KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Achter Weltkongress von WAPE in Florianópolis

Unter dem Motto: „Ungleichheit und Weltkapitalismus: Analyse, Politik und Aktion“ hat vom 23. bis 26. Mai 2013 das achte Forum der World Association for Political Economy (WAPE) an der UFSC (Universidade Federal de Santa Catarina) in Florianópolis, Brasilien stattgefunden. 90 Politökonomen aus 18 Ländern nahmen mit ihren Beiträgen an dem Kongress teil. Kongresssprache war Englisch.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch die Rektorin der Universität Roselane Neckel und der Eröffnungsrede des Präsidenten der WAPE, Enfu Cheng, wurden die Professoren Theotonio dos Santos, Brasilien und Xinghua Wie, China für ihr Lebenswerk geehrt.

Zwei Tage lang wurde in den verschiedenen Foren vorgetragen und diskutiert. Im Zentrum der Erörterungen standen dabei, neben der ökonomischen und politischen Entwicklung in Lateinamerika, die krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus, die Entwicklung von Alternativen und die Entwicklung in den sozialistischen Ländern. Ergebnisse der Diskussionen fanden in einem Statement des WAPE-Forums 2013 ihren Niederschlag, die wir im Folgenden abdrucken.

Die WAPE wurde 2006 von „Marxianischen” Wissenschaftlern bzw. deren Gruppen aus allen Teilen der Welt gegründet. „Marxianisch” steht für „Marxisten und andere Marx-Studierende, die an der Kritik der Politischen Ökonomie interessiert sind“. Die Vereinigung hat in ihren Statuten (einzusehen auf www.wapeweb.org) ihre Zielsetzung erklärt: Mit modernen Methoden der Politischen Ökonomie in der Marx‘schen Tradition die Weltwirtschaft zu analysieren, deren Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen aufdecken und politische Möglichkeiten aufzeigen, die im nationalen und globalen Rahmen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt voranbringen. Dazu fördert die Vereinigung die internationale Zusammenarbeit in der Forschung vor allem durch das Abhalten ihres jährlichen Forums und die Veröffentlichung der interessantesten Beiträge in der vierteljährlich erscheinenden World Review of Political Economy (WRPE, englisch) und dem Journal of Economics of Shanghai School (JESS, chinesisch). Sitz der Vereinigung ist Hong Kong, geleitet wird sie von einem „Council“ (Rat), der von der Vollversammlung der Mitglieder gewählt wird. Gründungspräsident ist Enfu Cheng, Direktor der Akademie für Marxismus in der CASS (Chinese Academy of Social Sciences), Peking. Vizepräsidenten sind Jean-Claude Delauney aus Frankreich, Hiroshi Ohnishi aus Japan, David Kotz aus den USA, Alan Freeman aus London und Heinz Dieterich aus Mexico.

Inspiriert wurde die Gründung 2006 von Prof. Cheng. Die Bedeutung der Revitalisierung der marxistischen Theorieforschung war durch eine Rede von Hu Jintao auf einem Treffen des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas im Mai 2005 unterstrichen worden. In der Akademie der Gesellschaftswissenschaften wurde die Akademie für Marxismus eingerichtet. Ein universitäres Netzwerk von Instituten wurde etabliert, um die führende Rolle des Marxismus in China zu konsolidieren. Dazu kam 2006 das stärkere Interesse, die internationale Forschungszusammenarbeit unter marxistischen Wissenschaftlern zu fördern, auch um jüngeren Wirtschaftswissenschaftlern im Land mehr Gelegenheit zum Anschluss an die weltweite Auseinandersetzung mit den Rechtfertigungsideologien des Imperialismus – Neoliberalismus wie Keynesianismus – zu geben. So entstand WAPE. Ihr Fokus ist bewusst nicht eng gehalten, wie schon aus der Bezeichnung „Marxian“ – wie oben erläutert – hervorgeht. Auch bei der Wahl der Vizepräsidenten wurde auf ein breites Spektrum Wert gelegt. Ebenfalls sichtbar ist dieses breite Spektrum im Council, wo der ökolinke Österreicher Josef Baum ebenso vertreten ist wie der marxistisch-leninistische Gewerkschaftsführer David Matters vom ZK der KP Australiens. Beraten wird das Council von einem Advisory Board, dem u.a. Makoto Itoh und Erwin Marquit angehören. Regionale Strukturen von Ökonomen, die sich in der Tradition der von Karl Marx begründeten Kritik der Politischen Ökonomie sehen, wie die Union of Radical Political Economists, nahmen Kontakt auf. Die jährlichen Foren fanden bisher in Brasilien, Mexico, USA, China und Frankreich statt. Der deutsche Beitrag ist bisher bescheiden. Die bekanntesten Mitglieder aus Deutschland sind nicht an Universitäten in Deutschland tätig: Prof. Eike Kopf , langjähriger hochgeschätzter Mitarbeiter der Marx-Engels Gesamt-Ausgabe MEGA – früher in der DDR, heute in der VR China, und Heinz Dieterich, bekannt durch seine Ideen zum Sozialismus des 21. Jhdt. – vorgetragen an der Universität in Mexico. Corell und weitere Genossen aus dem Umkreis der KAZ hatten 2010 mit der WAPE Kontakt hergestellt im Zusammenhang mit der Arbeit an der KAZ-Artikelserie bzw. dem Buch „Die Große Proletarische Kulturrevolution – Chinas Kampf um den Sozialismus”.

Die Treffen und der Austausch mit den Freunden und Genossen der WAPE erwies sich als fruchtbar, auch weil hier die ideologischen Waffen des Marxismus-Leninismus geschärft werden in der Auseinandersetzung mit neo-marxistischen Tendenzen. Genossen aus sozialistischen Ländern, aus imperialistischen Ländern und aus unterdrückten Nationen lernen in der kritischen Auseinandersetzung voneinander.

Trotz des breiten Spektrums der Teilnehmer erarbeitete das Forum 2013 in Florianópolis ein beeindruckendes Statement gegen den „Washington Consensus“, das Glaubensbekenntnis des modernen Kapitalismus, den die Imperialisten gleichsetzen möchten mit Freiheit und Demokratie. Im Statement von Florianópolis, das wir unten in seiner Gesamtheit abdrucken, heißt es:

„Trotz der Aufrechterhaltung einer enormen Fähigkeit sich ungünstigen Bedingungen anzupassen, haben die existierenden Formen des Kapitalismus keine Möglichkeit zu einem nachhaltigen Ausgleich mit den sich gegenwärtig entwickelnden menschlichen Potentialen; sie sind darauf orientiert, diese ausschließlich als eine Grundlage für ein ungebremstes Streben des Kapitals, seinen Wert zu erhöhen, zu nutzen. Das ist es, was dazu führt, dass die Interessen der imperialistischen Staaten unter die Hegemonie des Finanzkapitals gezwungen werden.“

Der internationalistische Blick wurde in Florianópolis auch durch die Perspektive aus Lateinamerika geschärft. Die Krise in Europa wurde analysiert vor allem mit Sicht auf die Wirtschaftspolitik der unterdrückten Länder. Dort sind, je nach Stärke der Arbeiterbewegung, in den anti-imperialistischen nationalen Allianzen die Möglichkeiten gegen die Strategie der Imperialisten mit Sicht auf die Bündnispartner auszuloten.

Das neunte Forum der WAPE ist für den 23. bis 25. Mai 2014 in Hanoi, Vietnam geplant.

Stephan Müller, auf Basis eines Berichts von Ernst Herzog,
dem wir auch die Übersetzung des Statements von Florianópolis verdanken.