Editorial

Vor 70 Jahren: Wendepunkt des 2. Weltkriegs. Stalingrad von der Roten Armee befreit, Kapitulation der Nazi-Wehrmacht am 31. Januar bzw. am 2. Februar 1943. Noch zwei Jahre sollte es dauern, bis die Rote Armee unter der Führung von Generalissimus J.W. Stalin die faschistische Bestie in Berlin, im eigenen Nest, erdrosselte.

Statt blutige Rache zu nehmen, versorgte die Rote Armee die Hungernden, stellte sich die UdSSR gegen die von den USA und Großbritannien geplante Zerstückelung Deutschlands und versuchte noch im Potsdamer Abkommen die Unterdrückung von Militarismus und Nazismus in Deutschland festzuschreiben.

Gedankt wurde dies Stalin und der Sowjetunion nicht. Spätestens ab Churchills berüchtigter Fulton-Rede 1946 („Wir haben das falsche Schwein geschlachtet...“) wurde aus dem einstigen Verbündeten „Uncle Joe“ der Bösewicht des Jahrhunderts, vor dem dann Hitler und die Nazis direkt verblassten. Die Opfer der Sowjetunion für die Befreiung der Menschheit von der faschistischen Geißel wurden in Verbrechen Stalins umgelogen. Die Angst vor der Ausbreitung des Sozialismus ließ die Propagandamaschinerie in Washington auf Hochtouren laufen. Ein theoretisches Versatzstück aus den 1920er Jahren, die Totalitarismusdoktrin, wird aufpoliert und zum Einsatz gebracht.

Wir bringen Teil 2: von „Die Totalitarismus-Doktrin oder die reaktionäre Ideologie ,Links gleich rechts‘“. Er ist überschrieben mit „Revisionismus – Opportunismus – Reaktion“ und stellt von Kautsky ausgehend die Affinitäten der Revisionisten aus der Arbeiterbewegung mit den bürgerlichen Antikommunisten und „Totalitaristen“ dar.

Angesichts der Anstrengungen der Gallionsfiguren des deutschen Imperialismus, Merkel, Westerwelle und de Maizière, den unerklärten Krieg gegen Syrien anzuheizen, um bei der Neuaufteilung der Märkte, Rohstoffe und Einflusssphären unter die imperialistischen Großmächte und unter die Monopole nicht zu kurz zu kommen, haben wir einen Artikel von W.P. Engdahl übersetzt: Syrien, die Türkei und der Energiekrieg im erweiterten Mittleren Osten. Er erhellt – trotz einiger Schwächen – die Auseinandersetzungen vor allem um die Gasvorkommen in der Region. Damit wird das vorgestellte „humanitäre“ Gesäusele auf seinen realen Kern gebracht: Profit!

Zu dem gemeinsam mit der KAZ-Fraktion „Dialektik in Organisationsfragen“ veröffentlichten Teil dieser Ausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung weisen wir besonders auf folgende Beiträge hin: „Neues von der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) – Eine von vier Abteilungen ist komplett“ von Prof. Eike Kopf. Er zeigt nicht nur das Erscheinen des Teil-Bandes II/4.3 an, der die Abteilung II „,Das Kapital’ und Vorarbeiten“ abschließt, sondern gibt auch einen gelungenen Einblick in die Mühsalen der Herausgabe dieses epochemachenden Hauptwerks von Karl Marx.

Anlässlich des 95. Geburtstags von Kurt Gossweiler veröffentlichen wir ein Interview, das Heinz Gerhardt mit ihm geführt hat. Es zeigt den großartigen Wissenschaftler von einer anderen, für viele noch unbekannten Seite, von der Seite des kommunistischen Jungendlichen im Widerstand gegen das Naziregime, von seinem Übertritt zur Roten Armee und seiner keineswegs freundlichen Aufnahme, von den Machenschaften als Antifaschisten getarnter Reaktionäre usw.

Jura Soyfer wäre am 8. Dezember 2012 100 Jahre alt geworden. Die Nazis ließen ihn mit 26 Jahren im KZ Buchenwald elend krepieren. Wir erinnern an den jugendlichen Dichter und Kämpfer auch als Ansporn, ihn zu ehren, indem wir ihn benutzen.

KAZ-Fraktion „Ausrichtung Kommunismus“


Kann es einen dritten Weltkrieg geben? Diese Frage stellt sich wohl jedem, der ernsthaft über den Konflikt um Syrien nachdenkt, dem die Stationierung der Patriot-Raketen an der syrisch-türkischen Grenze unter massiver Beteiligung der Bundeswehr den Schlaf raubt.

Geht es hier nur um die Gasvorkommen in der Region? Nein – das wäre ja noch harmlos und würde nicht unbedingt die Weltkriegsgefahr verschärfen. Wie es sich tatsächlich verhält, wurde in der KAZ Nr. 301 vor zehn Jahren so dargestellt:

Von den – auch in der linken Presse verbreiteten – geostrategischen Sandkastenspielen vor allem um das Öl im und um das Kaspische Meer, sind wir also auf die zwischenimperialistischen Widersprüche gelangt, auf den Kampf um die Beute aus der Neuverteilung der Welt nach 1989, auf den Kampf, der in Europa und zwischen Europa unter deutschem Hegemonieanspruch und den USA ausgefochten wird (…). Dabei haben wir die Tätigkeit der Monopole ins Zentrum gerückt, die ausschlaggebend ist für die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in den imperialistischen Ländern und für den Zwang zur Neuaufteilung von Märkten, Rohstoffquellen, Kapitalanlage- und Einflusssphären. Dieser Zwang ist der tiefere Grund für die zunehmende Gewalt in den internationalen Beziehungen und für den Repressionskurs im Inneren der imperialistischen Ländern.“ (Corell)

Der Kampf zwischen den imperialistischen Mächten in Europa hat sich seitdem gewaltig verschärft, ein Kampf, in dem der deutsche Imperialismus immer unverhohlener seine hegemonialen Machtansprüche durchsetzt bzw. durchzusetzen versucht. Gleichzeitig hat die Verschärfung der ökonomischen Krise auch die Widersprüche zwischen den deutschen Monopolisten vergrößert im Kampf um einen Ausweg, den es gar nicht gibt – es sei denn über Faschismus und Krieg. Und ebenso sind die Widersprüche des deutschen zum US-Imperialismus nicht kleiner geworden.

Der Hauptfeind steht im eigenen Land – der deutsche Imperialismus. Egal ob er bei der militärischen Variante des Kampfes um Einfluss- und Kapitalanlagesphären, Absatzmärkte und Rohstoffe nicht mitmacht oder mitmacht, egal, ob er als „ehrlicher Makler“ oder als Sheriff mit deutschem Soldatenstiefel in aller Welt auftritt – wir müssen dagegen sein!

Und das heißt: wir müsse uns Luft zum Kämpfen verschaffen. Darum geht es auch in dem Referat über sozialdemokratischen Burgfrieden und faschistische „Volksgemeinschaft“, gehalten auf der IV.Konferenz „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ Zwei Arbeiterkorrespondenzen zeigen im Konkreten, welche Steine auf unserem Weg liegen, die wir in beharrlicher Arbeit beiseite räumen müssen.

KAZ-Fraktion „Für Dialektik in Organisationsfragen“