaut. Sowohl das Hauptlager als auch die Nebenlager Birkenau (Brzezinka) und Monowitz (Monowice) waren einerseits Vernichtungslager, in denen vier Millionen Verschleppte aus allen unterjochten Ländern Europas getötet wurden, andererseits bildeten sie die größte Ansammlung von Arbeitskräften, die zur Sklavenarbeit für die Rüstungsindustrie Deutschlands verdammt waren. In Auschwitz betrieben die Faschisten Massenmord nach zwei Methoden: Entweder wurden die Häftlinge sofort in Gaskammern getötet (die ersten Gaskammern waren im berüchtigten „Block 11“), in denen nicht weniger als drei Millionen Männer, Frauen und Kinder den Tod fanden, oder sie wurden zu schwersten Arbeiten unter so unmenschlichen Verhältnissen gezwungen, dass sie vor Erschöpfung und Hunger zugrunde gingen. Welches Schicksal die Verschleppten erwartete, hing von den SS-Aufsehern ab, die nach dem Eintreffen der Transporte die Gefangenen selektierten.

An polnischen Häftlingen wurden in den Konzentrationslagern verbrecherische pseudomedizinische Experimente durchgeführt. Die 5.900 Überlebenden, die solchen Experimenten unterworfen waren, behielten bleibende körperliche Schäden.

Das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin, errichtet im Oktober 1941, war ein zentrales Lager für polnische Bürger des „Generalgouvernements“. In diesem Lager wurden mehr als 360.000 polnische Häftlinge ermordet. Neben Polen fanden hier Menschen aus 26 Ländern den Tod, insgesamt 1,3 Millionen.

Zu den weiteren faschistischen Vernichtungslagern in Polen gehörten: Stutthof (Sztutowo), das im September 1939 errichtet wurde und anfangs für Polen aus Pomorze, später für Häftlinge verschiedener Nationalitäten bestimmt war; Chełm am Ner seit Dezember 1941; Bełżec seit März 1940; Sobibór seit März 1942; Treblinka seit Juli 1942. Die vier letzteren waren reine Vernichtungslager. Hier wurden vor allem Juden ermordet, die aus allen unterjochten Gebieten Europas in diese „Todesfabriken“ verschleppt worden waren.

Auch einige Polizeigefängnisse, die unter Aufsicht der Gestapo standen, waren Vernichtungsstätten. Zu den berüchtigtsten gehörten „Fort VII“ in Posen (Poznań), „Pawiak“ in Warschau, „Fort VII“ in Toruń, das Gefängnis im Königsschloss von Lublin, die Rotunde in Zamość, „Palace“ in Zakopane, die Gefängnisse in Żabikowo in Poznań und in der Vorstadt Radogoszcz in Łódź und „Montelupich“ in Krakow.

Mit dem System der Konzentrationslager waren auch Zwangsarbeitslager, Strafarbeitslager, Straflager des Baudienstes und Judenarbeitslager verbunden. Die Arbeitslager wurden von verschiedenen faschistischen Organen eingerichtet, vor allem aber beteiligten sich daran Industriekonzerne, die aus der Sklavenarbeit der Häftlinge riesige Gewinne zogen.

Einen anderen Lagertyp bildeten die Umsiedlungs- und Durchgangslager. Solche Lager hatten die Faschisten bereits Ende September 1939 errichtet. In diese Lager verschleppten sie polnische Vertriebene aus den annektierten Gebieten. In den Jahren 1942/43 entstanden ähnliche Lager in Zamość und in Zwierzyniec, die für vertriebene Polen aus dem Gebiet von Zamość bestimmt waren. Im Oktober 1944 errichteten die Okkupanten ein solches Lager in Pruszków für die polnischen Bürger, die nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands aus Warschau vertrieben wurden.

Die Faschisten verschonten auch Kriegsgefangene nicht. Viele Kriegsgefangenenlager waren faktisch Vernichtungslager. Derartige Lager für sowjetische Kriegsgefangene gab es u.a. in Dęblin, Szebnie, Suchozebry.

Tausende von sowjetischen Kriegsgefangenen kamen ums Leben. In allen faschistischen Lagern lebten die Häftlinge unter so unmenschlichen Bedingungen, dass auch diejenigen, die dem Massenmord entgingen, zum Tode verurteilt waren. Auch die harten Strafen für den geringsten „Verstoß“ sowie die stundenlangen Appelle, die zur völligen Erschöpfung der Häftlinge führten, gehörten zu den Ausrottungsmethoden.

