Aufgeben ist nicht!

Kundgebung am 8. Februar 2015 anlässlich des 82. Jahrestages der illegalen ZK-Tagung der KPD in Ziegenhals

Alle, die bereits in Ziegenhals einmal an einer Kundgebung teilgenommen haben, um an den Kampf Ernst Thälmanns und seiner Genossinnen und Genossen zu gedenken, wissen, dass es im Februar dort recht kalt werden kann. Doch wie in den vergangenen 25 Jahren, seit der Einverleibung der DDR und der damit verbundenen Inbesitznahme des gesamten Volkseigentums, einschließlich ihrer Kulturgüter wie der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals, versammelten sich auch am 8. Februar 2015 ca. 200 junge und junggebliebene Antifaschisten, Sozialisten und Kommunisten vor dem Areal, auf dem diese bescheidene und bedeutende Gedenkstätte einst stand. Dort waren fast fertig gestellte Doppelhaushälften zu sehen, die für insgesamt vier Mio. Euro angeboten werden. Die Bestrebungen, die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte vom historisch-authentischen Ort verschwinden zu lassen, haben damit einen neuen Höhepunkt erreicht. Zuerst die „Treuhand“ (TLG), die das Grundstück mit Gedenkstätte in einer Auktion mit zahlreichen Unstimmigkeiten bei dem Auktionshaus Karhausen versteigern ließ. Käufer zu einem Spottpreis für das Seegrundstück wurde der damalige Ministerialbeamte aus Brandenburgs Bauministerium, Gerd Gröger, der – alles Zufall? – zuerst Aufsichtsratsvorsitzender war und seit 2014 Vorsitzender dieses Auktionshauses Karhausen ist. Der Vorsitzende des Freundeskreises „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ Ziegenhals erinnerte in seiner Rede am 8.2. an die lange Reihe von Ungereimtheiten und Provokationen bzgl. Ziegenhals: An den Versuch Grögers, der Presse einen Maulkorb zu verpassen, damit sein Name nicht genannt wird. An die „Schenkung“ des Inventars der Gedenkstätte, das sich in Besitz und Pflege des Freundeskreises befand, an Gerd Gröger durch den Linkspartei-Bürgermeister von Königs Wusterhausen, Stefan Ludwig, der Gröger vertraglich auch noch eine Spendenquittung über 60.000 EUR versprach – und gleichzeitig die Gedenkstätte durch Ausräumen abrissreif machte. An die für Freundeskreis und Öffentlichkeit verschlossene Gedenkstätte. An die Bau- und Abrissgenehmigungen durch zwei Landräte im Dahme-Spree-Kreis. An die abgewiesenen Landesverfassungsklagen gegen einen Abriss der Gedenkstätte, der erfolgte, weil vorher der Landesdenkmalschutz zu Gunsten solcher Profitgeier wie Gerd Gröger geändert wurde.

Es wurde aber auch an den zahlreichen Widerstand mit langem Atem erinnert, an die Wanderausstellung und den Protestzug, an die Demonstrationen in Königs Wusterhausen, in Potsdam und Berlin, an die zahlreichen Kundgebungen und Veranstaltungen, zu deren Höhepunkten die Einweihung des Gedenksteins in Ziegenhals 2013 und der Aktionstag zum 70. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns 2014 gehören. Daher steht für den Freundeskreis fest, dass die Erinnerungsarbeit für und das Gedenken an Thälmann und den kommunistischen Widerstand fortgesetzt werden. Vor allem mit politischen Mitteln, mit den drei jährlich stattfindenden Kundgebungen in Ziegenhals und neuerdings mit der Ausstellung der Exponate und Museumsstücke der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Berlin-Neukölln. Dennoch wird weiter angefragt und ausgelotet, ob sich finanzstarke Partner finden lassen, mit denen in Ziegenhals eine neue Ernst-Thälmann-Gedenkstätte errichtet werden kann.

Des Weiteren sprach auf der Kundgebung am 8.2. Richard Corell als Vertreter dieser Zeitung und der Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ), der Vorsitzende der Geschichtskommission der Deutschen Kommunistische Partei (DKP), Anton Latzo – beide Reden werden in dieser Ausgabe dokumentiert. Zudem sprach Vera Dehle-Thälmann (Sprecherin der Lagerarbeitsgemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e. V. und Enkelin von Rosa und Ernst Thälmann) und Renate Weinbrecht, die zudem die „Erklärung der Lagergemeinschaften, Komitees und Interessenverbände ehemaliger Häftlinge zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager” verlasen. (Fussnote: Erklärung abrufbar unter: http://lg-ravensbrueck.vvn-bda.de) Außerdem berichtete eine Vertreterin der Oury Jalloh Initiative aus Dessau (Fussnote: https://initiativeouryjalloh.wordpress.com) über den Stand und die Schwierigkeiten der Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh. Sie rief zu Spenden auf, damit neue wissenschaftliche Gutachten erstellt werden können, um die juristische Aufarbeitung voran zu bringen.

Weitere Information auf der Internetseite des Freundeskreises: www.etg-ziegenhals.de

D.B.Phu