Aufgepasst! Lenin-Mausoleum in Gefahr!

(Auszug aus einem Artikel von Ljubow Andrejewna Pribytkowa, Philosophin aus Irkutsk – Übersetzung W. K.)

Bis heute nimmt das Mäusegerappel der klerikalen Dunkelmänner und ihrer intellektuellen Gefolgsleute gegen das Lenin-Mausoleum, die Gedenkstätte für den Führer des Weltproletariats, kein Ende. Nun hat plötzlich der neugebackene Präsident Rußlands Putin seinen Kumpan, den niemandem bekannten Duma-Hinterbänkler Wladimir Medinski als Kulturminister eingesetzt. Damit erhielt der Prozess der Entleninisierung neuen Auftrieb. Und das, obwohl man die Arbeiten Lenins, die Sammlung seiner Werke schon seit langem aus den Stadtbibliotheken, aus den Bibliotheken der Schulen und Hochschulen hinausgeworfen hatte ...

Noch am 20. Januar 2011 drängte Medinski als Mitglied des Politischen Ausschusses der Partei „Einheitliches Rußland“ in der Sitzung der Staatsduma auf die Annahme eines Gesetzes über die unverzügliche Entfernung von Lenins Leichnam aus dem Mausoleum. Und jetzt, nachdem er nun die Aktentasche des Ministers in die Hände bekommen hat, hört er nicht auf zu wiederholen, dass es „keinen Leichnam Lenins mehr im Mausoleum gäbe“, dass nur etwa 10 % vom Körper erhalten geblieben seien, der Rest sei schon seit langem herausgenommen und ersetzt worden. Jedoch ist auch von Medinskis Großmutter schon seit langem nichts mehr übrig – warum besucht er manchmal ihr Grab? Und von Tag zu Tag wächst in ihm die grabschänderische Energie ... Mit Schaum vorm Mund verlangt er, dass man „den Schandfriedhof auf dem Zentralen Platz des Landes sofort schließen muss“.

Seine Hilfskraft, der Präsident des „Rückgabe“-Fonds, Juri Bondarenko, verhehlt auch seinen grimmigen Hass auf Lenin nicht: Die Demonstration eines unbestatteten Leichnams sei östliche Wildheit für das Land. Schließlich habe Lenin die Vernichtung Zehntausender Kirchen und Klöster sowie Repressalien gegen Priester auf dem Gewissen. In den letzten 20 Jahren lebe die russische Ostkirche endlich wieder auf, während ihr oberster Henker weiterhin auf seinem Ehrenplatz liege. Und in einem Anfall von blinder Bosheit setzt Bondarenko fort: „Auch Wlassow gehört zu unserer Geschichte. War der General etwa schlechter als Lenin? Warum wird nach Wlassow keine Straße benannt, und den Namen Lenins tragen in Rußland 7.700 Straßen? Warum wurde Wlassow für Verrat aufgehängt, und Lenin mit allgemeiner Verehrung bedacht?“

Liest man diesen Vergleich Lenins mit dem auf die Seite Hitlers übergelaufenen General Wlassow, so wird einem klar, warum im Internet mehrmals die Behauptung zu finden ist, dass bei denen, die so reden wie Wladimir Medinski, Juri Bondarenko, wie Chaplin es einmal ausdrückte, mit der Psyche nicht alles normal ist. ...

Doch diese Subjekte, auch wenn sie im Ministergewand, im Range eines Stiftungspräsidenten oder als hochdotierte Professoren daherkommen, für Psychopathen zu halten, wäre zu einfach, ja – sogar unverantwortlich. ...

Dafür [für die Entsowjetisierung] wurde eben der „Rückgabe“-Fonds geschaffen. Und sein Geld bekommt er dafür, unser Land um jeden Preis ins 19. Jahrhundert zu befördern, die Städte und die Straßen umzubenennen, und um die klangvollen Namen wie Marx und Engels, Lenin und Stalin, Dzierzynski und Kirow, Swerdlow und Shdanow, Urizki und Wolodarski, Sophie Perowskaja, Andrej Sheljabow, Stephan Chalturin aus den Straßenbezeichnungen zu entfernen. Für Medinski und seine Kumpane aus der antikommunistischen Abteilung sind sie „Henker und Mörder“. Für uns – für Millionen von Menschen – erinnern uns diese Straßennamen an das Leben bedeutender Persönlichkeiten unserer Geschichte. Für uns sind diese Menschen das Salz der Erde, die Farbe der Nation.

Der „Rückgabe“-Fonds arbeitet aktiv mit den gesetzgebenden Versammlungen der Regionen zusammen, um so bald wie möglich eine Gesamtumbenennung der Straßen einzuleiten, um die Vernichtung der noch vorhandenen Denkmäler der sowjetischen Helden und der Gründer des Staates vorzunehmen. Sie wollen ein für allemal die sowjetischen und kommunistischen Symbole löschen, die Lehrbücher umschreiben, die schöne sowjetische Literatur verbrennen, um die Buchläden mit westlichen Konsumgütern zu füllen und die Fernsehbildschirme einzuschlagen. Die Abgeordneten aller Farben erfüllen den Willen derer, die sie füttern ...

Und an der Spitze dieser psychologischen Angriffe steht der Präsident Russlands, Wladimir Putin. Am 27. Juni 2012 war die fortschrittliche Welt von einer skandalösen Erklärung erschüttert, die er in der Sitzung im Bundesrat verlauten ließ. In „Kenntnis der Dinge“, so sagte er, habe Russland wegen des nationalen Verrats der bolschewistischen Führung den Ersten Weltkrieg verloren. Die Zeitung „Rizospastis“ des ZK der Kommunistischen Partei Griechenlands bemerkte daraufhin am 29. Juni, dass „der Präsident Russlands, Wladimir Putin, zu einem beispiellosen antikommunistischen Angriff übergegangen“ ist.