In dem faschistischen Ausrottungssystem spielten die Ghettos eine besondere Rolle. Die Okkupanten begannen bereits im September 1940 Ghettos für die jüdische Bevölkerung zu errichten. Die Verschleppung dorthin war oft von Erschießungen der Greise, Frauen, Kinder und Kranken begleitet. In den mit Mauern umgebenen Ghettos starben die jüdischen Bürger massenweise vor Hunger und Erschöpfung infolge schwerster Arbeit, zu der die Okkupanten sie zwangen. Am 15. Oktober 1941 erließen die Okkupanten im „Generalgouvernement“ eine Anordnung, mit der sie unter Androhung der Todesstrafe verboten, den Juden jegliche Hilfe zu leisten oder Unterschlupf zu gewähren. Im Herbst 1942 begannen sie mit der „Aktion Reinhard“, der Massenausrottung der Juden. In den okkupierten polnischen Gebieten ermordeten sie etwa 2.700.000 Juden polnischer Herkunft. Ein anderes Instrument des Terrors, dessen sich die Faschisten von Anfang an bedienten, war die Massendeportation zur Zwangsarbeit. Die Zwangsarbeiter wurden in Industrie- und landwirtschaftlichen Betrieben sowohl in Deutschland als auch in anderen okkupierten Ländern Europas beschäftigt. Insgesamt wurden 2.460.000 Polen nach Deutschland deportiert. Viele von ihnen fanden dort den Tod, viele erlitten bleibende gesundheitliche Schäden.

Besondere Grausamkeiten begingen die Faschisten an den polnischen Kindern. Tausende kamen in den Konzentrations- und Umsiedlungslagern, bei Vergeltungs- oder Befriedungsaktionen ums Leben. Darüber hinaus richteten die Faschisten spezielle Lager für Kinder und Jugendliche ein. 200.000 polnische Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und zur Germanisierung nach Deutschland verschleppt, wo sie in spezielle Kinderheime oder in deutsche Familien kamen.

Auch die totale wirtschaftliche Ausbeutung und Ausplünderung der polnischen Gebiete, vor allem aber der Raub von Lebensmitteln, diente der Ausrottungspolitik. Für das faschistische Deutschland waren die polnischen Gebiete nicht nur ökonomisch (als Rohstoff- und Ernährungsbasis sowie als Arbeitskräftereservoir) sehr wichtig; sie waren vor allem von großer strategischer Bedeutung, besonders nach dem Überfall auf die Sowjetunion.

Für die Wehrmacht war das polnische Territorium ein Versorgungsgebiet für die Ostfront. In diesem Raum gab es 15 Truppenübungsplätze. Sie dienten alle der Ausbildung, Neuaufstellung und Ergänzung der Truppen für die Ostfront.

Im Frühjahr 1941 waren in den polnischen Gebieten mehr als drei Millionen Wehrmachtsoldaten konzentriert, das heißt mehr als 70 Prozent der Kräfte, die gegen die Sowjetunion eingesetzt wurden. Dabei wurden im Laufe der Zeit, besonders in den Jahren 1943/44, die Wehrmachteinheiten zur Hauptkraft bei den „Befriedungs“aktionen und bei der Bekämpfung der Widerstandsbewegung.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion verstärkten die Okkupanten die wirtschaftliche Ausbeutung Polens. Den Faschisten gelang es, die Produktion der Rüstungsindustrie im „General­gouvernement“ von 1941 bis 1944 auf das Dreifache zu steigern.

Die polnischen Gebiete litten unter der faschistischen Okkupation länger als andere Länder. Hier war der Terror der Okkupanten grausamer als in den unterjochten Gebieten West- und Nordeuropas. Er war nur mit dem Okkupationssystem in den besetzten Gebieten der Sowjetunion und in einigen Gebieten Jugoslawiens vergleichbar.

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Ewiger Ruhm den Befreiern von Auschwitz, den Soldaten der Roten Armee der Sowjetunion unter dem Oberbefehl von Generalissimus J.W. Stalin

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Während in Deutschland schon seit 1933 die Konzentrationslager als Zwingburgen gegen die eigene Arbeiterbewegung gebaut wurden, wurden seit dem Überfall auf Polen ab 1939 dort die Stätten des Grauens, der Vernichtung, der nationalen Demütigung und zur Ausrottung der Slawen und Juden in einer unvorstellbaren Dichte errichtet.

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Kinder und Jugendliche in Auschwitz – für die deutschen Faschisten Objekte der Vernichtung